Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys einzigartiges kompaktes Kraftpaket

Nicolas La Rocco 139 Kommentare
Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys einzigartiges kompaktes Kraftpaket

tl;dr: Mit dem Xperia XZ2 Compact baut Sony ein gutes Android-Smartphone ohne Konkurrenz. Es ist kein überdimensionaler 6-Zoll-Riese, sondern kompakt und besitzt eine gute Ergonomie, hat aber dennoch die Leistung eines echten Flaggschiffs. Zudem liefert Sony erstmals eine rundum gute Kamera ab. Das verdient eine Empfehlung.

Neues Ambient-Design

Sony ist einer der wenigen Hersteller, der noch kompakte Smartphone-Flaggschiffe anbietet. Das Xperia XZ2 Compact ist die Neuauflage eines mittlerweile traditionellen Modells, an dem Sony seit Jahren festhält. Es bietet in Bereichen wie Kamera, Prozessor und Display die gleiche Ausstattung wie das klassische Xperia XZ2, ist aber deutlich kompakter. Für dieses Jahr gibt es einige Veränderungen bei der Xperia-Serie, die das Smartphone zu mehr machen als einem einfachen Aufguss von bereits Bekanntem.

Zunächst einmal ziehen beide Xperia XZ2 einen Schlussstrich unter das seit Jahren in kleinen Schritten stetig evolutionierte OmniBalance-Design. Ambient-Design nennt sich der Neuanfang, der Schluss macht mit dem eher kantigen Äußeren und die Technik stattdessen in einem Gehäuse voller Rundungen verpackt. Damit kaschiert Sony bisweilen das etwas pummelige Design, das am Rand noch auf schlanke 8 Millimeter Bautiefe kommt, aber zur Mitte der Rückseite hin auf dicke 12 Millimeter anwächst. Auf das Volumen bezogen ist das Xperia XZ2 deshalb 23 Prozent größer als ein Samsung Galaxy S9 (Test), das aber mehr Fläche einnimmt. In die vordere Hosentasche einer engen Jeans geschoben, spannt das Xperia XZ2 deshalb zunächst etwas mehr. Die Ecken des Galaxy S9 machen sich dann jedoch beim Anwinkeln des Beins eher bemerkbar. Das Xperia XZ2 Compact ist somit nur mit etwas Trickserei in Sachen Bautiefe ein kompaktes Smartphone geworden.

Sehr gute Verarbeitung

Keine Kompromisse müssen Käufer bei der Qualität der verwendeten Materialien oder der Verarbeitung machen. Der Rahmen des Smartphones besteht aus Aluminium und verleiht dem Xperia XZ2 Compact einen soliden Auftritt ohne erkennbare Verwindungen. Auf den matten Rahmen, der an manchen Stellen leicht die Antennen durchschimmern lässt, folgt eine Rückseite aus mattem Polycarbonat, das sich mit einer leichten Rundung bis zur besagten Bautiefe hinten über das Smartphone spannt. Das normale Xperia XZ2 setzt hier auf Gorilla Glass 5, das beim Compact nur die Vorderseite abdeckt. Beide Smartphones bieten zudem wieder den IP68-Schutz gegen Wasser und Staub.

Alle Tasten bringt Sony auf der rechten Seite des Telefons unter, von oben aufgelistet angefangen bei der Lautstärkewippe über den An-aus-Schalter bis zur dedizierten Kamerataste. Mit der rechten Hand lässt sich die Lautstärkewippe gut bedienen, links gehalten kann das Smartphone per Mittelfinger auch ein- und wieder ausgeschaltet werden. Der Auslöser der Kamera ist nur im Querformat gut erreichbar. Den Fingerabdrucksensor im Rahmen gibt es nicht mehr, dieser ist auf die Rückseite gewandert. Dort sitzt er unterhalb der Kamera einen Hauch zu tief, um ihn immer bequem und treffsicher zu bedienen. Die Situation ist aber nicht so schlimm wie beim großen Xperia XZ2. Eine Kopfhörerbuchse gibt es bei Sony bei beiden Geräten jetzt nicht mehr. Zum Lieferumfang gehört ein Adapter von USB Typ C auf Klinke.

Display mit weniger Rand

„Baut endlich Smartphones mit kleineren Display-Rändern!“, war eine seit Jahren von Fans und Hassern der Marke mit jedem neuen Gerät lauthals herbeigesehnte Forderung. Mit den beiden Xperia XZ2 wird die Forderung Realität, wenngleich Sony die Displays nicht so weit in die Ecken zieht wie Apple beim iPhone X (Test) oder Samsung beim Galaxy S9. Das Unternehmen argumentiert, es wollte in jedem Fall die beiden nach vorn gerichteten Stereo-Lautsprecher behalten und dem Nutzer nicht alle Stellen zum Anfassen des Smartphones nehmen. Damit liegt Sony nicht ganz falsch, denn zum Beispiel das Galaxy S9 registriert aufgrund der extrem dünnen Ränder hin und wieder ungewollte Eingaben, wenn etwa innerhalb der YouTube-App in das Querformat gewechselt wird.

Das Display des Xperia XZ2 Compact ist 5 Zoll groß und somit 0,4 Zoll größer als das des Vorgängers. Es ist zudem das erste Mal, dass Sony für den Compact-Ableger nicht die Auflösung im Vergleich zum normalen Modell verringert hat. 1.080 × 2.160 Bildpunkte sorgen für ein neues Format in 18:9 statt bisher 16:9. Die längeren Displays gehen seit dem letzten Jahr in der Branche mit den dünneren Display-Rändern einher.

