Cinema LED angeschaut: Samsung ist die neue Referenz im Kino

Nicolas La Rocco 156 Kommentare
Cinema LED angeschaut: Samsung ist die neue Referenz im Kino

tl;dr: Im Traumpalast Esslingen ist seit 5. Juli das EU-weit erste Kino mit Cinema-LED-Technik von Samsung in Betrieb. Die klassische Leinwand und der Projektor entfallen dadurch, und all deren Nachteile ebenso. Cinema LED ist besonders hell, kontrastreich, hochauflösend und farbenfroh. Doch dafür braucht es optimierte Inhalte.

26 Millionen LEDs

Cinema LED ist Samsungs Einstieg in die Welt des Kinos. Während Samsung bei Fernsehern eine bekannte Größe ist, sieht es im Kino ganz anders aus. Hier dominieren den Markt Firmen wie Barco, Christie oder Sony. Umso erstaunlicher ist es, dass Samsung nun gleich der gesamten Branche den Kampf angesagt hat, indem der altgediente Projektor aus den Kinos verbannt werden soll. Doch warum eigentlich?

In erster Linie ist es die deutlich bessere Bildqualität, die Samsung mit Cinema LED in die Kinos bringen will. Zwar steht die Entwicklung der Kinoprojektoren nicht still, was unter anderem die Einführung von Laser-Projektoren am Beispiel von IMAX zeigt. Doch ein Bild aus mehreren Metern Entfernung aus einem anderen Raum auf eine Leinwand zu werfen, ist beinahe schon archaisch im Vergleich zu Samsungs Herangehensweise.

Der Hersteller macht den Projektor obsolet, indem die Leinwand selbst zur Bildquelle wird. 26 Millionen LEDs – 26.542.080, um genau zu sein – verteilt auf 96 Module bilden eine 4.096 × 2.160 Pixel darstellende, 10,3 × 5,4 Meter große Bildwand, die den Film wiedergibt. Je eine rote, grüne und blaue LED ergeben zusammen einen der 8.847.360 Bildpunkte. Die Bildquelle ist wie bisher ein „Integrated Media Block“ (IMB), der mit einem DCP-Server („Digital Cinema Package“) verbunden ist. Das DCP mit dem Film wird vom Verleiher verschlüsselt auf einer externen Festplatte an das Kino geliefert. Per „Key Delivery Message“ (KDM) kann das Kino den Inhalt schließlich abspielen.

Kino war nie heller oder dunkler

Cinema LED unterscheidet sich von bisherigen LED-Wänden, die für die digitale Beschilderung oder auf Sportveranstaltungen verwendet werden, insbesondere durch den geringen Pixelabstand, der schon aus etwa drei Metern Entfernung nicht mehr mit bloßem Auge wahrnehmbar ist. Auch die gesteckten Module erkennt man nur aus nächster Nähe. Außerdem trägt Cinema LED als von Grund auf für den Einsatz im Kino entwickeltes Produkt eine Zertifizierung der Digital Cinema Initiatives (DCI). Doch welche weiteren Vorteile bietet das LED-System abgesehen von der feinen Auflösung?

Samsungs LED-Bildwand ist vor allem besonders hell – deutlich heller als jedes derzeit verfügbare Projektionssystem. Cinema LED lässt sich mit bis zu 500 cd/m² betreiben, das entspricht dem Zehnfachen eines üblichen Projektors für den Einsatz im Kino. Cinema LED beherrscht aber auch das Gegenteil par excellence, nämlich nahezu perfektes Schwarz durch die Abschaltung einzelner LEDs. Einzig die minimalen Reflexionen benachbarter Bildpunkte beeinflussen bei Cinema LED noch, wie schwarz das Schwarz ist. In der Praxis wird ein Kontrastverhältnis gegen unendlich erzielt, wie Trailer von Samsung, die weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund oder umgekehrt nutzen, eindrucksvoll in Esslingen zeigten. So hell und so schwarz ist selbst IMAX Laser nicht, das in Berlin in Sachen Bildqualität als Referenz gilt. Ein Dolby Cinema konnte ComputerBase noch nicht begutachten. Da dort jedoch auch Laser-Projektoren verwendet werden, dürfte die Bildqualität ebenso Cinema LED unterlegen sein. Noch dieses Jahr soll in München Deutschlands erstes Dolby Cinema seine Pforten öffnen.

