Endgame Gear XM1 RGB im Test: Mit neuen Tastern und Soft­ware näher an der Perfektion

Fabian Vecellio del Monego
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Endgame Gear XM1 RGB im Test: Mit neuen Tastern und Soft­ware näher an der Perfektion

tl;dr: Nach einem gelungenen Einstand und einer sehr guten verbesserten Version bringt Endgame Gear mit der XM1 RGB eine nahezu perfekte Shooter-Maus für Fingertip- oder Claw-Grip-Spieler auf den Markt. Zwar ist die Neuheit der klassischen XM1 nicht in jeder Hinsicht überlegen, eine Empfehlung drängt sich aber geradezu auf.

Vor rund einem Jahr erschien Endgame Gears erste Maus, die XM1, und erzielte im Test bereits ein gutes Urteil, das wenige Monate später mit stellenweise verbesserter Hardware in einer überarbeiteten Version zur Empfehlung wurde. Nun steht mit der XM1 die dritte Variante zur Verfügung. Neu sind in erster Linie Kailh-Taster und eine RGB-Beleuchtung. Darüber hinaus wurden die Gleitfüße angepasst und die Software aufgebohrt. Dieser Test soll klären, inwiefern die XM1 RGB zum Aufpreis von rund 10 Euro eine potentiell bessere Maus sein kann.

Hinsichtlich der Konkurrenz muss sich die XM1 RGB wiederum gegen alte Bekannte behaupten, darunter Razers Viper (Test) respektive Viper Ultimate (Test) und Logitechs G Pro Wireless (Test), die jeweils gespiegelte Zusatztasten bieten, aber auch mehr kosten. Engster Rivale bleibt derweil zum günstigeren Preis Glorious' Model O (Test). Im kleineren – und noch leichteren – Formfaktor werben indes die Model O- (Test), die Viper Mini (Test) und Cooler Masters MM710 (Test) um Kunden.

Endgame Gear XM1 RGB
Endgame Gear XM1
Ergonomie: Symmetrisch (Rechtshändig)
Sensor: PixArt PMW-3389
Optisch
Lift-Off-Distance: 2,0–3,0 mm
Auflösung: 50–16.000 cpi
4 Stufen
Geschwindigkeit: 11,4 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Kailh GM 4.0, 60 mio. Klicks Omron D2FC-F-K, 50 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 3 Unterseite: 1
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Software: 5 Profile
teilweise programmierbar
Interner Speicher: 1 Profil
1 Profile
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: Farbe: RGB, 3 adressierbare Zonen
Modi: Atmend, Farbschleife
cpi-Indikator
cpi-Indikator
Gehäuse:
122 × 66 × 38 mm
Hartplastik, Beschichtung
Variante
122 × 66 × 38 mm
Hartplastik, Beschichtung
Glanzelemente
122 × 66 × 38 mm
Hartplastik, Beschichtung
Gewicht:
82 Gramm (o. Kabel)
Variante
78 Gramm (o. Kabel)
70 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 1,80 m, umwickelt
USB-A-Kabel, 1,80 m
Variante
USB-A-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Preis: ab 70 € / ab 70 € / ab 70 € / ab 70 € 60 € / ab 66 € / ab 62 €

Claw-Grip-Chassis bietet einen ausgezeichneten Halt

Das Chassis der XM1 RGB ist eigentlich symmetrisch geformt, Seitentasten finden sich jedoch lediglich an der linken Flanke, weswegen die Maus für Linkshänder nur bedingt interessant ist. In Vergleich zu anderen, ähnlich ausgelegten Modellen ist vor allem die tiefe und weit abfallende Front auffällig, während der höchste Punkt der XM1 RGB nach wie vor rund 1 bis 2 cm hinter deren Mittelpunkt liegt. Die breiteste Stelle findet sich beim Übergang vom mittleren zum hinteren Drittel der am Boden leicht keilförmigen Maus.

Eine Änderung zur unbeleuchteten XM1 ist derweil beim Schwerpunkt auffällig, der nun nicht mehr leicht nach vorne verlagert, sondern fast genau in der Mitte zu finden ist. Das liegt aber freilich nicht an einer Umverteilung der Masse, sondern am zusätzlichen LED-Ballast, der das Gewicht von 70 auf 82 g ansteigen lässt – ein eindeutig spürbarer Unterschied und potentieller Nachteil, ist die Maus doch besonders für den Fingertip- und Claw-Grip konzipiert. Grundsätzlich eignet sich die XM1 RGB jedoch für sämtliche Griffvarianten. Nutzer mit sehr großen Händen haben allerdings im Palm-Grip das Problem, mit ihren Fingern über die Primärtasten und mit ihrem Daumen über die Seitentasten hinauszuragen.

Für einen guten Halt sorgt bei der XM1 RGB hauptsächlich die Form: Beide Flanken sind konkav geformt und nach unten hin schmaler werdend. Positiv anzumerken ist außerdem, dass die matte und leicht raue Kunststoff-Oberfläche verhältnismäßig rutschfest ausfällt. Somit ist es problemlos möglich, das Eingabegerät häufig hochzuheben und wieder abzusetzen, ohne dass es in der Hand verrutscht – Low-Sense-Spieler mit Präferenz für niedrige Sensorauflösungen haben also kein Problem.

