Apple iPad Pro (2018) im Test: Das beste Premium-Tablet bleibt genau das

Nicolas La Rocco 297 Kommentare
Apple iPad Pro (2018) im Test: Das beste Premium-Tablet bleibt genau das

tl;dr: Das iPad Pro will mit der neuen 2018er-Generation mehr sein als ein weiteres Apple-Tablet mit iOS. Mit neuem Apple Pencil und Design, neuen Displays sowie USB Typ C statt Lightning will Apple vollwertigen Laptops Konkurrenz machen. Zum Teil gelingt dieses Vorhaben, ein vollständiger Ersatz ist es aber noch nicht.

Ein vollständig neues iPad Pro

Mit dem iPad Pro des Jahrgangs 2018 will Apple mehr professionelle Anwender denn je ansprechen. Dafür opfert der Hersteller sogar die über Jahre bei iPhone, iPad und iPod verwendete Schnittstelle Lightning, um das Tablet mit USB Typ C kontaktfreudig für Geräte wie Kameras, Audio-Equipment oder Ethernet-Adapter zu machen. Ein vollständig neues Design, Displays mit runden Ecken und neues Zubehör wie den Apple Pencil der zweiten Generation spendiert Apple dem neuen iPad Pro ebenfalls. Und ja, im Gegenzug hat Apple nun auch bei den Tablets die Kopfhörerbuchse wegrationalisiert.

Spezifikationen im Überblick

Genau genommen ist es falsch, von einem neuen iPad Pro zu sprechen, denn mit den Größen 11,0 Zoll und 12,9 Zoll bietet Apple zwei Varianten des Tablets an. Abgesehen von Display und Akku gibt es jedoch keine technischen Unterschiede. Das neue iPad Pro mit 11,0 Zoll bietet 1.668 × 2.388 Pixel, während das iPad Pro mit 12,9 Zoll auf 2.048 × 2.732 Pixel kommt. In beiden Fällen ergibt sich daraus eine Pixeldichte von 265 ppi. Beim Akku bietet das kleinere Modell 29,45 Wh, beim größeren sind es 36,71 Wh.

Einen technischen Unterschied gibt es dann aber doch, und der betrifft den Arbeitsspeicher. Nur die Speichervarianten mit 1 TB kommen mit 6 GB RAM, während alle anderen von 64 GB bis 512 GB mit 4 GB RAM ausgestattet sind.

iPad Pro 11 Zoll iPad Pro 12,9 Zoll
64 GB WLAN 879 € 1.099 €
LTE 1.049 € 1.269 €
256 GB WLAN 1.049 € 1.269 €
LTE 1.219 € 1.439 €
512 GB WLAN 1.269 € 1.489 €
LTE 1.439 € 1.659 €
1 TB WLAN 1.709 € 1.929 €
LTE 1.879 € 2.099 €

Das iPad Pro startet in 11,0 Zoll mit 64 GB Speicher und WLAN bei 879 Euro, mit 256 GB und LTE sind es 170 Euro mehr. Das große iPad Pro beginnt mit 64 GB Speicher und WLAN bei 1.099 Euro, der Aufpreis für LTE liegt erneut bei 170 Euro.

Apple iPad Pro (2018, 11 Zoll)
Apple iPad Pro (2018, 12,9 Zoll)
Apple iPad Pro (2017, 10,5 Zoll)
Apple iPad Pro (2017, 12,9 Zoll)
Software:
(bei Erscheinen)
iOS 12.1 iOS 10.3
Display: 11,00 Zoll
1.668 × 2.388, 265 ppi
IPS
12,90 Zoll
2.048 × 2.732, 265 ppi
IPS
10,50 Zoll
1.668 × 2.224, 265 ppi
IPS
12,90 Zoll
2.048 × 2.732, 265 ppi
IPS
Bedienung: Touch, Stylus, Gesichtsscanner Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor
SoC: Apple A12X Bionic
4 × Vortex
4 × Tempest
7 nm, 64-Bit
Apple A10X Fusion
3 × Hurricane, 2,38 GHz
3 × Zephyr, 1,10 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Apple Hepta-Core PowerVR GT7600 Plus
RAM:
4.096 MB
LPDDR4X
Variante
6.144 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 / 256 / 512 / 1.024 GB 64 / 256 / 512 GB
Kamera: 12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF
12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM:
Nein
Variante
GPRS + EDGE
Nein
Variante
GPRS + EDGE
UMTS:
Nein
Variante
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
Nein
Variante
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE:
Nein
Variante
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Nein
Variante
Advanced
↓450 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 4.2
Ortung:
Nein
Variante
A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Nein
Variante
A-GPS, GLONASS
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, Smart Connector, Magnetic Connector Lightning, Smart Connector
SIM-Karte:
Variante
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM
Akku: 7.812 mAh (29,45 Wh)
fest verbaut
? (36,71 Wh)
fest verbaut
8.134 mAh (30,80 Wh)
fest verbaut
10.828 mAh (41,00 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 178,5 × 247,6 × 5,90 mm 214,9 × 280,6 × 5,90 mm 174,1 × 250,6 × 6,10 mm 220,6 × 305,7 × 6,90 mm
Schutzart:
Gewicht: 468 g 631 / 633 g 469 / 477 g 677 / 692 g
Preis: ab 829 € / ab 989 € / ab 1.355 € / ab 1.609 € / ab 970 € / ab 1.149 € / ab 1.765 € ab 1.029 € / ab 1.189 € / ab 1.399 € / ab 1.819 € / ab 1.189 € / ab 1.355 € / ab 1.565 € / ab 1.969 € ab 639 € / ab 780 € / ab 899 € / ab 789 € / ab 900 € / ab 1.079 € ab 1.239 € / ab 1.050 € / ab 1.129 € / ab 999 € / ab 1.059 € / ab 1.269 €

