Xiaomi Mi Mix 2S im Test: In 3. Generation fast kompromisslos gut 3/4

Mahir Kulalic 156 Kommentare

Die erste Dual-Kamera der Mi-Mix-Reihe überzeugt

Mit dem Mi Mix 2S steht erstmals die Kamera im Blickpunkt der Serie. Xiaomi setzt auf eine Dual-Kamera auf der Rückseite, die für diese Modellreihe eine Premiere ist. Die Hauptkamera verfügt über einen Sony-IMX363-Sensor mit einer Offenblende von f/1.8. Die Kamera ist optisch stabilisiert, die Kantenlänge der Pixel ist mit 1,4 μm auf dem Niveau anderer Topmodelle. Die zweite Kamera ist ein Teleobjektiv und ermöglicht einen zweifachen Zoom. Hierfür setzt Xiaomi auf den Sensor S5K3M3 von Samsung, die Offenblende beträgt f/2.4, die Kantenlänge der Pixel ist mit 1 μm relativ gering. Videoaufnahmen nimmt das Mi Mix 2S mit der MIUI-Kamera-App maximal in UHD bei 30 Bildern pro Sekunde auf. 60 Bilder pro Sekunde fehlen als Option, obwohl der Snapdragon 845 genug Leistung dafür bietet. Auch eine Superzeitlupe mit 960 FPS wie beim Sony Xperia XZ2 Compact, Samsung Galaxy S9(+) (Test) oder Huawei P20 Pro (Test) fehlt. Maximal gibt es Full HD mit 240 FPS.

Ein Dual-Pixel-Autofokus soll wie schon im Google Pixel 2 (XL) (Test) oder Galaxy S9(+) für schnelles Scharfstellen sorgen. Laut Xiaomi gibt es zudem eine Multi-Frame-Rauschunterdrückung auf Hardware-Ebene, was aller Wahrscheinlichkeit nach Bezug auf den Image-Signal-Processor (ISP) des Snapdragon 845 nimmt. Hiervon macht Sony im Xperia XZ2 Compact ebenfalls Gebrauch, sodass vor allem Fotos in Dunkelheit weniger Rauschen aufweisen.

Xiaomi Mi Mix 2S
Xiaomi Mi Mix 2S

Satte Farben am Tag

Bei Tageslicht überzeugen die Fotos des Mi Mix 2S vor allem mit Schärfe, die bis in den Randbereich geht, sowie mit einer lebendigen Darstellung und hoher Dynamik. Die Bilder sind auch in der 100-Prozent-Ansicht scharf und geben sehr viele Details her, wenngleich selbst bei Tageslicht dunklere Bildbereiche teilweise Rauschen aufweisen. Dieses zerstört den Gesamteindruck nicht, sticht aber bei der Betrachtung im Detail ins Auge. In der Totalen fällt dies allerdings weniger auf.

Die Farbdarstellung ist lebendig und knackig und je nach Geschmack vielleicht an der Grenze zu übersättigt. Die Bilder wirken tendenziell wärmer. Kontraste nimmt das Mi Mix 2S gekonnt auf, die Aufnahmen überzeugen durch Klarheit und saubere Übergänge, auch bei ähnlichen Farben wie etwa bei Bäumen. Der Dynamikumfang der Fotos ist hoch, was zu dem lebendigen Eindruck beiträgt. Dabei schafft es Xiaomi beispielsweise gut, dunklere Bereiche wie Schatten nicht zu sehr aufzuhellen, wodurch Details erhalten bleiben, ohne dass die Dynamik leidet. Gelegentlich sind die Schatten aber zu dunkel. Auch im direkten Gegenlicht erhält das Smartphone die Balance bei Farben und Kontrasten. Insgesamt wirkt die Komposition stimmig und ausgewogen. Insbesondere die Klarheit bei Farben und Kontrasten sowie die Schärfe sprechen für die hohe Qualität des Mi Mix 2S bei Tageslicht.

