Mifcom miniBOSS i9-7980XE im Test: Titan V schlägt 1080 Ti in Spielen um bis zu 50 Prozent

Wolfgang Andermahr 188 Kommentare
Mifcom miniBOSS i9-7980XE im Test: Titan V schlägt 1080 Ti in Spielen um bis zu 50 Prozent

tl;dr: Wie schnell ist Nvidias Volta-GPU auf der Titan V in Spielen, Compute und Mining? Auf ComputerBase gab es die Antwort darauf bis heute nicht. Jetzt hat die Redaktion die 3.100 Euro teure Grafikkarte im 9.999 Euro teuren Mifcom miniBOSS Core i9-7980XE getestet. Fazit: Volta schlägt den großen Pascal zum Teil sehr deutlich.

Der Mifcom miniBOSS i9-7980XE Titan V

Die Nvidia Titan V ist keine GeForce, was zur Folge hat, dass Nvidia sie nicht als Muster verteilt. Aus diesem Grund und weil der Preis mit 3.100 Euro selbst für absolute Enthusiasten unter den Spielern astronomisch hoch liegt, hatte ComputerBase bisher auf einen ausführlichen Blick auf diese Grafikkarte mit Volta-GPU verzichtet. In Anbetracht der für das 3. Quartal erwarteten Markteinführung der Turing-GPU als Spieler-Variante von Volta wird das jetzt als kleine Vorschau, was kommen könnte, nachgeholt.

Auch in diesem Fall kam das Muster aber nicht von Nvidia sondern vom Systemintegrator Mifcom, der die Titan V in der miniBOSS-Serie einsetzt. Mit diesen Systemen soll absolute High-End-Hardware auf möglichst kleinem Raum bereitgestellt werden. Das Format der Wahl ist also Mini-ITX.

Drei verschiedene Grundkonfigurationen bietet Mifcom an. Während es die Systeme auf Basis eines Core i7-7700K und Ryzen 7 1800X (auch mit Ryzen 7 2700X erhältlich) bereits länger gibt, ist der dritte Ableger neu hinzugekommen. Und hier geht der Systemintegrator in die Vollen – bei Preis und Leistung (in parallelisierten Anwendungen).

Mifcom miniBOSS i9-7980XE Titan V
Mifcom miniBOSS i9-7980XE Titan V (Bild: Mifcom)

Als Basis für alle Komponenten kommt das ASRock X299E-ITX/AC zum Einsatz. Es ist das bisher einzige Mini-ITX-Mainboard für den Sockel LGA 2066 mit Chipsatz X299 für Skylake-X. Der Prozessor kann weitreichend ausgesucht werden, vom inzwischen eigentlich überholten Core i7-7800X mit 6 Kernen (Test) bis hin zum Flaggschiff Core i9-7980XE (Test) mit gleich 18 Kernen stehen viele Varianten bereit. Der Speicherausbau beträgt zwischen 8 und 64 Gigabyte. Bis zu zwei M.2-SSDs mit jeweils maximal zwei Terabyte sowie eine Custom-Wasserkühlung für Prozessor und Grafikkarte finden zudem im Mini-ITX-Gehäuse Fractal Design Define Nano S ihren Platz.

Die Wasserkühlung ist sehr hochwertig

Mifcom setzt bei dem PC auf eine Custom-Wasserkühlung, die sowohl Prozessor als auch Grafikkarte kühlt. Als Kernkomponenten gibt es einen 240er-Radiator, ein Bitspower MonoBlock ASRX299EI RGB-Nickel als Kühler für den Prozessor inklusive der Stromversorgung des Mainboards und ein EKWB EK-FC Titan V - Acetal + Nickel als Kühler für die Grafikkarte inklusive Backplate. Die meisten Komponenten der Wasserkühlung wie auch die Pumpe stammen von EKWB.

Als SSD ist eine 512 Gigabyte große Samsung 960 Pro in M.2-Bauweise auf der Rückseite des Mainboards montiert, als „Datengrab“ hält die 6-Terabyte-Festplatte Seagate IronWolf her. Die Hardware wird von einem Corsair RMx mit 650 Watt versorgt. Als Betriebssystem ist Windows 10 Pro vorinstalliert.

