Luis2012
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Hier mal ein guter Artikel von Zeit Online, der die Problematik bei den Bayern aufm Punkt bringt :
Carlo Ancelotti konnte Pep Guardiolas Niveau nicht halten. Doch auch der künftige Bayern-Trainer wird Probleme bekommen, denn die Mannschaft hat nicht genügend Klasse.
Carlo Ancelottis Stil ist seit vielen Jahren bekannt: Stell ihm einen Ferrari hin, dann fährt er Bestzeiten. Mit einer Fußballelf aus Stars gewinnt er große Titel, was entgegen Stammtischweisheiten alles andere als einfach ist. Einen ordentlichen zu einem schnellen Rennwagen zu entwickeln, ist hingegen nicht so sein Ding.
In München hat Ancelotti gemacht, was er immer macht. Schon lange galt der Bayern-Trainer deshalb intern als umstritten, trotz des Meistertitels in der Vorsaison. Nach der Niederlage in der Champions League gegen Paris St.-Germain hat der Verein nun die erstbeste Gelegenheit genutzt, um sich von Ancelotti zu trennen.
Vielleicht kannten die Verantwortlichen des FC Bayern Ancelottis Profil nicht, als sie ihn vor knapp zwei Jahren engagierten. Wahrscheinlicher ist, dass die Führung damals einem Irrtum unterlag und ihm noch immer unterliegt. Der Trainer war gar nicht das größte Problem des FC Bayern. Unter dem Verwalter Ancelotti ist das Niveau der Bayern zwar nach und nach gesunken. Was aber vor allem an seinem Vorgänger lag. Und daran, dass die Spieler nicht genügend Klasse haben für höchste Ziele. Der FC Bayern ist kein Ferrari.
Ancelotti übernahm Bayern in einem undankbaren Moment. Das hat einerseits mit Pep Guardiola zu tun. Mit dem hochversierten und enorm fleißigen Spanier war Bayern eines der drei großen Teams Europas. Allerdings, das bestätigen Spieler und Umfeld, war sein Anteil an den starken Leistungen außergewöhnlich hoch. Auf den ersten Blick war das nicht sofort ersichtlich, seine großartige Arbeit verdeckte die Mängel der Elf, die es schon damals gab.
Andererseits übernahm Ancelotti eine Mannschaft, die ihren Zenit überschritten hatte. Er soll überrascht gewesen sein, als er die wahre Stärke der Bayern-Spieler erkannte. Die wiederum verglichen ihn mit Guardiola. Die Mäuschen aus der Kabine erzählen, dass sie sein Laissez-faire störte.
Und so büßten die Bayern in Ancelottis erstem Jahr einiges an Qualität ein. Allerdings riss sich der gealterte Kern der großen Mannschaft ein letztes Mal zusammen. Ihr gelangen Sternstunden gegen Leipzig (3:0 und 5:4) und Dortmund (4:1), Real Madrid hätten die Bayern fast aus dem Europapokal geworfen. Gegen Ingolstadt, Freiburg oder Darmstadt mussten hingegen schon Glückssiege her.
Weil im Sommer auch noch der Stratege Xabi Alonso und vor allem der Kapitän Philipp Lahm gingen, dessen Namen die Ära 2012 bis 2017 in den Geschichtsbüchern tragen wird, ist Bayern nicht mehr der Champions-League-Favorit der vergangenen fünf Jahre, sondern das, was er jahrzehntelang war: ein deutsches Spitzenteam, aber international zweite Reihe.
Das war beim 0:3 in Paris zu erkennen. Die Abwehr war gegen den exzellenten Sturm des Gegners auch in Überzahl hilflos, im Angriff gingen der Mannschaft die Ideen aus. Ancelotti wird vorgeworfen, falsch aufgestellt zu haben. Doch ob es mit Franck Ribéry und Arjen Robben besser gelaufen wäre, darf man bezweifeln. Sie sind aus dem Alter für dauerhafte Spitzenleistung raus.
