OnePlus 7 Pro im Test: Snapdragon 855 im Benchmark und OxygenOS

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Nicolas La Rocco 262 Kommentare

Das OnePlus 7 Pro ist eines der ersten in Deutschland erhältlichen Smartphones mit Snapdragon 855 von Qualcomm. Das Xiaomi Mi 9 dürfte das erste entsprechend ausgestattete Smartphone gewesen sein, das LG G8s, Sony Xperia 1 und ZTE Axon 10 Pro dürften in den nächsten Wochen folgen. In den USA war die Galaxy-S10-Serie die erste mit Snapdragon 855, während hierzulande der Exynos 9820 in den Smartphones verbaut wird. Qualcomms System-on-a-Chip stammt aus der 7-nm-Fertigung von TSMC.

Qualcomm Snapdragon 855 aus 7-nm-Fertigung
Qualcomm Snapdragon 855 aus 7-nm-Fertigung (Bild: Qualcomm)

Der Snapdragon 855 ist von Qualcomm mit einem Prime-Core ausgestattet worden, wodurch einer der der auf dem ARM Cortex-A76 basierenden Kerne des Typs Kryo 485 auf bis zu 2,84 GHz takten darf. Drei weitere Kryo 485 auf Basis derselben ARM-Kerne takten mit bis zu 2,42 GHz. Die Efficiency-Kerne auf Basis des Cortex-A55 haben eine maximale Taktfrequenz von 1,80 GHz, werden von Qualcomm aber Kryo 485 genannt. Genau genommen gibt es eine Teilung in Gold- und Silver-Kerne. Über alle Kerne verteilt gibt es einen L3- und System-Cache, deren Größe zusammen bei 5 MB liegt.

Über den Prime Core sollen insbesondere App-Starts schneller vonstatten gehen. In Anwendungen wie Gmail, Google Maps, Facebook, Twitter, WeChat, Instagram und YouTube hat Qualcomm mit dem Snapdragon 855 eigenen Messungen zufolge einen deutlichen bis zumindest noch kleinen Vorsprung in Sachen Ladezeit gegenüber dem A12 Bionic von Apple (iPhone Xs) und Kirin 980 von HiSilicon (Mate 20 Pro, P30 Pro).

Die Adreno 640 löst als GPU die Adreno 630 des Snapdragon 845 ab, sie gehört aber zur selben Familie und stellt mehr ein Upgrade als eine Neuentwicklung dar. 50 Prozent mehr ALUs für FP32- und FP16-Berechnungen und 20 Prozent mehr Leistung suggerieren einen niedrigeren Maximaltakt, um den Energiebedarf und die Temperaturen zu reduzieren. Das funktioniert in der Praxis auch, wie der weitere Verlauf des Tests zeigt.

CPU-Leistung des Kryo 485 im Vergleich

Rein auf die Single-Core-Leistung bezogen schneidet der Snapdragon 855 in den Benchmarks besser als der direkte Vorgänger und als der nicht modifizierte Cortex-A76 des Kirin 980 ab, an den Exynos M4 von Samsung kommt ein Kryo-485-Kern aber nicht ganz heran. Mit großem Vorsprung auf den vorderen Rängen liegt Apples A12 Bionic mit den schnellen Vortex-Kernen, die im iPhone Xs, Xs Max und Xr werkeln. Erst bei den Multi-Core-Messungen überholt Qualcomm Samsung und landet nur noch drei Prozent hinter Apple, wo allerdings nur sechs statt acht Kerne zum Einsatz kommen.

GPU-Leistung der Adreno 640 im Vergleich

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Benchmarks zur neuen Grafikeinheit Adreno 640, die laut Qualcomm rund 20 Prozent schneller als die Adreno 630 des Snapdragon 845 arbeiten soll. Je nach Benchmark und verwendeter API liegt der Vorsprung in den Messungen zwischen 14 Prozent und 23 Prozent. Die von Samsung im Exynos 9820 verbaute Mali-G76 MP12 liefert häufig die gleiche Leistung, ist am Ende aber eine Spur langsamer. Die Mali-G76 MP10 des Kirin 980 hält nicht mit Qualcomm und Samsung mit. Allesamt müssen sich im Endeffekt jedoch Apples eigener 4-Kern-GPU des A12 Bionic geschlagen geben, die erneut mit großem Abstand ganz vorne liegt.

