Pixel 4 XL im Test: Snapdragon 855 trifft auf 6 GB RAM

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Nicolas La Rocco 180 Kommentare

In Sachen Prozessor, RAM und Speicher waren Googles Pixel-Smartphones schon immer vergleichsweise konservativ ausgestattet, und das ändert sich auch 2019 nicht, wenngleich Google durchaus Veränderungen gegenüber dem Pixel 3 vorgenommen hat.

Beim Prozessor vertraut Google wenig überraschend auf den Qualcomm Snapdragon 855, nicht aber auf den neueren und zum Beispiel im OnePlus 7T (Test) und OnePlus 7T Pro verbauten Snapdragon 855 Plus mit leicht höherem Takt für den Prime-Core der Kryo-485-CPU und die GPU. Während die Veränderungen an der CPU gering sind, hätte die neue Adreno-640-GPU für eine 15 Prozent höhere Grafikleistung gesorgt.

Mit 6 GB LPDDR4X-Arbeitsspeicher sind Googles Pixel-4-Smartphones weit entfernt von den teils bis zu 12 GB bei anderen Herstellern. Asus, OnePlus und Samsung bieten entsprechend ausgestattete Geräte an. Zumindest aber sind 8 GB mittlerweile Standard bei Android-Flaggschiffen, offensichtlich aber nicht bei Google, die zuvor sogar mit 4 GB ausgekommen sind. Das hatte auf dem Pixel 3 teils zu Engpässen geführt. Beim Pixel 4 sind während des Test keine Apps unerwartet im Hintergrund geschlossen worden.

Die vom Pixel 4 XL in den Benchmarks gebotene Leistung liegt auf dem erwarteten Niveau: hinter dem Snapdragon 855 Plus, Kirin 980 und Exynos 9825 sowie weit hinter dem Apple A13 Bionic, der das Feld bei CPU und GPU dominiert. Insgesamt bewertet ist das Pixel 4 XL gleichwohl der nicht außerordentlich hohen Benchmark-Leistung ein durchweg sehr schnelles Smartphone, das von einem gut von Google auf die Hardware abgestimmten Android-Betriebssystem profitiert. Auch der 90-Hz-Bildschirm trägt zum sehr schnellen Bediengefühl bei.

Kaum Leistungseinbruch unter Dauerlast

Die Leistung des Snapdragon-855-SoCs bleibt unter Dauerlast auf weitestgehend stabilem Niveau, wie Messungen im GFXBench (Manhattan 3.1) und mit Geekbench 4 zeigen. Zwar rutscht die Adreno-640-GPU im vierten Durchlauf auf 81 Prozent der Ausgangsleistung ab, dieses Leistungsniveau wird dann aber dauerhaft bis zum Schluss der Messungen gehalten. Auch bei der CPU-Leistung ist nur ein geringfügiger Einbruch feststellbar. Während die Single-Core-Leistung annähernd über den gesamten Test gleich hoch bleibt, ist in den Multi-Core-Messungen ein kontinuierliches, wenngleich überschaubares Zurückdrehen der Leistung feststellbar. Im Laufe der verschiedenen Tests ist die Rückseite des Pixel 4 XL nie heißer als 38 Grad Celsius geworden.

Google verzichtet auf UFS 3.0

Beim internen Speicher folgt Ernüchterung: Mehr als 128 GB sind von Google nicht zu bekommen, das Testgerät ist gar nur mit 64 GB ausgestattet. Davon bleiben nach Updates, der Installation geläufiger Apps und Benchmarks rund 40 GB frei – wohlgemerkt ohne Fotos oder Videos. Die Auslagerung auf Speicherkarten ist mangels microSD-Slot nicht möglich, einzig Cloud-Dienste können hier als Ausweg dienen. In diesem Punkt ist die Konkurrenz mit 256 GB, 512 GB und teils 1 TB weiter als Google.

