Bookii Hörstift im Test: Funktionen, Datenübertragung und Kompatibilität

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Michael Schäfer 66 Kommentare

Punkten kann beim Bookii-System auch die technische Seite: So beinhaltet auch dieser Stift eine Aufnahmefunktion, die jedoch weitaus größere Möglichkeiten als das System von Ravensburger bietet.

Bookii kann MP3 und WAV

Der Tiptoi wurde in zweiter Generation von Ravensburger mit einer Audio-Player-Funktion ausgestattet, die jedoch nur das eigene, proprietäre Format unterstützte. Die dafür benötigten Inhalte wurden zudem nur im hauseigenen Shop bereitgestellt. Nachdem, wenig überraschend, die Akzeptanz für diese Funktion sehr gering ausfiel, entfernte Ravensburger diese mit der aktuellen Funktion seines Lesestiftes ohne großes Aufsehen wieder. Tessloff macht es hier besser und unterstützt die Formate MP3 und WAV.

Das Mitgeliferte Kabel bietet viele Anschlussmöglichkeiten
Das Mitgeliferte Kabel bietet viele Anschlussmöglichkeiten

Kompatibilität zu Windows, Android und iOS

Der Stift wird mit einem bereits geladenen Akku ausgeliefert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte diesen jedoch noch mal an die Steckdose hängen.

Um die benötigten Titel auf den Stift zu bekommen, stehen dem Nutzer mehrere Möglichkeiten frei: Entweder über einen PC mit mindestens Windows 8.1 oder über einen Mac mit macOS ab Version 10.12. Für die unterstützten Windows-Systeme wird der Manager direkt auf dem Stift mitgeliefert. An einen PC angeschlossen, sollte dieser auch direkt automatisch starten. Wurde „Autostart“ deaktiviert, muss der Manager in dem als virtuelles CD-ROM-Drive angezeigten Laufwerk angewählt werden. Das zweite und als Wechseldatenträger angezeigte Laufwerk beinhaltet darüber hinaus den eigentlichen Speicherbereich für die eigenen Inhalte.

Windows-Nutzer können die Software wahlweise in portabler Variante vom Stift aus starten oder auf dem Rechner installieren lassen. Letzteres ist bei häufiger Nutzung zu empfehlen, denn vom Stift aus agiert der Bookii-Dateimanager sehr behäbig. macOS-Nutzer müssen die Software, die sich noch im Beta-Stadium befindet, dagegen von der Bookii-Homepage herunterladen. Da Tessloff, anders als Ravensburger, Anwendern nicht die Möglichkeit bietet, die Audio-Dateien über die eigene Homepage herunterzuladen und direkt auf den Stift zu speichern, schauen Linux-Nutzer in die Röhre.

Windows-7-Nutzer müssen draußen bleiben

Gleiches gilt für die Nutzer von Windows 7. Zwar ist es auf der einen Seite verständlich, dass sich der Verlag den Erstellungs- und Pflegeaufwand für eine OS-Version sparen möchte, die in gut einem halben Jahr eh von Microsoft in den wohlverdienten Ruhestand geschickt wird. Andererseits wird mit dieser Vorgehensweise eine nicht geringe Zahl Anwender ausgegrenzt, die erst im letzten Moment auf Windows 10 umsteigen wollen. Der Manager ist zwar auf dem System startbar, läuft aber sehr unrund. Nervig ist vor allem der nach jedem Klick erscheinende Hinweis, dass die Windows-Version zu alt sei und Bluetooth nicht richtig funktionieren werde.

