AMD Radeon RX 6800 XT im Test: Preis/Leistungs-Verhältnis und Fazit

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Wolfgang Andermahr et al.
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Preis/Leistungs-Verhältnis

AMD setzt für das Referenzdesign der Radeon RX 6800 eine unverbindliche Preisempfehlung von 579 Euro an, die Radeon RX 6800 XT soll nach dem Willen des Herstellers 649 Euro kosten. Die Grafikkarte soll sowohl von AMD selbst als auch von Partnern ab dem heutigen Tag verkauft werden, die Hardware ist immer gleich, den Unterschied macht die Garantie. Aller Voraussicht nach bieten das Referenzdesign zum Start nur Alternate* und Mindfactory* an. Die Frage ist: wie lange?

Wie aus Handels- und OEM-Kreisen vorab zu vernehmen war, dürfte die Liefersituation ähnlich dramatisch wie bei GeForce RTX 3000 ausfallen, auch wenn AMD in der Vergangenheit Gegenteiliges zumindest suggeriert hatte. Sollten Radeon RX 6800 nur schwer zu bekommen sein, dürften auch in diesem Fall die Preise davon negativ beeinflusst werden.

Preisliste (Stand 18.11.2020)
Einheit: Euro
    • Nvidia GeForce RTX 3090
      1.499
      UVP von Nvidia, lieferbar ab 1.599 €
    • Nvidia GeForce RTX 2080 Ti FE
      1.214
    • Nvidia GeForce RTX 3080 FE
      699
      UVP von Nvidia, lieferbar ab 866 €
    • AMD Radeon RX 6800 XT
      649
      UVP von AMD
    • Nvidia RTX 2080 Super FE
      645
    • AMD Radeon RX 6800
      579
      UVP von AMD
    • Nvidia GeForce RTX 3070 FE
      499
      UVP von Nvidia, lieferbar ab 629 €
    • Nvidia RTX 2070 Super FE
      470
    • AMD Radeon RX 5700 XT
      379

Auf Basis der offiziellen UVP liegt die Radeon RX 6800 im Verhältnis aus FPS zu Preis im Standardparcours leicht hinter, die Radeon RX 6800 XT leicht vor der jeweiligen Konkurrenz. Die UVPs liegen zwar deutlich über dem aktuellen Preis für eine Radeon RX 5700 XT, weil die Leistung aber noch deutlicher steigt, ist deren Preis/Leistungs-Verhältnis sogar schlechter.

Ab dem 25. November sollen erste Custom-Designs im Handel stehen, offiziell bestätigt hat das AMD bis dato aber nicht.

Fazit

Mit Navi 21 alias „Big Navi“ auf Basis von RDNA 2 macht AMD nicht nur bei der Performance einen riesigen Schritt. Radeon RX 6000 bietet zum Auftakt viel mehr Leistung, viel mehr Effizienz, zwei gute bis sehr gute Referenz-Designs und neue Funktionen wie Hardware-Raytracing. Im Ergebnis bekommt Nvidia im High-End-Gaming-Segment erstmals seit sieben Jahren wieder Konkurrenz. Obsolet, wie im Vorfeld durchaus gemunkelt, machen Radeon RX 6800 XT und Radeon RX 6800 die Gegenspieler GeForce RTX 3080 und GeForce RTX 3070 aber nicht. Beide Serien haben spezifische Vorteile, aber auch Schwächen.

AMD Radeon RX 6800 und Radeon RX 6800 XT im Test
AMD Radeon RX 6800 und Radeon RX 6800 XT im Test

Die Radeon RX 6800 XT ist eine sehr schnelle Grafikkarte und eignet sich ohne Einschränkungen für das Spielen in 4K bei hohen Grafikdetails. Im Standard-Parcours der Redaktion erreicht „Navi 21 XT“ die GeForce RTX 3080 allerdings nicht ganz, je nach Messreihe stehen 3 bis 6 Prozent weniger FPS auf der „Benchmark-Uhr“ und auch mit Smart Access Memory (SAM) kann AMD die Lücke im Test der Redaktion nicht schließen. Dass der Parcours wie so oft in der Vergangenheit keinen gravierenden, aber in der Reihenfolge durchaus schnell einen entscheidenden Unterschied machen kann, zeigen die zusätzlich getesteten, top-aktuellen Titel, in denen RDNA 2 teilweise sehr stark auftritt und sogar die GeForce RTX 3090 stellt.