„Machbarkeitsstudie“ mit Nvidia Titan V

Zwar gibt es eine GeForce GTX 1070 als langsamste Option, doch standardmäßig ist der miniBOSS i9-7980XE mit einer Titan V von Nvidia ausgestattet, dem schnellsten derzeit verfügbaren Modell. Der volle Name des Systems lautet daher „miniBOSS i9-7980XE Titan V“. Schon dessen Grundkonfiguration kostet satte 9.999 Euro. Entsprechend bezeichnet Mifcom das Flaggschiff als Machbarkeitsstudie. Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es bei anderen Konfigurationen.

Das Testsystem kommt mit Core i9-7980XE und Titan V

ComputerBase hat sich den Mifcom miniBOSS i9-7980XE in der schnellsten Konfiguration genauer angesehen. Der einzige relevante Unterschied zum System für 9.999 Euro besteht beim Speicher. Das Testsystem kommt mit vier 8-GB-Modulen daher, standardmäßig werden vier 16-GB-Module verbaut. Dadurch ist das Testsystem 458 Euro günstiger. Der Speicher ist dagegen derselbe. Es handelt sich um RAM von G.Skill aus der RipJaws-Serie mit einem Takt von DDR4-2800. Aufgrund des Mainboards ist es jedoch kein klassischer DIMM-, sondern von Notebooks bekannter kleinerer SO-DIMM-Speicher.

Der eigentliche Rechner wird im Test nur sekundär betrachtet, denn das Hauptaugenmerk fällt auf eine einzelne Komponente: die Nvidia Titan V. Es ist das erste Mal, dass sich die Volta-Grafikkarte in der Redaktion eingefunden hat. Daher stellt sich die spannende Frage, was die Titan V im Vergleich zur GeForce GTX 1080 Ti leistet. So viel vorweg: Alle bisherigen Rekorde werden geknackt – und zwar mühelos. In Ultra HD und auch in 5K.

Der getestete miniBOSS i9-7980XE Titan V wurde ComputerBase leihweise von Mifcom zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein von der Redaktion konfiguriertes System, das speziell für diesen Zweck zusammengebaut wurde. Es sind keine Komponenten verbaut, die es nicht auch in den erhältlichen Systemen gibt.

Benchmarks und Tests mit der Titan V

Die folgenden Abschnitte und Seiten werden sich vorerst ausschließlich mit der Titan V als Grafikkarte beschäftigen, Eindrücke zum System gibt es im Anschluss. Da es aufgrund der aufwendigen Wasserkühlung nicht möglich war, die Grafikkarte aus dem System auszubauen oder eine andere einzubauen, musste die Redaktion mit zwei unterschiedlichen Systemen arbeiten, um die Benchmarks durchzuführen. Und manche Tests wie etwa die separate Messung der Leistungsaufnahme waren unmöglich.

Nvidia Titan V (Volta)
Nvidia Titan V (Volta) (Bild: Nvidia)

Zwei CPUs auf ein Niveau gebracht

Neben den Mifcom-PC wird als Testsystem für das Grafikkarten-Testsystem mit einer leicht anderen Einstellung genutzt. Der Core i7-8700K arbeitet in diesem nicht mehr mit 4,7 GHz, sondern nur noch mit 4,4 GHz. Hintergrund ist, dass der Core i7-7980XE maximal mit 4,4 GHz arbeiten wollte. Zudem wurden gleich zwölf CPU-Kerne der größten Variante von Skylake-X abgeschaltet, sodass die Anzahl der Kerne beziehungsweise Threads mit sechs respektive zwölf gleich ist. Beide CPUs wurden, sowie wie möglich, also auf ein Niveau gebracht. Dass die CPUs selbst unterschiedlich sind – Skylake-X arbeitet zum Beispiel mit einer in Spielen langsameren Mesh-Verbindung zwischen den Kernen –, lässt sich nicht ändern.

Darüber hinaus wird der Speichertakt im Mifcom-System auf DDR4-3200 erhöht und zwei Riegel ausgebaut. Auf beiden Systemen stehen damit insgesamt 16 Gigabyte im Dual-Channel-Modus zur Verfügung. Die Timings liegen jeweils bei 18-18-18-43-2T.