Xiaomi Mi Mix 2S im Test – Kamera

Die zweite Kamera des Mi Mix 2S ist als Teleobjektiv ausgeführt und bietet einen zweifachen Zoom, der ohne merklichen Qualitätsverlust arbeiten soll. Im Alltag gelingt dies bei genügend Licht zufriedenstellend: Die Bilder mit zweifacher Vergrößerung sind scharf und kontrastreich, in Sachen Details können sie aber nicht ganz mit den Zoom-Aufnahmen vom Samsung Galaxy S9+ oder Huawei P20 Pro mithalten. Negativ aufgefallen ist vielmehr, dass der Wechsel zwischen den beiden Objektiven nicht flüssig gelingt. Die Anzeige im Sucher stottert und ist nicht ganz so zügig wie bei den genannten Konkurrenten.

Auch bei Nacht stark

Bei Nacht überzeugt die Qualität der Kamera ebenfalls, sofern eine Bedingung erfüllt ist, die auch für andere Smartphones gilt: genügend Lichtquellen. Die Fotos sind dann bei Nacht sehr scharf, Farben werden bei ausreichend Beleuchtung satt aufgenommen. Die Kontraste passen auch bei Nacht vergleichsweise gut, wenngleich die Vielzahl an dunklen Flecken in der 100-Prozent-Ansicht zu gelegentlich verwaschenen Übergängen führt. Das Rauschen auf den Fotos hält sich vergleichsweise gut zurück, sofern helle Lichtquellen nicht zu weit entfernt sind. Überwiegt hingegen die Dunkelheit, wie auf den Fotos 12 und 13 in der Bildergalerie, verrauschen die dunklen Bildbereiche sehr auffällig. In ausgeglicheneren oder gar gut ausgeleuchteten Szenen wie bei Aufnahme 1 oder 2 fällt das Rauschen in der 100-Prozent-Ansicht auf, stört aber das Gesamtergebnis nicht. Wie der Test zum Galaxy S9+ gezeigt hat, bedeutet wenig Rauschen nicht automatisch das beste Foto. Probleme hat das Mi Mix 2S bei Nacht mit sehr hellen Leuchtquellen im Bild, wie etwa die Leuchttafel auf Bild 1 oder 11, vereinzelt aber auch mit Laternen oder Neonreklame.

Das Mi Mix 2S schafft es, ein insgesamt sehr ausgewogenes Bild in der Nacht zu liefern. Sofern genug umgebendes Licht vorhanden ist, werden Farben kräftig und sauber eingefangen. Die Bilder wirken trotz des Rauschens klar und detailreich, wenngleich ganz feine Details wie Fugen verschluckt werden. Vor allem die Bilder 1 und 7 zeigen eindrucksvoll, was das Mi Mix 2S abrufen kann, wenn das Licht mitspielt. Zwar schaffen es andere Smartphones, beispielsweise weniger zu rauschen oder weniger Artefakte abzubilden, doch alle benötigen eine gewisse Menge an Lichtquellen für ansehnliche Fotos, sodass sich das Mi Mix 2S grundsätzlich nicht verstecken braucht.

Xiaomi Mi Mix 2S im Test – Kamera bei Nacht

Wie das Galaxy S9+ oder das Pixel 2 XL neigt das Mi Mix 2S zu Linsenreflexionen, sodass beispielsweise Laternen auf dem Foto gespiegelt sind und den Eindruck stören. Dies lässt sich vereinzelt durch eine abgeänderte Ausrichtung der Kamera unterbinden, immer zu vermeiden ist es aber nicht. Auch der Autofokus sollte bei Aufnahmen mit viel Gegenlicht, etwa bei HDR, aber insbesondere bei Nacht selbst justiert werden. Komplett der Automatik überlassen, werden manche Bereiche überbelichtet. Mit einem versetzten Fokus auf den anderen Bereich kann dem entgegengewirkt werden. Gerade bei Lichtquellen in der Nacht ist dies nötig, damit das Foto ansehnlich und weniger verrauscht wird – als Beispiel hierfür dient die Gegenüberstellung der Fotos 15 und 16.

