Ultra-Broadband Forum: Die einen reden über FTTH, die anderen machen FTTH

Nicolas La Rocco 144 Kommentare
Ultra-Broadband Forum: Die einen reden über FTTH, die anderen machen FTTH

Zum Ultra-Broadband Forum kommen europäische und asiatische ISPs und der Netzausrüster Huawei zusammen. Zahlreiche Keynotes, Summits und Roundtables später bleibt vor allem eines hängen: Die Europäer reden viel über FTTH und setzen davon ein bisschen in die Tat um, während die Asiaten nichts anderes mehr machen.

Zum UBBF in Genf sind europäische Branchenriesen wie Swisscom, Telefónica, Vodafone oder auch Orange vor Ort, um über den aktuellen sowie zukünftigen Stand des Festnetz-Internets zu sprechen. Die Anforderungen an die Netze unter Berücksichtigung des stetig steigenden Bedarfs an Bandbreite bei Privatkunden und Unternehmen ist häufig ein wichtiges Thema, vor allem aufgrund des wachsenden Medienkonsums.

Dabei nimmt das Verlegen von Glasfaser durchaus auch bei den Europäern eine wichtige Rolle als Backbone des Netzes ein. Was beim Kunden davon ankommt, ist primär der auch in Deutschland bekannte Technologie-Mix aus xDSL, Kabel, Mobilfunk und ein bisschen FTTH (Fibre to the Home). Dass das Kupfer noch nicht ausgedient hat, betonen Anbieter wie die Deutsche Telekom und zum UBBF auch Swisscom mit Angeboten wie VDSL2 oder G.fast. Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s für Down- und Uplink sind damit dank Vectoring realisierbar. Abseits von FTTH endet die Glasfaser von Swisscom für G.fast in Wartungsschächten der Straße (FTTS – Fibre to the Street) oder spätestens im Mehrparteienhaus mit mindestens zwölf Wohneinheiten (FTTB – Fibre to the Building). FTTB werde für Häuser mit weniger als zwölf Parteien nicht angeboten, erklärte das Unternehmen im Rahmen der Besichtigung eines Wartungsschachtes G.fast mit Hardware von Huawei.

TDC schließt DOCSIS-3.1-Umstellung ab

Vergleichsweise progressiv gehen zudem Anbieter wie TDC aus Dänemark vor. Die größte Telefongesellschaft Dänemarks bietet ebenfalls einen Technologie-Mix an, legte den Fokus zuletzt aber auf den Ausbau des Kabelnetzes. Noch im September sollen 95 Prozent dieses Netzes auf DOCSIS 3.1 für Gigabit-Geschwindigkeit aufgerüstet werden, 100 Prozent sind bis Ende des Jahres geplant. Zum Vergleich: Vodafone hat seit April ein Pilotprojekt für DOCSIS 3.1 in Landshut laufen. Bis Ende 2021 soll DOCSIS 3.1 im gesamten Netz von Vodafone und Unitymedia zum Einsatz kommen. Für das Netz von TDC verantwortlich ist Michael Fränkle, SVP und Head of Network, der zuvor als CTO beim lokalen Anbieter M-net in München aktiv war. Bei FTTH würden dänische Kunden zudem Investitionsbereitschaft zeigen, erklärte Fränkle, da dies als Wertsteigerung des Hauses gesehen werde. Wer für Neubauten Wasserrohre verlegt, verlege demnach parallel Glasfaser. Das wiederum erleichtert die Anbindung an das Netz von TDC.

TDC über den Ausbau von DOCSIS 3.1 (unten rechts)
TDC über den Ausbau von DOCSIS 3.1 (unten rechts)

Im großen Stil Glasfaser vorantreiben

Blickt man dann allerdings in Richtung Asien, ist häufig einzig und allein von FTTH die Rede. Mike Zhao, ehemaliger CEO von China Telecom in Sichuan, erzählte in Genf, wie er zu seiner noch aktiven Zeit für 19.000 Mitarbeiter und den Ausbau eines vollständigen FTTH-Netzwerks in der gesamten Provinz Sichuan verantwortlich war. Er geht das Thema Kosten für den Ausbau vergleichsweise locker an und empfiehlt Internet Service Providern, möglichst viel Glas auf einmal zu verlegen. Die Investitionskosten werde man über das deutlich leistungsfähigere Netz schon wieder zurückbekommen. Zhao rät zudem gleich zum Einsatz von 24-Core- oder 72-Core-Glasfaserkabeln, die nur 26 respektive 50 Prozent mehr kosten würden als 12- oder 36-Core-Varianten, dabei aber jeweils die doppelte Bandbreite bieten. Die Arbeitskosten würden dadurch nicht steigen und erneute Bauarbeiten sowie Kosten für weitere Stränge erst gar nicht anfallen.

Ex-CEO von China Telecom, Sichuan
Ex-CEO von China Telecom, Sichuan
Mike Zhao plädiert für Investitionen
Mike Zhao plädiert für Investitionen

10 Gbit/s in Hongkong und der Schweiz

Auch Tom Pang, Vice President für Network Planning & Operation/Engineering bei Hong Kong Telecom, setzt stark auf den FTTH-Ausbau. Das Unternehmen will die Technik von den Hochhaussiedlungen der Innenstadt in die eher mit Einfamilienhäusern bebauten Regionen und danach in ländliche Gebiete bringen. Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s, 2 Gbit/s und neuerdings auch 10 Gbit/s lassen bei Hong Kong Telecom für umgerechnet 37 Euro, 48 Euro und knapp 300 Euro pro Monat bei einem Zweijahresvertrag bestellen.

Glasfaser-Entwicklung hin zu 10 Gbit/s bei Hong Kong Telecom
Glasfaser-Entwicklung hin zu 10 Gbit/s bei Hong Kong Telecom

Ganz so weit gen Osten muss man für extrem schnelles Internet dann allerdings doch nicht schauen, es reicht bereits ein Blick über die Alpen in Richtung Schweiz zum Anbieter Salt, der symmetrische 10 Gbit/s vollkommen unlimitiert für monatlich 44 Euro anbieten – für Mobilfunkkunden desselben Anbieters sogar für nur 35 Euro.