SFX-Netzteile bis 40 Euro im Test: Günstig und billig im kompakten Format 3/5

Nico Schleippmann 67 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80-Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Einzig die Netzteile von FSP und Inter-Tech besitzen einen Weitbereichseingang und können auch bei Netzspannungen von 115 Volt betrieben werden, wobei nur das FSP200-50GSV-5K eine Wirkungsgrad-Zertifizierung nach 80 Plus bei selbiger Eingangsspannung aufweisen kann. Die Grenzwerte für 80 Plus Bronze kann FSP gerade noch so einhalten. Inter-Tech hat sich mit dem Werbebegriff 82+ einzig zum Ziel gesetzt, im optimalen Auslastungszustand mindestens eine Effizienz von 82 Prozent zu erzielen. Dieses Vorhaben ist mit 83,6 Prozent bei Halblast geglückt – für 80 Plus Bronze sind die Anforderungen mit 85 Prozent aber höher gesteckt.

Mit einer Eingangsspannung von 230 Volt und Lastverteilungen nach 80 Plus lässt sich eine Diskrepanz im Wirkungsgrad von FSP zum restlichen Testfeld erkennen. Mit Auslastungen von 50 Prozent und mehr kann sich das FSP200-50GSV-5K um ein bis zwei Prozent von den restlichen Netzteilen absetzen. Nur bei Niedriglast erweist sich das Chieftec SFX-350BS als effizienter. Die Wirkungsgrad-Labels „85+“ von Chieftec und Kolink erweisen sich als zutreffend, weil bei Halblast eine Effizienz von etwas mehr als 85,0 Prozent gemessen wurde. Den Anforderungen von 80 Plus EU werden alle Netzteile gerecht, sodass die den Systemintegratoren auferlegten EU-Energiesparrichtlinien erfüllt werden.

Durchschnittswirkungsgrad bei 85 und 86 Prozent

Die Auslastung mit „festen Lasten“ erlaubt einen fairen Vergleich von Netzteilen mit unterschiedlichen Nennleistungen, wie es in diesem Test der Fall ist. Die Messergebnisse machen deutlich, dass das kleinste Netzteil mit 200 Watt Nennleistung den besten Wirkungsgrad bei Schwachlast besitzt, bei Volllast sich aber gegen die Konkurrenz mit 300 und 350 Watt geschlagen geben muss. Das Kolink SFX-250 siedelt sich minimal unterhalb des FSP-Pendants an. Für das Chieftec- und das Inter-Tech-Netzteil kann fast der exakt selbe Wirkungsgrad gemessen werden. Von der veränderten Lastverteilung mit stärkerer Betonung der 12-Volt-Schiene profitieren die Netzteile von Chieftec, Inter-Tech und Kolink am meisten, sodass in der Wirkungsgradspitze nicht mehr FSP den Ton angibt.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Bereits bei Halblast nehmen die Netzteile den Strom nahezu ideal sinusförmig entsprechend der 50-Hertz-Netzspannung auf, was in dem Leistungsfaktor von über 95 Prozent deutlich wird. Das FSP-Netzteil erreicht bei geringer Auslastung einen vergleichsweise geringen Leistungsfaktor, weil aufgrund der niedrigeren Nennleistung in diesem Test ebenso die Last kleiner ist, bei welcher eine aktive PFC die Stromform nicht mehr perfekt nachbilden kann.

Spannungsregulation

Die stärkste Variation der Ausgangsspannungen mit der Last fallen für die Netzteile von Chieftec und Inter-Tech auf. Dennoch bleiben die Messwerte innerhalb der Spezifikationen, sofern der akademische Crossload-Minor-Test unberücksichtigt bleibt.

Mit Anlegen der „festen Lasten“ spiegelt sich ein ähnliches Bild wider. Allerdings können nun auch für die Netzteile von FSP und Kolink stärkere Abweichungen von der Sollspannung erkannt werden, weil die Last nicht mehr symmetrisch über alle Schienen verteilt wird. Mit dieser Belastung wird ein realitätsnaher Einsatz nachgestellt, die von der Schwierigkeit dem Crossload-12V-Test sehr nahe kommt.

Restwelligkeit

Die Restwelligkeit des Argus SFX-300W bleibt bei Volllast auf jeder Spannungsschiene gerade noch so innerhalb der Grenzwerte. Weil mit zunehmender Alterung der Elektrolytkondensatoren deren Filterwirkung immer schlechter wird, ist ein größerer Abstand zu den Spezifikationsgrenzen gerne gesehen. Die drei anderen Probanden machen in dieser Disziplin alles richtig, indem nicht einmal die Hälfte des Grenzwertes überschritten wird.

In den Tests mit „fester Last“ macht das Netzteil von Inter-Tech einen besseren Job, da die Minor-Rails nicht mehr so stark belastet werden. Im Gegenzug bleibt aber die hohe Restwelligkeit auf der 12-Volt-Schiene bestehen, die nahe der Volllast mit 122 mV erneut sehr hohe Werte annimmt.

Standby-Schiene mit zu hoher Restwelligkeit

Als weiteres Problem von Inter-Tech kann die 5-VSB-Schiene identifiziert werden. Mit 80 mV bei einer Belastung von 1,93 A und 73 mV bei 1,76 A wird der Grenzwert von 50 mV klar überschritten, während das Netzteil bei Volllast, beziehungsweise 110 Prozent Auslastung betrieben wird. Im Test mit der 290W-Last wird die Schwelle trotz geringer Belastung von nur 0,10 A mit 59 mV übertreten, weshalb das Problem nicht vom Standby-Konverter selbst, sondern im Zusammenhang mit dem restlichen Netzteil ausgeht.

