Samsung Galaxy Note 10+ im Test: Das Galaxy S10+ auf Steroiden und mit Stylus

Nicolas La Rocco 166 Kommentare
Samsung Galaxy Note 10+ im Test: Das Galaxy S10+ auf Steroiden und mit Stylus

tl;dr: Das Galaxy Note 10+ ist eines von zwei neuen Samsung-Smartphones mit Stylus. Der kann nicht mehr nur für Notizen, zum Malen und als Fernbedienung verwendet werden, sondern auch zur Gestensteuerung. Das Smartphone selbst fühlt sich wie ein übergroßes Galaxy S10+ an – mit all seinen vielen Vorteilen und manchem Nachteil.

Samsungs Galaxy-Note-Serie ist der Vorreiter großer Smartphones mit großem Display und großem Akku. Anno 2011 beim Galaxy Note II (Test) noch mit 5,3 Zoll ausgestattet, als das iPhone 4S (Test) gerade einmal 3,5 Zoll bot, ist die Diagonale zwischenzeitlich auf mindestens 6,3 Zoll angewachsen. Und das auch nur dann, wenn zum Galaxy Note 10 und nicht dem hier getesteten Galaxy Note 10+ mit 6,8 Zoll gegriffen wird.

Erstmals zwei neue Galaxy Note

Dieses Jahr teilt Samsung die neue Generation in zwei Modelle auf, wobei das Galaxy Note 10+ als wahrer Nachfolger des Galaxy Note 9 gesehen werden muss, da nur hier alle Merkmale eines High-End-Smartphones geboten werden. Das normale Galaxy Note 10 mit kleinerem Display, geringerer Auflösung, weniger Arbeitsspeicher, einer Kamera weniger, ohne Speichererweiterung und mit kleinerem Akku hätte Samsung ehrlicherweise Galaxy Note 10e nennen müssen. Die technischen Spezifikationen untermauern diesen Eindruck.

Galaxy Note 10+ startet ab 1.099 Euro

Die Preise sind hingegen ungefähr gleich geblieben, wobei sie sich aufgrund der veränderten Speicherausstattung nur beim 512-GB-Modell gemessen am UVP vergleichen lassen. Lag das Galaxy Note 9 (Test) mit 128 GB einst bei 999 Euro, sind es 949 Euro für das Galaxy Note 10 mit 256 GB, dafür aber im Vergleich zum Galaxy Note 10+, dem eigentlichen Nachfolger, schlechterer Ausstattung. Das wiederum kostet jetzt 1.099 Euro und damit bei doppeltem Speicher 100 Euro mehr als im Vorjahr. Das 512-GB-Modell liegt dieses Jahr bei 1.199 Euro, zuvor waren es 1.249 Euro.

Technische Daten der Note-10-Serie im Überblick

Samsung Galaxy Note 10
Samsung Galaxy Note 10+
Samsung Galaxy Note 10+ 5G
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0
Display: 6,30 Zoll
1.080 × 2.280, 418 ppi
Full HD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 6
6,80 Zoll
1.440 × 3.040, 495 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 6
Bedienung: Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Samsung Exynos 9825
2 × Exynos M4, 2,73 GHz
2 × Cortex-A75, 2,40 GHz
4 × Cortex-A55, 1,95 GHz
7 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G76 MP12
RAM: 8.192 MB
LPDDR4X
12.288 MB
LPDDR4X
Speicher: 256 GB 256 / 512 GB (+microSD) 256 GB (+microSD)
1. Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,5, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/2,1, OIS, AF
3. Kamera: 16,0 MP, f/2,2
4. Kamera: Nein 0,4 MP
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 10,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,2, AF
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓2.000 ↑316 Mbit/s
5G: Nein NSA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM Nano-SIM
Akku: 3.500 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
4.300 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 71,8 × 151,0 × 7,90 mm 77,2 × 162,3 × 7,90 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 168 g 196 g 198 g
Preis: ab 730 € ab 858 € / ab 1.170 € ab 1.090 €

