HTC Vive Pro: VR-Headset mit 80 Prozent mehr Pixeln und Tracking 2.0

Jan-Frederik Timm et al. 240 Kommentare
HTC Vive Pro: VR-Headset mit 80 Prozent mehr Pixeln und Tracking 2.0
Bild: HTC

Wie vom Hersteller selbst in Aussicht gestellt, hat HTC zur CES 2018 ein überarbeitetes Headset für das VR-System Vive vorgestellt. Die neue HTC Vive Pro setzt auf das externe Laser-Tracking in 1. oder 2. Generation und bietet knapp 80 Prozent mehr Pixel als die 1. Generation. Auf Wunsch erhält sie die Bilddaten über Funk.

OLED-Displays mit höherer Auflösung

Im Gegensatz zur seit Anfang 2016 verkauften HTC Vive (Test) beträgt die kombinierte Auflösung der beiden OLED-Displays in der HTC Vive Pro 2.880 × 1.600 statt vormals 2.160 × 1.200 Pixel. Sowohl vertikal als auch horizontal sind also 33 Prozent mehr Pixel hinzu gekommen, in Summe ergeben sich 77 Prozent mehr Bildpunkte.

Modell Display-Technologie Auflösung Pixel insgesamt
HTC Vive/Oculus Rift OLED 2.160 × 1.200 (2 × 1.080 × 1.200) 2,59 Millionen
HTC Vive Pro OLED 2.880 × 1.600 (2 × 1.440 × 1.600) 4,61 Millionen

Die Auflösung der HTC Vive Pro übertrifft damit zumindest vertikal die der Ende 2017 vorgestellten Windows Mixed-Reality-Headsets (Test) mit 2.880 × 1.440 Pixeln, bleibt von Ultra HD (3.840 × 2.160 Pixel) aber noch weit entfernt. Pixel bleiben damit sichtbar, aber deutlich dezenter als bei der ersten Generation der Vive. Ob die Fresnel-Linsen daraus dasselbe Sichtfeld erstellen, dazu hat sich HTC bisher nicht geäußert. Das Headset ist allerdings kompakter und auch leichter geworden, das Haltesystem lässt sich über ein Drehrad am Hinterkopf justieren.

HTC Vive Pro Pressekonferenz

Mit integrierten Kopfhörern und Drahtlos-Option

Die höhere Auflösung ist allerdings nicht die einzige Neuerung an der HTC Vive Pro. Sie bietet auch ohne Zusatz erstmals im Tragegestell integrierte Kopfhörer, das bisher optional angebotene Deluxe Audio Strap ist nicht mehr erforderlich. Dasselbe gilt auch für die bisher bekannte Option zur Übertragung der Bild- und Positionsdaten per Funk: Für die Vive Pro bietet HTC ab sofort selber einen Vive Wireless Adapter an, der im Gegensatz zum bisher verfügbaren Adapter von tpcast nicht auf WirelessHD, sondern auf WLAN 802.11ad („WiGig“) setzt – beide funken mit 60 GHz.

Mit SteamVR-Tracking 2.0

Dank neuer Sensor-ASIC ist die Vive Pro auch für die 2. Generation des SteamVR-Laser-Trackings gerüstet, das erstmals zur CES 2018 öffentlich ausgestellt wird. Es ermöglicht die Koppelung von gleich vier neuen Lighthouse-Stationen für eine bis zu 10 × 10 Meter große Spielfläche. Mehr als zwei Basisstationen ließen sich bisher nicht betreiben, zu hoch war die Gefahr, dass es zu Störungen in Folge des Infrarot-Impulses kommt. In SteamVR Tracking 2.0 wird dieses Hilfsmittel deshalb gestrichen. Die neuen Lighthouse-Basisstationen können die Information, in welcher Position der Laser sich aktuell befindet, durch Modulation im Laserstrahl selbst übertragen. Mit diesem „Sync on Beam“ gibt Valve das Tracking für mehr als zwei Basisstationen frei.

Der Umstieg auf das neue System kommt aber nicht ohne Kosten: Die neuen Lighthouse-Stationen werden nur noch mit VR-Brillen und Controllern zusammenarbeiten, die bereits über den neuen ASIC verfügen, denn der von alten Modellen wie der HTC Vive benötigte Infrarot-Impuls fehlt. Weil der neue ASIC wiederum weiterhin auch mit dem alten System umgehen kann, werden neue Endgeräte auch mit dem alten Trackingsystem funktionieren.

Kein Wort bisher verloren hat HTC zu den zwei Kameras an der Front, die Vive bot nur eine mit niedrigerer Auflösung. Vermutlich wird HTC bei der nächsten Generation mehr Fokus auf AR oder „Mixed Reality“ setzen.

Preise und Verfügbarkeit

Zur CES 2018 in Las Vegas belässt es HTC allerdings vorerst bei der Ankündigung der Technik und einem vagen Termin: Die Vive Pro soll als separates Headset noch im 1. Quartal verfügbar sein, ein Preis wird später bekannt gegeben. Damit richtet sich das System vorerst an Inhaber der 1. Generation, die das Headset aufrüsten wollen. Die 1. Generation bleibt parallel noch bis mindestens Ende 2018 erhältlich. Der neue Wireless Adapter erscheint wiederum erst im Sommer. Die neuen Basisstationen für das Tracking 2.0 sollen „im späteren Verlauf des Jahres“ erscheinen.

Update 11.01.2018 09:54 Uhr

Die Silicon Valey Global News wollen aus „zuverlässiger Quelle“ den Preis für die HTC Vive Pro in Erfahrung gebracht haben. Das separate Headset soll demnach noch im 1. Quartal für 349 US-Dollar (vor Steuern) erscheinen. Das wäre 50 US-Dollar günstiger als mittlerweile Oculus für das Set auf Rift und Touch verlangt.

Im 4. Quartal soll es dann ein neues Paket aus HTC Vive Pro, Controllern und den neuen Lighthouse-Stationen geben, das 799 US-Dollar kosten wird. Das wären 200 US-Dollar mehr als HTC aktuell für die Vive der 1. Generation verlanschlagt. Zum Start im Frühjahr 2016 hatte die Vive allerdings ebenfalls 799 US-Dollar vor Steuern gekostet. Die kolportierten Preise passen also ins Bild. Ob die Vive Pro im Bundle mehr als zwei Lighthouse-Stationen enthalten und neue Controller spendiert bekommen wird, darüber kann aktuell nur spekuliert werden.

Update 11.01.2018 20:54 Uhr

Im Gespräch mit Road2VR stellt HTC klar, dass das Headset nicht mit Valves Knuckles Controllern ausgeliefert wird. Stattdessen gibt es eine leicht überarbeitete Version der bekannten Wand Controller. Inwieweit sich diese, abgesehen von der Unterstützung für SteamVR Tracking 2.0, von den Aktuellen unterscheiden, ist noch nicht bekannt. Wann und wie die Knuckles Controller veröffentlicht werden, ist laut HTC eine Frage, die Valve beantworten müsse.