kingpin42 schrieb:
Das sind individuell zu vereinbarende Preise, ich kann da insoweit aus dem Nähkästchen plaudern, als das mein ex AG ebenfalls L2- und IPBSA der DTAG bezogen hat, da gelten die jeweils ausgehandelten Preise, und zwar relativ lange, in meinem Fall waren es 10 Jahre.
Sehr interessant, ich habe natürlich keine derartigen Insider-Informationen. Du meinst, dass in der Praxis überhaupt kein Kunde diese Standardpreise zahlt? Grundsätzlich kann ich mir das gut vorstellen. Dennoch sind das die von der BNetzA abgesegneten Preise, zu denen die DTAG die Vorleistungsprodukte anbieten muss. Günstiger darf sie natürlich immer sein, und die Commitment-Verträge waren wie gesagt auch Teil der BNetzA-Regulierung.
kingpin42 schrieb:
Jain, das ist aggregiert pro sog. A10-NSP zu sehen.
Ja, in jedem Fall wird nicht pro Kunden abgerechnet, sondern aggregiert, was unterschiedliche Tarife für 16 Mbit/s und 50 Mbit/s erklären könnte. Aber wenn, wie du sagst, gar nicht gemessen wird, dann ist dieser Erklärungsversuch meinerseits natürlich hinfällig...
Klar, in einigen Anschlussgebieten ist der 16 Mbit/s-Tarif ggf. wirklich ein klassischer ADSL-Anschluss, dessen Vorleistung man vielleicht nochmal günstiger bei der Telekom bekommt als bei Vectoring. Aber auch das wäre dann eine Mischkalkulation, da man die 19.99€ ja eben auch für 16 Mbit/s-Vectoring-Anschlüsse zahlt.
kingpin42 schrieb:
Könnte mir schon vorstellen, dass Drillisch da zumindest 1-2 € pro Kunde und Monat generiert.
Je nachdem, wie sehr die ausgehandelten Preise eben nach unten abweichen, und wie genau du die Betriebskosten umlegst.
Beim unrabattierten Standardpreis von 18.52€ (der natürlich nicht gezahlt wird) wäre es ein klares Verlustgeschäft, da der Kunde für den Tarif nur 16.80€ + MwSt. an 1&1/Drillisch zahlt.
Wenn man die 15.22€ als Basis nimmt, dann würden sie pro Anschluss 1.58€ einnehmen (d.h. nicht direkt wieder an die DTAG abdrücken). Davon müssen sie allerdings die eigenen Betriebskosten decken.
Mit dem alten Kontingentmodell lag der Vorleistungspreis bei 13.62€, das wären dann also immerhin 3.18€, die sie pro Anschluss einnehmen, und von denen sie ihre eigenen Betriebskosten decken müssen.
Wie hoch sind nun die Betriebskosten?
In den Quartszahlen für Q1 2026 gibt die 1&1 AG insgesamt 42.9 Mio. € an Verwaltungskosten an. Da ist jetzt aber auch Versatel dabei, die man vielleicht herausnehmen sollte. Mobilfunk- und Festnetzkunden, insgesamt etwas weniger als 16.5 Mio Verträge, generierten rund 70% der Umsatzerlöse. Legt man also 70% der Verwaltungskosten (das passt ungefähr zu den Verwaltungskosten Q1 2025, als Versatel noch nicht dazu zählte) auf 16.5 Mio Verträge um, das macht 1.82€ pro Vertrag.
Die Kosten für den Betrieb der Versatel-Backbone sind da nicht mit drin, aber ohne weiteres für mich nicht abzuschätzen und auch schwerer umzulegen -- ein 16 Mbit/s-Kunde verursacht ja nicht dieselben Backbone-Kosten wie ein Geschäftskunde mit 10 Gbit/s-Anbindung. Das gilt ähnlich auch für Vertriebskosten; die sind auch für Drillisch nicht 0€, aber sicherlich insgesamt dominiert durch die Werbung für die Hauptmarke 1&1.
Ja, wenn 1&1 für die Vorleistung jetzt nur 13.62€ wie nach dem alten Modell oder noch weniger zahlt, dann kann man da mit etwas Wohlwollen eine 1-2€-Marge sehen. Andernfalls wird das wohl schwierig.
kingpin42 schrieb:
Davon gehe ich auch aus, allerdings fällt die Telekom für BSA nicht mehr unter die Kontrolle der BNetzA. Dazu gab es vor ein paar Jahren ein Urteil vom VG Köln?
