Shroud Edition im Test: Logitech macht die G303 zur Clawgrip-G-Pro-Superlight

Fabian Vecellio del Monego
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Shroud Edition im Test: Logitech macht die G303 zur Clawgrip-G-Pro-Superlight

Die funkende High-End-Neuauflage der G303 überzeugt im Test, wenn sie im Claw-Grip gehalten wird. In Ermangelung ebenbürtiger Alternativen wird das Eingabegerät eine klare Empfehlung für Spieler auf der Suche nach einer dedizierten Claw-Grip-Maus. Mit anderem Griff wird es hingegen schmerzhaft.

Heiß erwartete Shooter-Maus

Nachdem die letzte Version der G303 schon seit Jahren nicht mehr verfügbar ist und seither für teils absurd hohe Preise auf beispielsweise eBay angeboten wird, legt Logitech die ikonisch geformte Shooter-Maus mit High-End-Technik neu auf. In der Maus-Enthusiasten-Szene wurde die kabellose G303 nach Monaten voller Gerüchte und Leaks mit Vorfreude erwartet, zuletzt waren auch die exakten Spezifikationen der Shroud-Edition kein Geheimnis mehr.

Wie schon vor rund einem Jahr bei der ebenfalls vorab kolportierten G Pro X Superlight (Test) blieb der Verkaufsstart die einzige offene Frage, bis das Eingabegerät schließlich Mitte November 2021 lieferbar wurde.

Grund für den Wirbel um eine recht gewöhnlich erscheinendes und von Logitech in Kooperation mit dem Streamer Shroud neu aufgelegtes Eingabegerät ist dessen ungewöhnliche Formgebung, mit der sich die Maus speziell an Claw-Grip-Spieler richtet. Wieso dem so ist, wie dieser Griff überhaupt aussieht und inwiefern sich die G303 Wireless von der mittlerweile günstiger zu erstehenden G Pro X Superlight absetzen kann, das soll dieser Test beantworten.

Logitech G303 Wireless
Logitech G Pro X Superlight
Ergonomie: Symmetrisch (Rechtshändig)
Sensor: Logitech Hero 25K
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0 mm
Auflösung: 100–25.600 CPI
5 Stufen
Geschwindigkeit: 10,2 m/s
Beschleunigung: 392 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC, 20 mio. Klicks Omron D2FC-F-7N, 20 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
5
Oberseite: 3
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Mausrad
Software: 5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung:
Gehäuse: 117 × 70 × 40 mm
Hartplastik
Gleitfüße: PTFE (rein)
125 × 64 × 40 mm
Hartplastik
Gleitfüße: PTFE (rein)
Gewicht: 73 Gramm (o. Kabel) 60 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A auf USB-C-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 145 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel
USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,80 m
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 70 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Induktion (proprietär)
Preis: ab 109 € ab 94 € / ab 111 €

Denn die gemäß unverbindlicher Preisempfehlung rund 150 Euro teure GPXS ist im Preisvergleich mittlerweile dauerhaft für unter 110 Euro gelistet, während die gemäß UVP 130 Euro teure G303 Wireless bislang auch nur zu diesem Preis erhältlich ist – mutmaßlich wird sich das irgendwann ändern, wann aber, das kann niemand sagen.

Rautenförmiges Gehäuse impliziert den Claw-Grip

Während die meisten Gaming-Mäuse an ihren Flanken – oder zumindest der linken Seite – über konkave Einkerbungen verfügen und damit bequeme Auflageflächen für die Finger schaffen, bildet das Chassis der mittelgroßen G303 eine Raute oder vielleicht sogar eher ein umgedrehtes konvexes Drachenviereck ab. An den Flanken stoßen die Finger folglich nicht etwa auf die vertrauten Einkerbungen, sondern auf eine plane Fläche oder gar eine Beule. Hinzu kommt, dass die Maus nach oben hin breiter wird.

