Razer Huntsman Elite im Test: Infrarot-Taster und Unterboden-LEDs für 210 Euro 2/2

Max Doll 121 Kommentare

Zwischen Luxus und Durchschnitt

Im Vergleich mit einer BlackWidow des Modelljahrgangs 2014 offenbart sich aber noch ein ganz anderer Vorteil des alten Produktes: die Lautstärke. Da Razer absichtlich klickende Taster nun mit einer offenen Kulisse kombiniert, entsteht ein hell klackernder, gut hörbarer Klangteppich.

Razer Huntsman Elite (Razer Purple)

Das fällt ebenso ins Gewicht wie ein bei forcierter Schreibweise hörbarer, aber noch dezenter Nachhall der Federn. Beides lässt ein geschlossenes Gehäuse, dickere Tastenkappen oder andere Maßnahmen zur Geräuschreduzierung wünschen. Bei einer der teuersten Tastaturen am Markt darf dies kein frommer Wunsch des Nutzers sein.

Die Ergonomie gefällt

Zur ansonsten erheblichen Nutzungsfreude trägt die große Handballenauflage mit gerader Form bei, die Auswirkungen des hohen Gehäuses entgegenwirkt. Bei warmem Wetter wird das Kunstleder jedoch zum Nachteil. Mit der Huntsman zu arbeiten, macht auch deshalb Spaß, weil Razer den Blick auf Kleinigkeiten gerichtet hat. Dank der Verwendung starker Magnete kann die Tastatur etwa an der Handballenauflage verschoben werden. Das zahlt sich wie auch die Entscheidung für Mikroschalter unter den Medientasten aus: Sie sind zwar nicht Infrarot-mechanisch und taktil, aber von deutlich anderer Charakterisitik als die übrigen Signalgeber. Ein derart klarer Bruch gestaltet die Nutzung im Alltag angenehmer als der stets scheiternde Versuch, Tastenmechanik zu simulieren.

Beim Blick auf die Tastatur erfreut zudem die Beleuchtung. Die Unterbodenbeleuchtung ist nur eine nette Spielerei, die gute Ausleuchtung aber lobend zu erwähnen. Razer Purple platzieren die LED allerdings oberhalb des Stempels und verzichten auf ein transparentes Gehäuse. Weil dadurch nur die Hälfte der Taste ausgeleuchtet wird, findet sich die Beschriftung konsequent in diesem Bereich, Doppelfunktionen werden aufgedruckt.

Nörgeln über Kleines und Großes

Derart zufriedenstellend gelöst wurde nicht jeder Bereich der Tastatur. Dass die Medientasten nicht beleuchtet, sondern nur umleuchtet werden, will nicht ganz eingängig erscheinen; die Beschriftung ist zudem, anders noch als bei den BlackWidow-Tastaturen, wie die der Status-LEDs zu dunkel, um sie gut und bei schlechten Lichtverhältnissen erkennen zu können. Bei Stille ist die Huntsman nicht frei von leichtem Summen, wenngleich sich das Geräusch meist auf vertretbarem Niveau bewegt und nur vereinzelt, bei blauer Beleuchtung etwa, hörbar sein kann. Der Begriff „vertretbar“ sollte aber nicht Bestandteil des Vokabulars sein, das ein teures Luxusprodukt beschreiben muss. Mit Blick auf den Preis muss auch das Scrollrad aus Kunststoff ein Fehlschlag genannt werden. Es fühlt sich keineswegs so hochwertig an wie das feiner laufende Metallmodell der Corsair-K-Serie und schleift.

Ein echter Lichtblick ist da die Software, die weder bei der Nutzerführung noch bei Features zu wünschen übrig lässt – sofern der Zwang zu einem Razer-Nutzerkonto nicht weiter stört. Dem Unternehmen gelingt es hervorragend, viele Optionen übersichtlich unterzubringen, ohne mit Komplexität zu erschlagen. Die Chroma-Unterstützung für Spiele fällt, wie der Blick in den Chroma-Workshop zeigt, aber noch immer mager aus. Ändern wird sich daran nichts, solange jeder Hersteller eine eigene API einsetzt.

Fazit

Die Huntsman Elite legt den Schwerpunkt auf Taster, Ergonomie und Beleuchtung. In diesen Punkten kann sich die Tastatur dann auch positiv aus der Masse hervorheben. Die umlaufende Unterbodenbeleuchtung setzt parallel ästhetische Akzente. Razer hätte die Corsair K70 MK.2 (Test) klar ausgestochen, wären da nicht noch Defizite zu erwähnen.

Denn bevor ein Produkt mit Lifestyle-Features um die Ecke kommt, sollte der Rest in Ordnung gehalten sein. Dass das nur weitgehend, aber nicht in jedem Punkt der Fall ist, will nicht eingängig erscheinen. Nicht immer geräuschfreie LEDs, die Anmutung des Scrollrades und die helle Klangkulisse vermitteln keineswegs den Eindruck, das Äquivalent eines Bentleys oder Maybachs auf dem Schreibtisch stehen zu haben, sondern eher einen Golf. Im Allgemeinen „gut genug“ zu sein, geht in dieser Preisklasse aber nicht mehr.

Razer Huntsman Elite im Test

So bleibt nur ernüchtert festzuhalten, dass die Huntsman Elite für 210 Euro weit mehr Geld verlangt, als Gegenwert geliefert werden kann. Der entsteht erst dann, wenn die Chroma-Integration oder die Abstimmung der Purple-Taster die Kaufentscheidung dominant beeinflusst und jeden Gedanken an den Preis übertönt. Im Allgemeinen erscheint die verlangte Summe deutlich zu hoch gegriffen. Die Cooler Master MasterKeys Pro oder die Logitech G810 (Test) mit Zubehör-Handballenauflage und die erste Generation der Corsair K70 bieten ähnliche Features und sind für den Normalnutzer ebenso ausreichend wie Cherrys einfarbig beleuchtetes MX Board 5.0 (Test) und MX-Board 6.0 (Test), die ebenfalls einen langen Blick wert sind. Eine Hilfestellung zu weiteren Alternativen gibt die ComputerBase-Kaufberatung für Tastaturen.

Razer Huntsman Elite
Produktgruppe Tastaturen, 16.07.2018
  • Gehäuse
    +
  • Tasten & Beschriftung
    +
  • Layout
    +
  • Ausstattung & Extras
  • Software
    ++
  • Bequeme Handballenauflage
  • Sinnvolles Layout
  • Funktionsstarke und durchdachte Software
  • Gelungene Abstimmung der Taster
  • Erste Tastenreihe nicht im Standard-Layout
  • Software setzt Online-Konto voraus
  • LEDs summen
  • Scrollrad schleift

ComputerBase hat die Razer Huntsman Elite leihweise von Razer zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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