Die Radeon RX 6800 legt sich derweil mit der GeForce RTX 3070 an und hat es schon im Standardparcours einfacher. 7 bis 9 Prozent mehr FPS verbucht die AMD-Grafikkarte in Ultra HD für sich, in WQHD sind es noch 3 bis 6 Prozent. Die GeForce RTX 2080 Ti wird ebenso geschlagen. Auch wenn die Radeon RX 6800 primär für die kleinere Auflösung gedacht ist, mit reduzierten Details reicht es auch für 4K. Die Radeon RX 6800 XT ist 17 Prozent schneller als die Radeon RX 6800, gegenüber der Radeon RX 5700 XT fällt die Leistungssteigerung mit fast 90 Prozent extrem hoch aus.

Energieeffizient trotz OC und mit 16 GB Speicher

Radeon RX 6800 und Radeon RX 6800 XT sind nicht nur schnell, sondern auch erstaunlich energieeffizient. Gemessen in FPS pro Watt liegen sie sogar vor den GeForce-RTX-3000-Modellen. Neben Optimierungen in der GPU scheint sich der Infinity-Cache-Ansatz in Kombination mit dem schmalen 256-Bit-Interface auch abseits der Leistung als strategisch richtige Entscheidung zu erweisen – wie beim Chiplet-Ansatz von AMD Ryzen. Die Änderungen an der Architektur sorgen auch dafür, dass beide Grafikkarten selbst nach dem Übertakten auf 2,5 GHz immer noch effizient arbeiten.

AMD Radeon RX 6800 XT und Radeon RX 6800 im Test
AMD Radeon RX 6800 XT und Radeon RX 6800 im Test

Ein weiterer Pluspunkt ist der auf beiden RDNA-2-Modellen 16 GB große Speicher, der definitiv länger keinen Flaschenhals darstellen wird als die 8 oder 10 GB auf GeForce RTX 3070 und GeForce RTX 3080.

Zu guter Letzt fährt AMD mit Radeon RX 6000 auch erstmals ein Referenzdesign auf, das sich sehen, anfassen und hören lassen kann. Der Referenzkühler der Radeon RX 6800 XT ist beim Spielen sehr leise und lautlos auf dem Windows-Desktop. Selbst Custom-Karten werden es schwer haben, diesen zu übertrumpfen. Die Radeon RX 6800 wird lauter, was offensichtlich aber eher an der niedrigeren GPU-Ziel-Temperatur, als am 0,5 Slot kleineren Kühler liegt. Es bleibt genug Spielraum für einen manuellen Eingriff.

Bei Raytracing (und DLSS) ist Nvidia führend

Seine Schwäche hat RDNA 2 beim Raytracing. Die Performance liegt zwar höher, als auf Basis von Gerüchten zuletzt angenommen werden musste, gegenüber Nvidia Ampere hat RDNA 2 in der Summe der aktuell verfügbaren Titel aber klar das Nachsehen.

Die Radeon RX 6800 XT ist mit Raytracing im Standard-Parcours und in Call of Duty Black Ops: Cold War im Durchschnitt so schnell wie eine GeForce RTX 3070. Bei einigen Raytracing-Titeln fällt der Rückstand größer aus, bei anderen ist er kleiner. Das verwundert in sofern nicht, als dass Nvidia und AMD einen anderen Ansatz fahren. Nvidia beschleunigt mehr RT-Aufgaben in Hardware, AMD nutzt für einen Teil die klassischen Shader. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Leistung mit RT in Watch Dogs: Legion, hier zeigt sich RDNA 2 absolut konkurrenzfähig. Für die Zukunft wichtig wird die Frage sein, ob sich die PC-Entwickler an die Konsolenintegration von Raytracing halten, was dort genauso funktioniert wie auf AMDs neuen Grafikkarten. Dies wird eine entscheidende Frage für zukünftige Leistungsprognosen sein.

Noch nichts entgegensetzen kann AMD der mittlerweile deutlich gereiften KI-Kantenglättung Nvidia DLSS. FidelityFX Super Resolution ist zwar in Aussicht gestellt, wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Monate auf sich warten lassen. Ohne ist die Radeon RX 6800 XT meistens, wenn auch nicht immer, schnell genug für Raytracing in WQHD. Für Ultra HD reicht die Leistung nur selten.

