C:\B_retro\Ausgabe_64\: ComputerBase wirft einen ersten Blick auf Windows Vista

Sven Bauduin
210 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_64\: ComputerBase wirft einen ersten Blick auf Windows Vista
Bild: Microsoft

Am 24. Dezember 2005 war es soweit und die Redaktion konnte mit Build 5270 einen ersten Blick auf das neue Betriebssystem Windows Vista von Microsoft werfen, welches bereits im Sommer 2001 angekündigt wurde und eigentlich schon Ende 2003 hätte erscheinen sollen. Die Diskussionen in der Community lösen ein Déjà-vu aus.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

C:\B_retro\Ausgabe_64\

Windows Vista

Über dessen Nachfolger Windows 7 (Test) sagte ComputerBase am 22. Oktober 2009 „Vista, so wie es hätte sein müssen“ und als Microsoft zum 11. April 2014 den Support einstellte und der Abschied von einem bereits verstorbenen Betriebssystem anstand, kommentierte das die Redaktion wie folgt:

Drei Jahre nach dem Aus von Windows XP ist mit dem heutigen 11. April auch Windows Vista am Ende seiner Lebenszeit angekommen. Doch im Gegensatz zu dem Vorgänger findet dessen Abschied im Stillen statt, denn von Relevanz ist Windows Vista schon lange nicht mehr.

ComputerBase, am 11. April 2014

Doch bereits lange bevor Windows Vista seinen wenig glanzvollen Auftritt haben sollte, konnte sich ComputerBase mit dem Build 5270, einer Preview, ein erstes Bild von „Longhorn“, so der Codename von Windows 7 während der Entwicklungsphase, machen.

Besonders bemerkenswert sind retrospektiv die Diskussionen und Kommentare der Community aus dem ComputerBase-Forum zur ersten Stichprobe des Nachfolgers des bei den Anwendern sehr beliebten Windows XP. Vor allem im Hinblick auf Themen wie Datenschutz und Sicherheit sowie einer möglichen Monopolstellung seitens Microsoft herrschten äußerst große Vorbehalte unter den Lesern. Diese Stimmen sollten sich spätestens mit Windows 10 (Test) und „Windows as a Service“ wieder melden.

C:\B_retro\Ausgabe_64\Windows_Vista\

Am 8. November 2006 erreichte Windows Vista mit Build 6000 den Entwicklungsstatus „Release to Manufacturing“ und wurde nach rund fünf Jahren Entwicklungszeit und damit verbundenen Entwicklungskosten von rund 6 bis 10 Milliarden US-Dollar fertiggestellt.

Am 30. Januar 2007 veröffentlichte Microsoft das Betriebssystem in den sechs Editionen Starter, Home Basic, Home Premium, Business, Enterprise sowie Ultimate. Alle Versionen befanden sich auf derselben DVD und die Installationsroutine erkannte anhand des Produktschlüssels, welche Version installiert werden sollte.

Bereits nachdem Microsoft den RTM-Status des Betriebssystems bekanntgegeben hatte, präsentierte ComputerBase alle Versionen von Windows Vista im Überblick. Doch wie verlief der Erstkontakt der Redaktion mit Windows Vista?

Windows Vista Pre-Beta im Test

Nachdem Microsoft am 20. Dezember 2005 die Pre-Beta 2 von Windows Vista für Entwicklungspartner sowie MSDN- und TechNet-Kunden zur Verfügung gestellt hatte, kündigte die Redaktion an, sich die sogenannte Community Technology Preview (CTP) einmal näher anzusehen. Bereits am 24. Dezember 2005 sollte es soweit sein.

C:\B_retro\Ausgabe_64\Windows_Vista\Pre_Beta_im_Test\

State of the Art

Der erste Eindruck zeugte vom fortgeschrittenen Status der Entwicklung und bestätigte die Gerüchte, dass eine „feature-complete"-Version Ende Dezember Microsoft-intern fertiggestellt werden sollte.

Die seinerzeit viel diskutierte Sidebar von Windows Vista war in der Pre-Beta noch nicht enthalten und wurde erst mit einer der folgenden Vorabversionen veröffentlicht.

Nichtsdestotrotz gab es sehr viel zu zeigen, weshalb die Redaktion die Leser dazu einlud, sich direkt ins „Getümmel“ zu werfen und so hieß es: „Loggen wir uns also ein...

