SFX-Netzteile bis 40 Euro im Test: Günstig und billig im kompakten Format

Nico Schleippmann 66 Kommentare
SFX-Netzteile bis 40 Euro im Test: Günstig und billig im kompakten Format

tl;dr: Günstig kann bei Netzteilen ganz schnell billig sein. Inter-Tech stellt diese Aussage im Test von SFX-Netzteilen erneut unter Beweis und nimmt sogar Sicherheitsrisiken in Kauf. Der Marktüberblick macht aber auch deutlich, dass zu Preisen von unter 40 Euro empfehlenswerte Netzteile existieren.

SFX von 2009 bis 2016 im Test

Mini-ITX-Systeme erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Neuvorstellungen von kompakten Netzteilen im SFX-Format beschränken sich allerdings überwiegend auf Oberklasse-Netzteile. Insbesondere für Office-, Multimedia- und weniger anspruchsvolle Gaming-PCs sind allerdings auch Einstiegsserien gefragt. Die Produktzyklen sind in diesem Segment aber besonders lange, denn für das FSP FSP200-50GSV-5K liegt seit 2009 eine 80-Plus-Zertifizierung vor und das Chieftec SFX-350BS ist seit 2013 im Handel. Kolink hat die SFX-Serie zwar erst letztes Jahr veröffentlicht, wie sich im Test herausstellt, nutzt es jedoch dieselbe technische Plattform wie Chieftec. Das Inter-Tech Argus SFX-300W ist erst seit Anfang 2016 im Preisvergleich gelistet. Ob die Technik aber neu für das Netzteil entwickelt wurde, kann stark bezweifelt werden.

Chieftec 2014 als Testsieger

Das Chieftec SFX-350BS wurde bereits 2014 in einem ComputerBase-Test ausführlich untersucht. Weil die Performance-Zugewinne neu vorgestellter Netzteile die Messlatte immer höher setzen, werden mittlerweile mehr Details im Testparcours berücksichtigt, was eine allgemeine Empfehlung umso schwieriger macht.

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und den Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste.

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Technische Eckdaten im Vergleich

Eine 80-Plus-Zertifizierung muss für jedes einzelne Netzteil einer Serie bezahlt werden, was insbesondere für Produktreihen mit geringem Volumen und kleiner Marge einen größeren Kostenfaktor darstellt. Einzig FSP hat diese Investition aufgebracht und darf das FSP200-50GSV-5K offiziell mit 80 Plus Bronze bewerben. Alle anderen Hersteller verfolgen mit der Nachahmung des 80-Plus-Logos grenzwertige Marketing-Strategien, sodass die Kopien dem originalen Zertifikat teilweise zum Verwechseln ähnlich sind. Chieftec und Kolink bewerben ihre Netzteile mit einem 85+-Logo, wobei Kolink mit dem bronzefarbenen Hintergrund eine Anlehnung an 80 Plus Bronze bezwecken möchte. Der Zusatz „230V“ würde allerdings eine Verbindung zu 80 Plus Bronze EU herstellen, wobei dessen Anforderungen mit 88 Prozent Wirkungsgrad noch höher liegen. Mit einem roten 82+-Schriftzug bleibt Inter-Tech diesbezüglich noch am zurückhaltendsten.

Hersteller Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
Modell SFX-350BS FSP200-50GSV-5K Argus SFX-300W SFX-250
Verpackung bulk bulk bulk / retail retail
Effizienz 80Plus Bronze
Lüfter 80 mm 60 mm 80 mm
Einbautiefe 100 mm
AC Eingang Spannung 230 V 100-240 V 230 V
DC Ausgang +3,3 V 16 A 14 A 20 A 14 A
+5,0 V 15 A 16 A 15 A
+12 V1 27 A 15 A 11 A* 18,5 A
+12 V2 8 A*
-12,0 V 0,3 A
+5 VSB 3 A 2 A 3 A
+3,3 V & +5 V ges. 105 W 85 W 100 W 80 W
+12 V ges. 324 W 180 W 228 W 220 W
Gesamtleistung 350 W 200 W 300 W 250 W
* Fehlerhafte Angabe

