LG G8s im Test: Triple-Kamera des G8s im Test

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Nicolas La Rocco 105 Kommentare

Für Smartphone-Hersteller, die erst dieses Jahr die Superweitwinkelkamera für sich entdeckt haben, dürften LGs Entwickler in Korea nur ein müdes Lächeln übrighaben, da bei der G-Serie schon seit Jahren alternativ zur Hauptkamera ein solcher Zusatz angeboten wird. Beim G8s sind es mit Haupt-, Superweitwinkel- und Zoomkamera gleich drei Linsen, die in ähnlicher Anordnung auch bei der Konkurrenz zu finden sind.

Drei Kameras mit Weitwinkel, Ultraweitwinkel und Tele
Drei Kameras mit Weitwinkel, Ultraweitwinkel und Tele

Die Hauptkamera bietet 12 Megapixel bei einer Pixelgröße von 1,4 μm Kantenlänge sowie f/1.8-Blende bei einem Öffnungswinkel von 78 Grad. Die Superweitwinkelkamera kommt auf 13 Megapixel bei 1,0 μm Pixelgröße, f/2.4-Blende und sehr breitem Öffnungswinkel von 136 Grad (G7: 107 Grad), der für interessante Aufnahmen sorgt. Die Zoomkamera mit 48 Grad Öffnungswinkel bietet eine zweifache Vergrößerung und 12 Megapixel mit 1,0 μm Pixelgröße bei Blende f/2.6. Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite wartet mit 8 Megapixeln, 1,12 μm Pixelgröße sowie f/1.9 auf und deckt 80 Grad ab.

Kameravergleich mit S10, P30 Pro, Pixel 3a, iPhone Xs Max

Im Direktvergleich mit Galaxy S10, P30 Pro, Pixel 3a (Test) und iPhone Xs Max (Test) muss sich das G8s nicht verstecken, wenngleich es eine andere Bildcharakteristik aufweist. Bei grundlegenden Dingen wie Weißabgleich und Schärfe sammelt das Smartphone Pluspunkte. In Sachen Kontrast übertreibt es LG jedoch, sodass häufig dunkle Bereiche viele Details verschlucken. Die Bildverarbeitung geht hier über den dramatischen Effekt hinaus und sorgt für eine Verschlechterung. Das Problem hat übrigens auch das Pixel 3a, das darüber hinaus stets einen Blaustich zeigt. Apple und Samsung schneiden in diesem Punkt besser ab. Von der Farbabstimmung her geht LG in Richtung Samsung, was für kräftigere Farben als bei der weiteren Konkurrenz sorgt.

LG G8s im Test – Kamera

Nachtanblick ist nicht gleich Nachtmodus

Nachtaufnahmen sind zuletzt vor allem aufgrund der Fortschritte von Huawei und Google in den Fokus gerückt. Hier muss man jedoch enttäuschend festhalten, dass LG nur das übliche Mittelmaß bietet, das weit von Google und noch weiter von Huawei entfernt liegt. Im Automatikmodus sind bis auf wenige Ausnahmen mittelmäßige Fotos das Resultat. Zugutehalten muss man LG jedoch, dass in Szenen mit Straßen- oder Restaurantbeleuchtung durchaus stimmungsvolle Motive entstehen.

Einen echten Nachtmodus bietet die Kamera von LG nicht, stattdessen gibt es in der App im Bereich „Mehr“ die Option „Nachtanblick“, über die Einfluss auf die Helligkeit der Aufnahme genommen werden kann. Darunter leidet bei maximaler Helligkeit jedoch sichtbar der Dynamikumfang, denn die Kamera macht in diesem Fall einfach alle Bereiche heller, inklusive der bereits vorher hellen Bereiche, die dann völlig überstrahlen.

LG G8s im Test – Kamera (Nacht)

Videoaufnahmen in bis zu Ultra HD mit 60 FPS

Optische Bildstabilisatoren bietet das G8s nicht, es gibt für Videoaufnahmen aber einen elektronischen Stabilisator, der bis Full HD mit 60 FPS oder Ultra HD mit 30 FPS aktiv bleibt. Im Video zeigt sich dieser weitestgehend zuverlässig. Erst bei Ultra HD mit 60 FPS wird der EIS zwangsweise deaktiviert und lässt sich nicht manuell wieder aktivieren. Als interessante Zwischenauflösung bietet das G8s 2.160 × 1.080 Pixel an, um das bei vielen Smartphones beliebte 18:9-Format vollständig auszufüllen.

Snapdragon 855 mit 6 GB RAM und 128 GB Speicher

LG stattet das G8s mit Snapdragon 855, 6 GB RAM und 128 GB erweiterbarem Speicher aus. Abseits von Apple, Huawei und Samsung (in Europa) hat sich der Snapdragon 855 dieses Jahr zur Standardkost für High-End-Smartphones mit Android entwickelt. Nach ZenFone 6 (Test), OnePlus 7 Pro und Xperia 1 liefert das G8s in den Benchmarks die für dieses SoC üblichen Werte ab, wenngleich LG bis auf wenige Prozentpunkte nicht ganz an die Ergebnisse der Konkurrenz herankommt. Samsungs Exynos 9820 der S10-Serie ist dem Snapdragon 855 meistens ebenbürtig, an Apples A12 Bionic beißen sich aber Samsung und Qualcomm die Zähne aus.

