AW: Fußball-Stammtisch (2012) (Regeln im 1. Beitrag beachten!)
getexact schrieb:
Mich würd das ehrlich gesagt langsam echt anpieseln, wenn ich überlege, was der FCB an finanziellen Mitteln hat und dann damit macht...nämlich kaum was.
Das ist auch immer so ne Sache, man kann nicht davon ausgehen, dass die Einnahmen aus der einen Saison komplett in die nächste investiert werden. Das, was Bayern von allen anderen internationalen Topclubs außer vielleicht noch Arsenal unterscheidet, ist, dass noch in einem vernünftigen Rahmen gewirtschaftet wird.
Da wäre es vielleicht drin, jedes Jahr einen Weltstar zu kaufen, der sich auf seiner Position vor einen bis dahin in der Stratelf befindlichen Spieler schiebt - mehr aber auch nicht.
Was also machen?
Talente kaufen/ausbilden und in die erste Mannschaft integieren - funktioniert, wenn es gerade läuft ganz gut, aber bei Bayern läuft es selten, dazu ist der Erfolgsdruck (Erfolg = Einnahmen = höhere Gehaltsforderungen, ... da könnte man mal ne dicke Grafik mit allen Einflüssen, Folgen und Bedingungen entwickeln) einfach zu hoch, vor allem war er das dieses Jahr in der Liga, wo quasi jedes Spiel gewonnen werden musste, weil Dortmund ja irgendwie auch immer alles gewinnen konnte. Und natürlich sind Talente, die sich entwickeln müssen, für das Spiel eine Verschlechterung, da kann mir niemand etwas anderes weißmachen.
Nun ist es ja nicht so, dass Bayern Talente grundsätzlich auf der Bank schmoren lässt. So etwas wie Lell und Ottl hat damals einen Haufen an Spielen gemacht, aber die Leistungen qualitativ letztlich doch nach unten gezogen (=> Verkauf ohne großen Gewinn). Aber bei Müller, Badstuber, Kroos und Alaba sind 4 Beispiele für funktionierende Förderung in den letzten 2 Jahren.
Versucht man, mehr Spieler auf einmal zu integrieren, stört man entweder die Spielpraxis anderer Spieler oder man streut extreme Leistungsschwankungen in eine Saison ein. Wirklich "leichte Spiele", in denen man nicht viel Leistung braucht, um zu gewinnen, hat auch ein FC Bayern nicht, außer in den ersten Runden des DFB-Pokals.
Wir haben in Deutschland auch deutlich weniger Spiele als Mannschaften in Spanien, England oder Italien. Da ist man als Trainer nicht wirklich zum Rotieren gezwungen und es kommen zusätzlich auch weniger Einnahmen zusammen, um doppelt mit Stars besetze Kader wie vor allem in England und Spanien aufzubauen.
Es bleibt eigentlich nur, Spieler zu kaufen, die man von vornherein auf die Ersatzbank setzt. Dabei ist der Gedanke ja auch relativ gut, Topspieler aus anderen Mannschaften zu kaufen, damit man sich sicher sein kann, keinen absolut schwachen Spieler eingekauft zu haben. Das ist der zweifelsfrei risikoarmste Weg. Tymo, Pranjic, Olic und van Buyten waren genau diese Spieler. Und bei van Buyten kann man sogar sagen, dass er diese Spielzeit bis zur Verletzung wirklich gut war, wer den als dritten IV hat, wie er ja gerne immer bezeichnet wird, hat den besten dritten IV der Liga (um mal die BVB-Santana-Fanatiker ein wenig zu bremsen). Bei den anderen sind eben die Folgen des Reservistendaseins zu spüren. Bei anderen Vereinen würden sie bei regelmäßiger Spielpraxis vielleicht sogar noch einmal richtig aufblühen wie z.B. ein Pizarro, der bei Chelsea auch regelmäßig auf der Bank saß.
Worauf ich hinaus will, ist, dass Bayern sich, solange die jährliche Spielbelastung nicht den anderen internationalen Topmannschaften angleicht, keinen derart großen Kader voller Topstars leisten kann, weil sich zwangsläufig welche so unzufrieden fühlen werden, dass sie zum großen finanziellen Verlust werden, was ja bereits bei Real trotz des Unterschieds der Mehrbelastung und den daraus resultierenden weiterreichenden Einsatzzeiten für mehr Spieler der Fall ist (van der Vaart, Robben, ...).
Letztlich kann man den FC Bayern mit anderen internationalen Topteams nichts vergleichen, da die Bedingungen andere sind. Solange die sich nicht ändern, muss in der Kaderplanung des FCB immer kleiner geplant werden, als es anderen Topteams möglich ist.
Man kann das System natürlich auch einmal von der anderen Seite betrachten. Was sollte das Ziel der Bayern sein? Ein Kader aus mindestens 22 gleichstarken Spielern ist ein unmögliches Unterfangen, wenn man vorne mitspielen will.
Nehmen wir einmal an, ein Verein besitzt die 22 besten Spieler der Welt (klar, undenkbares Szenario, aber man muss in Extremen denken, um Lösungen zu entwickeln) und gewinnt jedes Jahr alle Wettbewerbe. Wer zu viel Geld und vor allem Gehalt auf der Bank sitzen hat, hat jedoch zwangsläufig finanzielle Verluste, die sogar die Wettbewerbseinnahmen überschreiten werden. Und wenn er die Verluste minimieren möchte, müsste er - beim Gedanken gleichstarker Spieler bleibend - alle Spieler gegen welche mit geringerer Leistung verpflichten, da diese weniger Geld kosten. Dann hat er aber schon nicht mehr genügend Leistung, um alle Wettbewerbe zu gewinnen und macht trotzdem Verlust. So kann man einen Verein bis ins Geldnichts und Leistungsnichts herunterrechnen.
Folge: So ein System kann nicht funktionieren und diverse Vereine gehen mit ihrem Herunterwirtschaften schon in genau diese Richtung und machen es damit vor.
Das System, wie der FCB es momentan zur Kaderplanung fährt, ist tatsächlich eines der bestmöglichen, wenn man die reine Idee dahinter betrachtet. Finanziell effektiver kann man es kaum lösen. Eine Elf die sehr gut und die meiste Zeit spielt bei einer sehr schlechten Ersatzbank (Vorsicht: wieder mal in Extremen gedacht) wird immer bessere Ergebnisse (bei allen anderen Umständen komplett gleich) liefern als eine nur mittelmäßige erste Elf mit einer mittelmäßigen Ersatzbank, einfach aufgrund der Verteilung der Einsatzzeiten.
Theoretische Überlegungen Ende, ich hoffe man kommt mir hinterher.