Auch die HDR-Funktionalität des großen Xperia XZ2 übernimmt das Compact, wenngleich hier mit einer maximalen Helligkeit des Displays von 506 cd/m² durchaus noch etwas Luft nach oben gewesen wäre. Andere High-End-Smartphones wie das Apple iPhone X oder das Samsung Galaxy S9 kommen mit OLED-Technik auf rund 630 cd/m². Das ist übrigens auch der Wert, den das Xperia XZ1 Compact vor gut einem halben Jahr noch erreicht hat. Das lieferte auch beim Kontrast einen besseren Wert, sodass infrage gestellt werden darf, ob das Plus an Größe und Auflösung die zwei damit einhergehenden neuen Verschlechterungen mehr als wettmacht, zumal Größe und Auflösung des Displays nie wirklich Kritikpunkte am Xperia XZ1 Compact waren. Es waren mehr die im Vergleich zur Konkurrenz breiten Display-Ränder.

Für das Display bietet Android drei Darstellungsmodi, davon ist ab Werk der Standardmodus mit Triluminos-Technik eingestellt, der in Abhängigkeit zum Umgebungslicht und des dargestellten Inhalts für eine adaptive Darstellung sorgt, die grundsätzlich eine etwas intensivere Farbdarstellung bietet. Wer eine Darstellung rein nach sRGB-Farbraum bevorzugt, kann in den professionellen Modus wechseln. Kunterbunt und realitätsfern sehen Farben im superlebendigen Modus aus.

Sonys für das Xperia XZ2 Compact verwendete Display-Panel mit IPS-Technologie ist insgesamt bewertet weiterhin gut, schafft aber trotz der Zuwächse bei Größe und Auflösung, die beide nicht zwingend notwendig gewesen wären, in Sachen Qualität nicht den Sprung auf das nächsthöhere Treppchen.

Snapdragon 845 aus 10-nm-Fertigung

Imposant ist erneut, was Sony alles an leistungsfähiger Hardware in dem kompakten Paket unterbringt. Dazu zählt in erster Linie der Snapdragon 845 von Qualcomm, den Sony mit 4 GB LPDDR4X-RAM paart und damit die gleiche Ausstattung wie im großen Xperia XZ2 bietet. Auch der interne Speicher liegt mit 64 GB diesmal auf dem gleichen Niveau. In dem SIM-Fach auf der linken Seite des Smartphones lässt sich auf Wunsch eine microSD-Karte für eine vergleichsweise günstige Speichererweiterung unterbringen. Bei der Dual-SIM-Variante des Smartphones müssen sich Käufer zwischen der Speichererweiterung oder einer zweiten SIM-Karte entscheiden (Hybrid-Slot).

Das Xperia XZ2 Compact ist das erste Smartphone in der ComputerBase-Redaktion, das mit Qualcomms im Dezember letzten Jahres vorgestelltem Snapdragon 845 ausgerüstet ist. Damit ist es auch das erste Mal, dass die Redaktion einen Blick auf die Leistung des SoCs werfen kann. Dadurch ist zudem ein Vergleich mit dem Exynos 9810 des Galaxy S9 möglich, das in den USA mit Snapdragon 845 ausgeliefert wird.

Qualcomm hat mit dem Snapdragon 845 ein leistungsstarkes Multi-Core-SoC gebaut, das vor allem mit einer immensen Grafikleistung auftrumpft. An die Single-Core-Leistung der von Samsung entwickelten Exynos-M3-Kerne kommen die auf den ARM Cortex-A75 basierenden Kryo-385-Kerne zwar nicht heran, in Summe ergibt sich aber dennoch ein stimmiges Bild. Beim GPU-Computing und bei Machine-Learning-Aufgaben ist Qualcomm Samsung überlegen. Hier spielt der Konzern das Zusammenspiel der einzelnen Blöcke des Chips voll aus. Qualcomm fehlt zwar eine NPU wie im Kirin 970 von HiSilicon, an Leistung mangelt es dem Chip für diese Aufgaben aber nicht.

Langsamer Cardreader

Enttäuschend sind die mit dem Cardreader des Smartphones erzielten Messwerte. ComputerBase verwendet für diesen Test mit der SanDisk Extreme Pro eine besonders schnelle Speicherkarte, die mit bis zu 275 MB/s beim Lesen und bis zu 100 MB/s beim Schreiben nicht zum Flaschenhals wird. Dennoch sind dem Xperia XZ2 Compact gerade einmal 34 MB/s beim Lesen von der Karte sowie 32 MB/s beim Schreiben auf die Karte zu entlocken. Das Xperia XZ1 Compact lieferte noch fast doppelt so hohe Werte.

Spezifikationen im Vergleich

Sony Xperia XZ2 Compact
Sony Xperia XZ2
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.0
Display: 5,00 Zoll
1.080 × 2.160, 483 ppi
IPS, HDR, Gorilla Glass 5
5,70 Zoll
1.080 × 2.160, 424 ppi
IPS, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,60 GHz
4 × Kryo 385, 1,70 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 630
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 GB (+microSD)
Kamera: 19,0 MP, 2160p
LED, f/2,0, AF
Sekundär-Kamera: Nein
Tertiär-Kamera: Nein
Frontkamera: 5,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓800 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.200 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte:
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 2.870 mAh
fest verbaut
3.180 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 65,0 × 135,0 × 12,10 mm 72,0 × 153,0 × 11,10 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 168 g 198 g
Preis: ab 535 € / ab 535 € ab 680 € / ab 615 €

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