ThinkPad X1 Carbon G6 im Test: Lenovos fast perfektes Business-Notebook 4/6

Nicolas La Rocco 136 Kommentare

Intel-CPUs der achten Generation

Lenovo bietet das X1 Carbon über die eigene Website in fünf Konfigurationen an, wobei deren fälschlicherweise unterschiedliche Bezeichnungen „ThinkPad X1 Carbon“ und „ThinkPad X1 Carbon 6th Generation“ für Verwirrung sorgen, da es sich unabhängig vom gewählten Modell immer um die sechste Generation handelt. Was Lenovo an Konfigurationen auf der eigenen Website anbietet, stellt aber nicht das gesamte Sortiment dar. Der Einzelhandel oder auch mancher Online-Händler verfügt teilweise über eigene Konfigurationen, die es wiederum nicht auf Lenovos Seite zu kaufen gibt. Auch das Testgerät von ComputerBase ist dort wie eingangs erwähnt nicht gelistet.

Bei den angebotenen Systemen stehen ausschließlich Intel-Prozessoren der achten Core-i-Generation zur Auswahl, angefangen beim Core i5-8250U bis hoch zum Core i7-8650U. Das Testgerät ist mit dem Core i7-8550U ausgestattet und kommt darüber hinaus mit 16 GB Arbeitsspeicher (LPDDR3, 2.133 MHz) sowie 1 TB großer Samsung-SSD.

Intels Core i7-8550U wird in 14 nm gefertigt und kommt auf vier Kerne sowie acht Threads. Der Basistakt liegt bei 1,80 GHz, mit Turbo sind es bis zu 4,00 GHz. Die TDP beträgt 15 Watt und lässt sich mittels Configurable TDP-up sowie Configurable TDP-down vom Hersteller zwischen 25 und 10 Watt einstellen.

Die integrierte Grafikeinheit Intel UHD Graphics 620 taktet zwischen 300 MHz und 1,15 GHz und ist primär für Multimedia ausgelegt. Dabei wird auch das Dekodieren von H.265/HEVC mit 10 Bit Farbtiefe unterstützt. Zum Spielen ist die Grafikeinheit hingegen zu schwach. Wer dies mit dem X1 Carbon vorhat, sollte eine externe Grafikkarte mittels Thunderbolt 3 an das System anschließen oder Rechenleistung aus der Cloud abrufen.

Schnell unter Dauerlast

Wie bereits in mehreren Notebook-Tests auf ComputerBase festgestellt, liefert der schnellste Prozessor nicht automatisch die besten Ergebnisse – und schon gar nicht bei längerer Belastung. Aufgrund der sehr guten, aber nicht gerade leisen Kühlung stellte das neue Dell XPS 13 mit Core i7-8550U zuletzt neue Rekorde in den Benchmarks auf, obwohl das Surface Book 2 mit Core i7-8650U auf dem Papier schneller ist.

Unter Dauerbelastung im Multi-Core-Test des Cinebench R15 schneidet das X1 Carbon sehr gut ab. Zwar erreicht das Notebook im ersten Durchlauf mit 657 Punkten nicht das Niveau des Dell XPS 13 (Test) oder Microsoft Surface Book 2 (Test), in den weiteren Durchgängen wird der Takt trotz leiser Kühlung aber gehalten, sodass gleichbleibende Ergebnisse zwischen 609 und 614 Punkten resultieren. Das neue Dell XPS 13 schneidet hier ab dem zweiten Durchgang nicht besser ab, ist dabei aber deutlich lauter. Beim Surface Book 2 mit eigentlich schnellerem Prozessor fordert hingegen das passive Kühlsystem seinen Tribut, sodass zum Schluss nur noch magere 444 Punkte erzielt werden.