Schwache GPU-Leistung unter Dauerlast

Unter GPU-Dauerlast, zum Beispiel bei aufwendigen Spielen, positioniert sich das G8s hinter den anderen Mitbewerbern mit Snapdragon 855. Bereits mit dem zweiten Durchlauf des GFXBench Manhattan 3.1 in der Offscreen-Auflösung 1080p geht die Leistung leicht, ab dem dritten Durchgang dann deutlich zurück. Von ursprünglich 71 FPS bleiben ab dem fünften Durchgang noch 48 FPS oder 68 Prozent der Leistung. Auf ein kurzes Auf und Ab folgt ab dem neunten Durchlauf schließlich eine lange Talfahrt mit 48 FPS respektive 47 FPS.

In den CPU-Messungen schlägt sich das G8s bei Dauerlast besser und landet vor dem Xperia 1, aber hinter ZenFone 6 und OnePlus 7 Pro. Erst ab dem achten Geekbench-Durchgang bricht die Single-Core-Leistung einmalig ein und bleibt dann auf dem gleichen, niedrigeren Niveau. Bei den Multi-Core-Messungen zeigt die Linie im Diagramm zum Ende des Tests zwar eindeutig nach unten, es bleiben aber 93 Prozent der Leistung erhalten. Sonys Xperia 1 bricht im Laufe des Tests stärker ein, während ZenFone 6 und OnePlus 7 Pro kaum an Leistung verlieren.

Beim Blick auf die Speicher-Benchmarks wird klar, dass LG auf den mittlerweile etablierten „Universal Flash Storage“ der zweiten Generation setzt, der beim sequentiellen Lesen und Schreiben Werte von knapp 770 MB/s respektive 180 MB/s liefert. Das sind gute Ergebnisse, wenngleich die Konkurrenz mit etwas schnellerem NAND vereinzelt zwischen 10 und 20 Prozent bessere Werte liefert. OnePlus spielt mit dem Alleinstellungsmerkmal UFS 3.0 in einer völlig eigenen Liga, die als neuer Maßstab dient. Erfreulich sind bei LG die guten Messwerte für Speicherkarten, die mit 72 MB/s beim Lesen und knapp 65 MB/s beim Schreiben auf hohem Niveau liegen.

Android 9.0 Pie ohne Update-Sicherheit

Zum Zeitpunkt des Tests Ende Juni lief das Testgerät mit Android 9.0 Pie und dem Sicherheits-Patch-Level von Mai 2019, obwohl bereits die Juni-Patches zur Verfügung standen. LG ist nicht bekannt dafür, zeitnah Android-Updates zur Verfügung zu stellen – wenn überhaupt. Zahlreiche Smartphones haben bis heute nicht das Update auf Android 9.0 Pie erhalten. Viele Geräte sollen es erst gegen Ende des Jahres bekommen, wenn Pie weit über ein Jahr alt und Android 10 Q bei Google lange verfügbar sein wird. LG ist beim Thema Updates einer der schlechtesten Anbieter am Markt.

Auch hinsichtlich des eigenen Android-Aufsatzes hinkt man der Konkurrenz hinterher. LG ist ähnlich wie Huawei in einer Zeit stehen geblieben, in der immer mehr Features zu einem besseren Erlebnis führen sollen. Während Samsung die eigene Oberfläche mit dem One UI entschlackt hat und Hersteller wie Motorola oder OnePlus auf ein nur leicht angepasstes Android setzen, gibt es bei LG zahlreiche Funktionen, die erst in den Tiefen der Untermenüs entdeckt und aktiviert werden wollen. Dass der Hersteller viele Funktionen ab Werk nicht aktiviert, zeigt, dass man sie hätte weglassen können.

Gute Akkulaufzeiten und kabelloses Laden

Beim Thema Akku bietet LG mit 3.550 mAh auf den ersten Blick zwar nur Standardkost, die Messwerte zur Laufzeit sind aber dennoch gut und liegen beim YouTube-Streaming in 720p mit 200 cd/m² auf dem Niveau eines Galaxy A50 oder Galaxy S10 und knapp hinter dem OnePlus 7 Pro. Hier dürfte sich die Full-HD- statt WQHD-Auflösung positiv auf die Laufzeiten beim Streaming auswirken. Den PCMark, der die Browser-Nutzung, das Bearbeiten von Bildern, die Offline-Videowiedergabe und das Schreiben von Notizen simuliert, konnte auf dem G8s nicht ohne Abstürze durchgeführt werden. Bis zum Crash lag die prognostizierte Laufzeit in etwa auf dem Niveau eines Galaxy Note 9.

Erfreulich ist, dass LG nicht nur aus gestalterischen Gründen eine Glasrückseite verbaut, sondern über diese kabelloses Laden nach Qi-Standard ermöglicht. Bei OnePlus fehlt diese Funktion selbst beim teuren Pro-Modell. Kabelgebundenes Laden ist laut der Produktseite zum G8s mit „Quick Charge 3.0“ möglich, das auf 18 W (9 V, 2 A) beschränkt ist. Das von LG mitgelieferte Netzteil liefert maximal 16,2 W (9 V, 1,8 A) und erfüllt den Standard somit nicht vollständig. Der Snapdragon 855 unterstützt auch „Quick Charge 4+“, das über USB-PD 27 W ermöglicht, sofern ein entsprechendes Netzteil vorliegt.

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