Corsair Nightsword RGB im Test: Schwerpunktmessung ist das 5. Rad am Wagen

Fabian Vecellio del Monego 27 Kommentare
Corsair Nightsword RGB im Test: Schwerpunktmessung ist das 5. Rad am Wagen

tl;dr: Die Nightsword RGB reiht sich zur unverbindlichen Preisempfehlung von 80 Euro zwischen Corsairs bestehenden High-End-Mäusen ein, ist unter jenen aber stets die schlechtere Wahl: Eine umfassendere Beleuchtung und eine schlecht umgesetzte Schwerpunktmessung reichen als Alleinstellungsmerkmal nicht aus.

Im Rahmen der diesjährigen E3 stellte Corsair zwei neue Gaming-Mäuse vor: Die symmetrische M55 RGB Pro und die Nightsword RGB, die der Hersteller selbst offensiv als neues Flaggschiff bewirbt. Zur unverbindlichen Preisempfehlung von 80 Euro positioniert sich das neue kabelgebundene Eingabegerät zwar unmittelbar über M65 RGB Elite und Ironclaw RGB (Test) sowie direkt neben der kabellosen Variante letzterer und der ebenfalls in diesem Jahr neu aufgelegten Glaive RGB Pro (Test).

Dabei fällt auch die Konzeption der genannten Mäuse ähnlich aus: Alle vier Eingabegeräte sind ergonomisch für Rechtshänder ausgelegt, vordergründig für mittlere bis große Handflächen geeignet und setzen auf eine kaum unterschiedliche Anzahl an Zusatztasten. Und da auch die neue Nightsword RGB auf den von Corsair in dieser Preisklasse seit einigen Monaten stets verbauten PixArt-PMW-3391 setzt und die iCUE-Software ohnehin allen Produkten gemein ist, stellt sich unvermeidlich die Frage nach exklusiver Funktion: Die Nightsword RGB erkennt ihr zugefügtes Gewicht automatisch und gibt via Software ihren aktuellen Schwerpunkt aus.

Corsair Nightsword RGB
Corsair M65 RGB Elite
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3391
Optisch
Auflösung: 100 – 18.000 dpi
3 Stufen
100 – 18.000 dpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 10,2 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
Abtastrate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron-Taster, 50 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 10
Oberseite: 7
Linkseitig: 3
8
Oberseite: 5
Linkseitig: 3
Sondertasten: dpi-Umschalter, Profil-Umschalter
Sniper-Taste
dpi-Umschalter
Sniper-Taste
Software: 10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme, Angle-Snapping deaktivierbar
Interner Speicher: 3 Profile
10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme, Angle-Snapping deaktivierbar
Zeigerbeschleunigung deaktivierbar
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: Farbe: RGB, 4 Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
dpi-Indikator, Profil-Indikator
Farbe: RGB, 2 Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
dpi-Indikator
Gehäuse: 129 × 86 × 43 mm
Hartplastik
Glanzelemente, Gummielemente
117 × 77 × 39 mm
Hartplastik, Metall, Beschichtung
Glanzelemente
Gewicht: 119 Gramm (o. Kabel)
3 Gewichte á 2,8 Gramm
3 Gewichte á 4,5 Gramm
97 Gramm (o. Kabel)
3 Gewichte á 4,0 Gramm
3 Gewichte á 2,0 Gramm
Anschluss: USB-A-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Preis: ab 80 € ab 62 €

Zur unverbindlichen Preisempfehlung ist eine konstante Verfügbarkeit dabei momentan noch nicht gegeben. Händler verweisen zumeist auf Lieferzeiten von mehreren Tagen bis wenigen Wochen.

Gehäuse und Materialien

Die Nightsword RGB gehört definitiv zu den größeren Vertretern ihrer Gattung, bleibt ergonomisch aber dezent und damit hinter der anschmiegsamen Form einer Ironclaw. Auffällig ist der lang gestreckte und hohe Rücken, der eindeutig einen Palm-Grip impliziert – sofern die eigenen Hände für letzteren nicht groß genug sind, ist die Handhabung der Maus eingeschränkt. Allgemein liegt das Modell schlechter in der Hand, als die erwähnte Ironclaw RGB oder die ebenfalls gleich große Glaive RGB Pro, da auch die Flanken nur gering konkav gewölbt sind.

Da die Maus zudem recht breit ist und der Rücken kaum seitliches Gefälle aufweist, bilden auch die Übergänge von letzterem zu den beiden Seiten eine ergonomische Zäsur, die an Ring- und kleinem Finger als deutliche Ausbeulung spürbar wird. Dem Daumen hingegen schmeichelt die Nightsword mit einer schmalen Auflagefläche, die allerdings nicht wie bei den Glaive-Modellen modular, sondern fester Bestandteil der Maus ist. Es sei an dieser Stelle gleichwohl angemerkt, dass das tatsächliche Empfinden der Haptik selbstredend subjektiver Natur ist.

