Motorola Moto G6 im Test: Für 249 Euro eines der besten Smartphones 2/3

Nicolas La Rocco 210 Kommentare

Dual-Kamera für die Mittelklasse

Durch den Wechsel auf eine Dual-Kamera erhält das Moto G6 ein Feature, das bisher dem Moto G5S Plus vorbehalten war – ein Smartphone, das zur Markteinführung 299 Euro und somit 50 Euro mehr als das Moto G6 gekostet hat. Im Moto G6 ist für die Hauptkamera ein 12-Megapixel-Sensor verbaut, der mit einer f/1.8-Linse arbeitet. Die zweite Kamera verfügt über 5 Megapixel und berechnet via Parallaxe beider Objektive den Vorder- und Hintergrund eines Motivs. So lässt sich ein selektiver Fokus setzen, der den Hintergrund oder auf Wunsch den Vordergrund unscharf stellt.

In Motorolas neuer Bildbearbeitungs-App ergeben sich daraus aber noch mehr Möglichkeiten an Spielereien. Das Smartphone bietet auch einen selektiven Schwarz-Weiß-Modus, der nur dem Bereich im Vorder- oder Hintergrund die Farbe nimmt. Dieser Effekt lässt sich zudem auf das Beibehalten einer einzigen Farbe reduzieren, sodass zum Beispiel nur Rot erhalten bleibt, während das restliche Foto schwarz-weiß erscheint.

Diese Effekte sind immer dann abrufbar, wenn die Aufnahme über den Porträtmodus der Kamera-App angefertigt wurde. Sobald dann in der Galerie zur Bearbeitung gewechselt wird, stehen die Effekte zur Auswahl. Bei normalen Fotos ist dies nicht der Fall. Wer Objekte im Vordergrund farbig belassen möchte, sollte darauf achten, dass klare Linien das Objekt vom Hintergrund trennen. Bei Haaren oder anderen filigranen Objekten werden die Ebenen nicht ganz sauber voneinander getrennt. Das ist schon bei der bloßen Anwendung des normalen Bokeh-Effekts sichtbar. Wird dieser zu intensiv in der Kamera-App gewählt, bezieht der Modus den Vordergrund mit ein.

Motorola Moto G6 im Test – Kamera

Und natürlich spielt auch bei Motorola dieses Jahr das Thema Künstliche Intelligenz (KI/AI) eine Rolle. Die Kamera lässt sich auf Sehenswürdigkeiten und andere Objekte ausrichten, woraufhin die Kamera-App Informationen dazu anzeigt. Letztere besitzt zudem einen Textscanner, mit dessen Hilfe sich ausgedruckte Texte digitalisieren lassen. Das funktioniert von der Erkennung her sehr gut, allerdings wird die Formatierung nicht übernommen. Handschriftliche Notizen werden hingegen nicht erkannt und landen als Buchstabenwirrwarr auf dem Smartphone.

Entsperren per Gesichtsscanner

Für die Frontkamera mit 8 Megapixel gibt es einen Bildverschönerungsmodus, der die Haut durch einen Weichzeichner glättet und Unreinheiten entfernt. Außerdem ist ein LED-Blitz verbaut, der bei schlechten Lichtbedingungen helfen soll. Bei der Nutzung des Gesichtsscanners zum Entsperren des Smartphones über die Frontkamera lässt sich der LED-Blitz nicht aktivieren. In einem dunklen Zimmer lässt sich der Gesichtsscanner deshalb nicht verwenden, es muss stets zumindest eine geringe Beleuchtung vorhanden sein.

Spezifikationen im Vergleich

Das Moto G6 nutzt wie alle neuen Smartphones der G6-Serie eine Snapdragon-Mobile-Plattform von Qualcomm. Hier ist es der Snapdragon 450, beim Moto G6 Play der etwas schwächere Snapdragon 430 und beim Moto G6 Plus der stärkere Snapdragon 630. Im letzten Jahr war noch das normale Moto G5 mit dem Snapdragon 430 ausgestattet, ein Moto G5 Play gab es nicht. Weitere Unterschiede innerhalb der aktuellen Serie sind der Arbeitsspeicher, der nur beim Moto G6 Plus 4 GB groß ist, und der Speicher für den Anwender, der ebenfalls nur beim Moto G6 Plus bei 64 GB liegt. Erst ab dem normalen Moto G6 gibt es zudem WLAN über 5 GHz sowie durchschnittlich schnelles LTE.