Neues Design im Stile des iPhone 5

Bisher war ein iPad immer klar als solches zu erkennen, da sich das grundlegende Design abgesehen von leichten Anpassungen bei Länge, Breite und Tiefe von Jahr zu Jahr kaum verändert hat: Das iPad Pro sah aus wie ein großes iPad, das wiederum wie ein großes iPad mini aussah. Die Tablets waren aber stets einer Produktfamilie mit sehr ähnlichen optischen Eigenschaften zuzuweisen.

Anders sieht es bei der neuen iPad-Pro-Generation aus, die erstmals auf den Home-Button verzichtet, dafür wie das iPhone X, Xs, Xs Max (Test) oder Xr (Test) auf „Face ID“ setzt und die Displays mit runden Ecken näher an den Rahmen zieht. Apropos Rahmen: Den könnte sich Apple vom iPhone 5 abgeschaut haben, denn mit der gerade nach unten verlaufenden Flanke erinnert das Tablet stark an das Design früherer Apple-Smartphones.

Und dennoch: Obwohl die Tablets von der Seite betrachtet erst mal dicker aussehen, weil sie sich zur Rückseite nicht mehr verjüngen, sind sie abermals dünner geworden. Statt der 6,1 mm (10,5 Zoll) und 6,9 mm (12,9 Zoll) des Vorjahres kommen nun beide Größen auf 5,9 mm. Auch beim Gewicht hat Apple die Feile angesetzt. Das iPad Pro mit 11,0 Zoll wiegt mit WLAN genau 1 Gramm weniger, mit LTE sind es immerhin 9 Gramm. Größer ist der Unterschied beim iPad Pro mit 12,9 Zoll, das 46 Gramm (WLAN) und 59 Gramm (LTE) verliert.

Das neue Gewicht leitet sich allerdings weniger von der Reduzierung der Bautiefe, sondern mehr von der Verringerung der Fläche beim großen iPad Pro ab. Das mit 12,9 Zoll gleich große Display findet dank schmalerer Ränder nun in einem 214,9 × 280,6 mm statt 220,6 × 305,7 mm großen Gehäuse Platz. Beim kleinen iPad Pro ist Apple genau andersherum vorgegangen: Hier bleibt das Gehäuse mit 178,5 × 247,6 mm statt 174,1 × 250,6 mm beinahe gleich groß, dafür wächst das Display von 10,5 Zoll auf 11,0 Zoll.

Apples Verlangen nach immer kompakteren Geräten hat zur Folge, dass zum Beispiel die Kamera deutlich hervorsteht. Das Tablet ist aber groß genug, um den Höhenunterschied auf den Tisch gelegt durch die große Fläche auszugleichen und deshalb nicht zu kippeln. Auch für eine Kopfhörerbuchse war nach der Schlankheitskur kein Platz mehr im iPad Pro. Gerade bei einem häufig für Multimedia verwendeten Gerät ist das ärgerlich. Nicht besonders schön sehen die Linien der Antennen für WLAN und LTE auf der Rückseite des Tablets aus.

An der Materialwahl oder Verarbeitung der neuen iPad Pro gibt es hingegen auch im neuen Jahr nichts auszusetzen. Apple wird in diesen beiden Punkten den von 879 Euro bis 2.099 Euro reichenden Preisen absolut gerecht und liefert Spitzenniveau ab.

