AW: Fußball-Stammtisch (2012) (Regeln im 1. Beitrag beachten!)
Ylem schrieb:
Fordert Lahm nicht genau zwei solche Transfers pro Jahr? Er scheints kapiert zu haben.
Sein wir mal ehrlich: Das ist einfach nicht drin. In den letzten paar Jahren wurde unterm Strich ungefähr das für Transfers ausgegeben, was abzüglich Personalausgaben übrig geblieben ist. Für einen Topspieler muss man nunmal 30 Mio. hinblättern, wenn man sich wirklich punktuell verstärken will, was ja nötig wäre, wenn ausnahmslos jedes Jahr der Kader weiter verbessert oder zumindest auf dem selben Niveau gehalten werden soll (so ganz lässt sich das ja immer nicht absehen) anstelle immer nur die Spieler zu kaufen, die gerade günstig zu haben sind. Dann hätte man zwar Topspieler wie momentan, nur gestandene Spieler für die Verteidigung konnten seit Jahren nicht mehr verpflichtet werden (was nicht heißt, dass ich mit der jetzigen Abwehr nicht zufrieden bin, aber unter vG wäre einfach ein Verteidiger der Klasse eines Terrys oder Vidics nötig gewesen).
Guckt man sich die Transferausgaben der letzten Jahre an, standen durchschnittlich jährlich etwas mehr als 40 Mio. € zur Verfügung, das was bisher jährlich zurückgelegt wurde, würde sich ungefähr mit den steigenden Gehaltskosten - die nicht zu vernachlässigen sind (wie schon mehrmals gesagt: steigender Erfolg = steigende Gehälter) - eines besseren Kaders decken, wahrscheinlich würde es dafür nicht reichen, aber gehen wir einfach mal davon aus, die 40 Mio. sind ja auch nur ein ungefährer Wert.
Dann reicht das Geld, um jährlich einen Topspieler zu kaufen und hier und da vielleicht ein paar junge Spieler zum Verleihen oder für die zweite Mannschaft (600.000€ für Dale Jennings o.O hoffentlich wird aus dem mal was). Zusätzlich muss immer mal wieder ein Abgang aus der Kategorie unzufriedener Bankdrücker kompensiert werden. Bisher war das immer ein Minusgeschäft für die Bayern, da Bankdrücker nunmal selten an Wert zulegen (außer bei Barca o.O). Ihn gleich durch einen Topspieler zu ersetzen, ist nicht machbar, das muss Schritt für Schritt passieren, da die Kostendifferenz sonst wieder zu groß wird, vor allem bei dem momentan schon kleinen Kader. Da sind die 40 Mio. € schnell weg.
Aber ein Spieler kann auch gut hinlangen.
Momentan besteht der Kader bzw. daraus die Spieler, die das Attribut Topspieler verdient haben und regelmäßig eingesetzt werde, aus zwei Altersgruppen: die 26-29-Jährigen um Schweini, Neuer, Lahm, Ribery, Robben, Gomez und die 19-24-Jährigen um Alaba, Müller, Badstuber, Boateng, Gustavo und Kroos.
Das ist auf Jahre gesehen ein solides Fundament, aus dem so schnell niemand wegbricht. Ich setze immer bei 31 so das Alter, bis zu dem europäische Feldspieler wirklich ihre Lebensbestleistungen abrufen können. Demnach wird dieser Kern so noch mindestens 2, eher 3 Jahren so zu 90% (frühzeitige Leistungseinbrüche miteingeschlossen) zusammenbleiben, sodass man mit einem Topeinkauf pro Jahr gut hinkommt. Vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass jährlich 1-2 Jugendspieler in der ersten Mannschaft erfolgreich integriert werden.
Kauft man wirklich jedes Jahr einen Starspieler, müsste man sich erst in 3 Jahren Gedanken machen, ob dieses Konzept so beibehalten werden kann, wenn Spieler wie Robben und Ribery langsam an Spritzigkeit einbüßen KÖNNTEN.
getexact schrieb:
Entkompliziert man die ganze Geschichte, dann sieht man, dass der FCB aus seinen Möglichkeiten, nämlich einer der reichsten Clubs der Welt zu sein, eniges macht, aber nicht alles gut macht.
Es gibt einige Spieler 4-6 Spieler, die ein extremes Gehalt bekommen, wie man es wohl nur aus England und Spanien kennt, dazu kommen dann die anderen, die aber auch alle durchweg mehr verdienen, als jeder andere Spieler bei einer anderen mansnchaft in der Bulli.
Der finanzielle Vorsprung des FCB vor jeder anderen Bulli Mannschaft ist sehr sehr hoch. Die Ergebnisse, die der FCB einfährt sind so, dass sie fast jedes Jahr Meister werden. Das ist sehr gut. Auch spielen sie oft um den DFB-Pokal. Auch sehr gut. 2/3 also sehr gut und fast ohne Konkurrenz. Dafür reicht auch der Kader locker aus.
Nach dieser Logik würde es auch Arsenal sportlich weitaus besser gehen. Übrigens haben die sogar einen Coach mit klar erkennbarem Konzept, der das auch schon seit Jahren durchzieht.
OK, das ist die Premier League mit den Geldscheißern Chelsea und ManShitty, nimmt man die aber mal aus der Rechnung raus, sieht es bei Arsenal auf keinen Fall besser aus.
Arsenal wie Bayern zeichnen sich eben dadurch aus, dass die Rücklagen bilden. Das grenzt sie von vielen anderen Vereinen dieser Welt ab, vor allem auch in der finanziellen Ausrichtung. Diese Rücklagen sind nicht dazu da, um sie einmal für nen Haufen toller Spieler rauszuwerfen.
Gerade aufgrund dieser Rücklagen spielen beide Vereine dauerhaft auf den oberen Plätzen der Tabelle eine Rolle, weil sie damit, wenn es mal nicht läuft, gegensteuern können. Um mal ein krasses Gegenbeispiel zu nennen, hat man diverse Aufstiegsmannschaften in Liga 1, die quasi dauerhaft 0€ über haben, weil sie gezwungen sind, sofort ihr Geld auszugeben, um die Qualität an Spielern zu besorgen, dass sie die Klasse halten können.
Und dann spielt natürlich immer noch der Faktor Zufall, eben Dinge, auf die man keinen Einfluss nehmen kann, eine Rolle. Wie überall im Leben kann man gegen den Zufallsfaktor ankämpfen, ihn zu 100% zu unterdrücken, schafft man allerdings nie. Im Fußball ist das sogar noch extremer als in anderen Lebensbereichen. Der FCB kann sich in allen Bereichen Saison für Saison verstärken, während alle anderen stagnieren. Jeden möglichen Erfolg wird er dennoch nicht feiern können, selbst wenn dieses Szenario 100 Jahre laufen würde. Und dann gibt es auch noch das Problem, dass dieses "Dagegenankämpfen" durch immer stärkere Bemühungen einen immer geringer werdenden Zusatzertrag abwirft (Stichwort Sigmoide Funktion oder zumindest unterproportional steigend). Das ist quasi ein Naturgesetz nach dem Motto "Man kann sich anstrengen, wie man will, komplett sicher sein, dass etwas klappt, kann man nie."