Schutzschaltungen

Intel setzt in seinen Designrichtlinien für Desktop-Netzteile Sicherungen auf den Ausgangsschienen wie den Überspannungs-, Kurzschluss-, Überstrom- (OCP) und Übertemperaturschutz (OTP) als verpflichtend voraus. Die Realität sieht allerdings anders aus, weil insbesondere die OCP und OTP ein aufwendigeres und kostspieligeres Layout bedürfen und deswegen gerne in günstigen Netzteilen weggelassen werden. FSP und Inter-Tech bewerben zwar eine OCP, die Messungen und die technische Analyse widerlegen jedoch eine derartige Umsetzung. Inter-Tech spricht sogar von zwei 12-Volt-Schienen, wobei es physikalisch davon nur eine gibt. Die Überlastsicherung ist lediglich im Netzteil von Kolink korrekt implementiert – alle anderen Netzteile schalten nur aufgrund des massiven Abfalls der Ausgangsspannungen ab.

Chieftec SFX-350BS
Sicherung Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
OPP 350 W >480 W (Abschaltung bedingt durch UVP; 12-Volt-Schiene fällt auf unter 10,0 V)
FSP FSP200-50GSV-5K
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 14 A >34 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 1,6 V)
5 V OCP 16 A >33 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 4,3 V)
12 V OCP 15 A >26 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 9,5 V)
OPP 200 W >300 W (Abschaltung bedingt durch UVP)
Inter-Tech Argus SFX-300W
Sicherung Nennstrom Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A >27 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 2,0 V)
5 V OCP 16 A >40 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP)
12 V1 OCP 11 A >39 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 7,5 V)
12 V2 OCP 8 A >39 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei 7,5 V)
Kolink SFX-250
Sicherung Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
OPP 250 W 350 W

Die Kurzschlusssicherung wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Ein Komplettversagen dieser Sicherung tritt auf der 3,3-Volt-Schiene des Chieftec SFX-350BS auf, das bei einem derartigen Kurzschluss nicht abschaltet. Kolink und FSP haben lediglich bei einem Kurzschluss auf der 5-Volt-Schiene des SATA-Steckers zu kämpfen, da der Auslösevorgang etwas lange dauert.

Wärmekammer

Nur für das Netzteil von FSP wird eine Spezifizierung der maximalen Umgebungstemperatur gegeben. Demnach wurde für die Lebenserwartung des Netzteils mit 50 °C bei Vollauslastung gerechnet. Chieftec und Inter-Tech verzichten ganz auf diese Angabe. Das SFX-250 soll immerhin für 40 °C ausgelegt sein. Aufgrund der technischen Ähnlichkeit kann für Chieftec dieselbe Temperatur-Auslegung angenommen werden. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Das Inter-Tech Argus SFX-300W übersteigt die Grenzwerte für die Restwelligkeit auf der 12- und 5-Volt-Schiene nun klar. Für die restlichen Testkandidaten können hier unbedenkliche Werte gemessen werden. Bezüglich der Spannungsregulation machen alle Netzteile einen guten Eindruck, wobei das gute Abschneiden in der symmetrischen Lastverteilung begründet liegt, die ein weniger forderndes Szenario darstellt.

Ausgangsspannungen Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
12 V 11,99 V 12,02 V 12,23 V 11,99 V
5 V 4,99 V 4,96 V 5,06 V 5,00 V
3,3 V 3,29 V 3,35 V 3,25 V 3,31 V
5 VSB 4,96 V 4,82 V 4,95 V 5,01 V
‑12 V ‑12,36 V ‑11,52 V ‑11,87 V ‑12,12 V

Aufgrund der hohen Umgebungstemperatur muss der Lüfter deutlich schneller drehen, was sich insbesondere für das SFX-350BS und SFX-250 mit 2.750 UPM beziehungsweise für das FSP200-50GSV-5K mit 5.350 UPM bemerkbar macht. Dies entspricht jeweils der Maximaldrehzahl der Lüfter. Das Argus SFX-300W kann hier die niedrigste Drehzahl mit 2.590 UPM vorweisen.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann.

Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Inter-Tech Argus SFX-300W
      13,5
    • Chieftec SFX-350BS
      15,7
    • Minimum
      16,0
    • Kolink SFX-250
      16,1
    • FSP FSP200-50GSV-5K
      16,6
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Chieftec SFX-350BS
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -5,9
    • Kolink SFX-250
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -6,1
    • Minimum
      1,0
    • FSP FSP200-50GSV-5K
      3,3
    • Inter-Tech Argus SFX-300W
      3,4

Das FSP200-50GSV-5K schafft es als einziges Netzteil, die 16 ms zu überbrücken, ohne dass die Ausgangsspannungen ihre Spezifikationen verlassen. Chieftec und Kolink geben nämlich selbst nach 6 ms noch das PWR_OK-Signal, obwohl die Ausgangsspannungen bereits die Grenzwerte unterschritten haben.

ErP Lot 6 2013 Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
Keine Last 0,31 0,22 0,38 0,22
45 mA auf 5 VSB 0,52 0,51 0,63 0,47
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Mit geringer Belastung der 5-VSB-Schiene arbeitet nur das Inter-Tech-Netzteil zu ineffizient und kann demnach die EU-Energiesparrichtlinien nicht einhalten. Der verwendete Controller-IC (Fairchild FSDM311) für den Standby-Konverter legt zudem nahe, dass die Energiesparvorschriften nicht eingehalten werden können, da kein explizierter Hinweis dafür im Datenblatt vermerkt ist. Für alle anderen Netzteile kann unter Berücksichtigung von Messtoleranzen ein Bestehen nachgewiesen werden.

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