In den ersten Sekunden des Benchmarks schnellt die eigentlich auf 25 Watt begrenzte Configurable TDP-up auf kurzzeitig 29 Watt hoch, um sich kurz darauf bei etwa 12 Watt einzupendeln. Das Temperaturlimit des CPU-Packages hat Lenovo je nach Messung auf 75 respektive 76 Grad Celsius festgelegt, beim Dell XPS 13 sind es hingegen bis zu 80 Grad Celsius. Obwohl Lenovo nur einen Lüfter verbaut, arbeitet das Kühlsystem dennoch zuverlässig und verhindert frühzeitiges Throttling. Und leiser als die Kühlung von Dell ist es obendrein.

Die hohe Leistung des Core i7-8550U zieht sich durch alle durchgeführten Benchmarks. In Tests wie dem x265 HD Benchmark stellt das System zudem erneut unter Beweis, dass die Leistung nach mehreren Durchgängen nicht einbricht. Das neue Dell XPS 13 landet mit dem gleichen Prozessor in einigen Benchmarks zwar vor dem neuen X1 Carbon, die Unterschiede sind aber so geringfügig, dass sie im Alltag keine Rolle spielen – das neue X1 Carbon ist sehr schnell. Das Surface Book 2 mit Core i7-8650U wird erneut klar geschlagen.

Auf Spieletests wird aufgrund der integrierten Grafikeinheit wie beim Test des XPS 13 verzichtet. Diese wird ComputerBase allerdings bei diskreten Grafiklösungen und solchen wie bei Kaby Lake-G durchführen. Im X1 Carbon sind mit Intels UHD Graphics 620 jedoch selbst im vergleichsweise genügsamen 3DMark Sky Diver nur maximal 20 FPS möglich. Das XPS 13 schneidet in diesem Test etwas besser ab, gegen den AMD Ryzen 7 2700U (Test) hat aber selbst das gut gekühlte Dell-Notebook keine Chance.

SSD von Samsung

Hinter der verbauten SSD mit der Modellnummer MZVLB1T0HALR steckt das Samsung-Modell PM981. Dieses OEM-Produkt ist im freien Handel am besten mit der 970 Evo (Test) vergleichbar. Die PM981 ist eine SSD im Formfaktor M.2 2280, die per PCIe x4 angebunden ist. Mit Phoenix-Controller ausgerüstet, nennt das Datenblatt eine sequenzielle Leserate von bis zu 3,2 GB/s und eine Schreibrate von bis zu 2,4 GB/s. Im CrystalDiskMark werden die von Samsung angegebenen Werte tatsächlich erreicht. Damit zählt die SSD zu den schnellsten derzeit am Markt verfügbaren Modellen.

Schneller Cardreader

Auch der Cardreader des X1 Carbon stellt beim Einsatz von microSD-Karten keinen Flaschenhals dar. Mit der 64 GB großen UHS-II-Karte SanDisk Extreme Pro, die der Hersteller mit bis zu 275 MB/s Lesegeschwindigkeit und bis zu 100 MB/s Schreibgeschwindigkeit bewirbt, sind im Benchmark bis zu 215 MB/s beim Schreiben und bis zu 84 MB/s beim Lesen möglich. Der Cardreader des XPS 13 ist beim Lesen etwas schneller, schneidet dafür allerdings beim Schreiben etwas schlechter ab.

Windows 10 ohne Bloatware

Erfreulicherweise liefert Lenovo das X1 Carbon mit vorinstalliertem April-Update für Windows 10 aus, wodurch nach der Inbetriebnahme keine größeren Downloads mehr erfolgen. Positiv anzumerken ist zudem die saubere Windows-Installation, die bis auf ein einziges Programm von Lenovo auf lästige Bloatware verzichtet. Über die Software „Vantage“ lassen sich BIOS- oder Treiber-Updates auf das Notebook spielen. Über die App lassen sich zudem gerätespezifische Systemeinstellungen vornehmen, die in den normalen Windows-Einstellungen nicht zu finden sind. Das sind in erster Linie Einstellungen zum HDR-Display, darunter der präferierte Farbraum (Adobe RGB, DCI-P3, sRGB), sowie zu den Eingabegeräten. Auch ein digitales Handbuch und Informationen zur Garantie (drei Jahre) finden Käufer in der App.

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