Motorola Moto G6 Play
Motorola Moto G6
Motorola Moto G6 Plus
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.0
Display: 5,70 Zoll
720 × 1.440, 282 ppi
IPS
5,70 Zoll
1.080 × 2.160, 424 ppi
IPS
5,90 Zoll
1.080 × 2.160, 409 ppi
IPS
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 430
8 × Cortex-A53, 1,40 GHz
28 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 450
8 × Cortex-A53, 1,80 GHz
14 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 630
4 × Cortex-A53, 2,20 GHz
4 × Cortex-A53, 1,80 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 505
450 MHz
Adreno 506
600 MHz
Adreno 508
700 MHz
RAM: 3.072 MB
LPDDR3
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 32 GB (+microSD) 64 GB (+microSD)
Kamera: 13,0 MP, 1080p
LED, f/2,0, AF
12,0 MP, 1080p
LED, f/1,8, AF
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF
Sekundär-Kamera: Nein 5,0 MP, f/1,8, AF 5,0 MP, f/1,7, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p 8,0 MP, 1080p
LED
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Ja
↓150 ↑75 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 b/g/n
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 4.2 LE 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: Micro-USB 2.0, NFC USB 2.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.000 mAh
fest verbaut
3.000 mAh
fest verbaut
3.200 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 72,2 × 154,4 × 9,00 mm 72,3 × 153,8 × 8,30 mm 75,5 × 160,0 × 8,00 mm
Schutzart:
Gewicht: 175 g 167 g
Preis: 199 € ab 229 € 299 €

Schnelles sauberes Android

Das im Moto G6 verbaute SoC zählt zur Mittelklasse von Qualcomm und liefert entsprechende Messwerte in den synthetischen Benchmarks. Von den vergleichsweise niedrigen Messwerten sollten sich potenzielle Käufer aber nicht abschrecken lassen, denn das Smartphone ist für die meisten Alltagssituationen ausreichend schnell. Häufig genutzte Apps wie Chrome, WhatsApp, Gmail, Facebook oder Instagram verhalten sich folglich von der Bedienung her kaum anders als auf einem Smartphone mit leistungsstärkerem SoC.

Dass das vergleichsweise schwache SoC auf dem Moto G6 so geschickt kaschiert wird, liegt am gut abgestimmten Betriebssystem, das auf einen schweren UI-Aufsatz durch Motorola verzichtet und stattdessen zu 99 Prozent unverändertes Stock-Android bietet. Auf dem Moto G6 ist Android 8.0 Oreo (Test) mit der nicht mehr ganz aktuellen Sicherheits-Patch-Ebene März 2018 installiert. Laut Lenovo sind für die gesamte Moto-G6-Serie ein Android-Update auf die nächste Haupversion sowie Sicherheitspatches circa alle 60 bis 90 Tage geplant.

Stock Android 8.0 Oreo auf dem Moto G6
Stock Android 8.0 Oreo auf dem Moto G6

Dennoch muss man Motorola zugutehalten, dass das Android-Erlebnis auf dem Moto G6 und seinen anderen Smartphones mit zum besten auf dem Markt zählt. Das Unternehmen hat erkannt, dass die teure Entwicklung einer eigenen Bedienoberfläche Ressourcenverschwendung ist und das Geld besser in die Entwicklung von Hardware investiert werden sollte – oder um den Gerätepreis zu drücken.

Bei all dem Lob muss allerdings auch gesagt werden, dass es durchaus Situationen gibt, in denen das Smartphone Denkpausen einlegt und sich das schwache SoC zeigt. Gelegentlich dauert das Öffnen einer App mehrere Sekunden, kurz darauf klappt es aber wieder ganz normal. In Google Play Music wechselt das Smartphone vergleichsweise langsam zwischen der Albumansicht und der Musikbibliothek. Und wenn Apps im Hintergrund aktualisiert werden, dann lässt sich alles ein wenig hakelig bedienen.

Das dürfte am vergleichsweise langsamen Speicher des Smartphones liegen, der noch auf eMMC und nicht dem schnelleren Universal Flash Storage (UFS) basiert. Sequentielle Lese- und Schreibraten von 244 MB/s und 136 MB/s sprechen eine klare Sprache. Beim wahlfreien Schreiben auf den Speicher schneidet das Moto G6 aber gut ab. Das gilt auch zumindest für das Lesen von Speicherkarten, wo rund 65 MB/s erreicht werden. Die Schreibrate ist mit knapp 44 MB/s hingegen unterdurchschnittlich.

Echtes Dual-SIM

Für Nutzer einer Speicherkarte nicht irrelevant: Zum einen lässt sie sich für die Nutzung in Verbindung mit dem internen Speicher oder als eigenständiger Speicher formatieren, zum anderen geht bei der Nutzung einer Speicherkarte nicht die Dual-SIM-Funktion verloren. Der Kartenschacht des Moto G6 bietet zwei Fächer für Nano-SIM-Karten und ein drittes für microSD-Karten mit bis zu 128 GB Kapazität.

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