Schneller UFS 3.0 mit zwei Lanes

Das OnePlus 7 Pro ist das erste Smartphone, das Universal Flash Storage 3.0 als Speichertechnologie verwendet. Der Anfang des letzten Jahres von der JEDEC verabschiedete Standard verdoppelt die Datenrate pro Leitung von 5,8 Gbit/s auf 11,4 Gbit/s gegenüber UFS 2.1. Unter Berücksichtigung der 8b10b-Kodierung ist bei Anbindung des Speichers mit einer Lane mit Übertragungsraten von 1.200 MB/s zu rechnen, mit zwei Lanes wären es bis zu 2.400 MB/s. Passende UFS-Speichermodule bieten seit Anfang dieses Jahres zum Beispiel Toshiba und Samsung an.

Bei OnePlus ist der UFS 3.0 mit zwei Lanes angebunden. Im Testgerät sind 256 GB nicht erweiterbarer Speicher verbaut, alternativ gibt es ein Modell mit 128 GB. Auf die rein theoretisch möglichen 2.400 MB/s kommt das OnePlus 7 Pro zwar nicht, mit 1.463 MB/s beim sequentiellen Lesen und 391 MB/s beim sequentiellen Schreiben werden aber klar neue Spitzenwerte im Android-Segment aufgestellt. Auch beim wahlfreien Lesen schneidet das Smartphone mit 180 MB/s sehr gut ab. Einzig beim wahlfreien Schreiben schneidet UFS 3.0 so wie UFS 2.1 in aktuellen Smartphones vergleichsweise schlecht ab. Mehr als 29 MB/s waren im Test nicht zu erreichen.

Unter Dauerlast im Throttle-Test ohne Leis­tungs­ein­bu­ßen

OnePlus wirbt damit, im OnePlus 7 Pro ein „zehnschichtiges Flüssigkeits-Kühlsystem“ verbaut zu haben, das bei durchgehender Belastung etwa in Spielen den Snapdragon 855 vor Leistungseinbußen schützen soll. Der Throttle-Test untermauert OnePlus' Werbeversprechen, denn nicht ein einziges FPS schlechter schneidet das SoC selbst im letzten Durchlauf bei Dauerbelastung im GFXBench Manhattan 3.1 (OpenGL ES 3.1) in der Offscreen-Auflösung 1080p ab. Das ist bisher noch keinem einzigen anderen Smartphone in dieser Form gelungen – weder mit Android noch iOS.

Die Mali-G76 MP12 des Exynos war in diesem Test schon imposant, da sie mit 69 FPS einstieg und dann im vierten respektive fünften Durchlauf auf 55 FPS fiel, diesen Wert dann aber konstant halten konnte. Das OnePlus 7 Pro liefert vom ersten bis zum letzten Durchgang konstant 71 FPS und wird dabei nur normal warm – hervorragend!

Auch die CPU-Messungen unter Dauerlast verlaufen beinahe in einer geraden Linie durch das Diagramm. Zwischen dem ersten und letzten Durchlauf des Single-Core-Tests beträgt die Abweichung gerade einmal 0,6 Prozent und ist damit nicht nennenswert. Bei den Multi-Core-Messungen ist ein minimales Auf und Ab ab dem sechsten Durchgang wahrzunehmen, letztlich liegt der Unterschied zwischen dem besten (5; 11.219 Punkte) und dem schlechtesten Durchgang (7; 11.031 Punkte) aber bei nur 1,7 Prozent.

OxygenOS mit neuen Optionen

Das OnePlus 7 Pro wurde von ComputerBase mit der OxygenOS-Version 9.5.2.GM21BA getestet, die auf Android 9.0 Pie basiert und zum Zeitpunkt des Tests Anfang Mai mit den Android-Sicherheitspatches von April 2019 ausgestattet war.

Das Betriebssystem ist vollständig an das 90-Hz-Display angepasst worden und lässt sich am besten mit einer butterweichen und äußerst schnellen Bedienung zusammenfassen. Das Smartphone rast nur so durch die verschiedenen Menüs, Ladezeiten für Apps fallen äußerst kurz aus. Das OnePlus 7 Pro ist im Alltag das derzeit schnellste Smartphone – im Android und iOS-Segment. Ein neuer RAM-Boost hilft dabei, die Ladezeiten kurz zu halten, indem das Betriebssystem im Laufe der Nutzung erkennt, zu welchen Zeitpunkten welche Apps häufig verwendet werden und diese dann vorab in den RAM lädt. Werden zum Beispiel morgens zu einem gewissen Zeitraum stets Gmail und Instagram aufgerufen, landen diese Apps im RAM und müssen nicht erst vom (ebenfalls schnellen) UFS geladen werden. In diesem Zusammenhang ergeben die bis zu 12 GB RAM durchaus Sinn. Das OnePlus 7 Pro ist mit mindestens 8 GB RAM ausgestattet.