Die Gleiteigenschaften sind immer noch sehr gut

Das bereits angesprochene gestiegene Gewicht der XM1 RGB mindert selbstredend die Gleiteigenschaften. Das ist einerseits nicht sonderlich schlimm, weil die unbeleuchtete XM1 so gut gleitet wie nahezu keine andere Maus – aber gerade deswegen auch ein wenig schade. Nichtsdestoweniger befinden sich die Gleiteigenschaften weiterhin auf sehr hohem Niveau und sind denen einer Model O oder Viper Ultimate ebenbürtig. Letztere arbeitet zwar kabellos, aber das Kabel der XM1 RGB ist abermals so flexibel umwickelt, dass es schlichtweg nicht spürbar ist.

Die Gleitfüße wiederum lassen ebenfalls keine Kritik zu. Nach wie vor setzt Endgame Gear auf abgerundete PTFE-Elemente, davon aber fortan nur noch zwei: Anstelle eines Gleitfußes in jeder Ecke verbaut der Hersteller bei der RGB-Variante zwei große Streifen unter Front und Heck, die mit einer Dicke von 0,8 mm weiterhin sehr wohlwollend dimensioniert sind, um schnellem Verschleiß vorzubeugen.

Von keiner Beleuchtung zu umfassender Beleuchtung

An dieser Stelle findet sich nun die erste große Änderung zur bekannten XM1: Die neue XM1 RGB wird ihrem Namen gerecht und leuchtet auf Wunsch in bis zu drei Zonen bunt, wobei konkret das Mausrad, das Endgame-Gear-Logo auf dem Mausrücken sowie ein fast um die ganze Maus führender Streifen mit LEDs versorgt sind. Die Ausleuchtung fällt dabei auch bei besagtem Streifen sehr homogen aus, sodass sich tatsächlich der Eindruck eines Lichtbandes ergibt.

Neue Primär- und bekannte Sekundärtasten

Die zweite große Änderung findet sich derweil bei den Primärtastern. Endgame Gear setzte bei der klassischen XM1 auf die altbekannten Omron D2FC-F-K, die auf dem Papier über eine Lebenszeit von 50 Millionen Klicks verfügen. In den meisten Eingabegeräten halten die Schalter aber bei weitem nicht so lange durch, weil Korrosion und Verschmutzung der Metallkontakte irgendwann kein sauberers Signal mehr entstehen lassen, bevor die bei Gaming-Mäusen aggressiv eingestellte Entprellzeit überwunden ist. Infolgedessen registriert die Maus einen einzelnen getätigten Klick potentiell als Doppelklick – ein leider immer noch sehr häufiges Problem, dessen sich einige Hersteller aber in den letzten Jahren bewusst wurden. Eine niedrige Entprellzeit von nur wenigen Millisekunden ist indes notwendig, um Verzögerungen möglichst gering zu halten – die Entscheidung zwischen Schnelligkeit und Langlebigkeit folglich eine Gratwanderung.

Mit analogem Entprellen und Kailh-Tastern gegen Doppelklicks

Bereits die unbeleuchtete XM1 begegnet diesem Dilemma mit einer analogen Auswertung des Tastersignals, mit der eine „sehr viel stärkere“ Senkung der Reaktionszeit möglich sei, als sie durch digitales Entprellen erreicht werden könne – konkret liege der Wert im Fall der XM1 unter einer halben Millisekunde. Überdies verhindere die analoge Auswertung ungewollte Doppelklicks. Ein Win-win-Szenario also, zumindest in der Theorie. Langzeiterfahrungen fehlen diesbezüglich nach wie vor, doch bisher scheint die Rechnung aufzugehen.

Endgame Gear XM1 RGB

Mit der XM1 RGB geht Endgame Gear derweil noch einen Schritt weiter und verbaut andere Taster. Die von Kailh stammenden GM 4.0 klicken sich dabei fast genauso wie Omrons D2FC-F-K – beide Schalter bieten einen Auslösewiderstand von 60 g –, sind aber ein wenig anders aufgebaut und für eine Lebenszeit von 60 Millionen Klicks spezifiziert. Der tatsächliche Nutzen liegt aber in dem gleichmäßigeren und – zumindest subjektiv – angenehmeren Klickgefühl. Geschwindigkeitsvorteile sind derweil im Rahmen menschlicher Wahrnehmung nicht weiter spürbar, aber auch nicht nötig: Die Primärtaster der XM1 RGB sind erstklassig.

Leichtgängigere Mausrad-Taste gefällt

Spürbarer ist indes die Änderung der Mausrad-Taste, die nunmehr auf einem Panasonic-Schalter mit einem Auslösewiderstand von 75 g basiert, während es bei der normalen XM1 noch 100 g waren. Folglich lässt sich das Rad der RGB-Version deutlich leichter – und angenehmer – klicken, ist aber auch nicht zu leichtgängig. Die Rasterung bleibt wiederum präzise und stramm, ohne allzu laut zu werden. Erst beim sehr schnellen Scrollen wird das Geräusch potentiell störbar, insgesamt lässt sich aber auch das Mausrad der XM1 RGB als erstklassig beschreiben.

Abseits dessen bietet die XM1 RGB lediglich ein Tastenpaar an der linken Seite sowie eine Taste auf der Unterseite. Die linksseitigen Knöpfe sind einzeln betrachtet gelungen, unterscheiden sich aber geringfügig voneinander: Die vordere Taste löst leichter aus, während der hinter dem Signalpunkt verbleibende Hubweg der hinteren Daumentaste ein wenig größer ausfällt – wirklich schlimm ist das aber nicht. Die Taste auf der Unterseite dient indes dem sequentiellen Durchschalten der Konfigurationsprofile sowie der Anpassung der USB-Abfragerate.

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