Längeres Interview mit Ricken in der FAZ heute. Hier ein paar Auszüge zu Kovac:
Paywall!
Sie haben Niko Kovač am Samstag eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB attestiert. Wie hat er das gemacht?
Man kann nicht alles immer nur an Titeln messen. Nach der Hinrunde waren wir Zehnter und hatten auswärts mickrige fünf Punkte gesammelt. Ein zentraler Aspekt für Niko war die Arbeit am körperlichen Zustand der Mannschaft. Wir wussten, dass er bei all seinen früheren Vereinen sehr gut darin war, hier eine Basis zu schaffen. Bei uns ist er mit seiner Arbeit an diesem Thema nicht nur in die Beine reingekommen, sondern auch in die Köpfe. In der Rückrunde haben wir auswärts übrigens 16 Punkte geholt.
Was heißt „in die Köpfe gekommen“?
Es geht ja ganz grundsätzlich nicht nur um das Trainieren, sondern auch um Vermittlungskompetenz. Du kannst den Spielern 1000-mal das Richtige sagen – es wird nichts bringen, wenn sie dir nicht glauben oder nicht ins Umsetzen kommen. Niko hat dafür gesorgt, dass jeder daran gearbeitet hat, sein persönliches Toplevel wieder zu erreichen. Niko hat unter anderem die taktische Ausrichtung, das Training und die Spielnachbereitung umgestellt. Ich sag’s mal so: Die Zahl der Fahrräder im Stadion, am Trainingsgelände und sogar nach Auswärtsspielen in der Kabine ist sicher nicht kleiner geworden.
Er setzt die Spieler nach Auswärtsspielen im Kabinengang auf die Räder?
Unter anderem. Und wo immer Platz ist – ja. Wir haben inzwischen einen kleinen Bus, der die Fahrräder zu unseren Spielen in die anderen Stadien fährt. Da hat Niko einfach eine sehr hohe Expertise, und seine Botschaft ist klar: Wer zum Beispiel im Ausdauerbereich nicht mitzieht, für den wird es sehr schwierig. Karim Adeyemi hat dazu neulich im TV-Interview gesagt: Er hat uns in den Hintern getreten, bei uns im Nachwuchsleistungszentrum heißt der gleiche Mechanismus: Der Trainer hat eine große Vermittlungskompetenz. Es ist Niko gelungen, die Spieler wirklich von seinem Weg zu überzeugen.
All das klingt, als habe Kovač für Disziplin und Ordnung gesorgt, und schon lief es. Ist Fußball so schlicht?
Niko hat ja noch viel mehr bewirkt. Er hat den Spielern Selbstvertrauen gegeben und Vertrauen geschenkt, hat sie stark unterstützt, als nicht so viel Glaube in die eigenen Fähigkeiten vorhanden war. Um ein Beispiel zu nennen: Er hat, wie Sie wissen, immer wieder gebetsmühlenartig den Wert von Julian Brandt hervorgehoben, als der nicht seine beste Phase hatte. Fünf Spieltage vor Saisonende hat Niko dann zu mir gesagt: Julian wird noch ganz entscheidend werden! Und prompt war er in fünf Spielen maßgeblich an sage und schreibe neun Toren beteiligt. Außerdem ist Niko sehr stark in seiner Kommunikation nach innen.
Wie wirkt sich das aus?
Er sagt klar, was er erwartet, und wenn diese Erwartungen im Training erfüllt wurden, honoriert er das mit Einsätzen in den Spielen. Wenn ein Trainer solche einfachen Dinge konsequent durchzieht, erhält er sehr viel Akzeptanz. Die Wirkung auf uns war enorm: Die Anzahl unserer erzielten Tore stieg nach dem Trainerwechsel von 1,8 auf 2,5 pro Spiel, das ist eine Steigerung um 38 Prozent. Und die Anzahl der Gegentore sank von 1,7 auf 1,2 pro Spiel. Mal ganz abgesehen davon, dass wir plötzlich viel mehr gelaufen sind.
Was halten Sie von der Idee, bei der Kaderplanung im Zweifel auf ein paar Prozent Talent zu verzichten und dafür mehr Wert auf Zuverlässigkeit zu legen?
Wir haben bereits bei den Spielern, die wir in den vergangenen zwölf Monaten verpflichtet haben, auf genau solche Attribute gesetzt: Serhou Guirassy, Pascal Groß und Waldemar Anton bringen eine gute Mentalität in die Kabine und auf den Trainingsplatz. Maximilian Beier ist sich für keinen Weg zu schade, das Gleiche gilt für Daniel Svensson, der im Winter kam und den wir nun fest verpflichtet haben. Wir werden auch weiterhin an diesem Thema arbeiten, aber in diesem Sommer haben wir keinen weiteren Riesenumbruch geplant.
