Radeon RX Vega 64 & 56 im Test: Der helle Stern wirft lange Schatten 7/9

Wolfgang Andermahr 1.598 Kommentare

Weitere Testergebnisse (Update 16.8.2017)

ComputerBase hat weitere Analysen mit Vega durchgeführt. Sie umfassen mit Stand 16. August 2017 einen Vergleich von Vega mit Fury X (Fiji) bei gleichem Takt, Benchmarks zur Auswirkung von aktiviertem HBCC in Spielen sowie erweiterte Tests zum Übertakten.

Vega 64 vs. 56 vs. Fury X bei gleichem Takt

Die voll aktivierte Vega-10-GPU auf der Radeon RX Vega 64 bietet wie der voll aktivierte Fiji auf der Radeon R9 Fury X 4.096 Shader und auch die Anzahl der TMUs und ROPs ist gleich. Werden beide Grafikkarten gleich schnell getaktet, lässt sich damit perfekt der aktuell in Spielen sichtbare Fortschritt aus dem Wechsel der Architektur herauskristallisieren. Die Anpassungen des Taktes sind direkt in WattMan im Crimson-Treiber vornehmbar.

Benchmarks ohne Nachteile beim Speicher für Fiji

Die folgenden Benchmarks wurden in Ultra HD durchgeführt. Die Texturdetails wurden bewusst so gewählt, dass die Fury X noch keinen Nachteil aus dem nur 4 GB großen Speicher erfährt. Damit ist auch dieser Vorteil von Vega neben dem Takt aus der Gleichung. Das Power Target wurde jeweils maximiert um sicherzustellen, dass in keinem Fall nicht der eingestellte Takt anliegt.

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Performancerating – RX Vega 56 vs Vega 64 vs Fury X
Angaben in Prozent
    • Radeon RX Vega 64 Max (1.050/1.000)
      99,2
    • Radeon RX Vega 56 Max (1.050/1.000)
      93,8
    • Radeon R9 Fury X Max (1.050/500)
      93,6

Das Ergebnis: Bei gleichem Takt für GPU und identischer Speicherbandbreite kann die Radeon RX Vega 64 im Durchschnitt einen Vorsprung von sechs Prozent auf die zwei Jahre alte Radeon R9 Fury X mit Fiji-GPU erzielen. Die Radeon RX Vega 56 ist im Durchschnitt bei gleichem Takt hingegen genau so schnell wie das vergangene Topmodell. Bei diesem Takt schlagen die sechs Prozent mehr Ausführungseinheiten der größeren Grafikkarte mit Vega also voll durch.

Der Blick in die einzelnen Spiele zeigt ein sehr wechselhaftes Bild. Anno 2205 und Ashes of the Singularity sind gleich zu Anfang der durchklickbaren Diagramme zwei Spiele, in denen Vega bei gleichem Takt deutlich gegenüber Fiji verliert. Battlefield 1 an dritter Stelle profitiert hingegen enorm.

Anzumerken gilt es, dass die Ergebnisse nicht eindeutig auf allein auf die Architektur zurückzuführen sind, auch der Treiber spielt eine Rolle. Beide Komponenten gehören allerdings zum Wechsel von Fiji auf Vega und sind gedanklich nicht voneinander zu trennen.

HBCC hat im Schnitt weder Vor- noch Nachteile

In weiteren Tests hat ComputerBase Spiele sowohl mit aktiviertem als auch mit deaktiviertem High Bandwith Cache Controller (HBCC) getestet. Ab Werk ist die Funktion noch deaktiviert. Im Testsystem mit 32 GB Arbeitsspeicher konnten maximal 16 GB davon über den Treiber für HBCC reserviert werden. In dem Testszenario wurden die 8 GB HBM2 und zusätzliche 8 GB vom Systemspeicher genutzt. Auch in diesem Fall lief Vega mit maximiertem Power Target, um den Einfluss von Taktschwankungen durch nicht ausreichend lange Aufwärmphasen auszuschließen.

Das auf den ersten Blick erstaunliche Ergebnis: Im Durchschnitt über alle Spiele nehmen sich beide Einstellungen absolut nichts. Und zwar sowohl bei den durchschnittlichen FPS als auch bei den 99-Percentile-Frametimes.

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Performancerating – HBCC aktiv (16 GB)
Angaben in Prozent
    • AMD Radeon RX Vega 64 Max (8GB)
      99,0
    • Radeon RX Vega 64 Max – HBCC an
      98,9
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Rating – 99th Percentile (Frametimes in FPS), HBCC aktiv (16 GB)
Angaben in Prozent
    • Asus GTX 1080 Ti Strix (11GB)
      97,0
    • Nvidia GTX 1080 Ti FE (11GB)
      89,5
    • MSI GTX 1080 Gaming X+ (8GB)
      78,8
    • AMD Radeon RX Vega 64 Max (8GB)
      76,0
    • Radeon RX Vega 64 Max – HBCC an
      76,0
    • MSI GTX 1080 Gaming X (8GB)
      75,3
    • Nvidia GeForce GTX 1080 FE (8GB)
      70,3
    • AMD Radeon RX Vega 64 (8GB)
      69,6
    • AMD Radeon RX Vega 56 Max (8GB)
      66,9
    • AMD Radeon RX Vega 56 (8GB)
      62,1
    • Gigabyte GTX 1070 Gaming (8GB)
      61,3
    • Nvidia GeForce GTX 1070 FE (8GB)
      57,1
    • Nvidia GeForce GTX 980 Ti (6GB)
      52,2
    • AMD Radeon R9 Fury X (4GB)
      42,3

