be quiet! Shadow Rock 3 im Test: Ohne Lüfterwechsel schwach auf der Brust

Thomas Böhm
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be quiet! Shadow Rock 3 im Test: Ohne Lüfterwechsel schwach auf der Brust

tl;dr: be quiet! stellt den Shadow Rock 3 in die gehobene Mittelklasse. Der Tower-Kühler mit angenehm leisem 120-mm-Lüfter entfaltet sein Potenzial aber erst, wenn er anstelle seines Serienlüfters einen Ventilator mit 140 mm Rahmenbreite bekommt. Nur so kann er zur gleich teuren Konkurrenz aufschließen.

be quiet! überarbeitet seinen Mittelklasse-Tower-Kühler Shadow Rock mit dem Generationswechsel von 2 auf 3 grundlegend. In der gehobenen Mittelklasse ist beliebte Konkurrenz wie der Alpenföhn Brocken 3 (Test), der Thermalright HR-02 Macho (Test) und der Scythe Mugen 5 (Test) vertreten. An deren Design orientiert sich der Hersteller mit dem Shadow Rock 3.

be quiet! Shadow Rock 3
be quiet! Shadow Rock 3

Statt wie der Shadow Rock 2 noch auf einen großen, mittigen Kühlturm zu setzen, wird die Generation 3 wie die genannten Konkurrenten asymmetrisch, um hohem Arbeitsspeicher aus dem Weg zu gehen. Klassenüblich kommen fünf 6-mm-Heatpipes zum Einsatz, die aus Kostengründen der CPU direkt aufliegen, statt wie im höheren Preissegment üblich über eine kupferne Bodenplatte Kontakt zur CPU aufzunehmen.

Diesen Aufbau kombiniert der Hersteller mit einem 120-mm-Lüfter des Typs Shadow Wings 2, der oberhalb der Pure-Wings-Lüfter angesiedelt ist, auf die be quiet! noch für den Vorgänger Shadow Rock 2 zurückgegriffen hat. Im Test muss der Shadow Rock 3 zeigen, wie er sich im Vergleich zur etablierten Konkurrenz in der gehobenen Mittelklasse für knapp 45 Euro schlägt.

be quiet! Shadow Rock 3
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 95 × 121 × 163 mm (ohne Lüfter)
130 × 121 × 163 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 714 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 5 × 6 mm (Ø)
Direct Touch/Contact
Lamellen: Aluminium (vernickelt)?, 30 Stück
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 120 × 120 × 25,0 mm
1.600 U/min
11,5 – 24,4 dBA
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Lüfterrahmen
weitere Halterung beigelegt
Kompatibilität: AMD: Sockel /AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/LGA 1200?/115x
Preis: ab 43 €

be quiet! Shadow Rock 3 im Detail

be quiet! legt seit jeher den Fokus nicht nur auf leise Produkte, sondern auch auf die Optik, für die der Hersteller meist auf gebürstetes Aluminium zurückgreift. Deshalb gibt es beim Shadow Rock 3 eine abschließende Zierlamelle, die die Enden der Heatpipes versteckt und mit dem Schriftzug des Herstellers versehen ist. Die fünf Heatpipes sind vernickelt, um ins silberne Gesamtbild zu passen.

Unter der Haube steckt Heatpipe Direct Touch als CPU-Auflage, also angeschliffene Heatpipes anstelle einer Bodenplatte aus Kupfer. Diese Sparmaßnahme ist für Kühler im Bereich von 40 bis 45 Euro aber nicht unüblich und kommt unter anderem auch beim Enermax ETS T50 Axe Silent (Test) und beim Alpenföhn Brocken 3 (Test) zum Einsatz.