HDR – High Dynamic Range

Dass Cinema LED so hell und so dunkel aufspielen kann, hat noch in einem anderen Bereich einen entscheidenden Vorteil: HDR („High Dynamic Range“ oder zu Deutsch: hoher Dynamikumfang). Der Dynamikumfang beschreibt das Verhältnis zwischen dem hellsten und dunkelsten Bereich in einer Szene. Die Experten des Kinofilmausrüsters Arri geben für eine natürliche Szene ein Verhältnis von 20 Blenden zwischen dem hellsten (Himmel) und dunkelsten Bereich (Schatten unter Boot) einer Szene an. Dies entspricht bereits einem Kontrastverhältnis von 1.000.000:1 – das schafft kein Projektor, sondern nur LED.

Dass das menschliche Auge nur 13 Blenden wahrnehmen kann und deshalb das Thema HDR überbewertet wird, hält Arri für einen Trugschluss. Unter Berücksichtigung der temporalen Wahrnehmung durch die Neuausrichtung des Auges in andere Bereiche einer Szene sowie die Anpassungsfähigkeit des Auges bei Nacht oder sehr hellem Licht sind für den Menschen bis zu 30 Blenden wahrnehmbar. Dass im Kino in Technologien investiert wird, die besonders dunkle und helle Bilder erzeugen können, hat demnach durchaus eine Berechtigung. Cinema LED schafft die eingangs erwähnten 20 Blenden und besitzt das perfekte Schwarz im Unterschied zur bisherigen HDR-Projektion.

Perfekte Gleichförmigkeit

Die Vorteile von Cinema LED sind allerdings nicht nur, mit welcher Helligkeit, welchem Farbspektrum oder welchem Kontrast etwas auf der Bildwand dargestellt wird, sondern auch, wie gleichmäßig dies geschieht. In puncto Gleichförmigkeit sieht sich Samsung klar besser positioniert als unter Verwendung eines Kinoprojektors. Dunklere Randbereiche oder Bildverzerrungen gibt es mit Cinema LED schlichtweg nicht. Sofern das System korrekt aufgebaut und ausgerichtet wurde, bietet Cinema LED eine perfekte Gleichförmigkeit, da der Zuschauer vor einer vollständig planen Bildwand sitzt.

Geringere Betriebskosten

Zu guter Letzt sind – nicht unerheblich für Kinobetreiber – die geringeren Kosten von Cinema LED zu nennen. Wie viel genau nur die neue Bildwand in Esslingen gekostet hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Für den vollständigen Umbau des Saals inklusive des Neubaus der Tribüne, neuen Sitzen, neuen Lautsprechern und Wandverkleidungen sowie der Cinema-LED-Bildwand war laut den Kinobetreibern Heinz und Marius Lochmann (Lochmann Filmtheaterbetriebe) eine Investition in Höhe von 1 Million Euro notwendig. Samsung sichert eine Betriebszeit von 100.000 Stunden oder elf Jahren bei 24/7-Nutzung des Systems zu. Abseits des Entstaubens der Bildwand gibt es kaum Wartungsarbeiten. Sollten die LEDs doch einmal einen Defekt aufweisen, können diese einzeln oder mit einem Modultausch repariert werden.

Die Betriebskosten sind aber nicht nur gemessen an den Anschaffungskosten geringer. Neu gebaute Kinos können auf den Projektionsraum verzichten, bei umgebauten Sälen lassen sich diese nun für andere Zwecke nutzen. Ohne Projektionsraum lassen sich mehr Sitzreihen in steilerer Anordnung im Saal unterbringen, da stehende Personen nicht die Projektion stören können, indem sie einen Schatten auf die Leinwand werfen.

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