Sony Xperia 1 im Test: Drosselnder Snapdragon 855, schlanke UI

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Mahir Kulalic 121 Kommentare

Mit dem Qualcomm Snapdragon 855 vertraut Sony auf das derzeit insgesamt stärkste System on a Chip im Android-Sektor. Die Basis bilden insgesamt acht Kerne des Typs Kryo 485. Diese sind aufgeteilt in vier Hochleistungskerne mit höherem Takt von bis zu 2,42 GHz, von denen wiederum einer als Prime-Core mit bis zu 2,84 GHz taktet und vier effizientere Kerne für weniger anspruchsvolle Aufgaben mit maximal 1,80 GHz. Als GPU verrichtet die Adreno 640 den Dienst. Dem SoC zur Seite stehen 6 GB RAM sowie 128 GB interner Nutzerspeicher.

Dies resultiert in einer sehr flüssigen Bedienung und sehr schnellen Ladezeiten im Alltag. Apps öffnen ohne große Verzögerungen, Websites laden sehr schnell und auch Spiele können ohne Einschränkungen in voller Qualität gespielt werden. Die Reserven des Xperia 1 dürften zudem für die kommende Zeit mehr als ausreichen. Im Alltag mit Kamera, Surfen und Messengern zählt das Smartphone daher zu den schnellsten auf dem Markt. Doch bei anhaltender Belastung zeigen sich Leistungsgefälle.

Früher Leistungsabfall bei anhaltender Last

Bereits im Vorfeld des Testberichts hat die Redaktion die Ergebnisse des Xperia 1 unter Dauerlast mit denen des OnePlus 7 Pro sowie des Asus ZenFone 6 (Test) verglichen. Beide Modelle konnten die Leistung sehr konstant auch über mehrere Durchläufe hinweg abrufen. Dem OnePlus 7 Pro ermöglicht das dessen Kühltechnologie ohne störende Hitzeentwicklung, das ZenFone 6 hingegen wurde in GPU-Tests sehr heiß und forderte dort den Tribut für die anhaltende Leistung. Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich beim Xperia 1: Das Smartphone verliert sehr früh an Leistung und pendelt sich nach anfänglich 71 FPS am Ende der Durchläufe bei 55 FPS ein, was 77 Prozent der Ausgangsleistung entspricht. Im CPU-Benchmark kann das Xperia 1 seine Leistung mit weniger Verlusten anwenden, die bei 17 Prozent im Single- und 10 Prozent im Multi-Core-Test liegen. Doch auch hier verliert das Modell bereits im dritten Anlauf, und damit sehr früh, an Leistung.

Aktuelles Android 9.0 mit schlanker UI

Als Betriebssystem nutzt Sony Android 9.0 Pie, das durch die eigene Oberfläche Xperia UI um Apps und Funktionen erweitert wird. Visuell verändert Sony das Betriebssystem an einigen Stellen, bleibt grundsätzlich aber sehr nahe an einem unverbastelten Android, wie es etwa auf dem Google Pixel 3 XL (Test) oder Pixel 3a (Test) zu finden ist. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass Sony standardmäßig die mit Android 9.0 eingeführte Gestensteuerung aktiviert. Optional stehen aber die gewohnten drei Bedientasten zur Verfügung. Eine eigene Form von Gestensteuerung implementiert der Hersteller, anders als etwa Huawei, OnePlus oder Xiaomi, nicht.

Xperia UI auf dem Sony Xperia 1
Xperia UI auf dem Sony Xperia 1

Die meisten Veränderungen finden sich in den Einstellungen sowie den vorinstallierten Apps wieder. Leider installiert Sony auch Drittanbieter-Anwendungen ab Werk, wenngleich die Anzahl sehr überschaubar ist. Dazu zählen Accu Weather, das Spiel Arena of Valor sowie Facebook. Letztgenanntes kann ohne Root nicht deinstalliert, sondern nur deaktiviert werden. Hinzu kommen einige Apps von Sony für etwa Musik oder Fotos. Manche der Apps doppeln sich mit denen, die sowieso im Paket von Google enthalten sind. Des Weiteren stattet Sony das Smartphone mit dem „Spieloptimierer“ aus. Dabei handelt es sich um ein Overlay, das beim Spielen zum Einsatz kommt, um beispielsweise Benachrichtigungen zu deaktivieren oder den RAM zu leeren, damit mehr Ressourcen für die Spieleleistung bereitstehen. Der Optimierer entspricht in seiner Idee Ansätzen, die beispielsweise auch OnePlus oder Samsung integrieren.

„Side Sense“ braucht noch Feinschliff

Um das längliche Display bei Bedarf auch mit einer Hand bedienen zu können, integriert Sony ein „Side Sense“ genanntes Feature. Per Doppeltipp auf die seitlichen Ränder des Smartphones lässt sich so ein Pop-up-Menü aufrufen, das einen Schnellzugriff auf zuletzt verwendete Apps, bestimmte Einstellungen wie WLAN oder Bluetooth sowie Splitscreen-Multitasking bietet. Das Overlay öffnet sich immer auf der Höhe der Berührung des Nutzers und kann so direkt auf einen Blick betrachtet oder durchgescrollt werden. Die Schnellzugriffe für die Bedienung mit einer Hand sind eine gute Idee, die Zuverlässigkeit ist aber nicht immer gegeben. Oft erkennt das Xperia 1 die Berührungen am Rand nicht und schaltet „Side Sense“ nicht ein. In der Zeit von mehreren Versuchen können die gewünschten Schritte so auch regulär ausgeführt werden.

Das längliche Display im Einsatz
Das längliche Display im Einsatz

Keine langfristigen Aussagen zu Updates

Mittlerweile äußern sich einige Android-Hersteller im Zuge ihrer Neuvorstellungen zu Updates, Sony hingegen gab bisher keine Infos in Bezug auf das Xperia 1 preis. Doch in der Vergangenheit überzeugte der Hersteller bei seinen Topmodellen mit regelmäßigen Sicherheits-Patches und bei halbwegs aktuellen Modellen auch mit neuen Android-Versionen. Das derzeit älteste Modell mit aktuellem Android 9.0 Pie ist das Xperia XZ Premium (Test), das vor zwei Jahren auf den Markt kam. Auf seiner Website führt Sony zudem eine Liste mit Update-Übersicht. Aktuell ist mit dem Xperia XZ3 außerdem immerhin ein Smartphone des Herstellers im Beta-Programm von Android Q. Auf dem Testgerät ist neben der Android-Version auch der Sicherheits-Patch mit Stand Juni topaktuell.

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