Mit Ausgangsleistungen angefangen bei 200 bis hin zu 350 Watt in 50-Watt-Schritten macht sich darüber hinaus eine hohe Vielfalt im Testfeld deutlich. Während die primärseitigen Bauelemente von FSP und Inter-Tech auch für Eingangsspannungen von 100 Volt ausgelegt sind, können die Netzteile von Chieftec und Kolink nur in einem 230-Volt-Niederspannungsnetz wie dem europäischen betrieben werden. Anhand der technischen Daten macht sich bereits ein erster Rückschritt des Inter-Tech Argus SFX-300W erkennbar. Nur drei Viertel der Nennleistung kann das Netzteil nämlich auf der 12-Volt-Schiene abgeben und ist in dieser Hinsicht lediglich auf Höhe des kleineren Kolink SFX-250.

Lüfter mit 60 und 80 mm

Ein weiterer Unterschied betrifft das Kühlkonzept, für das FSP einen horizontalen Luftstrom forciert. Die Lüftergröße ist deswegen auf eine Kantenlänge von 60 mm begrenzt – die Konkurrenz kann 80-mm-Lüfter aufgrund der vertikalen Belüftung einsetzen. Einig sind sich die Hersteller nur in der Gehäusetiefe, die dem SFX-Standard mit 100 mm exakt entspricht.

Dokumentierte Schutzschaltungen
Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja* ja
Überlastschutz (OPP) ja* nein ja
Überstromschutz (OCP) nein ja* nein
Überhitzungsschutz (OTP) nein
* Fehlerhafte Umsetzung

Keines der Netzteile kann komplette Schutzschaltungen vorweisen. Bis auf Kolink dokumentieren Hersteller zudem Sicherungen falsch, beziehungsweise mangelt es an einer korrekten Umsetzung. Eine Überstromsicherung auf den Ausgangsschienen lassen demnach alle Netzteile vermissen. Insbesondere bei Inter-Tech fällt eine hohe Diskrepanz von Theorie zu Realität auf, weil zwei 12-Volt-Schienen eine Multi-Rail-Absicherung erwarten ließen.

Zwei bis drei Jahre Garantie

Dem günstigen Preis geschuldet, bieten die Hersteller nur sehr beschränkte Serviceleistungen an. Chieftec, FSP und Inter-Tech bieten eine freiwillige Garantie an, die allerdings auf nur zwei Jahre beschränkt ist. Ein Umtausch ist bei Chieftec und Inter-Tech zudem nur über den Händler vorgesehen, sodass für den Endkunden die Garantie quasi wertlos ist, weil es in Deutschland die für Händler verpflichtende Gewährleistungsdauer von zwei Jahren gibt. Im Falle von FSP kann immerhin ein schnellerer Umtausch über den Hersteller innerhalb der ersten zwei Jahre in Anspruch genommen werden.

Kolink mit dreijähriger Garantie

Das Kolink SFX-250 als einziges Netzteil kommt in einer Einzelhandelsverpackung. Deren Aufdruck verspricht eine dreijährige Garantiedauer. Die Inanspruchnahme im dritten Jahr kann sich allerdings für Endkunden als hinderlich herausstellen, die nicht bei Caseking eingekauft haben. Eine Kontaktaufnahme mit dem ungarischen Hersteller ist nämlich schwerfällig, und für eine Abwicklung über Caseking muss auf dessen Kulanz vertraut werden.