Das Note-Design fällt eckiger aus

Ein ganz schöner Brocken ist das Galaxy Note 10+, denn mit 77,2 × 162,3 × 7,9 Millimetern (B×H×T) ist es nur dünner, ansonsten aber breiter und höher als das Galaxy Note 9 geworden. Das Smartphone wirkt in der Hand zudem größer als ein Galaxy S10+, da Samsung für das Note wieder zu einem eckigeren Design gewechselt ist. Die Radien des in den Rahmen verlaufenden Displays fallen kleiner aus, die nutzbare Bildschirmfläche steigt dadurch an. Die primären Merkmale eines Galaxy-Smartphones weist aber auch das Note 10+ auf. Das ist in erster Linie der annähernd symmetrische Aufbau aus Vorderseite und Rückseite, die sich mit leichter Biegung in der Mitte des Rahmens treffen, der wiederum als schmale Linie links und rechts um das Smartphone verläuft, bevor er oben und unten in voller Bautiefe die beiden Glaselemente einfasst.

Samsung rationalisiert die Kopfhörerbuchse weg

Oben gibt es so genug Platz für das SIM-Fach, das nur beim Note 10+ alternativ zur zweiten SIM-Karte eine microSD-Karte aufnehmen kann, während unten der USB-Typ-C-Anschluss, der zweite Lautsprecher und der S Pen, wie Samsung den Stylus nennt, sitzen. Wer in dieser Aufzählung den Klinkenanschluss vermisst, wird ihn auch an anderer Stelle nicht finden. Note 10 und Note 10+ sind Samsungs erste Flaggschiff-Smartphones ohne 3,5-mm-Klinke. Ausgerechnet beim Galaxy Note und nicht erst beim S11 damit anzufangen, dessen Zielgruppe potenziell weniger empfindlich auf solche Veränderungen reagiert, ist eine merkwürdige Entscheidung seitens Samsung. Aber sie ist nun mal gefällt worden und so liegen dem Note 10+ jetzt USB-Typ-C-Kopfhörer von AKG, ein reines USB-Typ-C-Kabel und ein neues Netzteil mit entsprechendem Anschluss bei – aber kein 3,5-mm-Adapter, um alte Kopfhörer anschließen zu können.

Verarbeitung auf sehr hohem Niveau

Was sich hingegen nicht verändert hat, sind Samsungs hochwertige Materialien und penible Verarbeitung. Wo es bauartbedingt kleinste Spaltmaße gibt, verlaufen sie gleichmäßig. Ansonsten wirkt das Note 10+ wie aus einem Guss, eine Skulptur aus wenig Aluminium und ganz viel Glas, die deshalb ebenso fragil wirkt. Denn das Note 10+ ist sehr groß und zudem ziemlich glitschig. Sollte das Smartphone aus Bauchhöhe Richtung Boden krachen, dürfte selbst das Gorilla Glass 6 Schäden nicht abwenden können. Einzig bei Staub und Wasser bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern und 30 Minuten greift der IP68-Schutz. Der gilt übrigens auch dann, wenn der S Pen nicht im Gehäuse steckt.

Bei den Farben von Huawei inspiriert

Hinsichtlich des Designs scheint sich Samsung ein wenig von Huawei inspiriert haben zu lassen, denn das getestete „Aura Glow“ mit seinem je nach Winkel unterschiedlichen Farbspektrum, das sich als Chrom-Regenbogen beschreiben lässt, hätte man früher nicht bei Samsung gesehen, als primär Schwarz und Weiß angeboten wurden. Auch das Layout der Triple-Kamera erinnert stark an das P30 Pro. Wo früher noch Huawei von Cupertino und Korea kopierte, scheint sich das Blatt etwas gewendet zu haben.