Maßgeschneidert für Klauenhände

Versuchen Nutzer nun, die G303 im Palm-Grip zu bedienen – das beudetet, die gesamte Handfläche bequem auf die Maus abzulegen –, so finden die Finger an den Seiten nahezu keinen Halt und rutschen unweigerlich Richtung Mauspad ab. Hinzu kommt, dass das Eingabegerät nicht sonderlich lang ist und über ein abrupt abfallendes Heck verfügt – unbequem ist die Griffvariante somit allemal. Und der Fingertip-Grip, bei dem die Maus lediglich mit den Fingerspitzen an beiden Seiten sowie der linken und rechten Maustaste berührt wird? Dieser ist grundsätzlich möglich, doch rutscht die Maus dann wie ein Keil stets Richtung Handballen. Und eigentlich ist die G303 Wireless für den Fingertip-Grip auch ein wenig zu hecklastig und auch der Sensor sitzt ungünstig weit hinten.

Dass die außerordentlich leichte, nur sehr subtil geformte und längere G Pro X Superlight folglich eine bessere Fingertip-Grip-Maus gibt, liegt auf der Hand. Und auch für den Palmgrip ist Logitechs Shooter-Flaggschiff besser geeignet. Ebenso auf der Hand liegt damit nun wohl die Antwort, für welche Griffvariante die G303 konzipiert ist: Den Claw-Grip. Dabei wird die Hand zu einer Klaue geformt, das heißt nicht nur die Fingerspitzen, sondern auch – je nach Größe der Gliedmaßen – der Handballen oder die Handwurzel berühren das Chassis. Das führt dazu, dass die im Fingertip-Grip nach hinten ausweichende G303 konsequent gegen die im Claw-Grip deutlich weiter vorne vorzufindende Hand gedrückt wird – und somit sehr sicher geführt werden kann. Auch das erwähnte steile Heck und die breiten Flanken leisten dem Vorschub.

Die als Shroud-Edition nun etwas größer gewordene G303 ist derweil nicht die erste oder einzige Maus, die ein solches Konzept umsetzt. An dieser Stelle zu nennen sind beispielsweise Endgame Gears hervorragende XM1 RGB (Test) und XM1r, SteelSeries' Sensei Ten (Test) oder zuletzt Roccats Burst-Serie (Test). Logitech selbst bietet mit der G305 gar eine annähernd ähnlich geformte Maus, die aber anderweitig nur sehr wenig mit der G303 Wireless gemeinsam hat. Prinzipiell lässt sich ohnehin jede Fingertip-Grip-Maus auch im Claw-Grip bedienen, mal besser, mal schlechter. Die neue G303 setzt die erwähnten Formgebungs-Tugenden allerdings so konsequent um, wie kaum eine zweite Maus – und kombiniert diese Eigenheit mehr oder minder mit dem Innenleben der GPXS, also High-End-Hardware und Funktechnik, doch dazu später mehr.

Anderweitig sehr schlicht und mit USB-C

Weitere Besonderheiten gibt es derweil kaum. Die G303 Shroud Edition ist mit einer Masse von rund 73 Gramm wie bereits erwähnt weder herausragend leicht, noch ist sie besonders gut balanciert und die großflächigen, besonders gleitfähigen und leisen Gleitelemente aus reinem PTFE gehören mittlerweile bei derart teuren Mäusen zum guten Ton. Dazu ein obligatorischer Hinweis: Ein Stoffmauspad ist Pflicht, sonst verkratzen die Gleitelemente schnell und auch die Abnutzung wird dann viel früher ein Problem. Die alternativlos mattschwarze Farbgebung mit silbernem G-Logo sticht derweil höchstens durch die Abstinenz jeglicher RGB-LEDs aus der Masse hervor. Nur eine einzelne Leuchtdiode vor dem Mausrad informiert beim Einschalten oder bei kritischem Niveau spartanisch über den Akkustand.