Anmeldung in Windows Vista
Anmeldung in Windows Vista

Nachdem die Redaktion die ersten visuellen Eindrücke auf sich hat einwirken lassen, interessierte seinerzeit vor allem, wie viel Speicherplatz die Installation eingenommen hatte. Die 32-Bit-Version von Windows Vista Build 5270 nahm dabei etwas mehr als acht Gigabyte in Anspruch. Wer Daten von seinem alten Computer übertragen wollte, konnte dazu „Windows Transfer“ nutzen, um Benutzerkonten, Dateien, Programmeinstellungen und Nachrichten in Windows Vista zu übernehmen.

Speicherplatz nach der Installation
Speicherplatz nach der Installation
Windows Transfer
Windows Transfer

Darstellung

Eine der auffälligsten Neuerungen war das Windows-Tab-Feature, bei dem die geöffneten Fenster erstmals dreidimensional in den Raum gestellt wurden. Die Funktion war auch über einen Button in der Taskleiste aufrufbar. Darüber hinaus gab es ab sofort eine Vorschau, wenn die Maus über die in der Taskleiste aufgelisteten Programme bewegt wurde.

Verändert werden konnten jetzt auch die DPI-Einstellung des Desktops. Liebhaber des alten Stils von Windows 2000 konnten selbstverständlich weiterhin auf diese Darstellung wechseln. Die Redaktion indes konzentrierte sich seinerzeit auf die transparenten Fenster und neuen Darstellungen des in Hardware beschleunigten Aero Glass.

Eingabehilfe

Der unter Windows XP noch als Eingabehilfe in der Systemsteuerung gelistete Eintrag wurde in der englischen Ausgabe von Windows Vista als „Ease of Access" aufgeführt und wurde technisch ebenfalls aufgewertet.

Kontakte

Auch das Adressbuch wurde mit Windows Vista einer Frischzellenkur unterzogen und sah deutlich aufgeräumter aus.

Netzwerk

Unter dem Punkt „Network Center“ fanden sich ab sofort alle für das Netzwerk relevanten Einstellungsmöglichkeiten. So konnten Internet- und LAN-Verbindungen hergestellt, aber auch Probleme mit Hilfe von Assistenten behoben werden.

Benutzerkontensteuerung

Für einzelne Benutzerkonten konnte unter Windows Vista erstmals auch eine Elternkontrolle eingerichtet werden. So konnte zwischen verschiedenen Kontrollgremien gewählt werden. Unter anderem war auch die deutsche Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) vertreten.

Performance Center

Neu hinzu gekommen war zudem das Performance Center, hinter dem sich zum Beispiel das seinerzeit neue Super-Fetch-Feature versteckte. Darüber hinaus konnte an dieser Stelle der Windows-Start überprüft und eine Leistungseinschätzung des Systems ermittelt werden.

Security Center

Ein weiterer wichtiger Teil der Systemsteuerung ist das bereits aus Windows XP (SP2) bekannte „Security Center“. Es wurde in Vista jedoch gehörig aufgewertet und zeigte nun zusätzlich den Status von Windows Defender – ehemals Windows Anti-Spyware – an.

Spiele

Zu guter Letzt durften natürlich die in Windows Vista enthaltenen Spiele nicht fehlen. Neben den altbekannten Hearts, Solitär, FreeCell und Minesweeper enthielt das neue Betriebssystem auch drei komplett neue Spiele. So konnte sich fortan auch mit Chess Titans, Mahjongg Titans und Purble Place die Zeit vertrieben werden.

Startmenü

Auffällig am neuen Startmenü war, dass der Schriftzug „Start“ fehlt. Die verschiedenen Einträge für Spiele, Musik, Bilder und Videos erhielten ein eigenes Symbol, welches oben rechts entsprechend visualisiert wurde.

Die Suchfunktion wurde direkt ins Startmenü integriert und zeigte erstmals „on-the-fly“ Ergebnisse an. Ungewöhnlich war, dass die Standardeinstellung zum Herunterfahren des Systems der Hibernation-Modus war.

Systemsteuerung

Die Systemsteuerung bot neue Einstellungsmöglichkeiten im Software- und Hardwarebereich. So konnten zum Beispiel die Programme ausgewählt werden, die beim Autostart von Wechseldatenträgern automatisch ausgeführt werden sollen.

C:\B_retro\Windows_Vista\Fazit\

Gute Arbeit, Microsoft!

ComputerBase attestierte Microsoft im Dezember 2005, gute Arbeit geleistet zu haben und Windows Vista schien auf dem richtigen Weg zu sein.