Unkonstante AI

Bei Xiaomi darf dieser Tage natürlich der Begriff „AI“ nicht fehlen. Wie beispielsweise das Huawei P20 Pro spendiert Xiaomi dem Mi Mix 2S einen Modus, der auf Basis von künstlicher Intelligenz Szenen und Objekte erkennen soll, um entsprechende Parameter für bessere Fotos automatisch anzupassen. Wie bei Huawei sorgt die AI oft dafür, dass sattere Farben zum Einsatz kommen, was die Bilder aber teilweise unnatürlich wirken lässt. So extrem ausgeprägt wie beim P20 Pro ist dies aber nicht. Erkannt werden auch ein bewölkter Himmel, Nachtaufnahmen oder HDR – letzteres schaltet der Modus nämlich zunächst aus. Wird HDR im AI-Modus nicht genutzt, bleibt es jedoch auch danach ausgeschaltet und muss immer manuell wieder eingeschaltet werden. Die AI arbeitet zudem nicht immer treffsicher, so sehen verschiedene Aufnahmen mit der AI teilweise unterschiedlich und unregelmäßig belichtet aus (siehe Bilder 3 bis 5 bei Tageslicht). Die Nutzung des Automatikmodus empfiehlt sich zum aktuellen Stand nur bei Nacht, wenn auch nicht exklusiv. Durch hellere Bildpartien holt das Smarpthone so aber zum Teil noch etwas mehr Details aus den Bildern.

Ohne Klinkenanschluss, mit Qi

In die Liste der Smartphone-Hersteller, die auf den 3,5-mm-Klinkenanschluss verzichten, fügt sich auch Xiaomi ein. Das Mi Mix 2S setzt für Daten und Audio auf USB Typ C, ein Adapter von Typ C auf Klinke liegt dem Lieferumfang bei. Trotz des vergleichsweise hohen Preises und der Positionierung überträgt der Anschluss Daten aber nur nach USB-2.0-Standard. Für Strom kann hingegen auch auf Qi zurückgegriffen werden. Das Mi Mix 2S ist Xiaomis erstes Smartphone mit Unterstützung für drahtloses Laden. Eine Speichererweiterung per microSD-Karte ist nicht möglich.

Für Funkverbindungen stehen Bluetooth 5.0 mit apt-X-(HD-)Unterstützung, WLAN-ac mit 2×2-MIMO und Wi-Fi Direct bereit. Zur Standortbestimmung gibt es zudem die komplette Palette mit A-GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo. Darüber hinaus bietet das Mi Mix 2S Dual-SIM für zwei Nano-SIM-Karten inklusive VoLTE. Apropos LTE: Anders als viele vergangene Modelle unterstützt das Topmodell alle für Deutschland relevanten LTE-Bänder, also die Bänder 3, 7, 8 und 20. Angeboten wird es in zwei Versionen, die Standardfassung verfügt über weniger internationale Bänder. Die deutschen Frequenzen decken aber beide Variante gleichermaßen ab.

Xiaomi Mi Mix 2S
Xiaomi Mi Mix 2S

Der Akku des Mi Mix 2S bietet eine Nennladung von 3.400 mAh. Dies ist für ein Smartphone in dieser Leistungsklasse und mit dieser Display-Diagonale etablierter Durchschnitt. Im Alltag kommt das Mi Mix 2S problemlos über den Tag, auch bei der Nutzung von mehreren Messengern, E-Mail-Konten, Telefonie und Internet. In den Laufzeitmessungen kommt das Mi Mix 2S auf ähnliche Werte: durchschnittlich, ohne besonders positiv hervorzustechen. Im YouTube-Test stehen fast neun Stunden auf der Uhr, im PCMark sind es rund 60 Minuten weniger. Damit muss sich das Mi Mix 2S unter anderem dem Galaxy S9+, dem Pixel 2 XL oder auch dem P20 Pro um rund vier Stunden geschlagen geben. Auffällig: Alle genannten Modelle haben ein OLED-Display, das 2S hingegen ein IPS-Panel.

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