Vive Wireless Adapter: High-End-VR wie mit Kabel, nur noch teurer

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David Pertzborn 100 Kommentare

Testsystem und Methodik

ComputerBase hat auch interessiert, ob der Einsatz des Wireless Adapter den Rechner zusätzlich fordert, immerhin müssen die Bildsignale ja in Echtzeit komprimiert werden.

Die Benchmarks wurden auf einem auf 4,6 GHz übertakteten Intel Core i7-6700K durchgeführt, der mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher nach DDR4-2666 im Dual-Channel-Modus bestückt war. Der verwendete Treiber war Nvidias GeForce V398.82. Als Grafikkarte kam eine EVGA GTX 1080 Ti SC Black Edition zum Einsatz.

EVGA GeForce GTX 1080 Ti SC Black Edition
EVGA GeForce GTX 1080 Ti SC Black Edition (Bild: EVGA)

Die Darstellung erfolgte auf der HTC Vive Pro. Dabei wurden die Standardauflösung der VR-Brille und ein Roomscale-Setup mit zwei Lighthouse-Stationen verwendet. Alle Messwerte wurden mit der Software Nvidia FCAT VR ermittelt. Warum Benchmarks in VR zum Teil anders zu bewerten sind und welche Details nur dort auftauchen, hat ComputerBase an anderer Stelle erläutert.

Grafikeinstellungen und Testszenen

Die Grafikeinstellungen und Testszenen können in den jeweiligen Artikeln zu Hellblade: Senua's Sacrifice, Fallout 4 VR und Skyrim VR nachgelesen werden.

Benchmarks mit und ohne Adapter

Im Benchmark zeigt sich, dass die Nutzung des Wireless Adapters je nach Software mit mehr oder weniger großen Leistungseinbußen einhergeht. Besonders deutlich wird dies bei Fallout 4 VR. Hier schafft die GTX 1080 Ti bei Verwendung des Kabels deutlich mehr als die geforderten 90 FPS . Sobald das Kabel gekappt wird, klappt das nur noch im Schnitt. Im Test fielen die Momente, in denen die Framerate unter 90 sank, subjektiv nicht auf – die Software-Tricks der VR-Plattformen helfen hier erneut. Doch wer anfällig gegenüber unregelmäßigen Frametimes ist, muss hier mit den Einstellungen oder der Auflösung spielen.

Vive Wireless Adapter
  • Hellblade: Senua's Sacrifice:
    • Mit Kabel
      119
    • Wireless Adapter
      99
  • Fallout 4 VR:
    • Mit Kabel
      117
    • Wireless Adapter
      90
  • Skyrim VR:
    • Mit Kabel
      168
    • Wireless Adapter
      154

Der Prozessor macht einen Unterschied

Da am Standort des VR-Testsystems kurzfristig keine anderen CPUs zur Verfügung standen, basiert die folgende Einschätzung nicht auf eigenen Tests. Jedoch gibt es immer wieder Berichte von Anwendern, denen zufolge der Vive Wireless Adapter empfindlich auf die CPU-Wahl reagiert. So soll es bei Verwendung von Ryzen oder Ryzen Threadripper des Öfteren zu Systemabstürzen und Kompatibilitätsproblemen kommen. Intel-Prozessoren mit vier oder weniger Kernen haben hingegen, wie im Test gezeigt, teilweise mit Leistungseinbußen zu kämpfen. Zusätzlich scheint die Wahl des PCIe-Slots unter Umständen relevant zu sein.

Die Preisfrage und ein Fazit

Die Kombination aus HTC Vive Pro und Vive Wireless Adapter liefert das aktuell beste VR-Erlebnis. Der Umgang mit dem Paket macht nach fummeliger Einrichtung Spaß und zeigt, was aktuell möglich ist. Im Test konnte die Technik jederzeit überzeugen. Als einzige Schwäche könnte man die Akkulaufzeit anführen. Mit gut über zwei Stunden ist es jedoch im Testverlauf nicht vorgekommen, dass der Akku vor dem Redakteur schlappmachte. Und spätestens mit einem Zusatzakku ist auch dieses Problem aus der Welt geschafft. Die Latenz, die Bildqualität und der immersivere Spielspaß stimmen und wecken Hoffnung auf die Zukunft, wenn Wireless-VR kein teures Add-on mehr ist, sondern Standard. Und damit ist auch der aktuelle Haken bereits benannt.

Schon die HTC Vive Pro (Test) erzielte ihren technischen Vorteil nur im Zusammenspiel mit einem exorbitant gestiegenen Preis. Ähnlich liegt der Fall auch beim Vive Wireless Adapter. 350 Euro kostet der Umstieg, an den sich HTC-Vive-Enthusiasten der ersten Stunde aber erst gewöhnen müssen, um den Wegfall des Kabels überhaupt aktiv zu bemerken. Nutzer der HTC Vive Pro brauchen dafür allerdings noch das Vive-Pro-Kompatibilitätspaket für 75 Euro. Hier ist HTC definitiv einen Schritt zu weit gegangen, auch wenn der relative Aufpreis in Anbetracht des Preises für das HTC-Vive-Pro-Set (1.399 Euro) zuzüglich 350 Euro für den Vive Wireless Adapter kaum noch ins Gewicht fällt.

75 Euro für das Kompatibilitätspaket
75 Euro für das Kompatibilitätspaket

So aber erweckt die aktuelle Entwicklung den Anschein, als würde die Technologie bei HTC zwar langsam besser und ausgereifter, aber dafür immer unerschwinglicher für den Endnutzer werden. Als Machbarkeitsstudie, für den professionellen Einsatz oder als kostenloses Testmuster steht der Preis natürlich nicht immer im Vordergrund. Trotzdem sind die Kosten allein für den Wireless Adapter samt Kompatibilitätspaket höher als der angepeilte Preis der Oculus Quest und das ist immerhin ein komplett autonomes drahtloses Headset, wenn auch ohne die volle Leistung des eigenen Rechners.

Das beste VR-Erlebnis

ComputerBase hat den Vive Wireless Adapter leihweise von HTC zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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