Sämtliche Benchmarks wurden neu erstellt

Auf beiden Systemen kam ein frisch installiertes Windows 10 April 2018 Update zum Einsatz. Als Auflösungen wurden 3.840 × 2.160 sowie 5.120 × 2.880, simuliert mittels DSR beziehungsweise VSR, genutzt. Die Detailstufen können folgender Tabelle entnommen werden. Neben der Titan V kamen eine GeForce GTX 1080 Ti FE, eine Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix OC sowie eine Radeon RX Vega 64 zum Einsatz. Da die Titan V im Mifcom-Rechner aufgrund der Wasserkühlung zu keiner Zeit ins Temperaturlimit läuft – und diese damit etwas schneller als die normale luftgekühlte Variante ist –, wurde für eine bessere Vergleichbarkeit das Temperaturlimit auf der GeForce GTX 1080 Ti FE maximiert, sodass es dort auch keine Rolle mehr spielt. Das Powerlimit wurde auf Standard belassen. Die Radeon RX Vega 64 wird ohnehin nicht durch die Temperatur ausgebremst. Als Treiber sind der GeForce 397.31 beziehungsweise der Adrenalin 18.4.1 installiert.

Grafikeinstellungen in den Spiele-Benchmarks
3.840 × 2.160 5.120 × 2.880
Assassin's Creed Origins Maximale Details Hoch-Preset
Battlefield 1 Maximale Details Maximale Details
Call of Duty: WWII Maximale Details Maximale Details
Dawn of War 3 Maximale Details Maximale Details
Destiny 2 Maximale Details Hoch-Preset
Deus Ex: Mankind Divided Sehr-hoch-Preset Hoch-Preset
Doom Maximale Details Maximale Details
Elex Maximale Details, Nebel Hoch Maximale Details
AO Niedrig, Nebel Hoch
F1 2017 Maximale Details Maximale Details
Far Cry 5 Maximale Details Hoch-Preset
Final Fantasy XV Maximale Details
UHD-Assets, HairWorks, Turf
Mittel-Preset, kein GameWorks
Gears of War 4 Maximale Details
Oberflächenreflexionen Ultra
Hoch-Preset
Ghost Recon Wildlands Sehr-hoch-Preset Hoch-Preset
Kingdom Come: Deliverance Ultra-Preset Mittel-Preset
Mass Effect Andromeda Ultra-Preset Mittel-Preset
Mittelerde: Schatten des Krieges Maximale Details Hoch-Preset
Overwatch Maximale Details Maximale Details
Prey Maximale Details Maximale Details
Shadow Warrior 2 Maximale Details Hoch-Preset
Star Wars Battlefront 2 Maximale Details Maximale Details
The Evil Within 2 Maximale Details Niedrig-Preset
The Witcher 3 Maximale Details Hoch-Preset
Titanfall 2 Maximale Details, 4 × MSAA Hohe Details, TSSAA
Wolfenstein 2 Maximale Details Ultra-Preset

Das Verhalten in der Praxis und die Taktraten

Die Titan V basiert auf der eigentlich für professionelle Einsatzzwecke gedachten GV100-GPU und ist trotz 12-nm-Fertigung mit 815 mm² und 21,1 Milliarden Transistoren schier riesig. Untergebracht werden darin unter anderem 5.376 Shader-Einheiten, von denen auf der Titan V aber „nur“ 5.120 ALUs aktiv sind. Um die Technik der Grafikkarte soll es in dem Artikel aber nicht gehen, sondern um die Praxis. Weitere technische Details zur Titan V finden sich in der Vorstellungsmeldung.

Auch wenn es aufgrund der verschiedenen Testsysteme nicht möglich ist, die Leistungsaufnahme direkt miteinander zu vergleichen, lässt sich ableiten, dass die Titan V unter Windows mehr Energie verbraucht als die Titan-Vorgänger auf Basis von Pascal beziehungsweise die GeForce GTX 1080 Ti. Der zusätzliche Energiehunger liegt bei rund 10 bis 20 Watt, der vermutlich darin begründet ist, dass es sich um eine HPC-GPU handelt – die eben nicht im Idle-Modus laufen soll. Die GPU-Frequenz reduziert sich dennoch auf die gewohnten 135 MHz, der HBM2-Speicher bleibt aber bei den vollen 850 MHz. Dies sollte auf den Energiebedarf aber nur einen geringen Einfluss haben. Bei Volllast liegt die Leistungsaufnahme dagegen auf dem Niveau einer GeForce GTX 1080 Ti. Das verwundert angesichts derselben TDP von 250 Watt nicht weiter.

In der Praxis verhält sich Volta wie Pascal

Im alltäglichen Betrieb verhält sich die Titan V wie eine Pascal-Grafikkarte, obwohl es mit Volta größere Änderungen an der Architektur gegeben hat. Im Treiber gibt es nichts Ungewöhnliches zu beachten, auch das Übertakten ist gleich geblieben. Neue Features für Spieler, abgesehen von der an sich besseren Hardware, gibt es nicht. Erst Turing dürfte hier ansetzen.