Da überrascht es kaum, dass Google auch bei der Art des verwendeten Speichers hinterher hinkt. Denn statt des schnellen UFS 3.0, wie es bei OnePlus oder Samsung anzutreffen ist, kommt in der Pixel-4-Serie noch UFS 2.1 mit entsprechend schlechteren Lese- und Schreibraten zum Einsatz. UFS 3.0 braucht es zwar nicht zwangsläufig, um ein schnelles Smartphone auf die Beine zu stellen, der neueste Standard kann aber zumindest in einem High-End-Smartphone Ende 2019 erwartet werden.

Schnelleres LTE, aber noch kein 5G

Dass Google auf 5G verzichtet, lässt sich angesichts der noch auf zwei Chips statt eines vollintegrierten SoCs basierenden Lösungen nachvollziehen. Auch die Situation bei den Mobilfunkanbietern ist mit eingeschränkter Abdeckung noch nicht so weit fortgeschritten, dass 5G Pflicht ist. Im weiteren Verlauf des Jahres ist von Qualcomm mit Lösungen zu rechnen, die Prozessor und 5G-Multi-Mode-Modem in einen Chip integrieren. Auch die Anzahl der 5G-Standorte dürfte sich über das kommende Jahr deutlich verbessern.

Immerhin hat Google bei der LTE-Konnektivität nachgebessert, wo jetzt schnelleres LTE Advanced Pro mit 1,2 Gbit/s im Downlink und 150 Mbit/s im Uplink geboten wird. Das dafür im Downlink benötigte Spektrum steht zumindest in Deutschland zwar bei keinem einzigen Anbieter zur Verfügung, aber das Upgrade im Uplink ist zu begrüßen.

Dual-SIM-Unterstützung dank eSIM

Obwohl die Pixel 4 nur einen physischen Slot für eine Nano-SIM-Karte besitzen, sind es aufgrund der im Gerät verbauten eSIM (embedded SIM) Dual-SIM-Geräte. Seit Android 10 können Pixel-Smartphones beide SIM-Karten verwenden, mit Android 9 musste man sich auf dem Pixel 3 noch für die eine oder andere Karte entscheiden. Damit ist Google neben Apple einer der wenigen Anbieter, der eine programmierbare eSIM anbietet. Das ist vor allem bei der Dual-SIM-Nutzung im Nicht-EU-Ausland praktisch, wenn direkt über das Flughafen-WLAN ein eSIM-Profil auf den Chip geladen werden kann. Dadurch können sich Touristen den Besuch eines lokalen Handy-Shops für eine physische SIM-Karte sparen. Eine eSIM lässt sich zum Beispiel über die Anbieter GigSky und Truphone auf das Pixel 4 laden. In den USA unterstützt zudem T-Mobile eSIM auf dem Pixel.

Dual-Band-Standortbestimmung wird nachgeliefert

Etwas weniger modern fällt der WLAN-Support des Pixel 4 aus, da mit 802.11 a/b/g/n/ac über bis zu 2×2 MIMO nur die gängigen Standards unterstützt werden, während Apple und Samsung schon auf Wi-Fi 6 setzen. Bluetooth wird nach Version 5.0 LE inklusive der Codecs aptX, aptX und LDAC unterstützt, für die Standortbestimmung stehen GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo zur Verfügung. Noch im Laufe dieses Winters will Google per Software-Update für GPS (L1 und L5) und Galileo (E1 und E5a) das präzisere Dual-Band unterstützen. Das ermöglicht eine Erhöhung der Genauigkeit der Standortbestimmung von bisher rund 10 bis 15 Metern auf 1 bis 1,5 Meter.

Ein kleinerer und ein größerer Akku

Das Thema Akku ist zumindest beim Pixel 4 XL keines mit einer Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr – im Gegenteil. Mit 3.700 mAh fällt die Nennladung des Akkus knapp 8 Prozent höher als beim Pixel 3 XL aus. Das Pixel 4 hingegen muss mit 2.800 mAh statt der im letzten Jahr schon knapp bemessenen 2.915 mAh auskommen.