Warum AMD die Funktion noch nicht von sich aus aktiviert hat, zeigt sich wiederum in den einzelnen Spielen. Es gibt viel Spiele, die sowohl bei den FPS als auch bei den Frametimes profitieren, Ausnahmen wie Anno 2205, Ashes of the Singularity, Doom und insbesondere Battlefield 1 machen diesen Vorteil im Durchschnitt aber wieder zunichte. Werden die problematischen Titel aus den Ratings genommen, steigen die FPS durch HBCC um ein Prozent, die 99-Percentile-Frametimes hingegen sogar um drei Prozent.

Die überwiegend positiven Entwicklungen in den getesteten Spielen zeigen also, dass HBCC durchaus das Potential hat, Vega zumindest einen kleinen weiteren Vorteil und diesen insbesondere bei den Frametimes zu verschaffen. Große Probleme in ausgewählten Spielen verhindern aktuell aber noch den Einsatz „ab Werk“.

Was dagegen noch nicht funktionieren wollte, war ein in Deus Ex: Mandind Divided erzeugtes Szenario (mit Hilfe einer 5K-Auflösung), wo der Radeon RX Vega der acht Gigabyte große HBM2-Speicher ausging. Dort sollte der HBCC eigentlich ebenso helfen können, tat er aber nicht. Zwar ließen sich keine kurzzeitigen Ruckler mehr feststellen, dafür wurde aber die Framerate halbiert. Alleine dies kann der Grund gewesen sein, warum die störenden Ruckler nicht mehr zu fühlen gewesen sind.

Speicher-OC ist GPU-OC vorzuziehen

Abschließend hat ComputerBase die Auswirkungen durch die Übertaktung von GPU und Speicher separat betrachtet. Dazu wurden die im ursprünglichen Test erzielten maximalen Taktraten von 1.702 MHz für die GPU und 1.100 MHz für den HBM2-Speicher auf der RX Vega 64 jeweils getrennt eingestellt, die nicht übertaktete Komponente lief hingegen mit Standardtaktraten von 1.630 MHz für die GPU respektive 945 MHz für den Speicher (Power Target 150 Prozent)

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Performancerating – Takt-Skalierung
Angaben in Prozent
    • Asus GTX 1080 Ti Strix (11GB)
      100,0
    • Nvidia GTX 1080 Ti FE (11GB)
      89,8
    • Radeon RX Vega 64 – (1.702/1.100)
      77,6
    • MSI GTX 1080 Gaming X+ (8GB)
      76,7
    • Radeon RX Vega 64 – (1.630/1.100)
      75,9
    • Radeon RX Vega 64 – (1.702/945)
      74,5
    • MSI GTX 1080 Gaming X (8GB)
      74,5
    • AMD Radeon RX Vega 64 Max (8GB)
      73,3
    • Nvidia GeForce GTX 1080 FE (8GB)
      68,5
    • Radeon RX Vega 56 – Übertaktet
      68,3
    • AMD Radeon RX Vega 64 (8GB)
      66,8
    • AMD Radeon RX Vega 56 Max (8GB)
      64,4
    • Gigabyte GTX 1070 Gaming (8GB)
      60,3
    • AMD Radeon RX Vega 56 (8GB)
      60,0
    • Nvidia GeForce GTX 1070 FE (8GB)
      56,0
    • Nvidia GeForce GTX 980 Ti (6GB)
      51,7
    • AMD Radeon R9 Fury X (4GB)
      49,7

Das Ergebnis zeigt: Den Speicher ausgehend vom maximierten Power-Target zu übertakten bringt trotz der bereits sehr hohen Bandbreite bei Vega in Spielen immer noch mehr als die GPU zu übertakten. Während mehr Takt bei der GPU gegenüber dem Betrieb mit 150 Prozent Power Target („Max“) zwei Prozent mehr FPS zur Folge hat, sind durch das isolierte Übertakten des Speichers drei Prozent möglich.

Den größten Effekt erzielen Spieler hingegen durch das Anheben des Power Targets und die dadurch möglichen höheren GPU-Taktraten. Der Stromverbrauch der Grafikkarte steigt dadurch allerdings signifikant an. Problematisch beim Übertakten von Vega ist es zudem, dass selbst bei vollem Power Target die Grafikkarte immer noch von diesem ausgebremst wird. Wäre dies nicht der Fall, würde die Übertaktung der GPU mehr bringen.

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