Auch das Taktverhalten der GV100-GPU auf der Titan V ist unverändert. Der maximal mögliche Takt beträgt 1.837 MHz, er liegt jedoch nur bei geringen Temperaturen und geringer Last an. In Spielen haben sich 1.785 MHz als maximal mögliche Frequenz herausgestellt. Die anliegende Taktrate richtet sich nach denselben Vorgaben wie Pascal, die wichtigsten Eigenschaften sind immer noch Temperatur und Leistungsaufnahme. Auch bei der Granularität, wie Volta die Taktraten ändert, hat es keine Änderungen gegeben.

Auch Temperatur- und Powerlimits sind unverändert

Bei der Titan V liegt das Temperaturlimit bei 84 Grad Celsius (erhöhbar auf 91 Grad). Beim Referenzdesign mit dem „Founders-Edition-Kühler“ läuft die Grafikkarte in dieses hinein und reduziert dann die Taktrate. Das spielt bei dem Mifcom-PC aufgrund der Wasserkühlung keine Rolle. Anders dagegen das Power-Target, das die Leistungsaufnahme auf 250 Watt begrenzt. Dieses kann manuell auf 120 Prozent angehoben werden.

In fordernden Spielen rennt die Titan V durchweg ins Power-Target und senkt entsprechend den Takt. In Assassin's Creed Origins bleibt dieser mit 1.755 MHz bis 1.770 MHz trotzdem sehr hoch und nahe am maximal Möglichen. Doom hat sich mit 1.545 MHz bis 1.620 MHz als das „Worst-Case-Spiel“ herausgestellt. In allen anderen Titeln liegt die Frequenz irgendwo dazwischen, meistens bei etwa 1.670 MHz.

Taktraten in den Spiele-Benchmarks
Standard-Einstellungen Power- und Temperatur
-Target maximiert
Assassin's Creed Origins 1.755-1.770 MHz 1.785 MHz
Battlefield 1 1.685-1.710 MHz 1.760-1.785 MHz
Call of Duty: WWII 1.650-1.690 MHz 1.732-1.755 MHz
Dawn of War III 1.665-1.740 MHz 1.742-1.785 MHz
Destiny 2 1.695-1.710 MHz 1.762-1.770 MHz
Deus Ex: Mankind Divided 1.670-1.720 MHz 1.747-1.770 MHz
Doom 1.545-1.620 MHz 1.635-1.680MHz
Elex 1.725-1.760 MHz 1.762-1.785 MHz
F1 2017 1.660-1.710 MHz 1.725-1.747 MHz
Far Cry 5 1.710-1.740 MHz 1.755-1.785 MHz
Final Fantasy XV 1.685-1.720 MHz 1.732-1.750 MHz
Gears of War 4 1.640-1.680 MHz 1.695-1.717 MHz
Ghost Recon Wildlands 1.755-1.770 MHz 1.785 MHz
Kingdom Come: Deliverance 1.620-1.650 MHz 1.695-1.717 MHz
Mass Effect Andromeda 1.640-1.680 MHz 1.732-1.740 MHz
Mittelerde: Schatten des Krieges 1.640-1.675 MHz 1.702-1.735 MHz
Overwatch 1.640-1.680 MHz 1.725-1.740 MHz
Prey 1.655-1.680 MHz 1.710-1.740 MHz
Shadow Warrior 2 1.650-1.680 MHz 1.710-1.755 MHz
Star Wars Battlefront 2 1.550-1.650 MHz 1.642-1.680 MHz
The Evil Within 2 1.720-1.785 MHz 1.747-1.785 MHz
The Witcher 3 1.600-1.635 MHz 1.680-1.710 MHz
Titanfall 2 1.700-1.740 MHz 1.777-1.785 MHz
Wolfenstein 2 1.650-1.720 MHz 1.702-1.770 MHz

Wird das Power-Target maximiert, taktet die Titan V zumindest in einigen Spielen immer mal mit den vollen 1.785 MHz. Assassin's Creed Origins, Battlefield 1 und Titanfall 2 sind solche Fälle. Der geringste Takt lässt sich mit 1.635 MHz bis 1.680 MHz wieder in Doom messen. Das sind 60 MHz bis 90 MHz mehr als mit den Standardeinstellungen. Im Durchschnitt liegen um die 1.740 MHz an.

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