Radeon RX Vega 64 & 56 im Test: Der helle Stern wirft lange Schatten 4/9

Wolfgang Andermahr 1.598 Kommentare

Benchmarks in 1.920 × 1.080 und 2.560 × 1.440

In niedrigeren Auflösungen verändert sich kaum etwas an dem unter Ultra HD gewonnen Bild. So beträgt der durchschnittliche Rückstand der Radeon RX Vega 64 auf die GeForce GTX 1080 FE in 1.920 × 1.080 fünf Prozent und in 2.560 × 1.440 vier Prozent. Wenn man verschiedene Konstellationen vergleicht, macht es den Anschein, als hätte AMD die das Problem mit der Einheitenauslastung von Vega in niedrigen Auflösungen gegenüber der Radeon R9 Fury X kaum verbessern können.

Mit maximiertem Power Target schneidet Vega im Vergleich zu den Gegenspielern von Nvidia in höheren Auflösungen etwas besser als in niedrigeren Auflösungen ab. Um das nachvollziehen zu können, müssen die maximierten Vega-Modelle mit Partnerkarten von Nvidia verglichen werden.

Probleme sich von Fury X abzusetzen beziehen sich im Übrigen nicht nur auf die maximalen FPS in ausgewählten Spielen. So bieten sowohl die Radeon R9 Fury X als auch die Radeon RX 580 in Call of Duty: Infinite Warfare bessere Frametimes als die Radeon RX Vega 64. Für die Radeon RX 580 gilt ähnliches in Deus Ex: Mankind Divided. Und auch in Mafia 3 können sich beide Vega-Karten bezüglich der Frametimes nicht richtig von der Radeon R9 Fury X absetzen.

Fazit aus den Benchmarks: Die Radeon RX Vega 56 wird ihrer Positionierung als Gegenspieler der GeForce GTX 1070 mehr als gerecht, die Radeon RX Vega 64 hat es gegen die GeForce GTX 1080 hingegen schwer. Auf Basis der Ankündigungen zur Verbesserung der Architektur und dem mehr an Takt entspricht das nicht den über Monate gehegten Erwartungen, der durchschnittliche Leistungsgewinn gegenüber der nur mit 4 GB ausgestatteten Radeon R9 Fury X ist entsprechend kleiner als im Vorfeld angenommen. Einzelne Spiele, in denen sich Vega kaum von Fiji absetzen kann, deuten auf anhaltende Probleme mit dem Treiber hin.

Bei einer neuen GPU-Architektur wie Vega gibt es unendlich viel herauszufinden. Diverse Sondertests sind möglich, um die Eigenheiten und Besonderheiten der Technik heraus zu finden. In den folgenden Abschnitten lassen sich einige dieser Sondertests finden. Und in den nächsten Wochen wird noch deutlich mehr folgen. Hinweise und Wünsche sind in den Kommentaren gerne gesehen.

Vega legt bei Tessellation zu

Bei jeder neuen AMD-GPU stellt sich die Frage, wie hoch die Tessellation-Performance ausfällt. Denn auch wenn AMD diese mit jeder Generation weiter gesteigert hat, ist Nvidia diesbezüglich immer noch weit überlegen. ComputerBase testet die Funktion mit Hilfe des DirectX-SDK-Samples „SubD11“ für jeden Tessellation-Faktor sowie mit den Spielen Rise of the Tomb Raider sowie The Witcher 3.

Der theoretische Test SubD11 zeigt schnell, dass die Radeon RX Vega 64 von allen Grafikkarten des Herstellers klar die höchste Tessellation-Leistung hat. Unabhängig vom Faktor liegen sowohl die Radeon R9 Fury X als auch die Radeon RX 580 klar zurück. Vor allem mit hohen Faktoren ist die Leistung fast doppelt so hoch wie bei den beiden anderen AMD-Grafikkarten. Das kann nicht nur der Taktrate geschuldet sein.

Im Vergleich zur GeForce GTX 1080 ist es eine Frage des Faktors. Mit niedrigen Tessellation-Faktoren ist die Radeon RX Vega 64 klar schneller. Bei mittleren Faktoren bis etwa Faktor 16 gibt es einen Gleichstand und bei hohen Faktoren ist die Nvidia-Lösung immer noch klar schneller, auch wenn AMD den Rückstand in etwa halbieren konnte.

Dasselbe Verhalten zeigt sich auch in Spielen. So nutzt Rise of the Tomb Raider keine hohen Tessellation-Faktoren. Während die GeForce GTX 1080 durch das Feature sieben Prozent an Geschwindigkeit verliert, ist es auf der Radeon RX Vega nur ein Prozent. Die Radeon R9 Fury X verliert hohe 18 Prozent, die Radeon RX 580 noch sechs Prozent.