6,8-Zoll-Display mit WQHD-Auflösung

In einer eigenen Liga spielt Samsung nach wie vor beim Display, das auf 6,8 Zoll beim Note 10+ 3.040 × 1.440 Pixel versammelt. Das Note 10 muss bei 6,3 Zoll mit 2.280 × 1.080 Pixeln auskommen. Standardmäßig läuft aber auch das Note 10+ nur in dieser Auflösung, erst in den Einstellungen des Displays lässt sich die volle Auflösung wählen. In beiden Geräten ist der Ultraschall-Fingerabdrucksensor in das Display integriert.

Ein Loch im Display statt Notch

Das Thema Notch geht Samsung beim Note 10 und Note 10+ anders an als beim Galaxy S10. Wo im Frühjahr die Frontkamera rechts oben im Display saß, ist sie nun in die Mitte gerückt. Dual-Frontkameras gibt es nicht mehr, der Bokeh-Effekt bei Selfies wird per Software ohne zweite Linse berechnet. Das Loch der Kamera wird im Alltag kaum wahrgenommen, bei 16:9-Videos erscheint ohnehin links und rechts ein schwarzer Balken. Auf eine ausfahrbare Kamera wie OnePlus beim 7 Pro (Test) wollte Samsung offensichtlich nicht vertrauen und Kameras unter dem Display sind noch nicht einsatzbereit. Insofern hat sich Samsung nach der Tropfen-Notch für die nächst beste Lösung entschieden. Der einzige Nachteil ist eine doppelt so hohe Android-Statusleiste.

OLED mit natürlicher Darstellung

Wie bei der S10-Serie werden Käufer des Note 10+ von einer angenehm natürlichen Darstellung überrascht. Vorbei sind die Zeiten, als Samsung seine OLED-Displays mit maximaler Sättigung, verfälschtem Weißpunkt und unzähligen Darstellungsprofilen auslieferte. Ab Werk ist ein natürlicher Modus mit korrektem Weißpunkt und normaler Sättigung eingestellt, der stark an die Abstimmung des ebenfalls von Samsung stammenden OLED-Displays im iPhone XS Max (Test) erinnert. Wer die Farben etwas kräftiger und das Weiß etwas blauer möchte, kann darüber hinaus den Modus „Lebendig“ wählen, der zudem eine wenige Prozentpunkte höhere Maximalhelligkeit erlaubt.

Hohe Maximalhelligkeit ist von Weißanteil abhängig

Die fällt aber auch ab Werk äußert hoch aus, wenngleich OLED-typisch der Weißanteil ausschlaggebend für den Messwert ist. Und erneut gilt: Nur wer die automatische Regulierung der Helligkeit verwendet, kann das volle Potenzial ausschöpfen. Bei manueller Regulierung ist im Natürlich-Modus bereits bei 380 cd/m² Schluss, mit dem Lebendig-Profil sind es 394 cd/m². Im Automatikmodus schafft das Note 10+ 600 cd/m² respektive 616 cd/m². Mit reduziertem Weißanteil von 20 Prozent sind Werte von 855 cd/m² respektive 874 cd/m² möglich. Samsungs eigene Angabe von bis zu 1.200 cd/m² bezieht sich auf noch kleinere Bildbereiche. Das Display ist in beinahe jeder Situation ausreichend hell, nur manuell abrufbar ist das volle Potenzial eben nicht.

Samsung verzichtet auf höhere Bildwiederholfrequenz

So gut das Display des Note 10+ ist, eines fehlt ihm: eine höher Bildwiederholfrequenz. Wo zum Beispiel Asus und OnePlus unter Verwendung von OLED bis zu 120 Hz bieten, bleibt Samsung bei den bekannten 60 Hz. Die fühlen sich für sich alleine betrachtet zwar ausreichend flüssig an, wer aber einmal in den Genuss von 90 Hz oder mehr gekommen ist, vermisst diese Eigenschaft bei anderen Smartphones. Hier hätte man bei Samsung vor allem für das neue Plus-Modell der Note-Serie etwas mehr erwarten können.

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