Ein Display mit neuem Format

ComputerBase hat sich für den Test des iPad Pro mit 11,0 Zoll entschieden, da dieses Modell Apples erstes Tablet ist, das nicht das Seitenverhältnis 4:3 hat, das seit dem ersten iPad anno 2010 das Format der Wahl war. Während beim iPad Pro mit 12,9 Zoll die Ränder reduziert, das Display aber beibehalten wurde, nimmt beim iPad Pro mit 11,0 Zoll das Display mehr Fläche ein und führt so zu schmaleren Display-Rändern. Das hat zur Folge, dass die Auflösung nun bei 1.668 × 2.388 Pixeln statt 1.668 × 2.224 Pixeln liegt. Der Bildschirm ist somit etwas höher respektive breiter geworden, das neue Seitenverhältnis beträgt 4,29:3. Die Display-Ränder sind bei genauer Betrachtung nur auf den kurzen Seiten schmaler geworden und auf den langen jetzt sogar minimal breiter.

Entwickler von iOS-Apps müssen wie beim iPhone X, Xs (Max) oder Xr darauf achten, dass sie das UI ihrer Anwendungen an den sogenannten Home-Indicator anpassen, also der Leiste am unteren Ende des Bildschirms. Dieser indiziert die Möglichkeit des Wischens nach oben für die Rückkehr auf den Homescreen. Entwickler müssen diesen Bereich frei halten, damit Bedienelemente nicht durch den Home-Indicator überlagert werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass UI-Elemente nicht in den äußersten Ecken einer App platziert werden, da sie sonst mit den runden Display-Ecken kollidieren oder verdeckt werden. Speziell beim neuen 11-Zoll-Modell kann es dazu kommen, dass nicht angepasste 4:3-Apps links und rechts respektive unten und oben schwarze Ränder zeigen oder die Statusleiste nicht ausblenden können.

Apples eigene Apps sind bereits an das neue Format angepasst worden, zahlreiche große Anbieter hinken aber hinterher. Beispiele dafür sind Facebook, Facebook Messenger, YouTube, Google Maps, Feedly, Amazon Prime Video, Tidal und Lufthansa. Einwandfrei laufen hingegen Apps wie Airbnb, Twitter, Netflix und Slack.

Apples neue „Liquid Retina Displays“ sind LC-Displays mit IPS-Panels und LED-Hintergrundbeleuchtung, für die der Hersteller eine maximale Helligkeit von 600 cd/m² angibt. Mit durchschnittlich 591 cd/m² ermittelt aus neun Messfeldern verfehlt das Tablet diesen Wert knapp. Punktuell schafft das Display sogar bis zu 623 cd/m², es sind aber die teilweise nur knapp über 562 cd/m² in den Randbereichen, die den Durchschnitt nach unten ziehen. Von einem ungleichmäßig ausgeleuchteten Panel zu sprechen, wäre jedoch übertrieben. Durchschnittlich liegt die Homogenität bei 95 Prozent.

Mit durchschnittlich 0,352 cd/m² liefert das Display einen sehr guten Schwarzwert, sodass unterm Strich ein insbesondere für Bildschirme mit LED-Hintergrundbeleuchtung sehr guter Kontrast von 1.678:1 steht. Gut gefällt der standardmäßig gewählte Weißpunkt von 7.000 Kelvin, der Weiß nicht zu kühl erscheinen lässt. Dieser Wert wurde wie alle anderen mit ausgeschalteter True-Tone-Funktion ermittelt, da diese den Weißpunkt dynamisch an das jeweils herrschende Umgebungslicht anpasst.

Die neuen iPad-Pro-Displays unterstützen wieder den gegenüber sRGB erweiterten P3-Farbraum und sind im Gegensatz zum normalen iPad vollständig laminiert, sodass zwischen Panel und Glas keine Lücke besteht. Außerdem kommen nur die iPad Pro mit einer Antireflex-Beschichtung. Die fettabweisende Beschichtung ist auf allen iPads zu finden.

Mindestens eine Klasse über alle anderen Apple-Displays hebt die Tablets jedoch die ProMotion-Technologie, die eine Bildwiederholfrequenz von bis zu 120 Hz ermöglicht. Das untere Ende liegt bei 24 Hz, dazwischen gibt es Stufen wie 48 Hz, 60 Hz oder 90 Hz. Welche Bildwiederholfrequenz verwendet wird, hängt vom gewählten Inhalt ab. Ein Film mit 24 FPS wird entsprechend wiedergegeben, während das UI die meiste Zeit über mit 120 Hz dargestellt wird. Ein mit 60 FPS auf dem iPad gedrehter Videoclip wird ebenfalls korrekt abgespielt.

Unabhängig von der Bildwiederholfrequenz muss die Touch-Abtastrate betrachtet werden, Apple spricht hierbei vom sogenannten „Touch Sensing“. Dieses findet üblicherweise mit 120 Hz statt, wechselt aber zu 240 Hz, sobald der Apple Pencil zum Einsatz kommt, um genaueres Zeichnen auf dem Tablet zu ermöglichen.

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