Im Test vor 15 Jahren: Dual-Sockel-Mainboards für AMD Athlon MP

Robert McHardy 111 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Dual-Sockel-Mainboards für AMD Athlon MP

ComputerBase wirft einen Blick auf die vor 15 Jahren getesteten Dual-Sockel-Mainboards für den Athlon MP, AMDs Multiprozessor-Version des Athlon XP. Im Test traten insgesamt fünf Mainboards von Asus, Epox, Gigabyte, MSI und Tyan an. Ein Rückblick auf alte Mainboards, antiquierte Anschlüsse und gefloppte Server-Prozessoren.

AMDs gescheiterter Versuch, den Server-Markt zu erobern

Bereits im Mai 2002 veröffentlichte ComputerBase einen Test zu drei Dual-Prozessor-Mainboards von Asus, MSI und Tyan für AMDs Athlon MP, der Multiprozessor-Variante des beliebten Athlon XP mit K7-Architektur. Der im Test verwendete Athlon MP 2000+ gehörte zu den ersten Athlon-MP-Modellen, die noch mit 180 Nanometer Strukturbreite gefertigt wurden. Bereits im August 2002 wechselte AMD auf eine modernere Fertigung in 130 Nanometern für Athlon MP und XP.

Obwohl der Athlon MP als Multiprozessor-Lösung von AMD entwickelt wurde, konnten auch frühe Modelle des Athlon XP in den Dual-Sockel-Mainboards problemlos verwendet werden. In späteren Revisionen des Athlon XP wurde die Multiprozessor-Fähigkeit deaktiviert.

Der Athlon MP war für günstige Workstation- und Server-Systeme, die viel Rechenleistung benötigen, gedacht. Tatsächlich am Markt durchsetzen konnte sich der Athlon MP nicht, dafür fehlte ihm die Unterstützung großer Server-Hersteller. Diese konnte AMD mit dem Nachfolger des Athlon MP, dem Opteron (K8) erlangen, der im Jahre 2003 mit 64- und 32-Bit-Unterstützung erschien.

2002 waren Mainboards noch unterschiedlich schnell

Heutzutage macht es in der Regel abseits des Designs, der Anschlüsse und des Formfaktors kaum Unterschied, welches Mainboard in einem Computer eingesetzt wird. Dass das nicht immer so war, zeigen die Benchmarks der drei Mainboards Asus A7M266-D, MSI K7D Master-L und Tyan Tiger MPX und den zwei Monate später getesteten Epox M762A und Gigabyte A-7DPXDW, die alle jeweils mit zwei Athlon MP 2000+ ausgestattet wurden.

Anbei ein Ausschnitt der Benchmarks aus dem Testbericht von 2002, bei denen sich die Mainboards untereinander besonders stark unterscheiden. Auffällig ist, dass es nicht ein Mainboard gibt, das in allen Kategorien schneller ist als die anderen, sondern sich das Testfeld über alle Plätze hinweg verteilt. Zudem sei an dieser Stelle angemerkt, dass natürlich nicht in allen Anwendungen respektive Benchmarks solche Schwankungen aufgetreten sind.

Für normale Nutzer lohnte sich die Anschaffung eines entsprechenden Mainboards und eines zweiten Prozessors samt des passenden Kühlers nicht. Die vollständigen Tests zeigen, dass normale (Benchmark-)Software 2002 noch nicht für mehrere Kerne respektive Prozessoren ausgelegt war. Lediglich in vereinzelten Anwendungen für Profis konnte ein System mit zwei Athlon MP sich gegenüber einer CPU absetzen.

AGP, IDE und serielle Anschlüsse

Die getesteten Mainboards strotzen nur so von aus heutiger Sicht antiquierten Anschlüssen: AGP und IDE finden sich bereits seit mehreren Jahren nicht mehr auf herkömmlichen Mainboards für Konsumenten, parallele und serielle Schnittstellen bieten allerhöchstens Einplatinencomputer für Bastler. Das Asus A7M266-D bot auf dem Mainboard selbst nicht einmal USB-Anschlüsse. Hierfür legte der Hersteller eine PCI-Erweiterungskarte bei, die vier USB-2.0-Anschlüsse bereitstellt. Etwaige Front-USB-Anschlüsse eines Gehäuses konnten so allerdings nicht versorgt werden.

Das „Epyc-Comeback“

Nachdem AMDs Prozessoren in den letzten Jahren in puncto Leistung deutlich gegenüber den Modellen von Intel zurückstecken mussten, liegt AMDs neue Zen-Architektur mit Intel nahezu gleichauf. Im Desktop-Markt als Ryzen bereits angekommen, wird AMD mit Epyc auch wieder aktiver in den Server-Markt vorstoßen. Die Prozessoren bieten bis zu 32 Kerne mit 64 Threads und lassen sich auf einem Mainboard als Zweier-Verbund betreiben. Mehrere große Hersteller wie Dell, Hewlett Packard Enterprise oder Microsoft (für die Open-Compute-Plattform „Project Olympus“) haben bereits Systeme auf Basis von AMD Epyc angekündigt.

In der Kategorie „im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Letzte Woche ging es dabei um eine externe HDD von Iomega, die im Juli 2002 für 249 Euro satte 20 Gigabyte Speicher bot.