Serienlüfter und Lieferumfang

Der Serienlüfter des Shadow Rock 3 hört auf den Namen Shadow Wings 2 und ist ein PWM-fähiges 120-mm-Exemplar, den be quiet! mit maximal 1.600 U/min spezifiziert. Damit unterscheidet er sich vom im Handel erhältlichen Shadow Wings 2 120 mm, der maximal 1.100 U/min erreicht. Im Gegensatz zu Silent-Wings-Lüftern (Test) lässt er sich sogar von der Lüftersteuerung Aquaero 6 (Test) im Testsystem per PWM ansteuern und erreicht ein Drehzahlintervall von 450 bis 1.700 U/min. Dabei geht er erfreulich leise zu Werke: Bei niedrigen Drehzahlen arbeitet er ohne wahrnehmbare Nebengeräusche und der Luftstrom bei steigenden Drehzahlen bleibt subjektiv unaufdringlich.

be quiet! ist beim Lieferumfang des Shadow Rock 3 notwendigerweise großzügig, denn neben obligatorischem Montagezubehör, einer gedruckten Montageanleitung und Wärmeleitpaste in einer Spritze gibt es auch einen extra langen Schraubendreher. Der ist bauartbedingt für den Tower-Kühler eine zwingende Voraussetzung für die Montage. Einen zweiten Satz Lüfterklammern legt der Hersteller ebenfalls bei, sodass bei Bedarf ein zweiter 120-mm-Lüfter auf dem Shadow Rock 3 befestigt werden kann: Es passen handelsübliche 120-mm-Axiallüfter mit Standardrahmen, da die Klammern im Gegensatz zu denen der Dark-Rock-Kühler nicht auf die proprietären Rahmen der Silent-Wings-Lüfter zugeschnitten sind.

Montage im Testsystem

be quiet! bleibt bewährten Montagesystemen treu. Es kommt ein klassisches zweistufiges System mit Backplate und Haltebügeln, die von vorn verschraubt werden, zum Einsatz. Die weitere Montage passt der Hersteller aber nicht so nutzerfreundlich an, wie beispielsweise Noctua und Scythe es bereits seit Jahren umsetzen: Anstelle von am Kühler vorinstallierten Schrauben gibt es eine altmodische, lose Montagebrücke mit ebenso losen Schrauben. Das macht die Arbeit unnötig frustrierend, denn der Kühler bleibt wegen seines asymmetrischen Aufbaus nicht von allein stehen; er hat Übergewicht und kippt.

Während die vordere Schraube zur Kühlerbefestigung problemlos festgedreht werden kann, muss die hintere über einen Tunnel durch die Lamellen des Kühlturms erreicht und arretiert werden. Was dank Schraubendreher mit magnetischer Spitze einfach klingt, wird noch einmal unnötig lästig: Der Durchmesser des Schraubenkopfes ist zu groß, sodass die Schraube nicht durch den Kanal passt, durch den der Schraubendreher sie erreichen soll. Sie muss entweder im Voraus in die Montagebrücke gelegt werden (in der Hoffnung, dass sie beim Aufsetzen des Kühlers nicht wegfällt) oder bei schon auf der CPU stehendem Kühler mit zwei Fingern von der Seite eingefädelt werden, ohne dass dabei die lose Montagebrücke verrutscht. Die Montage des Kühlers ist zwar kein Hexenwerk, hätte aber durchaus angenehmer gestaltet werden können.

In Sachen Kompatibilität gibt es beim Shadow Rock 3 keine Kritikpunkte. Der asymmetrische Aufbau sorgt für Abstand vom Arbeitsspeicher, sodass keinerlei Höhenbeschränkungen existieren. Der Kühlturm bleibt außerdem weit genug vom ersten Erweiterungs-Slot entfernt, um auch an dieser Stelle keine Einschränkungen zu verursachen. So ist letztlich nur noch die Bauhöhe von 163 mm bei der Gehäusewahl zu beachten. Für einen Kühler mit 120-mm-Lüfter ist das ungewöhnlich hoch. Üblicherweise bleiben Tower-Kühler mit diesem Lüfterformat bei weniger als 160 mm.

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