LikeHike schrieb:
Nein. Diese Menschen hungern aufgrund von Korruption, Krieg und Verfolgung. Alles Dinge die es auch schon lange vor dem Kapitalismus zur genüge gab.
Der aktuelle SOFI/UN Bericht schätzt für 2024 ca. 673 Mio chronisch hungernde Menschen, mit Unsicherheitsbereich 638 bis 720 Mio. Zusätzlich hatten ca. 2,3 Milliarden Menschen moderate oder schwere Ernährungsunsicherheit.
Da sind die doch alle selbst schuld dran !
Der heutige Welthandel, Rohstoffextraktion, Verschuldung, Preisabhängigkeit, Landkonzentration, globale Lieferketten und Konsummuster sind sehr wohl Teil der Struktur, in der manche Regionen Wohlstand aufbauen und andere verletzlich bleiben. Kapitalismus ist sicher nicht die einzige Ursache, das war auch nicht meine Aussage, aber er ist auch nicht unschuldig nur Zuschauer - das ist meine Aussage.
Krieg, Korruption und Verfolgung sind oft die direkten Auslöser von Hunger. Aber diese Dinge fallen nicht vom Himmel. Waffenhandel, Rohstoffausbeutung, koloniale Nachwirkungen, Schulden, globale Lieferketten, Klimaschäden und Konsumdruck aus reichen Ländern sind strukturell mitverantwortlich. Und diese Strukturen sind überwiegend kapitalistisch/imperial organisiert.
Wenn du also sagst "die hungern wegen Krieg", ist die nächste Frage völlig legitim: Wer bewaffnet, finanziert, stabilisiert oder ermöglicht wirtschaftlich diese Kriege?
Unterm Strich bleibt daher schon: Wer liefert die Waffen ? Wer kauft die Rohstoffe ? Wer profitiert von billiger Arbeit, billigen Agrarprodukten, Minen, Öl, Gas und globalen Lieferketten ? Wer hat historisch Kolonien ausgebeutet und danach Handels-, Schulden- und Machtstrukturen hinterlassen, die viele Länder abhängig halten?
Man kann nicht einfach sagen "die hungern wegen Korruption" und so tun, als hätte unser Wohlstand damit nichts zu tun. Diese Korruption und diese Kriege sind oft eingebettet in ein globales System, in dem reiche Staaten und Konzerne profitieren. Kapitalismus ist sicher nicht die einzige Ursache, aber er ist sehr wohl ein zentraler Verstärker und Profiteur dieser Zustände.
Und ja, sozialistische Staaten haben auch ausgebeutet und Umwelt zerstört. Das widerlegt aber nicht die Kritik am Kapitalismus sondern zeigt nur: Macht und Wachstumslogik zerstört Menschen, wenn sie nicht demokratisch und sozial eingeregelt wird - egal ob sie Markt oder Partei heißt.
LikeHike schrieb:
Der Sozialismus als Gegenentwurf zum Kapitalismus hat den Planeten und Menschen nebenbei genauso ausgebeutet. Die Umweltschäden waren meist sogar noch deutlich gravierender.
Aus deinem Sozialismus-Totschlagargument folgt nicht automatisch, dass "Sozialismus meist schlimmer" war. Global betrachtet tragen kapitalistisch industrialisierte Länder enorm zur historischen Umweltlast bei. Die USA allein stehen laut Our World in Data für etwa ein Viertel der historischen CO2-Emissionen, während die meisten afrikanischen Länder jeweils unter 0,02 % liegen.