Anzumerken ist lediglich noch, dass sich die etwas rauere, etwas mattere Oberfläche der neuen G303 tatsächlich wertiger anfühlt als die glattere Oberfläche der GPXS. Das geht aber wiederum mit einer potenziell schlechteren Haftung einher, die aber nur beim Fingertip-Grip entscheidend ist. Letztlich sind die beiden Mäuse also ganz pragmatisch für ihre vorgesehene Griff-Variante optimiert, wobei die GPXS allerdings im Ergebnis eine bessere Claw-Grip-Maus wäre als die G303 eine Fingertip-Grip-Maus. Beide Szenarien sind indes nicht optimal, andersherum passt es aber ausgezeichnet.

Übrigens wäre auch das nicht überragend flexible, aber auch nicht sonderlich steife Kabel nichts Besonderes, wenn Logitech nicht erstmals bei einer Maus der G-Serie auf USB-C setzen würde. Micro-USB schien schon vor rund einem Jahr bei der GPXS aus der Zeit gefallen. Der Anschluss an der Vorderseite der G303 Wireless ist zwar abermals ein wenig schwer zugänglich nach hinten versetzt, die meisten Drittanbieter-Kabel passen aber dennoch. Und apropos schwer zugänglich: Während die meisten Funkmäuse dem USB-Funk-Adapter ein schlichtes Fach auf der Unterseite bieten, verfügt die G303 Wireless über eine nach unten hin ausgerichtete und magnetisch fixierte Schublade am Heck. Hier stellt sich vor allem eine Frage: Wieso?

Abermals Omron-Primärtaster

Nahezu keine Änderungen zur G Pro X Superlight finden sich bei den Schaltern. Logitech setzt abermals auf klassische mechanische Omron-Mikroschalter, wo viele andere Hersteller – zumindest im gegebenen Preissegment – bereits seit Jahren auf der Suche nach direkteren und vor allem langlebigeren Alternativen sind. Razer beispielsweise stattet die meisten aktuellen Gaming-Mäuse mit optomechanischen Switches aus; das gleiche gilt für Roccat und einige weitere Anbieter. Endgame Gear hingegen schaltet eine analoge Signalauswertung hinter mechanische Kailh-Taster und Zaunkoenig setzt auf japanische Omron-Taster mit je drei Kontakten statt derer zwei.

Logitech hingegen verbaut Ende 2021 wieder Omrons in China gefertigte D2FC-7-7N(G1) mit einer spezifizierten – und nur auf dem Papier existenten – Lebenszeit von 20 Millionen Klicks, nachdem die mit 50 Millionen Klicks spezifizierte und zwecks Energieeffizenz außerhalb der Spezifikationen betrieben Variante in früheren Chargen der G Pro Wireless (Test) einen negativen Eindruck hinterließ. Zu häufig berichteten Nutzer nach teils nur wenigen Monaten von unerwünschten Doppelklicks, weil die ab Werk konfigurierte Entprellzeit der Taster durch Korrosion und Verschmutzungen nicht mehr ausreichte, um einzelne Klicks auch lediglich als solche wahrzunehmen.

Mit Silber gegen Doppelklicks

Schon die G Pro X Superlight startete daher wieder mit der älteren, auf dem Papier eigentlich unterlegenen 20er-Variante, die sich aber letztlich in Logitechs Mäusen als zuverlässiger erwies. Der Hersteller ist sich der Problematik folglich bewusst, weswegen Angaben zu den verbauten Tastern auch weitgehend vermieden werden. Auch im Datenblatt zur G303 Shroud Edition ist lediglich von „Klicktasten mit Federspannung“ die Rede. Der zweite Teil bezieht sich dabei auf eine schon bei der GPXS in Relation zur GPW geänderten Aufhängung der Tastenkappen, die für ein ansprechenderes Klickgefühl sorgen sollte und das auch tatsächlich tut. Die gleichsam konzipierten Tasten der neuen G303 fühlen sich derweil noch ein wenig taktiler sowie direkter an. Und auch akustisch sind sie ansprechender: Das Klickgeräusch fällt im Vergleich zur GPXS ein wenig leiser und vor allem weniger schrill aus.