Lieferumfang und Äußeres

Bis auf das Kolink SFX-250 wurden alle Netzteile als „bulk" geliefert. Das heißt, dass der Online-Händler das Netzteil eigens verpackt, wobei sich meist auf eine Luftpolsterung beschränkt wird. Im Lieferumfang sind demnach keine weiteren Beigaben enthalten. Aber auch das SFX-250 verfügt mit den Schrauben und einem einseitigen Beiblatt über kaum nennenswerte Beigaben. Wiederum ist es das einzige Netzteil mit Lackierung. Für das Lüftergitter haben allerdings alle Hersteller Kosteneinsparungen mit einer einfachen ausgestanzten Variante vollzogen. Die Umsetzung ist einzig Chieftec misslungen, weil das Gehäuse aus einem derart dünnen Blech besteht, dass bereits bei Ankunft das Lüftergitter verbogen war und die Lüfterblätter dadurch mit dem Gitter in Berührung kamen. Einen Netzschalter haben lediglich FSP und Inter-Tech eingebaut.

Die Problematik der 80-Plus-Imitation von Kolink verschärft sich bei Betrachtung der Tabelle des Beiblatts, auf dem in einer Zeile explizit 80 Plus genannt wird. Ansonsten werden darin nützliche Informationen für die Inbetriebnahme und Fehlerlösung bereitgestellt.

Kabelausstattung

Für die Kabel wurden typische Abmessungen von Mini-ITX-Systemen berücksichtigt. Ob die Längen jeweils ausreichen, muss für den Einzelfall betrachtet werden. Um auch Mittelklasse-Gaming-Systeme betreiben zu können, ist die Bereitstellung eines PCIe-Steckers von Bedeutung. Ab einer Nennleistung von 300 Watt kann einer dieser Anschlüsse erwartet werden – dem Wunsch kommt Chieftec anders als Inter-Tech aber nicht nach.

Kabelausstattung (Länge in cm) Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
nicht abnehmbar
24-Pin ATX 1 (31) 1 (34) 1 (30)
4-Pin EPS 1 (41) 1 (31) 1 (35) 1 (39)
6+2-Pin PCIe 1 (36)
SATA 2 (32 ‑ 47) 2 (31 ‑ 46) 3 (36 ‑ 66) 2 (30 ‑ 45)
Molex 2 (31 ‑ 46) 2 (30) 2 (36 ‑ 51) 2 (29 ‑ 44)
Floppy 1 (60) 1 (48) 1 (66)

Des Weiteren wird bei höheren Ausgangsleistungen ein größerer Aderquerschnitt umso wichtiger. Inter-Tech legt hierbei mit 18 AWG vorbildlich vor. Chieftec und Kolink verbleiben durchgehend bei 20 AWG, wobei FSP auf einen Mix von 18 und 20 AWG vertraut. Insbesondere für Chieftec stellt sich der kleinere Querschnitt als Nachteil heraus, weil der fehlende PCIe-Stecker es sowieso schon schwierig macht, die Nennleistung von 350 Watt voll auszunutzen. Dadurch, dass die Kabellängen kürzer als bei ATX-Netzteilen sind, relativiert sich ein kleinerer Querschnitt jedoch wieder.

Kabelquerschnitt in AWG Chieftec FSP Inter-Tech Kolink
24-Pin ATX 20 AWG 18 und 20 AWG 18 AWG 20 AWG
4-Pin EPS 20 AWG 18 AWG 20 AWG
6+2-Pin PCIe 18 AWG
SATA 20 AWG 18 AWG 20 AWG
Molex 20 AWG 18 AWG 20 AWG
Floppy 22 AWG 24 AWG 22 AWG

Für eine Bündelung des 24-Pin-ATX-Kabelstrangs verwendet nur Kolink eine Ummantelung. Bei allen anderen Netzteilen kommen lediglich Kabelbinder zum Einsatz, die optisch als auch funktional eine schlechtere Figur machen. Der Kabeldurchlass wurde entweder mit Plastikringen oder abgerundeten Kanten abgesichert, um Schäden an den Kabeln zu vermeiden.

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