OxygenOS 9.5.2GM21BA auf Basis von Android 9.0 Pie
OxygenOS 9.5.2GM21BA auf Basis von Android 9.0 Pie

Neuer Vibrationsmotor ist stärker

Neue Optionen finden Nutzer im Bereich für Ton und Vibration. OnePlus verbaut nur im OnePlus 7 Pro einen neuen Vibrationsmotor, der größer ist und doppelt so intensive Vibrationen wie bisher abgeben können soll. Der bisher verbaute Motor sei von vielen Kunden als zu schwach empfunden worden, erklärte jüngst OnePlus-CEO Pete Lau. Passend dazu gibt es jetzt Einstellungen für die Vibrationsstärke bei Anrufen, Nachrichten und für die Tastatur sowie verschiedene Vibrationsmuster.

Neuer Vibrationsmotor des OnePlus 7 Pro
Neuer Vibrationsmotor des OnePlus 7 Pro (Bild: OnePlus)

Zen-Modus sperrt den Nutzer aus

In den Schnelleinstellungen gibt es mit dem Zen-Modus eine neue Option. Der Modus kann als Erweiterung von Googles „Digital Wellbeing“ verstanden werden, das eine Übersicht zur Nutzung des Smartphones bietet und bei Bedarf die Nutzung bewusst einschränkt, um weniger Zeit mit dem Smartphone zu verbringen. Der Zen-Modus ist noch strikter und sperrt den Nutzer nach doppelter Bestätigung für 20 Minuten aus dem Smartphone aus. Dieser Vorgang lässt sich nicht rückgängig machen, auch nicht durch einen Neustart des Smartphones. Im Zen-Modus lassen sich nur noch Fotos mit der Kamera schießen und Anrufe annehmen, auch der Notruf ist noch möglich.

Neuer Zen-Modus und Screen-Recorder
Neuer Zen-Modus und Screen-Recorder

Screen Recorder und erweiterter Spielmodus

Ebenfalls in den Schnelleinstellungen ist der neue Screen Recorder zu finden, der es ermöglicht, ohne zusätzliche Anwendungen aus dem Play Store Videoaufnahmen vom Betriebssystem anzufertigen. Die Auflösung ist hierbei auf 2.340 × 1.080 Pixel bei einer maximalen Bitrate von 20 Mbit/s beschränkt. Ton lässt sich intern abzapfen, also das, was gerade auf dem Smartphone wiedergegeben wird, oder über das Mikrofon des Smartphones aufzeichnen. Wahlweise sind Videoaufnahmen ohne Audiospur möglich.

In den Einstellungen als Teil der Dienstprogramme findet sich ein erweiterter Spielmodus, der sich Fnatic-Modus nennt und mit der gleichnamigen E-Sport-Organisation entwickelt wurde. Hier lässt sich ein erweiterter Nicht-stören-Modus aktivieren, der alle Anrufe und Benachrichtigungen blockt. Außerdem kann die Leistung des Snapdragon 855 vollständig Spielen zugewiesen werden, was jedoch zu Problemen mit anderen Apps führen kann, wie OnePlus in der Beschreibung der Einstellung selbst eingesteht. Außerdem lässt sich der primären SIM-Karte die gesamte Signalstärke zuweisen, sodass potenziell die Latenzen niedriger ausfallen. Mit der zweiten SIM-Karte sind dann aber keine Anrufe und Nachrichten mehr möglich.

Spielmodus mit Erweiterung um Fnatic-Modus
Spielmodus mit Erweiterung um Fnatic-Modus

Updates für drei Jahre garantiert

OnePlus gibt für Smartphones eine Update-Garantie von zwei Jahren auf das Betriebssystem sowie ein zusätzliches Jahr für Sicherheitsupdates. Demnach müsste das OnePlus 7 Pro im Herbst 2019 Android Q und im Herbst 2021 Android R erhalten. OnePlus definiert den Start des Support-Zeitraums mit der Veröffentlichung der T-Varianten. Sollte also vom OnePlus 7 Pro im Herbst dieses Jahres ebenfalls eine T-Variante erscheinen, könnte potenziell noch Android S für das Smartphone erscheinen. Sicherheitsupdates verteilt OnePlus für drei Jahre jeweils jeden zweiten Monat.

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