Nach dieser Bilderflut dürfte vor allem eins klar geworden sein: Microsoft macht bei der Entwicklung des Windows-XP-Nachfolgers gewaltige Fortschritte.

Während die letzte, den Testern zur Verfügung gestellte Version an vielen Stellen noch funktionslose Platzhalter aufwies und äußerst träge zur Tat schritt, ist nunmehr sogar an ein normales Arbeiten zu denken.

Erstmals in der Geschichte von Windows bietet Microsoft mit Vista sinnvolle Dialogboxen, die weit über „Ok“ und „Abbrechen“ hinausgehen und so auch Neulingen den Einstieg erleichtert. Neue Anwendungen wie Windows Calendar, Windows Collaboration oder Windows Defender – um stellvertretend nur einige zu nennen – stellen eine willkommene Erweiterung dar.

Das, was Microsoft bis hierhin geschaffen hat, kann sich sehen lassen und wir blicken gespannt auf zukünftige Vorabversionen des wichtigsten Windows-Release seit der Vorstellung von Windows 95.

ComputerBase, am 24. Dezember 2005

Zu früh gefreut

Schlussendlich konnte Windows Vista aber nie die hohen Erwartungen erfüllen und wurde bereits im Oktober 2009 von Windows 7 abgelöst. Windows Vista konnte sich hinsichtlich seiner Marktdurchdringung nicht gegen seinen Vorgänger Windows XP durchsetzen und wurde von seinem Nachfolger umso schneller überholt.

Betriebssysteme 020406080100Prozent 12/200103/200206/200209/200212/200203/200306/200309/200312/200303/200406/200409/200412/200403/200506/200509/200512/200503/200606/200609/200612/200603/200706/200709/200712/200703/200806/200809/200812/200803/200906/200909/2009  Linux  Mac OS X  Windows 95  Windows 98  Windows Me  Windows NT  Windows 2000  Windows XP  Windows 2003  Windows Vista  Windows 7

Das lag unter anderem auch an: Microsofts leeres Versprechen der Ultimate Extras und der besseren Spiele-Performance von Windows 7 (Test).

Der gute Ersteindruck, den Windows Vista als Pre-Beta hinterlassen konnte, sollte das fertige Betriebssystem nie bestätigen und gilt gemeinsam mit Windows Me und Windows 8.x als einer der größten Fehlschläge in der Windows-Historie.

Vielen Enthusiasten war insbesondere das bunte und mit den vielen Effekten der Aero-Oberfläche verspielte Aussehen von Windows Vista ein Dorn im Auge. OEMs hatten hingegen mit den gestiegenen Hardwareanforderungen, die für Aero eine Grafikkarte mit DirectX-9-Unterstützung vorsahen, ein Problem. Zusammen mit dem hohen Ansehen von Windows XP verwehrte das Windows Vista den Erfolg anderer Betriebssysteme von Microsoft.

Die meisten Zugriffe erfolgten über Windows Vista im Jahr 2009 auf ComputerBase: 40 Prozent Marktanteil erreichte das Betriebssystem im Herbst dieses Jahres. Windows XP lag drei Jahre davor allerdings bei fast 90 Prozent, Windows 7 zu Spitzenzeiten drei Jahre danach bei fast 70 Prozent.

Marktanteile auf ComputerBase
Betriebssystem Maximaler Marktanteil im Jahr
Windows XP 89,2 Prozent 2006
Windows Vista 40,0 Prozent 2009
Windows 7 68,6 Prozent 2012
Windows 8(.1) 22,7 Prozent 2015

Umfrage

Wie sieht es innerhalb der Community des ComputerBase-Forums aus? Was halten die ComputerBase-Leser retrospektiv von Windows Vista und hatten sie das Betriebssystem im Einsatz? Die Redaktion freut sich auf entsprechende Reaktionen und Kommentare unterhalb im Kommentarbereich zu dieser Ausgabe von C:\B_retro\.

C:\B_retro\Feedback\

Feedback ist jederzeit willkommen

Die Redaktion freut sich über konstruktive Kritik, Lob, aber auch Vorschläge, um die Serie zukünftig noch stärker an den Wünschen der Leserschaft ausrichten zu können. Mit diesem Lesestoff im Gepäck wünscht die Redaktion einen erholsamen Sonntag.

C:\B_retro\Review\

Die letzten zehn Ausgaben in der Übersicht

An dieser Stelle finden sich die letzten zehn Themen der vorangegangenen Ausgaben von C:\B_retro\:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase als auch in den Themenbereichen C:\B_retro\ und Retro.