Ich weiß nicht, ob du von einem anderen Urteil sprichst, dass ich nicht kenne.
Das Urteil, das ich im Kopf habe, bezog sich auf FTTH und gar nicht mal direkt auf die Telekom.
Vodafone hat im Main-Kinzig-Kreis den Zuschlag für den Betrieb eines öffentlich geförderten FTTH-Netzes erhalten. Die dürfen also die aktive GPON-Technik einbauen/betreiben und Tarife darauf vermarkten. M-net wollte gerne einen L2-BSA haben, konnte sich aber nicht mit Vodafone auf die Vorleistungspreise einigen, und hat die BNetzA angerufen. Tatsächlich darf die BNetzA in so einem Fall auch grundsätzlich eingreifen und hat dsa auch getan und Preise festlegt. Aus formalen Grunden war das laut VG Köln rechtswidrig; die BNetzA hätte u.a. Vodafone anhören müssen (stattdessen hat sie z.B. Kosten einfach geschätzt und die Methodik dafür war nicht einwandfrei).
Die festgelegten Preise waren übrigens
16.07€ für 100/50 Mbit/s,
24.08€ für 250/125 Mbit/s,
28.43€ für 500/250 Mbit/s, und
41.04€ für 1000/500 Mbit/s.
Scheinbar aus Sicht von Vodafone zu niedrig.
kingpin42 schrieb:
Gar nicht, da gab es einige Studien von WIK-Consult dazu, dass sämtliche geforderten und auch von der BNetzA durchgewunkenen Preise viel zu hoch angesetzt sind.
Ich bin mir nie sicher, wie seriös diese Studien sind, da sie oft vom VATM bezahlt werden. Die Argumentation, dass hohe Preise den Netzausbau finanzieren, kam aber von der Telekom selbst und die Kritik daran (Konkurrenten finanzieren bestenfalls den deutschen FTTH-Ausbau der Telekom, für dessen Nutzung sie später bezahlen sollen, schlechtestenfalls den Mobilfunkausbau von T-Mobile US) finde ich auch einleuchtend.
Umgekehrt haben einige große Telekom-BSA-Kunden aber auch gar kein Interesse am eigenen FTTH-Ausbau. 1&1 baut keine Netze zu Privatkunden, und die Telefonica setzt sowieso nur noch L3-BSA (früher waren immerhin noch einige Vermittlungsstellen angeschlossen, aber die Zeiten sind spätestens seit Vectoring meines Wissens vorbei).
Lediglich Vodafone kann man ein Interesse am FTTH-Netzausbau unterstellen, aber die besitzen eben auch schon ein großes Kabelnetz, das sie wohl am liebsten selbst (oder halt OXG) mit FTTH überbauen wollen.
Klar ist auch: Wenn man die Vorleistungspreise für L2-BSA zu VDSL-Vectoring-Anschlüssen entsprechend um ein Drittel senken würde, dann könnten die Drillisch-Tarife (ab 50 Mbit/s) nochmal allesamt um 5€ vergünstigt werden und die Marge würde nicht leiden. Der 250 Mbit/s-Tarif kann dann also locker für 25€ angeboten werden. FTTH hat es dann
noch schwerer. Nach den obigen Preisen für das FTTH-Netz im MKK könnte M-net nicht mal die Vorleistungskosten decken, wenn sie dort einen 250 Mbit/s FTTH-Tarif für 24.99€ (inkl. MwSt.) anbieten würden... Da kann man schimpfen, wie sehr man will, dass es im Ausland aber FTTH-Gigabit-Tarife für 23€ im Monat gibt. Im MKK gibt's das sicherlich nicht, solange Vodafone das nicht selbst anbietet. Aber wieso sollten sie?
(Vielleicht
können sie auch gar nicht wirtschaftlich. Ich weiß nicht, was sie an die kreiseigene Breitband Main-Kinzig GmbH für die Netznutzung zahlen müssen. Den Gigabit-Tarif bieten sie für durchschnittlich 60€ im Monat an und M-net ist, bei welchen Vorleistungspreisen auch immer sie nun angekommen sind, natürlich auch nicht günstiger. Aber das ist ein anderes Thema...)