36/36 AMD Athlon II X4 620 und X3 420 im Test : Vier Mal einen Kern für je 20 Euro

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Fazit und Empfehlung

Mit dem Athlon II X4 620 bringt AMD vier Kerne in den Mainstream-Markt. Zu einem Preis von offiziell 99 US-Dollar und hier und heute im Handel bereits für knapp über 80 Euro zeigt AMD, dass vier Kerne und eine gute Performance nicht automatisch auch viel kosten müssen. Der Athlon II X4 630, der in wenigen Tagen nachziehen soll, dürfte mit 2,8 GHz einige Disziplinen gar noch etwas fixer angehen. Je nachdem wie hoch der Aufpreis in Euro ausfallen wird, dürfte die Empfehlung deshalb eher an das Modell mit dem höheren Takt gehen, denn auch heutzutage profitieren viele Anwendungen noch eher von einem hohen Takt denn von vier Kerne.

Interessant ist jedoch der Vergleich zu den ähnlich gelagerten Prozessoren von AMD, sowohl hinsichtlich des Preises als auch der Ausstattung. Denn sieht man sich das Performancerating von unserem Test genauer an, fällt auf, dass sich der Athlon II X4 620 genau so schlägt wie ein Prozessor mit drei Kernen und gleichem Takt aber L3-Cache. Diese schlagen sich nicht nur gleich gut, sie kosten auch noch im Laden nahezu das gleiche, so dass man als Kunde allein die Wahl treffen muss. Nimmt man dann vier Kerne bei gleichem Takt und addiert den L3-Cache hinzu, landet man erst einmal beim Phenom II X4 810. Dieser kostet mit 110 Euro jedoch bereits 25 Euro mehr, was in diesem Marktsegment Welten sind. Nimmt man jedoch die Performance dieses Quad-Core-Prozessors, kann man auch zum 200 MHz schnelleren Drei-Kerner greifen – dem Phenom II X3 720. Dieser kostet keine 100 Euro und bietet zudem noch einen frei wählbaren Multiplikator. Mit knapp über 95 Euro stellt er aktuell wohl die beste Wahl in diesem Segment dar. Kurioses am Rande: Ein Athlon II X4 620 ist in unserem Test quasi exakt so schnell wie ein alter Phenom X4 9950 (65 nm, 2,6 GHz, 2 MByte L3-Cache). Hier sieht man wohl am deutlichsten, dass der L3-Cache in jedem Fall etwas ausmachen kann, wenn der Takt sogar zum Vorgänger identisch ist.

AMD Athlon II X4 620
AMD Athlon II X4 620

Wie üblich gibt es leider nicht nur positive Aspekte, die der neue Athlon II X4 mit in den Handel bringt. Die sehr hohe Spannung und damit einher gehend auch die sehr hohe Leistungsaufnahme trügt das Gesamtbild. Denn es erscheint angesichts der vielen weiteren Prozessoren in AMDs Portfolio sehr verwunderlich, den Athlon II X4 620 als einen solchen Stromfresser zu positionieren. Ein Phenom II X4 810 mit gleichem Takt (aber zusätzlich mit 4 MByte schnellem L3-Cache gesegnet) sollte schlichtweg nicht weniger verbrauchen als der der Athlon II X4 ohne L3-Cache – doch er tut es. Unter anderem diese Verbrauchsmessungen veranlassten die Gerüchteküche bereits zu der Spekulation, dass es sich beim Athlon II X4 vorerst weiterhin eigentlich um einen Phenom-II-Kern handelt – unterstützt von Tests wie dem der Kollegen von HT4U, in denen ein Athlon II X4 zu einem vollwertigen Phenom II X4 freigeschaltet wurde. Theoretisch dürfte dies nicht gehen, wenn der L3-Cache im Athlon II wirklich nicht vorhanden ist und die Transistorenzahl von 758 auf 300 Millionen reduziert wäre. AMD erklärte zu diesem Thema, dass sich in der Anfangsphase noch einige dieser Modelle, die ursprünglich ein Phenom II waren, im Umlauf befinden. Das Glück, einen solchen Prozessor zu erwischen, soll in den kommenden Wochen aber rapide abnehmen, wenn die Produktion der „Propus“ richtig angelaufen ist. AMD besteht deshalb darauf, dass es sich um einen neuen Die und damit wirklich einen neuen Prozessor handelt. Der veröffentlichte Screenshot sowie die von Nutzern bereitgestellten Bilder eines Athlon II X4 ohne Heatspreader bestätigen diesen Standpunkt.

AMDs Portfolio im Desktop-Segment ist mit dem heutigen Tage für das Jahr 2009 fast komplett. Es fehlt zwar noch der Drei-Kern-Prozessor aus der Athlon-Serie, den wir in diesem Test bereits simuliert haben, echte Neuerungen wird es ansonsten aber nicht mehr geben. Die kommenden Wochen wird AMD dennoch nicht still bleiben und sich auf den Lorbeeren ausruhen, sondern fleißig weiter an den CPUs arbeiten. Es ist unter anderem von nochmals leichten Taktsteigerungen sowie den bereits mehrmals erwähnten stromsparenden Ablegern die Rede. Dann könnte der ebenfalls von uns bereits getestete Phenom II X3 740 mit 3,0 GHz ein sehr interessantes Stück Hardware für knapp über 100 Euro werden, von den stromsparenden Ablegern in ihren Zielgruppen ganz zu schweigen. Zu guter Letzt schwebt das vielerorts erhoffte C3-Stepping im Raum. Dass es noch einmal ein neues Stepping für die AMD-Prozessoren geben wird, ist nicht unwahrscheinlich. Was AMD damit jedoch am Ende erreichen kann, ist heute noch Zukunftsmusik und wird uns deshalb in einem späteren Artikel beschäftigen.

Anmerkung: Aktuell bestreiten wir die Planungen zum Umbau des mittlerweile doch nicht mehr ganz aktuellen Testsystems und dem dazugehörigen Benchmark-Parcours. Jeder Leser kann sich im entsprechenden Forumthread daran beteiligen und seine Wünsche und Vorschläge einbringen.

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