Mit dem ausladenden Chassis der Nightsword RGB geht insbesondere unter Berücksichtigung der letzten Neuerscheinungen und dem sich abzeichnenden Trend zu leichteren Mäusen ein verhältnismäßig hohes Gewicht von 119 Gramm einher. Optional ist über die sechs beigelegten Zusatzgewichte gar eine Erweiterung der Masse auf knapp 141 Gramm möglich. Da auch das Kabel aufgrund der starren Nylon-Umwicklung recht steif ausfällt – wenngleich es weniger ungelenk als das der Ironclaw-Modelle ist –, leiden die Gleit-Eigenschaften der Maus merklich.

Hinzu kommt, dass sich die ausladend auf der Unterseite der Nightsword RGB verteilten Gleitflächen nur wenig und vor allem scharfkantig vom Boden des Gehäuses absetzen: Bei erhöhtem Druck auf die Maus und weichem Mauspad kratzen die Kanten der Gleitflächen leicht über den Stoff und mindern die Möglichkeiten einer präzisen Bewegung weiter.

Insgesamt sechs Buchten für sechs Gewichte
Insgesamt sechs Buchten für sechs Gewichte

RGB-Beleuchtung über vier Zonen

Hinsichtlich der möglichen Beleuchtung der Nightsword RGB, auf die im Software-Teil des Artikels näher eingegangen wird, lässt sich vorwegnehmen, dass – wie die Namensgebung bereits verrät – auf bunte Leuchtdioden zurückgegriffen wird. Das Eingabegerät verfügt über vier einzeln adressierbare Beleuchtungszonen, wie Corsair stets hervorhebt: Bisherige Mäuse des Herstellers wiesen maximal drei Beleuchtungszonen auf. Bei der Nightsword RGB leuchten das Corsair-Logo auf dem Mausrücken, die Einbuchtungen des unteren Chassis an Front und Heck sowie unter Tageslicht kaum wahrnehmbar die Achse des Mausrads.

Zusätzlich wickelt die Maus die Auflösungsindikation über drei weitere RGB-LEDs ab. Hinsichtlich der Farbgenauigkeit schneiden alle verbauten Leuchtdioden gut ab: Ein gleicher RGB-Wert sorgt bei verschiedenen LEDs für die gleiche Farbe. Auch die Ausleuchtung fällt gleichmäßig aus.

Primär- und Sekundärtasten

Bei den Primärtasten greift Corsair auf Omron-Schalter mit einer spezifizierten Lebenszeit von 50 Millionen Klicks zurück – eine im gehobenen Preissegment mittlerweile obligatorische Wahl. Der Hubweg liegt laut Hersteller bei 0,45 Millimeter, der benötigte Druck bei rund 60 Gramm, also circa 0,59 Newton. Das Mausrad ist taktil leicht gerastert und bei Drehung zwar etwas lauter als Mausräder anderer Mäuse aus selbem Haus, aber dennoch deutlich leiser als beispielsweise das Mausrad einer Logitech G502 (Test) und keinesfalls störend.

Darüber hinaus befinden sich hinter dem Mausrad zwei weitere Zusatztasten, die zum Durchschalten der iCUE-Profile prädestiniert sind. Der Wechsel der Sensorauflösung erfolgt indes über ein links der linken Maustaste platziertes Tastenpaar, unter dem auch die entsprechenden Indikations-LEDs weilen. Neben diesen befinden sich überdies eine große sowie zwei weitere kleine Zusatztasten, die zur Navigation respektive als Sniper-Taste dienen.

Während Hubweg und Druckpunkt der Primärtaster der Nightsword RGB dabei gewohnt und somit angenehm ausfallen, bieten die drei linksseitigen Knöpfe eine arg schwammige Rückmeldung: Vor allem die Sniper-Taste verfügt über einen kleineren Hubweg, benötigt aber ungleichmäßig viel Kraft zur Betätigung. Bei der M65 RGB Elite, die an dieser Stelle über das gleiche Tastenlayout verfügt, fühlen sich alle drei Schalter taktil definierter und vor allem schneller an. Hinzu kommt, dass die Zusatztasten der Nightsword RGB generell über kein einheitliches Druckprofil verfügen. Jede fühlt sich anders an, was sich auch in jeweils unterschiedlicher akustischer Rückmeldung äußert.

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