AW: Fußball-Stammtisch
@Gigakopi
Gesunde Skeptik ist eine gute Sache. Wir sehen uns zu schnell als Halbfinalist, wenn es gut läuft. Gesunder Optimismus ist aber genauso wichtig, denn das Japan-Spiel ist kein Maßstab genausowenig wie das Kolumbienspiel wobei man auch sagen muß, das die Deutschen die Kolumbianer nicht haben spielen lassen denn gestern haben sie das gezeigt, was sie gegen Japan haben vermissen lassen - eine gesunde defensive Einstellung in allen Manschaftsteilen.
Wenn Sturm und Mittelfeld schon tief in der gegnerischen Hälfte dem Gegner auf den Füßen stehen, so wie sie es gestern gemacht haben und so, wie sie es gegen Japan nämlich nicht gemacht haben, ist es nur natürlich, das der Gegner nicht ins Spiel kommt und vermeintlich schwach aussieht. Natürlich war Kolumbien nur ein Aufbaugegner, aber redet den Gegner nicht zu klein und vergleicht das Spiel nicht mit dem Japan-Spiel denn dies ist völlig unangemessen angesichst der gänzlich unterschiedlichen Rahmenbedingungen.
Und sagt nicht einfach, das die Kolumbianer die Deutschen haben einfach nur machen lassen. Die haben in der Defensive schon ganz gut dazwischen gehauen für ein Testspiel unter müden Akteuren. Immerhin ist Kolumbien nur ganz knapp an der Qualifikation gescheitert und nach vielerlei Meinungen gehören sie eigentlich zu dem WM-Teilnehmern (by the way, Kolumbien steht auf Platz 27 in derWeltrangliste).
Das Japan-Spiel war ein Experiment, kaum ein Spieler hat auf der Position agiert, auf der er Zuhause ist und zu dem war die gesamte Ausrichtung viel zu offensiv. Das wurde von Außen bemängelt, das wurde intern bemängelt und es wurde abgestellt. Die ganzen Spiele der letzten Monate waren Experimente, Testspiele eben. Gestern wurde nicht experimentiert. Gestern wurde die Spieler dort aufgestellt, wo sie stark sind, und sie haben mit einer sonnvollen taktischen Ausrichtung gespielt und das hat sich ausgezahlt und ich lege mich fest, die gestrige Mannschaft hätte auch die Japaner problemlos beherrscht, weil die quirligen japanischen Techniker garnicht dazu gekommen wären, ihr Spiel aufzuziehen. Belege dafür finden sich in zahlreichen Diskussionen der letzten Tage, in denen das gesamte Japan-Spiel in taktischer Hinsicht zerpflückt wurden.
Wie gesagt, Kolumbien war natürlich kaum mehr als ein Aufbaugegner, aber ich lege mich fest: Wenn die gestrige Aufstellung der WM-Mannschaft entspricht (mit Ballack und Fring im defensiven Mittelfeld, wo sie Zuhause sind usw.) und wenn die taktische Einstellung immer so souverän wie gestern durchgehalten wird, dann war das gestrige Spiel eine sehr gute Basis, auf der man aufbauen kann, wenn sich unsere Spieler nun in den verbleibenden Tagen die nötige Frische holen und wenn sie sich in der glücklicherweise einfachen Vorrunde als starke Turniermannschaft, die Deutschland klassischerweise ist, in das Turnier hinein steigern können, dann können sie sehr weit kommen. Den großen Erfolg traue ich ihnen trotzdem nicht ganz zu. Dazu hat die Vergangenheit zu oft gezeigt, das man mit den "großen Mannschaften" zwar sehr gut mithalten kann (wenn man nicht wie wild experimentiert), aber letzten Endes im entscheidenden Moment die Cleverness und Erfahrung fehlt, um als Sieger vom Platz zu gehen.
Zum Schluß noch ein paar Worte zu den einzelnen Mannschaftsteilen. Den Sturm sehe ich nicht als schlecht an, sofern Podolski und Klose fit bleiben. Der Ersatzsturm ist meinen Augen nicht WM-tauglich, als beten, das Poldi und Klose fit bleiben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Mittelfeld und der Sturm sehr gut zusammen arbeiten. Das in den letzten beiden Spielen das Mittelfeld die Tore gemacht hat, ist kein Maßstab. Die Stürmer waren gestern besonders müde nach der Vorbereitung. Die schweren Beine hat man den beiden meines Erachtens ständig angesehen. Situationen, in denen Poldi sonst den einen Schritt schneller ist, um sich Freiräume zu schaffen, waren gestern nicht gegeben. Ich kann mich an einer Szene erinnern, in der Klose von außen in die Mitte dribbeln wollte und dabei aussahe, als würden ihm gleich die Beine weg knicken.
Das unser Mittelfeld verglichsweise stark ist und das wir bei Standards anscheinend sehr stark sind, ist keine ABwertung der Stürmer sondern eine Stärke unserer Mannschaft. Wir haben ständig vier bis fünf Spieler auf dem Platz, die immer für ein Tor gut sind sowie den einen oder anderen Mittelfeld- und Abwehrspieler, der (gerade bei Standards) gerne mal den Ball versenkt. Das kann nicht schlecht sein. Und gute Standards können immer das Zünglein an der Waage sein, denn Standards gibt es immer und so können sie das Mittel zum Sieg sein, wenn sich beide Mannschaften gleichermaßen stark präsentieren. Nur die Ecken müssen noch verbessert werden.
DIe Abwehr ist natürlich nicht das Aushängeschild, aber die Beobachtungen und Diskussionen der letzten Tage haben gezeigt, das die Mannschaft eher ein Defensiv- als ein Abwehrproblem hat, welches man nun hoffentlich in den Griff kriegt. Dennoch mach ich mir Sorgen um die Abwehr, wenn gerade spielstarke Mannschaften trotz eines guten Defensivverhaltens der Mannschaft auf die Abwehrreihe treffen.
Und was Lehmann angeht, er hat gestern geziegt, warum gerade er der bessere Torwart für diese Mannschaft ist. Als Torwart wurde er gestern nicht geprüft und da hatte er auch diesen Aussetzer, der ihm aber in einem wichtigen Spiel nie passiert wäre (wann war sein letzter Aussetzer in einem wichtigen Spiel? Ich weiß es nicht mehr.). Dafür hat er sich als mitspielender Torwart bewiesen. Wenn Kahn den Ball auf dem Fuß hat, dann kann er zwar auch mal einen öffnenden Pass nach vorne spielen, aber meisten landet der Ball bei Kahn im nirgendwo, vor allem wenn er ihn nicht aus der Hand schlägt. Ich hab hingegen gestern bei Lehmann nicht einen Ball gesehen, den er blind weggeschlagen hat. Seine Bälle fanden immer einer Abnehmer und häufig war so auch efektiver Raumgewinn durch Lehmann möglich.
Shizzle schrieb:
Daher würde ich Ballack eher im def. Mittelfeld auf die Frings Position stellen. Dort wo er in Leverkusen auch zu seinem Ruhm kam.
Jetzt rate Mal, was Ballack gestern gespielt hat.
P.S:: Und wo werden deutschen Spieler überbewertet? Alle reden doch davon, das wir nur ein bis zwei herausragenden SPieler haben und das wir nur über die Mannschaft Erfolg haben können.