Thermalright AXP-100RH im Test: Mini-Top-Blow-CPU-Kühler für Mini-PCs 2/2

Thomas Böhm 57 Kommentare

Messergebnisse

Für den Test des kleinen Top-Blow-Kühlers wird die AM4-Plattform für Kühlertests genutzt. Dabei kommt ein AMD Ryzen 7 1700X (Test) zum Einsatz, der im für den Mini-ITX-Kühler geradezu riesig anmutenden Thermaltake Suppressor F51 untergebracht wird. Abweichend zum üblichen Testverfahren wird der AXP-100RH mit seinem Lüfter-Sonderformat analog zum Test der AMD-Boxed-Kühler vermessen. Sämtliche Details zu dem Testsystem und der Methodik hält der Artikel „So testet ComputerBase CPU-Luftkühler" bereit.

Messungen erfolgen ausschließlich beim Basistakt von 3,4 GHz des Prozessors, weil der Ryzen 7 1700X in seinem für Kühlertests genutzten Übertaktungsprofil durch den AXP-100RH weder mit dessen Serienlüfter noch mit dem Noctua NF-A12x15 bei maximaler Drehzahl adäquat gekühlt werden kann.

Kühlvermögen

Da der Thermalright AXP-100RH mit einem schlanken 100-mm-Lüfter antritt, hat eine direkte Gegenüberstellung mit größeren Tower-Kühlern wenig Sinn. Das kleinformatige Modell muss sich daher anderen kleinen Prozessorkühlern stellen: den beiden AMD-Boxed-Kühlern Wraith Spire und Wraith Max (Test). Zusätzlich zu seinem Serienlüfter wird der AXP-100RH auch mit dem Noctua NF-A12x15 eingesetzt, der den Kühler weiterhin bei unter 70 mm Bauhöhe hält, aber mit einer größeren Grundfläche aufwarten kann.

Temperaturdifferenz CPU zu Raum
Angaben in Kelvin
  • AMD Wraith Spire:
    • Maximale Drehzahl
      45,9
    • 2.000 U/min
      53,3
    • 1.500 U/min
      65,6
    • 1.000 U/min
      0,0
      Hinweis: nicht möglich
  • AMD Wraith Max:
    • Maximale Drehzahl
      38,3
    • 2.000 U/min
      42,7
    • 1.500 U/min
      47,2
    • 1.000 U/min
      62,2
  • Thermalright AXP-100RH (Serie):
    • Maximale Drehzahl
      41,2
    • 2.000 U/min
      43,3
    • 1.500 U/min
      51,3
    • 1.000 U/min
      65,0
  • Thermalright AXP-100RH (NF-A12x15):
    • Maximale Drehzahl
      43,4
    • 1.500 U/min
      46,1
    • 1.000 U/min
      58,3

Rein auf die Drehzahl bezogen liegt der Kühler von Thermalright zwischen dem Standard-Boxed-Kühler Wraith Spire und dem kräftigeren Wraith Max. Da die beiden Boxed-Kühler aber wesentlich tiefere Lüfter und folglich ein höheres mögliches Fördervolumen bei gleicher Drehzahl besitzen, muss dies über die Lautstärke im Betrieb relativiert werden.

Der Wechsel auf den größeren Lüfter von Noctua bringt erstaunlich wenig: Lediglich im unteren Drehzahlbereich wird der Serienlüfter geschlagen, bei höheren Umdrehungsgeschwindigkeiten lässt der Vorteil des 120-mm-Lüfters gegenüber dem 100-mm-Serienlüfter nach. Ein möglicher Grund hierfür ist der Lüfter-Halterahmen des AXP-100RH: Der äußere Rand eines 120-mm-Axiallüfters wird von dem Metallrahmen abgeschirmt. Folglich kann die Fläche des höchsten Luftdurchsatzes nicht aktiv genutzt werden.

