OnePlus 8T im Test: Vier Kameras sind zwei zu viel

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Nicolas La Rocco
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Angepasst hat OnePlus die Kamera nicht nur bei der Position, sondern auch bei den Linsen mit nun vier an der Zahl, wobei sich nur drei davon über die Kamera-App ansprechen lassen und ohnehin nur zwei der vier Linsen Relevanz im Alltag haben. Die Hauptkamera entspricht der des OnePlus 8, arbeitet nun aber mit f/1.7-Blende.

In puncto Qualität der Hauptkamera hat sich OnePlus über die letzten Jahre stetig nach oben entwickelt, nachdem die Kameras in den ersten OnePlus-Generationen tendenziell eher ein Schwachpunkt waren. Inspiration für die Bildabstimmung scheint OnePlus bei Samsung bekommen zu haben, denn auch das OnePlus 8T tendiert zu etwas zu kräftigen Farben und einer etwas zu starken Aufhellung des Bildes durch einen zu starken Kontrast. Das sieht zwar dramatisch aus und lässt sich gut auf Social Media teilen, kommt aber nicht an die realistische Abbildung etwa des neuen Pixel 5 (Test) heran. Außerdem verliert OnePlus durch die Kontrastanhebung gleichzeitig in den hellen und dunklen Bildbereichen an Details. Ein gutes Beispiel dafür ist bei Bild 61 in der Galerie zu finden. Den Pflastersteinen im Vordergrund und den Plakaten am Berliner Dom im Hintergrund mangelt es an Details, weil das Bild dort zu hell ist. Gleichzeitig ist aber weniger im Bereich der Reifen des Ferraris zu erkennen, weil der starke Kontrast dazu führt, dass das Schwarz Details verschluckt.

Davon abgesehen liefert die Hauptkamera am Tag solide, wenngleich nicht überragende Aufnahmen, die mit einem guten automatischen Weißabgleich und einem schnellen Autofokus punkten. Wird auf den Auslöser gedrückt, ist das Bild ohne Verzögerung im Kasten.

Bildvergleich mit Pixel 5, Apple, Samsung und Huawei

OnePlus 8T im Test – Kamera (Tag)

Für das Ultraweitwinkelobjektiv hat OnePlus die Optik dahingehend überarbeitet, dass mit 123 statt 116 Grad ein größerer Winkel erfasst wird. Damit setzt sich OnePlus vor allem von Google und Huawei ab, deren Ultraweitwinkelobjektive weniger vom Motiv erfassen. Das OnePlus 8T übertrifft sogar das Galaxy Note 20 Ultra und das iPhone 11 Pro Max, die mit jeweils 120 Grad arbeiten. Die Aufnahmen mit dem Ultraweitwinkelobjektiv fallen allgemein etwas weicher aus, was aber mit einer Optik dieses Formats kaum zu vermeiden ist – vor allem am Bildrand. Das OnePlus 8T schlägt das iPhone 11 Pro Max in diesem Punkt knapp, an das Galaxy Note 20 Ultra kommt es aber nicht heran. Google liefert mit die besten Ergebnisse, bietet aber einen sichtbar kleineren Erfassungswinkel.

Nachtmodus wird nicht benötigt

Bei Nachtaufnahmen schneidet das Ultraweitwinkelobjektiv von OnePlus vergleichsweise gut ab, wobei unter diesen Bedingungen möglichst immer mit der Hauptkamera fotografiert werden sollte. OnePlus schlägt das iPhone deutlich und das Galaxy Note 20 Ultra leicht, während Pixel 5 und vor allem das Huawei P40 Pro mit dem Ultraweitwinkelobjektiv bei Nacht die besten Ergebnisse liefern. Die bessere Qualität erkauft man sich bei Google und Huawei auch hier über den engeren Erfassungswinkel.

OnePlus 8T im Test – Kamera (Nacht)

Der Hauptkamera kommt bei Nacht jedoch eine deutlich wichtigere Rolle zu und man merkt, dass hier ein größerer Teil der Entwicklungszeit hineingeflossen ist. Das OnePlus 8T schießt selbst ohne den Nachtmodus, der ohnehin nur zu kleineren Veränderungen führt, solide Aufnahmen bei Nacht, die zwar ein wenig das schon fast übertriebene Leuchten eines Pixel 5 vermissen lassen, aber ansonsten durch die Bank mit klarer Darstellung, guter Farbabbildung und wenig Bildrauschen überzeugen. Das OnePlus 8T schneidet durchaus gleichwertig zur teils teureren Konkurrenz ab, was man vor ein paar Generationen in dieser Disziplin noch nicht von OnePlus hätte behaupten können. Den Nachtmodus hätte sich der Hersteller im Prinzip aber sparen können, da er nur in Nuancen etwa beim ansonsten sehr dunklen Himmel für eine leichte Aufhellung sorgt. OnePlus' normaler Automatikmodus ist bei Nacht die meiste Zeit über völlig ausreichend.

Makro-Aufnahmen und Schwarz-Weiß-Modus

Die dritte Kamera ist für Makro-Aufnahmen aus einer minimalen Distanz von 3 cm ausgelegt und arbeitet mit 5 Megapixeln. In die Kamera-App hat sich allerdings ein Fehler eingeschlichen, denn dort wird empfohlen, die Makrokamera für die beste Qualität aus 30 bis 45 cm Entfernung zu nutzen. Das führt ohne einen Autofokus aber unweigerlich zu völlig verschwommenen Aufnahmen, wie auf Anhieb im Sucher erkennbar ist. Vermutlich meinte OnePlus eine Distanz von 3 bis 4,5 cm, die dann auch zu den erhofften Ergebnissen führt.

Es stellt sich aber die Frage, ob es die Makrolinse tatsächlich braucht oder ob nicht ähnliche Ergebnisse auch mit einem Zuschnitt der Hauptkamera erreicht werden. Mit 5 statt der üblicherweise 2 Megapixel liefert das OnePlus 8T immerhin eine brauchbare Qualität. Im Direktvergleich zur Hauptkamera mit Zuschnitt lassen sich in der Tat etwas mehr Details einfangen, aber auch nur, weil die Hauptkamera erneut zu stark aufhellt. Die Makrokamera hat zudem mit chromatischer Aberration zu kämpfen.

Die Schwarz-Weiß-Kamera, die genau genommen gar keine eigene Kamera ist, sondern nur ein Sensor mit 2 Megapixeln, dient als zusätzliche Informationsquelle der Hauptkamera. Aber auch hier stellt sich das Gefühl ein, dass OnePlus unbedingt mit vier Kameras werben wollte. Der Schwarz-Weiß-Modus ist als letzter von 14 Filtern in einem Untermenü zu finden, sodass er im Alltag kaum von Relevanz ist und nur selten verwendet werden dürfte. Wird der Sensor während einer Schwarz-Weiß-Aufnahme mit dem Finger abgedeckt, bleibt das Bild im Sucher zwar weiterhin vollständig sichtbar, es erscheint aber ein entsprechender Hinweis und der Sucher wechselt wieder zur Farbansicht. Die vierte „Kamera“ ist mehr Spielerei als sinnvoll im Alltag und lässt sich ohne Probleme durch eine Schwarz-Weiß-Konvertierung etwa in Google Fotos ersetzen.

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