Das Pixel 4 XL kommt in den Messungen trotz der Aufwertung nur auf durchschnittliche bis gute Laufzeiten – die Konkurrenz hat über das letzte Jahr nicht geschlafen und ihre Smartphones ebenfalls teils deutlich im Bereich Akku und mit sparsameren Prozessoren verbessert. Die YouTube-Dauerschleife bei kalibrierter Helligkeit von 200 cd/m² spielt das Pixel 4 XL eine Stunde länger ab als das Pixel 3 XL. Im PCMark, der Aufgaben wie Browser, Video, Bildbearbeitung und Text durchführt, liegt das Plus bei zwei Stunden.

Netzteile mit 18 Watt im Lieferumfang

Anders als Apple legt Google allen Varianten des Pixel 4 ein vergleichsweise starkes Netzteil bei, verzichtet dafür aber auf Kopfhörer im Lieferumfang. Das Netzteil liefert 15 Watt und 18 Watt bei 5 V/3 A respektive 9 V/2 A. Damit ist es identisch zu den Netzteilen von Pixel 3 und Pixel 3a. Das gilt auch für den USB-Typ-C-Anschluss am Netzteil und das 1 m lange Kabel. Dem Pixel 4 liegt zudem ein OTG-Adapter bei.

Ein vollständiger Ladevorgang benötigt ausgeschaltet zwei Stunden. Neben dem kabelgebundenen Laden wird kabelloses Laden nach Qi-Standard unterstützt.

Android 10 mit Update-Garantie

Google liefert das Pixel 4 mit Android 10 aus und ist der aktuell einzige Anbieter, der Updates des Betriebssystems und Sicherheitspatches stets am Tag der Veröffentlichung anbietet. Beide Pixel 4 kommen mit mindestens dreijähriger Update-Garantie für Android und die monatlichen Sicherheitspatches. Das Smartphone dürfte in den kommenden Jahren Android 11, 12 und 13 erhalten. Das Testgerät lief mit Android 10 Build-Nummer QD1A.1900821.011.C4 und Oktober-Patches.

Schnellerer Google Assistant

Pixel 4 und Pixel 4 XL kommen vorerst exklusiv mit der neuen Generation des Google Assistant, der Anfragen bis zu zehnmal schneller verarbeitet als bisher möglich. Google hatte den neuen Assistant erstmals zur eigenen Entwicklerkonferenz I/O im Frühjahr gezeigt und dabei erklärt, dass das üblicherweise in die Cloud ausgelagerte Sprachmodell durch eine Verkleinerung der dafür benötigten Machine-Learning-Modelle von 100 GB auf nur noch 0,5 GB nun direkt auf dem Gerät gespeichert wird. Das funktioniert mit dem Pixel 4 allerdings erst einmal nur auf Englisch, das deutsche Sprachmodell wird noch trainiert, 2020 soll der Rollout erfolgen. Der Google Assistant lässt sich neben dem Sprachbefehl „OK Google“ über Wischgesten nach oben aus den unteren Bildschirmecken oder Drücken des Rahmens des Smartphones aufrufen.

Sprachrekorder mit Transkription

Ein weiteres exklusives Software-Feature ist ein neuer Sprachrekorder samt Transkription in beinahe Echtzeit. Die App eignet sich einerseits für klassische Sprachmemos, andererseits bietet sie einen Tab für Transkriptionen, die parallel zur Sprachaufzeichnung angelegt werden können. Die gesamte Erkennung und Verarbeitung findet auf dem Gerät statt, was Google mit Hilfe einer Demo im Flugmodus zeigte. Besonders ist auch die Funktion, per Sprache nach Inhalten zu suchen und diese wahlweise mit Tönen zu markieren. Für eine Markierung lässt sich beispielsweise kurz pfeifen, woraufhin diese Stelle in der Transkription hervorgehoben wird. Auch beim neuen Sprachrekorder muss derzeit aber noch in Englisch gearbeitet werden.

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