AMDs X570-Chipsatz: Die erste Desktop-Plattform mit PCIe 4.0 im Überblick

Michael Günsch 182 Kommentare
AMDs X570-Chipsatz: Die erste Desktop-Plattform mit PCIe 4.0 im Überblick
Bild: AMD

Ein Überblick über die I/O-Funktionen der neuen AMD-Plattform mit X570-Chipsatz, der ersten Desktop-Plattform mit PCI Express 4.0, die in über 50 Mainboards eingesetzt wird. Der X570 bietet bis zu 16 PCIe-4.0-Lanes sowie achtmal USB 3.1 Gen 2 mit 10 Gbit/s. Noch mehr PCIe 4.0 kommt von den Ryzen-3000-CPUs mit Zen-2-Architektur.

Erstmals PCIe 4.0 für Desktop-PCs

Die wesentliche Neuerung und bisher das Alleinstellungsmerkmal des X570-Chipsatzes ist die Unterstützung von PCIe 4.0. Mit der neuen Generation der Schnittstelle steigt die Bruttodatenrate pro Leitung (Lane) auf knapp 2 GB/s, was einer Verdoppelung gegenüber PCIe 3.0 gleichkommt.

Im Gegenzug bedeutet dies, dass für die gleiche Datenrate nur halb so viele Leitungen nötig sind und beispielsweise PCIe 4.0 x8 mit 8 Lanes genau so schnell ist wie PCIe 3.0 x16 mit 16 Lanes. Vom doppelten Durchsatz sollen unter anderem die ersten PCIe-4.0-SSDs profitieren, die an einem M.2-Slot mit PCIe 4.0 x4 zunächst bis zu 5.000 MB/s, später aber 6.500 MB/s und mehr erreichen sollen. Vorerst limitiert dabei die SSD-Technik und nicht die Schnittstelle.

AMD wirbt mit hoher SSD-Leistung dank PCIe 4.0
AMD wirbt mit hoher SSD-Leistung dank PCIe 4.0 (Bild: AMD)
Auch Grafikkarten sollen (im Benchmark) von PCIe 4.0 profitieren
Auch Grafikkarten sollen (im Benchmark) von PCIe 4.0 profitieren (Bild: AMD)

Frühere Tests haben gezeigt, dass Grafikkarten zumindest in Spielen selbst mit PCIe 3.0 x8 kaum an Leistung gegenüber PCIe 3.0 x16 verlieren. Daher sind spürbare Vorteile durch PCIe 4.0 x16, wie es die neuen X570-Mainboards bieten, in diesem Bereich zunächst unwahrscheinlich. Bestimmte Anwendungen können aber von der höheren Durchsatzrate profitieren, wie AMD anhand des kommenden PCI Express Feature Test für den 3DMark demonstriert. Die ersten Grafikkarten für Spieler mit PCIe 4.0 wird AMD mit der Serie Radeon RX 5700, die auf der neuen Navi-Architektur basiert, ab dem 7. Juli 2019 auf den Markt bringen. Ebenfalls ab Juli werden erste PCIe-4.0-SSDs erwartet.

Die Schnittstellen der X570-Plattform

Nur in Kombination mit den ebenfalls am 7. Juli erscheinenden Ryzen-3000-CPUsMatisse, nicht aber die Picasso-APUs – bietet die neue AMD-Plattform PCIe 4.0. Denn nur Matisse bindet den X570-Chipsatz mit PCIe 4.0 x4 und somit rund 8 GB/s an und bietet überdies selbst PCIe 4.0 x16 (oder 2 × x8) für Grafikkarten sowie weitere vier PCIe-4.0-Lanes für einen oder zwei M.2-Slots (NVMe) und/oder zwei weitere SATA-Ports. Inklusive Downlink zum Chipsatz kommt Ryzen 3000 somit auf insgesamt 24 PCIe-4.0-Lanes; die Vorgänger bieten die gleiche Zahl an PCIe 3.0.

I/O-Funktionen der neuen AM4-Plattform mit X570 + 3rd Gen Ryzen
I/O-Funktionen der neuen AM4-Plattform mit X570 + 3rd Gen Ryzen (Bild: AMD)

Vom X570-Chipsatz selbst kommen 16 weitere PCIe-4.0-Leitungen hinzu, sodass AMD mit insgesamt 40 PCIe-4.0-Lanes für die Plattform wirbt. Die Konfiguration der PCIe-Lanes vom X570 ist je nach Mainboard variabel zu gestalten. So kann beispielsweise die Hälfte der PCIe-4.0-Lanes für acht zusätzliche SATA-Ports genutzt werden, die zusammen mit den vier immer vorhandenen SATA-Ports vom Chipsatz 12 Mal SATA bedeuten. PCIe 4.0 vom Chipsatz kann aber auch für diverse Konfigurationen aus PCIe- respektive M.2-Ports mit PCIe 4.0 x4/x2/x1 genutzt werden.