Auch sonst hat der Verein außer dem verletzten Manuel Neuer wenig Weltklasse, vielleicht noch Jérôme Boateng und ganz vielleicht noch Thomas Müller. Die, die der FC Bayern zuletzt geholt hat – Rudy, Süle, Kimmich, Hummels, Coman, James, Tolisso – sind allesamt gute Fußballer, haben aber kein absolutes Spitzenniveau. Bayern München kauft seit Jahren nicht gut ein, Borussia Dortmund macht das besser.
Es heißt nun mancherorts, Ancelotti habe die Kabine verloren. Das kann sein, dürfte aber bedeuten, dass er derjenige war, der die Mängel erkannte. Ancelotti ist ja für seinen guten Umgang mit Stars bekannt, nicht umsonst hat er drei Mal die Champions League gewonnen. Bloß hat der FC Bayern kaum noch Stars, höchstens welche, die mal solche waren, oder solche, die sich dafür halten.
Bayern braucht also eher fünf bis zehn neue Spieler, nicht nur einen neuen Trainer. Ancelotti war ohnehin die Übergangslösung nach Guardiola und vor dem nächsten Entwickler. Aber auch der künftige Mann an der Seitenlinie wird Probleme bekommen. Mit dieser Mannschaft kann man Deutscher Meister werden, aber um die Champions League zu gewinnen, bräuchte man eher einen Magier. Fußball ist nun mal kein Trainerspiel, sondern ein Spielerspiel.
Und noch etwas: Ancelotti hat sicher nicht die Arbeit erfunden, aber er ist eine coole Socke und kann gut mit Macht umgehen. Die Eitelkeiten der Fußballalphatiere kontert er mit der Augenbraue. Die Trainer, die nun gehandelt werden, Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann, müssen diese spezielle und äußerst rare Kompetenz erst mal nachweisen. Kurz: Es muss erst mal einer besser machen als Ancelotti.
Muss sagen, der Artikel bringt es aufm Punkt
LG
Carlo Ancelotti konnte Pep Guardiolas Niveau nicht halten. Doch auch der künftige Bayern-Trainer wird Probleme bekommen, denn die Mannschaft hat nicht genügend Klasse.
Carlo Ancelottis Stil ist seit vielen Jahren bekannt: Stell ihm einen Ferrari hin, dann fährt er Bestzeiten. Mit einer Fußballelf aus Stars gewinnt er große Titel, was entgegen Stammtischweisheiten alles andere als einfach ist. Einen ordentlichen zu einem schnellen Rennwagen zu entwickeln, ist hingegen nicht so sein Ding.
In München hat Ancelotti gemacht, was er immer macht. Schon lange galt der Bayern-Trainer deshalb intern als umstritten, trotz des Meistertitels in der Vorsaison. Nach der Niederlage in der Champions League gegen Paris St.-Germain hat der Verein nun die erstbeste Gelegenheit genutzt, um sich von Ancelotti zu trennen.
Vielleicht kannten die Verantwortlichen des FC Bayern Ancelottis Profil nicht, als sie ihn vor knapp zwei Jahren engagierten. Wahrscheinlicher ist, dass die Führung damals einem Irrtum unterlag und ihm noch immer unterliegt. Der Trainer war gar nicht das größte Problem des FC Bayern. Unter dem Verwalter Ancelotti ist das Niveau der Bayern zwar nach und nach gesunken. Was aber vor allem an seinem Vorgänger lag. Und daran, dass die Spieler nicht genügend Klasse haben für höchste Ziele. Der FC Bayern ist kein Ferrari.
Ancelotti übernahm Bayern in einem undankbaren Moment. Das hat einerseits mit Pep Guardiola zu tun. Mit dem hochversierten und enorm fleißigen Spanier war Bayern eines der drei großen Teams Europas. Allerdings, das bestätigen Spieler und Umfeld, war sein Anteil an den starken Leistungen außergewöhnlich hoch. Auf den ersten Blick war das nicht sofort ersichtlich, seine großartige Arbeit verdeckte die Mängel der Elf, die es schon damals gab.