Die Frage lautet also: Welche Grafikkarte sollte im nächsten Gaming-PC Einzug halten, sofern sie zum vernünftigen Preis denn überhaupt einmal verfügbar ist? 579 Euro will AMD für die Radeon RX 6800 haben, 649 Euro sind es für die Radeon RX 6800 XT. Bei dem geringen Preisunterschied ist die Radeon RX 6800 XT klar das attraktivere Modell. Ist sie auch einer GeForce RTX 3080 vorzuziehen, die 699 Euro kostet?

RX 6800 XT vs. RTX 3080: Auf den Preis kommt es an

Am Ende kommt es vorerst in erster Linie auf den am Markt erzielbaren Preis und Argumente wie „Speicherausbau“ oder „Raytracing/DLSS“ an. Die Nvidia-Grafikkarte ist im Standardparcours mess-, aber nicht spürbar schneller, ganz neue Titel wie Watch Dogs: Legion oder Dirt 5 sehen RDNA 2 vorne. RTX 3000 bietet bei Raytracing vor allem in Verbindung mit DLSS einen spürbaren Leistungsvorteil. Schnell genug für 4K in Rasterizer-Spielen bei hohen bis maximalen Details sind beide Grafikkarten. AMD fährt eine nochmals bessere Energieeffizienz, einen sehr guten Referenzkühler und den 16 GB großen Speicher auf. Ob Nvidias RT-Vorteil oder 16 GB in Zukunft wichtiger sein werden, steht in den Sternen und hängt auch von persönlichen Vorlieben ab.

In Anbetracht der UVP fällt es daher schwer, einen Gewinner zu küren, denn beide Grafikkarten sind schlicht sehr gut. Einen Fehler macht man mit keinem Produkt. Freude hat man an beiden Grafikkarten.

RX 6800 vs. RTX 3070: Schneller, aber teurer

Die Radeon RX 6800 geht aus dem Duell mit der GeForce RTX 3070 hingegen als Gewinner hervor. Vor allem in Ultra HD ist die AMD-Grafikkarte schneller, die Energieeffizienz ist besser und der Speicher mit 16 GB gleich doppelt so groß. Nvidia kann in diesem Duell nur noch mit Raytracing sowie DLSS punkten.

Die angesetzte UVP von 579 Euro stellt allerdings einen deutlichen Aufpreis dar, für gerade einmal 70 Euro mehr gibt es die schnellere Radeon RX 6800 XT. Die GeForce RTX 3070 kostet mit 499 Euro weniger und positioniert sich trotz geringerer Leistung so besser am Markt – zumindest auf dem Papier.

Auch in diesem Duell haben Kunden am Ende also keine einfache Wahl zu treffen, aber genau das ist der Luxus im November 2020: Eine Wahl, es gibt sie endlich wieder.

(angenommener) Termin offiziell bestätigt
Tests GeForce RTX 3080 FE 16. September 2020
Tests GeForce RTX 3080 (Custom-Designs) (CD) 17. September 2020
Verkauf GeForce RTX 3080 FE & CD 17. September 2020
Tests GeForce RTX 3090 FE & CD 24. September 2020
Verkauf GeForce RTX 3090 FE & CD 24. September 2020
Tests GeForce RTX 3070 FE 27. Oktober 2020
Vorstellung AMD Radeon RX 6000 28. Oktober 2020
Tests GeForce RTX 3070 CD 29. Oktober 2020
Verkauf GeForce RTX 3070 FE & CD 29. Oktober 2020
Tests und Verkauf Radeon RX 6800 Referenz Heute
Tests und Verkauf Radeon RX 6800 XT Referenz Heute
Tests und Verkauf Radeon RX 6800 CD 25. November 2020 nein
Tests und Verkauf Radeon RX 6800 XT CD 25. November 2020 nein
Tests und Verkauf Radeon RX 6900 XT Referenz 8. Dezember 2020 Ja

Ergänzung vom 25. November: Inzwischen hatte die Redaktion auch erste Custom Designs im Test.

ComputerBase hat die Radeon RX 6800 und die Radeon RX 6800 XT von AMD zum Testen erhalten. Die Grafikkarten wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

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