Schalldruckpegel

Obwohl der Lüfter des AXP-100RH sogar einen etwas größeren Durchmesser als die Ventilatoren der AMD-Boxed-Kühler hat, baut er deutlich weniger tief. Ergo lässt sich anhand der Drehzahlen nur schlecht auf die Lautstärke im Betrieb rückschließen, was durch Messungen des Schalldruckpegels bestätigt wird.

Schalldruckpegel
Angaben in dB(A)
  • AMD Wraith Spire:
    • Maximale Drehzahl
      41,0
    • 2.000 U/min
      35,5
    • 1.500 U/min
      33,6
    • 1.000 U/min
      33,2
  • AMD Wraith Max:
    • Maximale Drehzahl
      43,4
    • 2.000 U/min
      37,8
    • 1.500 U/min
      34,4
    • 1.000 U/min
      33,2
  • Thermalright AXP-100RH (Serie):
    • Maximale Drehzahl
      38,7
    • 2.000 U/min
      37,4
    • 1.500 U/min
      34,3
    • 1.000 U/min
      33,3
  • Thermalright AXP-100RH (NF-A12x15):
    • Maximale Drehzahl
      40,5
    • 1.500 U/min
      36,9
    • 1.000 U/min
      33,2

Besonders zum Drehzahlmaximum hin ist der Ventilator des Kühlers von Thermalright leiser als die beiden AMD-Wraith-Kühler. Einen Wermutstropfen gibt es dafür am unteren Ende des Messintervalls: Der Thermalright-Serienlüfter fällt mit Nebengeräuschen negativ auf, weshalb er bei 1.000 U/min minimal lauter als die tieferen AMD-Ventilatoren sowie der größere 120-mm-Lüfter von Noctua ist. Dieser wiederum kann im Leerlauf überzeugen, wird aber zwischen 1.500 U/min und seiner maximalen Drehzahl von etwa 1.800 U/min sehr laut: Dafür ist vermutlich der Lüfter-Montagerahmen des AXP-100RH mitverantwortlich, der den äußeren Rand des Axiallüfters abschirmt und so für starke Luftverwirbelungen sorgt.

Kühlvermögen über Schalldruckpegel

Aufgrund der verschiedenen Lüfterformate ist es sinnvoll, das Kühlvermögen der Prozessorkühler mit dem jeweiligen Schalldruckpegel ins Verhältnis zu setzen, da die Ventilatordrehzahl allein wenig aussagekräftig ist. In dieser Darstellung wird auf der Y-Achse die Temperaturdifferenz zwischen dem Prozessor unter Volllast und der Raumtemperatur dargestellt. Die Angabe erfolgt als Temperaturdifferenz in Kelvin. Auf der X-Achse ist der Schalldruckpegel aufgetragen, den der Kühler beim jeweiligen Messpunkt erzeugt hat.

Der Thermalright AXP-100RH legt sich gemessen am Schalldruckpegel vorwiegend mit dem AMD Wraith Max an und lässt den Standard-Boxed-Kühler Wraith Spire erfolgreich hinter sich. Vor allem bei höheren Lautstärken schließt der AXP-100RH zum Wraith Max auf, muss bei niedrigen Drehzahlen aber aufgrund seines prominenteren Lüfters zurückstecken. Das zeigt auch die Kurve mit dem schmalen Noctua-Lüfter: Mit diesem Ventilator ist der Kühler bei niedrigen Drehzahlen sehr gut, weil der Lüfter ohne wahrnehmbare Nebengeräusche agiert. Je schneller die Ventilatoren aber drehen, desto mehr rücken die reinen Laufgeräusche in den Hintergrund, weshalb der Kühler von Thermalright mit seinem Serienlüfter dann besser abschneidet.

In weiter Ferne liegen Tower-Kühler und Kompaktwasserkühlungen, mit denen sich ein weniger als 7 cm flacher Kühlzwerg schlicht nicht messen kann.