Die HairWorks-Integration in The Witcher 3 nutzt dagegen hohe Tessellation-Faktoren und schon dreht sich das Bild um. Die GeForce GTX 1080 verliert 16 Prozent durch die hübschere Haardarstellung, die Radeon RX Vega 64 höhere 23 Prozent. Radeon R9 Fury X und RX 580 werden gleich um 31 Prozent langsamer.

Mit Async Compute nochmals schneller

Async Compute unter DirectX 12 spielte zuletzt eine wichtige Rolle für Grafikkarten von AMD. Sie konnten deutlich an Leistung zulegen, da die ALUs besser ausgelastet werden können. Und daran ändert sich auch bei Vega nichts. Je nach Spiel kann der Unterschied gar noch größer ausfallen.

Das ist in Ashes of the Singularity der Fall. Während die Radeon RX 580 durch Async Compute unter DirectX 12 mit einem Schub von drei Prozent und die Radeon R9 Fury X mit acht Prozent beschleunigt werden, sind es bei der Radeon RX Vega 64 gleich elf Prozent. Die GeForce GTX 1080 profitiert dagegen nur um drei Prozent.

Die Benchmarks mit Gears of War 4 zeigen dann, das das aber nicht immer so sein muss. So legt die Radeon RX Vega 64 um sieben Prozent durch Async Compute zu. Bei der Radeon R9 Fury X sind es aber gleich zehn Prozent, bei der Radeon RX 580 noch sieben Prozent. Bei der GeForce GTX 1080 steht dagegen ein Minus von drei Prozent.

Die Ethereum-Mining-Leistung

Mining von Ethereum steht derzeit (sehr) hoch im Trend. Aber wie schnell ist Vega? Gerüchten zur Folge sollte die Mining-Performance sehr gut sein.

Ethereum-Mining
Angaben in Mhash/s
  • ethminer 0.12.0.dev2:
    • AMD Radeon RX Vega 64
      31,8
    • Nvidia GeForce GTX 1080 Ti FE
      31,6
    • AMD Radeon RX Vega 56
      29,3
    • AMD Radeon R9 Fury X
      28,7
    • Nvidia GeForce GTX 1070 FE
      26,4
    • AMD Radeon RX 580
      24,3
    • Nvidia GeForce GTX 1080 FE
      21,0

Und die Geschwindigkeit ist in der Tat gut – aber bei weitem nicht so hoch, wie die Gerüchte glauben schenken wollten. Die Radeon RX Vega 64 schafft es auf knapp 32 MH/s und ist damit so schnell wie die GeForce GTX 1080 Ti für einen geringeren Kaufpreis. Die Radeon RX Vega 56 schafft es noch auf 29,3 MH/s und liegt damit noch knapp vor der Radeon R9 Fury X, die auf 28,7 MH/s kommt. Die Performancesteigerung des Flaggschiffes gegenüber dem Vorgänger beträgt elf Prozent. Da Mining sehr von der Speicherbandbreite abhängig ist und die Radeon RX Vega 64 gar knapp weniger als die Radeon R9 Fury X davon hat, entspricht das den realistischen Erwartungen.

Allerdings ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Mining-Client (genutzt wurde die letzte Version) noch nicht auf Vega optimiert worden ist. Denn dies ist für eine optimale Performance sehr wichtig.

Hinweis vom 16. August 2017: In einem separaten Artikel hat sich ComputerBase der Mining-Leistung von Vega in der Zwischenzeit noch detaillierter angenommen.

GPU-Compute auf RX Vega

Auch wenn die Radeon RX Vega primär eine Grafikkarte für Spieler ist, kann sie natürlich genauso auch Berechnungen abseits von 3D-Grafik durchführen. ComputerBase hat sich drei verschiedene Programme mit GPU-Compute abseits von Mining angesehen, darunter auch der Baikal-Benchmark von AMD, der den Radeon Pro Render nutzt, der unter anderem standardmäßig im Cinema 4D eingesetzt wird.

Beim GPU-Computing schneidet die Radeon RX Vega 64 je nach Software völlig unterschiedlich ab. So gibt es zum Beispiel mehrere Einzeltests im ComputeBench, in denen die Vega-Grafikkarte gar nicht bis kaum schneller ist als die Radeon R9 Fury X. Ganz anderes dagegen in dem von AMD entwickelten Baikal-Benchmark auf Basis vom Radeon Pro Render, in dem die Radeon RX Vega 64 bis zu 51 Prozent schneller ihre Arbeit verrichtet als die Vorgängerkarte.

Im Vergleich zur GeForce GTX 1080 kommt es erneut ganz auf die Software an. In manchen Tests vom CompuBench ist die Nvidia-Grafikkarte klar schneller als die Radeon RX Vega 64, in anderen Tests dagegen klar langsamer.

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