Paywall!
Sie haben Niko Kovač am Samstag eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB attestiert. Wie hat er das gemacht?
Man kann nicht alles immer nur an Titeln messen. Nach der Hinrunde waren wir Zehnter und hatten auswärts mickrige fünf Punkte gesammelt. Ein zentraler Aspekt für Niko war die Arbeit am körperlichen Zustand der Mannschaft. Wir wussten, dass er bei all seinen früheren Vereinen sehr gut darin war, hier eine Basis zu schaffen. Bei uns ist er mit seiner Arbeit an diesem Thema nicht nur in die Beine reingekommen, sondern auch in die Köpfe. In der Rückrunde haben wir auswärts übrigens 16 Punkte geholt.
Was heißt „in die Köpfe gekommen“?
Es geht ja ganz grundsätzlich nicht nur um das Trainieren, sondern auch um Vermittlungskompetenz. Du kannst den Spielern 1000-mal das Richtige sagen – es wird nichts bringen, wenn sie dir nicht glauben oder nicht ins Umsetzen kommen. Niko hat dafür gesorgt, dass jeder daran gearbeitet hat, sein persönliches Toplevel wieder zu erreichen. Niko hat unter anderem die taktische Ausrichtung, das Training und die Spielnachbereitung umgestellt. Ich sag’s mal so: Die Zahl der Fahrräder im Stadion, am Trainingsgelände und sogar nach Auswärtsspielen in der Kabine ist sicher nicht kleiner geworden.
Er setzt die Spieler nach Auswärtsspielen im Kabinengang auf die Räder?
Unter anderem. Und wo immer Platz ist – ja. Wir haben inzwischen einen kleinen Bus, der die Fahrräder zu unseren Spielen in die anderen Stadien fährt. Da hat Niko einfach eine sehr hohe Expertise, und seine Botschaft ist klar: Wer zum Beispiel im Ausdauerbereich nicht mitzieht, für den wird es sehr schwierig. Karim Adeyemi hat dazu neulich im TV-Interview gesagt: Er hat uns in den Hintern getreten, bei uns im Nachwuchsleistungszentrum heißt der gleiche Mechanismus: Der Trainer hat eine große Vermittlungskompetenz. Es ist Niko gelungen, die Spieler wirklich von seinem Weg zu überzeugen.
All das klingt, als habe Kovač für Disziplin und Ordnung gesorgt, und schon lief es. Ist Fußball so schlicht?
Niko hat ja noch viel mehr bewirkt. Er hat den Spielern Selbstvertrauen gegeben und Vertrauen geschenkt, hat sie stark unterstützt, als nicht so viel Glaube in die eigenen Fähigkeiten vorhanden war. Um ein Beispiel zu nennen: Er hat, wie Sie wissen, immer wieder gebetsmühlenartig den Wert von Julian Brandt hervorgehoben, als der nicht seine beste Phase hatte. Fünf Spieltage vor Saisonende hat Niko dann zu mir gesagt: Julian wird noch ganz entscheidend werden! Und prompt war er in fünf Spielen maßgeblich an sage und schreibe neun Toren beteiligt. Außerdem ist Niko sehr stark in seiner Kommunikation nach innen.
Wie wirkt sich das aus?
Er sagt klar, was er erwartet, und wenn diese Erwartungen im Training erfüllt wurden, honoriert er das mit Einsätzen in den Spielen. Wenn ein Trainer solche einfachen Dinge konsequent durchzieht, erhält er sehr viel Akzeptanz. Die Wirkung auf uns war enorm: Die Anzahl unserer erzielten Tore stieg nach dem Trainerwechsel von 1,8 auf 2,5 pro Spiel, das ist eine Steigerung um 38 Prozent. Und die Anzahl der Gegentore sank von 1,7 auf 1,2 pro Spiel. Mal ganz abgesehen davon, dass wir plötzlich viel mehr gelaufen sind.
Was halten Sie von der Idee, bei der Kaderplanung im Zweifel auf ein paar Prozent Talent zu verzichten und dafür mehr Wert auf Zuverlässigkeit zu legen?
Wir haben bereits bei den Spielern, die wir in den vergangenen zwölf Monaten verpflichtet haben, auf genau solche Attribute gesetzt: Serhou Guirassy, Pascal Groß und Waldemar Anton bringen eine gute Mentalität in die Kabine und auf den Trainingsplatz. Maximilian Beier ist sich für keinen Weg zu schade, das Gleiche gilt für Daniel Svensson, der im Winter kam und den wir nun fest verpflichtet haben. Wir werden auch weiterhin an diesem Thema arbeiten, aber in diesem Sommer haben wir keinen weiteren Riesenumbruch geplant.
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