Ausstattung des X570-Chipsatz von AMD
Ausstattung des X570-Chipsatz von AMD (Bild: AMD)

Auch bei der Universalschnittstelle USB für externe Geräte steht eine hohe Durchsatzrate im Fokus. Denn „SuperSpeed USB 10 Gbps“ alias USB 3.2 Gen 2 (vormals USB 3.1 Gen 2) gibt es nun viermal von der Ryzen-3000-CPU und gleich achtmal vom X570-Chipsatz. Dadurch steigt die Zahl der unterstützten USB-3.2-Gen-2-Ports auf 12, während X470 und X370 lediglich zwei und die älteren Ryzen-CPUs gar keine dieser Anschlüsse stellen. Für Geräte mit geringem Bedarf an hoher Bandbreite gibt es zudem noch viermal USB 2.0 mit 480 Mbit/s vom Chipsatz.

Die I/O-Schnittstellen der Chipsätze und CPUs von AMD für den Sockel AM4
X570 X470/X370 B450/B350 A320 Ryzen 3000 (CPU) Ryzen 1000/2000 (CPU)
PCIe 4.0 16**** 0 0 0 24 (20*) 0
PCIe 3.0 0 0 0 0 0 24 (20*/18**)
PCIe 2.0 0 8 6 4 0 0
USB 3.2 Gen 2 (10 Gbit/s) 8 2 2 1 4 0
USB 3.0 0 6 2 2 0 4
USB 2.0 4 6 6 6 0 0
SATA 6 Gbit/s 4 (max. 12****) 6 4 4 2** 2**
SATA-RAID ? 0/1/10 0/1/10 0/1/10
Übertakten Ja Ja Ja
CrossFire / SLI ja / ja ja / ja ja*** / – ja*** / –
*bei X570/X470/X370/B450/B350/A320 sind 4 PCIe-Lanes für Chipsatzanbindung belegt
**SATA-Ports kosten 2 weitere PCIe-Lanes des SoCs
***CrossFire-Support durch eigene Lösungen der Mainboard-Hersteller

****statt 8 × PCIe 4.0 ist 8 × SATA möglich
I/O-Funktionen der neuen AM4-Plattform mit X570 + 3rd Gen Ryzen
I/O-Funktionen der neuen AM4-Plattform mit X570 + 3rd Gen Ryzen (Bild: AMD)
Viele schnelle USB-Ports mit USB 3.2 Gen 2
Viele schnelle USB-Ports mit USB 3.2 Gen 2 (Bild: AMD)
Die neue AMD-Plattform im Vergleich zur Konkurrenz (Intel)
Die neue AMD-Plattform im Vergleich zur Konkurrenz (Intel) (Bild: AMD)

Über 50 Mainboards mit X570-Chipsatz

Zur Computex enthüllen die Board-Partner ihre ersten X570-Mainboards. Laut AMD sind mehr als 50 Modelle geplant. Die kommenden Ryzen 3000 werden aber auch bei entsprechendem BIOS-Update von älteren Mainboards mit dem Sockel AM4 unterstützt. Dies gelte für alle Modelle mit X470- und B450-Chipsatz, aber nur für ausgewählte X370- und B350-Boards per „Beta-BIOS“. Der A320-Chipsatz bleibt wie vermutet außen vor. Dass PCIe 4.0 bei Einsatz von Ryzen 3000 zum Teil auch auf einem älteren Mainboard geboten werden könnte, haben entsprechende BIOS-Menü-Einträge angedeutet. Nachtrag: Robert Hallock von AMD hat die Unterstützung von PCIe 4.0 für Mainboards mit Chipsätzen vor dem X570 ausgeschlossen:

Pre-X570 boards will not support PCIe Gen 4.

Robert Hallock, AMD

Wird ein neues X570-Mainboard mit einem älteren Ryzen 2000 oder Ryzen 3000 in Form der Picasso-APU (Ryzen 5 3400G und Ryzen 3 3200G) betrieben, ist weder über den Prozessor noch über den Chipsatz PCIe 4.0 möglich. Die noch älteren Ryzen 1000 unterstützt der X570 laut AMD gar nicht.

CPU-Kompatibilität mit X570 und Co.
CPU-Kompatibilität mit X570 und Co. (Bild: AMD)

Fast alle X570-Boards mit aktiver Chipsatz-Kühlung

Noch nicht ganz offiziell sind die Angaben zum Energiebedarf des X570-Chipsatzes, der mit angeblich 11 Watt deutlich mehr Strom benötigt als der X470. Die hohe Zahl der schnellen Schnittstellen fordert ihren Tribut, der sich auch in entsprechend hoher Abwärme zeigt. Daher sind fast alle X570-Mainboards mit einem Lüfter für den Chipsatz versehen. Ausnahmen bilden das X570 Aorus Xtreme von Gigabyte und das ASRock X570 Aqua mit Wasserkühlung.

Über 50 X570-Mainboards sollen kommen
Über 50 X570-Mainboards sollen kommen (Bild: AMD)

Inwieweit der von vielen Lesern ob der erwarteten Lautstärke skeptisch aufgenommene Lüfter im Betrieb störend ist, werden erst Tests zeigen. Eine automatische Drehzahlregulierung je nach Temperatur oder sogar ein Abschalten des Lüfters in Phasen geringer Auslastung sind Maßnahmen der Hersteller zur Minderung des Betriebsgeräuschs.

Folgende Artikel geben einen Überblick über die auf der Computex 2019 gezeigten X570-Mainboards ohne Anspruch auf Vollständigkeit.