Der Datei-Manager zum Übertragen von Audio-Inhalten
Der Datei-Manager zum Übertragen von Audio-Inhalten

Mobile Unterstützung stark verbesserungswürdig

Darüber hinaus können auch Nutzer von Android Inhalte über ihr Smartphone oder Tablet auf den Stift bringen. Dies ist jedoch ebenfalls mit einigen Einschränkungen verbunden, weil Android erst ab Version 7 unterstützt wird. Da Tablets allerdings seltener als Smartphones in den Haushalten ersetzt werden, dürfte es eine große Anzahl von Geräten geben, die noch mit Android 5 oder 6 ausgestattet sind. Von der Einschränkung sind zudem nicht nur Modelle betroffen, die von den jeweiligen Herstellern keine Updates mehr erhalten, sondern auch Amazons erfolgreiche Fire-Reihe. Deren Android-Derivat wird zwar nach wie vor mit Updates versorgt, basiert aber immer noch auf Android 5.1. Dies führt am Ende dazu, dass auch die Kids-Edition der Tablet-Serie keine Unterstützung seitens Bookii findet, obwohl diese bei der eigenen Zielgruppe sehr verbreitet sind.

Für die fehlende Unterstützung können natürlich auch technische Gründe oder die verbesserten Datenschutzeinstellungen der neueren Android-Versionen sprechen – dennoch hätte Tessloff hier zumindest in den FAQs über den Umstand aufklären sollen.

iOS nur mit eingeschränkten Funktionen

Bei iOS dürfte die Fragmentierung zwar keine große Rolle spielen, dafür wird das Aufspielen der Inhalte über iPhone und iPad erst gar nicht unterstützt. Hier dürften die Einschränkungen jedoch eher im mobilen Betriebssystem von Apple zu suchen sein.

Bei der Datenübertragung hakt es

Aber auch unter den unterstützten Systemen ist nicht alles Gold, was glänzt. In der Theorie ist das Aufspielen von neuen Inhalten sehr einfach gehalten: Mit eingeschaltetem Stift auf die Aktivierungsfläche der gewünschten Bücher tippen, den Stift anschließend an den PC anschließen, den Manager starten und schon werden die gewählten Bücher automatisch geladen. Das funktioniert aber nur in genau dieser Reihenfolge. Ein Stift, der an einen PC mit bereits geöffnetem Bookii-Manager angeschlossen wurde, ist im Test von diesem nicht erkannt worden. In manchen Fällen wurde der Manager automatisch geschlossen und musste manuell neu gestartet werden.

Der Bookii-Hörstift kann samt Kabel in einem kleinen Etui verstaut werden
Der Bookii-Hörstift kann samt Kabel in einem kleinen Etui verstaut werden

Wer meint, dass der USB-C-Anschluss für eine schnellere Übertragung der Inhalte sorgt, wird schnell eines Besseren belehrt – die Übertragungen nahmen dennoch eine längere Zeit in Anspruch, nicht selten blieb der Ladebalken bei 99 Prozent stehen. Auch gelegentliche Abstürze der Software konnten während des Tests beobachtet werden. Ein manuelles Suchen von Inhalten innerhalb der Software zum anschließenden Herunterladen, wie es unter Tiptoi möglich ist, ist bei Bookii ebenso nicht vorgesehen. Somit können nur Dateien geladen werden, auf deren Bücher der Nutzer in dem Moment physischen Zugriff besitzt – ein vorzeitiges Aufspielen ohne Buch oder eine Lösung für Probleme bei der automatischen Erkennung der Bücher ist somit nicht gegeben. Es ist also ratsam, bereits geladene Dateien zur späteren erneuten Nutzung selbst vom Stift zu sichern.

Testen der Android-App nicht möglich

Unter Android konnte die Software trotz erfüllter Voraussetzung erst gar nicht getestet werden. Auf einem per USB-C angeschlossenen Nokia 7 Plus mit aktuellem Android 9 samt allen Patches stürzte die App bei jedem Start bereits nach kurzer Zeit ab. Gleiches gilt für ein Nexus 5 mit LineageOS 14.1 (Android 7.1.2) und Micro-USB als Anschluss.

Vorinstallierte Inhalte als dürftige Lösung

Im Gegensatz zum Tiptoi, der den Anwender recht jungfräulich erreicht, sind auf dem Bookii-Stift bereits die Audio-Dateien einer großen Auswahl unterstützter Bücher von Tessloff gespeichert. So können Käufer zumindest sicher sein, dass die Starter-Sets direkt genutzt werden können.

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