Linke und rechte Maustaste fühlen sich also sehr gut an, doch wie sieht es nun mit der Zuverlässigkeit aus? Auch hier soll die geänderte Aufhängung laut Logitech Vorteile bringen, zudem setzt der Hersteller bei GPXS und nun auch der G303 Wireless auf eine Sonderanfertigung der Omron-Schalter mit versilberten Kontakten. Und zumindest bei der G Pro X Superlight scheint das so weit zu funktionieren; die Beschwerden bezüglich unerwünschter Doppelklicks sind im Vergleich zu frühen Chargen der G Pro Wireless drastisch zurückgegangen. Auch ich persönlich habe eben diese Erfahrung gemacht: Während dir mir vorliegende G Pro Wireless nach rund einem Jahr mit Doppelklicks bei der mittleren Maustaste – also dem Mausrad-Klick – zu kämpfen hatte, funktionieren die Tasten der von mir seit über einem Jahr fast täglich genutzten G Pro X Superlight nach wie vor einwandfrei.

Logitech G303 Wireless
Logitech G Pro X Superlight
Endgame Gear XM1 RGB

Selbstredend können und sollten aber die Einschätzung der Nutzer-Beschwerden sowie meine subjektive anekdotische Evidenz nach rund einem Jahr kein endgültiger Maßstab sein: Einerseits ist die Zeitspanne zu gering, um Langzeiterfahrungen abbilden zu können – und eben diese sind für eine solche Praxisbeurteilung unabdinglich –, andererseits werden unerwünschte Doppelklicks durch die von Logitech umgesetzten Maßnahmen in der Theorie keineswegs kategorisch ausgeschlossen, sondern lediglich deutlich unwahrscheinlicher. Das ist zweifelsohne ein anzuerkennender Fortschritt im Vergleich zu vielen früheren Logitech-G-Mäusen, aber letztlich kein Aufschluss zur Konkurrenz. Doch gilt es hier wie bereits erwähnt abzuwarten – die bisherigen Erfahrungen mit der Kombination aus Schalter und Aufhängung sind durchaus positiv.

Bonuspunkte beim und hinterm Mausrad

Ebenso ambivalent lässt sich das Mausrad der G303 Wireless beurteilen. Einerseits hat es Logitech diesmal geschafft, das Rad im Vergleich zu GPW und GPXS deutlich taktiler und mit weniger Spiel zwischen den einzigen Rasterungsstufen zu fertigen – die Rasterung erinnert nun gar ein wenig an Razer-, Roccat- oder Endgame-Gear-Mausränder –, andererseits ging diese Anpassung auch mit prägnanterer Akustik einher. So ist vor allem das schnelle Drehen lauter, während ein langsames Drehen beim vorliegenden Muster stets mit einem leichten Schleifen einhergeht. Diese Anmerkung soll betont nicht wertend sein; in subjektiver Wahrnehmung können beide Mausräder besser als das jeweils andere klingen. Funktional beeinträchtigt ist das Rad durch das Schleifgeräusch derweil keineswegs, und letztlich überwiegen ohnehin die Vorteile der taktileren Rasterung. Anzumerken ist lediglich noch, dass das Rad ungewöhnlich tief im Chassis versunken ist. Sehr weites Scrollen wird damit potenziell anstrengender, weil der Finger häufiger umgreifen muss.

Völlig ohne Kritik kommt derweil die hinter dem Mausrad platzierte Zusatztaste aus, die GPW und GPXS missen. Der Grund dafür findet sich laut Logitech im Vermeiden unbeabsichtigter Betätigungen, weswegen der bei Shooter-Mäusen eigentlich übliche Knopf bei der G Pro Wireless zunächst auf die Unterseite des Gehäuses wanderte. Die G Pro X Superlight musste dann zwecks Gewichts­einsparungen ganz ohne dritte Zusatztaste auskommen. Bei der hinsichtlich der Masse weniger kritischen Claw-Grip-Maus G303 ist der frei programmierbare Schalter nun wieder auf der Oberseite vorzufinden, wohl aber ein wenig abgesenkt: Die Angst vor unbeabsichtigten Betätigungen ist geblieben.

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