Andererseits übernahm Ancelotti eine Mannschaft, die ihren Zenit überschritten hatte. Er soll überrascht gewesen sein, als er die wahre Stärke der Bayern-Spieler erkannte. Die wiederum verglichen ihn mit Guardiola. Die Mäuschen aus der Kabine erzählen, dass sie sein Laissez-faire störte.
Und so büßten die Bayern in Ancelottis erstem Jahr einiges an Qualität ein. Allerdings riss sich der gealterte Kern der großen Mannschaft ein letztes Mal zusammen. Ihr gelangen Sternstunden gegen Leipzig (3:0 und 5:4) und Dortmund (4:1), Real Madrid hätten die Bayern fast aus dem Europapokal geworfen. Gegen Ingolstadt, Freiburg oder Darmstadt mussten hingegen schon Glückssiege her.
Weil im Sommer auch noch der Stratege Xabi Alonso und vor allem der Kapitän Philipp Lahm gingen, dessen Namen die Ära 2012 bis 2017 in den Geschichtsbüchern tragen wird, ist Bayern nicht mehr der Champions-League-Favorit der vergangenen fünf Jahre, sondern das, was er jahrzehntelang war: ein deutsches Spitzenteam, aber international zweite Reihe.
Das war beim 0:3 in Paris zu erkennen. Die Abwehr war gegen den exzellenten Sturm des Gegners auch in Überzahl hilflos, im Angriff gingen der Mannschaft die Ideen aus. Ancelotti wird vorgeworfen, falsch aufgestellt zu haben. Doch ob es mit Franck Ribéry und Arjen Robben besser gelaufen wäre, darf man bezweifeln. Sie sind aus dem Alter für dauerhafte Spitzenleistung raus.
Auch sonst hat der Verein außer dem verletzten Manuel Neuer wenig Weltklasse, vielleicht noch Jérôme Boateng und ganz vielleicht noch Thomas Müller. Die, die der FC Bayern zuletzt geholt hat – Rudy, Süle, Kimmich, Hummels, Coman, James, Tolisso – sind allesamt gute Fußballer, haben aber kein absolutes Spitzenniveau. Bayern München kauft seit Jahren nicht gut ein, Borussia Dortmund macht das besser.
Es heißt nun mancherorts, Ancelotti habe die Kabine verloren. Das kann sein, dürfte aber bedeuten, dass er derjenige war, der die Mängel erkannte. Ancelotti ist ja für seinen guten Umgang mit Stars bekannt, nicht umsonst hat er drei Mal die Champions League gewonnen. Bloß hat der FC Bayern kaum noch Stars, höchstens welche, die mal solche waren, oder solche, die sich dafür halten.
Bayern braucht also eher fünf bis zehn neue Spieler, nicht nur einen neuen Trainer. Ancelotti war ohnehin die Übergangslösung nach Guardiola und vor dem nächsten Entwickler. Aber auch der künftige Mann an der Seitenlinie wird Probleme bekommen. Mit dieser Mannschaft kann man Deutscher Meister werden, aber um die Champions League zu gewinnen, bräuchte man eher einen Magier. Fußball ist nun mal kein Trainerspiel, sondern ein Spielerspiel.
Und noch etwas: Ancelotti hat sicher nicht die Arbeit erfunden, aber er ist eine coole Socke und kann gut mit Macht umgehen. Die Eitelkeiten der Fußballalphatiere kontert er mit der Augenbraue. Die Trainer, die nun gehandelt werden, Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann, müssen diese spezielle und äußerst rare Kompetenz erst mal nachweisen. Kurz: Es muss erst mal einer besser machen als Ancelotti.
Muss sagen, der Artikel bringt es aufm Punkt
LG