Fazit

Einen starken, aber kompakten PC zusammenzustellen, ist eine besondere Herausforderung. Denn sobald Platzmangel herrscht, wird es umso schwieriger, zueinander kompatible Bauteile zu finden. Bei kleinen Mini-ITX-Systemen muss alles stimmen: Das Netzteil darf keinen Zentimeter zu lang sein, bei der Grafikkarte sollte zweimal geschaut werden, ob sie nicht nur kurz, sondern auch schmal genug ist oder ob die Stromanschlüsse in die falsche Richtung zeigen. Selbstverständlich muss auch der Prozessorkühler in seine Nische passen.

Diesbezüglich hält sich der Thermalright AXP-100RH hervorragend: Der kleine Kühler ist sogar noch ein wenig niedriger als der Boxed-Kühler AMD Wraith Spire (Test) und hält auf dem Mainboard großzügig Abstand zu dem ersten (und auf Mini-ITX auch einzigen) Erweiterungs-Slot sowie den Speicherbänken. Ein Leistungswunder ist der Top-Blow-Kühler erwartungsgemäß nicht. Den Standard-Boxed-Kühler Wraith Spire schlägt er aber.

Thermalright AXP-100RH im Testsystem
Thermalright AXP-100RH im Testsystem
Thermalright AXP-100RH mit Noctua NF-A12x15
Thermalright AXP-100RH mit Noctua NF-A12x15

Im Vergleich zum größeren AMD Wraith Max, der mit 85 mm Bauhöhe allerdings zwei Zentimeter höher als der AXP-100RH ist, kann der Kühler von Thermalright keinen Sieg mehr verbuchen. Gemessen am Schalldruckpegel führt bei niedrigen Drehzahlen der Kühler von AMD, bei höheren Umdrehungsgeschwindigkeiten der CPU-Kühler des Drittanbieters. Gegenüber größeren Tower-Kühlern haben beide keine Chance – doch das ist ja auch nicht die Zielgruppe eines Mini-ITX-Kühlers.

Klein, aber teuer

Wird die Kühlleistung als Maß genommen, so ist der Preis des AXP-100RH mit über 45 Euro hoch, aber auf Augenhöhe mit dem Wraith Max von AMD, der ab 45 Euro im Handel erhältlich ist. Die Verarbeitung des Kühlkörpers von Thermalright ist dem Preis angemessen, doch das hörbare Laufgeräusch des Serienlüfters stört empfindliche Ohren, wenn der PC in unmittelbarer Nähe zum Nutzer positioniert wird. Der Ventilator kann zwar per im Lieferumfang enthaltenen Halterahmen durch Standardmodelle mit 120 mm Rahmenbreite ersetzt werden, diese kämpfen dann aber mit lauten Luftgeräuschen durch die Geometrie der Lüfterhalterung.

Zusammenfassend ist der Kühler also nur für eine kleine Nische an Käufern empfehlenswert: Wenn der Standard-Boxed-Kühler mit seinem Kühlvermögen nicht ausreicht und gleichzeitig kein Platz für einen größeren Kühler vorhanden ist, bietet der Thermalright AXP-100RH einen sinnvollen, wenn auch teuren Ersatz. Echtes Potenzial zum Übertakten bleibt aber auch mit dem kleinen Nachrüstkühler nicht. Durch seine im Vergleich zu großen Tower-Kühlern schwächere Kühlleistung ist er in klassischen geräumigen ATX-Gehäusen fehl am Platze und in kleinen HTPCs, die noch nicht einmal den schwächeren Boxed-Kühler ins Schwitzen bringen, unnötig.

Thermalright AXP-100RH
Produktgruppe Prozessorkühler, 27.04.2018
  • Kühlleistung
    O
  • Qualität Kühlkörper
    ++
  • Qualität Lüfter
  • Montage
    +
  • Ausstattung
    +
  • Hochwertiger und kompakter Kühlkörper
  • Keine Einschränkungen bei RAM und Erweiterungskarten
  • Serienlüfter mit Nebengeräuschen

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