Breitbandatlas: Haushalte immer noch nicht alle mit 50 Mbit/s versorgt

Andreas Frischholz 224 Kommentare
Breitbandatlas: Haushalte immer noch nicht alle mit 50 Mbit/s versorgt
Bild: Robert | CC BY 2.0

Eigentlich wollte die Bundesregierung bis Ende 2018 sämtliche Haushalte in Deutschland mit Anschlüssen versorgt haben, die mindestens 50 Mbit/s bieten. Doch bis Mitte 2019 konnten nur gut 90 Prozent einen entsprechenden Anschluss buchen, zeigt der aktuelle Breitbandatlas Bundesverkehrsministerium (BMVI).

9,8 Prozent der Haushalte haben demnach noch keine Option für entsprechende Tarife. Erwartungsgemäß sind es vor allem die ländlichen Regionen die hinterherhinken. Bereits vor Jahren wurde prognostiziert, dass die letzten Prozente bei der Vollabdeckung die schwierigsten sind. Denn in dünn besiedelten und weitläufigen Regionen müssen die Netzbetreiber pro Haushalt deutlich mehr investieren.

Breitband-Verfügbarkeit nach Gemeindeprägung
Breitband-Verfügbarkeit nach Gemeindeprägung (Bild: Breitbandatlas Mitte 2019)

So stehen 50-Mbit/s-Anschlüsse in städtischen Regionen für 96,6 Prozent der Haushalte bereit. Bei halbstädtischen Gebieten sinkt der Anteil auf 86,2 Prozent und in ländlichen Regionen sind es nur noch 69,4 Prozent.

Knapp 95 Prozent der Haushalte können Stand Mitte 2019 immerhin einen Anschluss mit 16 Mbit/s buchen. 100 Mbit/s stehen für 81,8 Prozent der Haushalte bereits, bei 400 Mbit/s sind 64,3 Prozent. Und einen Gigabit-Anschluss mit 1.000 Mbit/s und mehr können 34,1 Prozent der Haushalte buchen.

Grundlage für die Ergebnisse sind Daten, die Breitbandanbieter freiwillig bereitgestellt haben. Erhoben wurden die Daten von der Beratungsfirma Atene Kom im Auftrag des für die digitale Infrastruktur zuständigen Bundesverkehrsministerium.

Vodafone hat die meisten Gigabit-Anschlüsse

Der Anteil der Gigabit-Anschlüsse ist in den letzten Jahren stark gestiegen, seit die Kabelnetzbetreiber auf DOCSIS 3.1 umsatteln und entsprechende Bandbreiten bereitstellen können. Dementsprechend feiert sich Vodafone auch als größter Gigabit-Anbieter in Deutschland – 80 Prozent der Anschlüsse stammen laut eigenen Angaben von dem Unternehmen.

Insbesondere nach der Übernahme von Unitymedia profitiert das Unternehmen aber von den strukturellen Vorteilen. Immerhin waren viele Haushalte schon mit einem Kabelanschluss ausgestattet, der sich durch den Umstieg auf den Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 vergleichsweise einfach aufwerten ließ. Deutlich schwieriger ist der Umstieg für DSL-Anbieter wie die Deutsche Telekom, die mit Technologien wie Super-Vectoring nur bis zu 250 Mbit/s über die Kupferkabel erreichen. Ähnlich herausfordernd ist es für Anbieter von direkten Glasfaseranschlüssen (FTTB/H), die selbst erst Leitungen verlegen müssen.

Das perspektivische Ziel ist allerdings ein flächendeckender Gigabit-Ausbau. Bis 2025 soll eine entsprechende Infrastruktur stehen, lautet nun die Vorgabe der Bundesregierung. Hier stehen also vor allem die Haushalte im Fokus, die über keinen Gigabit-Anschluss verfügen.

Bekannte Ergebnisse beim Mobilfunk

Die Ergebnisse für den Mobilfunk-Ausbau entsprechen den Zahlen, die zuletzt etwa auch die Bundesnetzagentur veröffentlicht hat. Demnach melden die Netzbetreiber für Mitte 2019, dass insgesamt nun 97,7 Prozent der Haushalte einen LTE-Anschluss nutzen können. Bei 3G (UMTS) beträgt die Abdeckung 91,8 Prozent.

Entscheidend ist hier allerdings: Die Angaben der einzelnen Netzbetreiber sind zusammengefasst, Überschneidungen sind also möglich. Und wie gehabt beziehen sich die Angaben auf Haushalte. Wie weitgehend der Ausbau in der Fläche ist und wie groß damit noch die Funklöcher etwa bei Reisen sind, verrät also auch der Breitbandatlas nicht.