Radeon RX Vega 64 & 56 im Test: Der helle Stern wirft lange Schatten 2/9

Wolfgang Andermahr 1.598 Kommentare

RX Vega 64 & 56: Referenzdesigns im Detail

Das Referenzdesign der Radeon RX Vega 64 wird es laut AMD ab heute im Handel für eine unverbindliche Preisempfehlung von 499 Euro zu kaufen geben – der von HIS im Vorfeld genannte Preis von 599 Euro bestätigt sich seitens AMD nicht. Die Radeon RX Vega 56 soll es ab dem 28. August für 405 Euro im Handel geben. Sie überhaupt heute schon testen zu lassen, wurde von AMD erst kurzfristig entschieden.

Unterschiede bei Shadern und GPU- sowie HBM2-Takt

Auf der Radeon RX Vega 64 ist offiziell die gesamte Vega-10-GPU mit 64 Shaderclustern mit je 64 Shadern aktiv. Auf der Radeon RX Vega 56 wurden hingegen vier Shadercluster deaktiviert. 4.096 zu 3.584 Shader lautet das Ergebnis. Die Radeon RX Vega 64 taktet die Vega-10-GPU zudem maximal mit 1.670 MHz. AMD nennt als durchschnittlichen Boost-Takt 1.546 MHz und als Basis-Takt 1.247 MHz. Der 8.192 MB große HBM2-Speicher, der von Samsung produziert wird, arbeitet mit 945 MHz. Die Radeon RX Vega 56 arbeitet dagegen maximal mit 1.630 MHz. Der durchschnittliche Boost soll 1.471 MHz betragen, der Basis-Takt liegt bei 1.156 MHz. Der acht Gigabyte große HBM2-Speicher wird mit 800 MHz angesteuert. Die nicht getestete Limited Edition entspricht beim Takt der Basisversion, die ebenfalls nicht getestete Variante Liquid Cooled hingegen bietet höhere Taktraten.

Offizielle Taktraten mit Standard-BIOS und Standard-Einstellungen
Modell Shader max. Takt typ. Turbo Basistakt HBM2
Radeon RX Vega 64, luftgekühlt 4.096 1.670 MHz 1.546 MHz 1.247 MHz 945 MHz
Radeon RX Vega 64, wassergekühlt 4.096 nicht bekannt 1.677 MHz 1.407 MHz 945 MHz
Radeon RX Vega 56 3.854 1.640 MHz 1.471 MHz 1.156 MHz 800 MHz

Das Referenzdesign überzeugt

Das Referenzdesign der Radeon RX Vega 64 und der Radeon RX Vega 56 ist optisch absolut identisch. Der einzige Unterschied ist auf dem Aufkleber mit der Typenbezeichnung und der Seriennummer zu finden. Und um es kurz zu machen: Das Referenzdesign der Radeon RX Vega 64/56 ist das beste, das AMD je entwickelt hat.

Optisch wirken die Grafikkarten dabei weniger opulent als Nvidias Design im Tarnkappenbomberanstrich aber mit dem Gehäuse aus Metall vergleichbar hochwertig. Eine LED-Beleuchtung gibt es nicht, nur über den zwei 8-PIN-PCIe-Steckern weisen acht rote LEDs auf die Auslastung hin. Auf der Rückseite des PCBs gibt es zwar DIP-Schalter für das Umschalten der Beleuchtung zwischen Rot und Blau, genutzt wird diese Funktion aber nur bei der Limited Edition (siehe unten).

Massiver Kühlkörper mit Vapor-Chamber

Das Kühlsystem mit massivem Radiator aus Aluminium setzt wie GeForce GTX 1080 Ti oder GeForce GTX 980 Ti auf eine Vapor-Chamber, die die Abwärme durch den Phasenwechsel eines Arbeitsmediums schneller von der Bodenplatte abführen soll. Die Belüftung überimmt ein 75 mm im Durchmesser großer Radiallüfter am Ende der Grafikkarte. Anders als bei den meisten Partnerkarten schaltet sich der Lüfter bei niedrigen Temperaturen nicht ab, er dreht mit rund 750 Umdrehungen im Leerlauf aber verhältnismäßig langsam. Und mit einem Trick sind auch nur 300 U/min möglich – mehr dazu im Abschnitt Lautstärke.

Sowohl die Radeon RX Vega 64 als auch die Radeon RX Vega 56 bieten zwei Acht-Pin-Stromstecker für den Betrieb. Die Radeon RX Vega 64 ist mit einer Board Power von 295 Watt angegeben (GPU+HBM2: 220 Watt), die Radeon RX Vega 56 kommt auf 210 Watt (GPU+HBM2: 165 Watt). Mit 75 Watt über den PCIe-Slot würde beim kleineren Modell zwar auch eine schwächere Anbindung ausreichen, hier stand aber offensichtlich die Verwendung des gleichen PCB für beide Varianten im Vordergrund.

Die Qual der Wahl: Zwei BIOS mit je drei Einstellungen

Beide Grafikkarten sind mit zwei verschiedenen BIOS-Versionen ausgestattet. Der Unterschied liegt letztendlich im Power Target. Zusätzlich gibt es im WattMan-Tool im Crimson-Treiber (Download) noch einen Regler, der je BIOS wiederum drei verschiedene Modi anbietet: Balanced (Standard), Power Saver (ein geringeres Power Target) und Turbo (ein höheres Power Target).

max. Leistungsaufnahme GPU+HBM2 je nach Einstellung
Modell (BIOS) Balanced (Standard) Power Saver Turbo
RX Vega 64 (1. BIOS) 220 Watt 165 Watt 253 Watt
RX Vega 64 (2. BIOS) 200 Watt 150 Watt 230 Watt
RX Vega 56 (1. BIOS) 165 Watt 150 Watt 190 Watt
RX Vega 56 (2. BIOS) 150 Watt 135 Watt 173 Watt
fett = im Test verwendet

Mit den Einstellungen soll es dem Käufer ermöglicht werden, die Grafikkarte nach den eigenen Wünschen zu konfigurieren. In Verbindung mit den zwei BIOS-Versionen bieten die Grafikkarten also insgesamt sechs verschiedene Konfigurationen.

Kein DVI und nur 27 MHz GPU-Takt im Leerlauf

An der Slotblende des Referenzdesigns finden sich drei Mal DisplayPort 1.4 und einmal HDMI 2.0 auf einer Ebene. Der Verzicht auf DVI lässt wie bei den aktuellen Founders Edition von Nvidia mehr Platz für die warme Abluft frei. Interessant sind die Leerlauftaktraten von Vega: Mit dem aktuellen Treiber liegen bei absoluter Inaktivität (des Mauszeigers) bei aktivem Bildschirm nur 27 MHz an. Der HBM2 fällt hingegen auf bis zu 167 MHz zurück.

Radeon RX Vega mit Luftkühlung im Detail
Merkmal RX Vega 64 RX Vega 56
Karte PCB-Design Eigenentwicklung
Länge 27 cm
Stromversorgung 2 x 8 Pin
Kühler Design Eigener Kühler, 2 Slot
Kühlkörper Vapor-Chamber, Alu-Radiator, Radiallüfter
Lüfter 1 x 75 mm (radial)
Lüfter abgeschaltet (2D) nein (750 U/min)
Anlaufdrehzahl 300 U/min
Max. Drehzahl
nach Treiber (einstellbar)
2.400 U/min
Zieltemperatur
nach Treiber (einstellbar)
75 °C
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.247 (27 MHz) 1.156 (27 MHz)
GPU-Maximum 1.670 MHz 1.640 MHz
Speicher 945 MHz (167 MHz) 800 MHz (167 MHz)
Speichergröße 8.192 MB HBM2, Samsung
Anschlüsse 1 x HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4

Limited Edition und Liquid Cooled

Die Radeon RX Vega 56 gibt es von AMD nur in dem bereits besprochenen Design, die Radeon RX Vega 64 hingegen auch in einer optisch angepassten „Limited Edition“ sowie einer wassergekühlten Variante.

Die „Limited Edition“ von Radeon RX Vega 64

Die Radeon RX Vega 64 Limited Edition entspricht bei PCB und Kühler 1:1 der Basisvariante, der einzige Unterschied betrifft das Gehäuse, das zum einen wie bei der Radeon Vega Frontier Edition für Prosumer aus gebürstetem und in diesem Fall nicht eloxiertem Aluminium besteht. Zum anderen lassen sich das „R“ für Radeon am Ende der Karte und der Schriftzug „Radeon“ auf Wunsch in Rot oder Blau per LED beleuchten. Wie „limitiert“ diese Variante ist, das hat AMD nicht gesagt. Zum Start sollen aber „ausreichend“ Modelle dieses Typs verfügbar sein.

Die „Liquid Cooled“ wird mit Wasser gekühlt

Die wassergekühlte Version der Radeon RX Vega 64 orientiert sich optisch an der Limited Edition, setzt zur Kühlung unter der Aluhaube aber auf eine All-in-One-Wasserkühlung, deren beiden Schläuche in einem externen Radiator mit 120-mm-Lüfter enden, wie er von der Radeon R9 Fury X bekannt ist. Auch die Kühlung der Stromversorgung erfolgt auf diesem Weg, der Radiallüfter entfällt aus diesem Grund.

Weil die Kühlung mit Wasser leistungsstärker ist, gestattet AMD dieser Grafikkarte mehr maximale Leistungsaufnahme. Damit fallen voraussichtlich auch die Taktraten anders aus. Interessant: Mit dem zweiten alternativen BIOS besitzt die Version Liquid Cooled dieselben Leistungsvorgaben wie die luftgekühlte Radeon RX Vega 64 mit dem primären BIOS.

Leistungsaufnahme GPU+HBM2 je nach Einstellung
Modell (BIOS) Standard Power Saver Turbo
RX Vega 64 (1. BIOS) 220 Watt 165 Watt 253 Watt
RX Vega 64 (2. BIOS) 200 Watt 150 Watt 230 Watt
RX Vega 64 Liquid Cooled (1. BIOS) 264 Watt 198 Watt 303 Watt
RX Vega 64 Liquid Cooled (2. BIOS) 220 Watt 165 Watt 253 Watt

Sondereditionen nur im „Radeon Pack“

Sowohl die Limited Edition als auch die Version Liquid Cooled wird es vorerst nicht einzeln im Handel geben. Sie können lediglich als Bestandteil der erstmals angebotenen „Radeon Packs“ erstanden werden. Das sind Bundles aus Grafikkarte und den Spielen Prey sowie Sniper Elite 4 (USA: Wolfenstein II) und auf Wunsch (gegen Aufpreis) auch Ryzen-CPU und AM4-Mainboard. Der in den USA zusätzlich angebotene Monitor wird in Deutschland hingegen nicht verfügbar sein.

Bisher gibt es nur erste Preise und Konfigurationen für Bundles in den USA. Auf deren Basis steht fest: Wer die Limited Edition sein Eigen nennen will, muss gegenüber dem Preis für eine einzelne Standardversion (499 US-Dollar) für das Bundle mit den Spielen 599 US-Dollar zahlen. Der Aufpreis für die Grafikkarte ist also indirekter Natur. Die Version Liquid Cooled gibt es mit den zwei Spielen wiederum erst ab 699 US-Dollar – der separate Aufpreis für die Grafikkarte beträgt damit 100 US-Dollar.

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