29/29 ATi Radeon HD 5870 im Test : Die erste Grafikkarte mit DirectX 11

, 1.815 Kommentare

Beurteilung

In der Performance macht die Radeon HD 5870 schon in 1680x1050 einen ordentlichen Schritt nach vorne, obwohl diese Einstellungen die GPU noch nicht ans Limit bringen. Ohne Anti-Aliasing sowie der anisotropen Filterung kann sich der neue ATi-Beschleuniger im Durchschnitt um 48 Prozent von der Radeon HD 4890 absetzen, während sich die GeForce GTX 285 um 26 Prozent geschlagen geben muss. In 1920x1200 vergrößert sich die Differenz zur Radeon HD 4890 auf 52 Prozent, die zur GeForce GTX 285 auf 30 Prozent.

In 2560x1600 löst sich dann selbst in weniger anfordernden Spielen die CPU-Limitierung auf und die Radeon HD 5870 kann sich mit einem Vorsprung von 62 Prozent deutlich von der Vorgängergeneration absetzen. Und selbst die GeForce GTX 285 sieht mit einem 32 prozentigen Rückstand nur noch die Rücklichter der RV870-Karte. Die Dual-GPU-Karte Radeon HD 4870 X2 rendert durchgängig auf ein und demselben Niveau wie die Radeon HD 5870, während die GeForce GTX 295 um etwa zehn bis 15 Prozent schneller ist. Das ist aber zu vernachlässigen, da Grafikkarten mit zwei GPUs mit anderweitigen Problemen zu kämpfen haben, die eine Single-GPU-Karte nicht aufweist.

Mit den beiden qualitätssteigernden Features rendert die Radeon HD 5870 in 1680x1050 um 51 Prozent schneller als die Radeon HD 4890 und um 22 Prozent flotter als die GeForce GTX 285. In 1920x1200 verschieben sich die Differenzen auf 47 Prozent beziehungsweise auf 26 Prozent. In 2560x1600 gibt es wieder größere Änderungen. Die Radeon HD 5870 hat die GeForce GTX 285 in diesem Fall mit einer Mehrleistung von 35 Prozent wieder besser im Griff. Die Radeon HD 4890 liegt um 50 Prozent zurück.

Schaltet man acht-fache Kantenglättung hinzu, ist die Radeon HD 5870 in 1680x1050 um 47 Prozent schneller als die Radeon HD 4890 und um 43 Prozent als die GeForce GTX 285. In 1920x1200 liegt die Radeon HD 4890 um 43 Prozent zurück, der Vorsprung zur GeForce GTX 285 wächst auf 45 Prozent an. In 2560x1600 ist die Radeon HD 5870 die erste Single-GPU-Karte, mit der einige Spiele flüssig laufen. Diese rendert dann um 29 Prozent schneller als die Radeon HD 4890, die GeForce GTX 285 muss sich um satte 74 Prozent geschlagen geben.

ATi Radeon HD 5870
ATi Radeon HD 5870

Ein Lob gebührt ATi für die Verbesserungen der Bildqualität auf der Radeon HD 5870 beziehungsweise der RV870-Architektur. Die mittlerweile bekannten Anti-Aliasing-Modi sind unangetastet geblieben, es aber hochwertiges (wenn auch Performance fressendes) Super-Sampling-Anti-Aliasing (SGSSAA), das sogar offiziell im Treiber bis hinauf zu 8xSSAA auf Wunsch inklusive CFAA nutzbar ist. Leider ist SSAA nicht gerade schnell und in einigen Spielen gibt es Schwierigkeiten mit vorhandenen Post-Processing-Effekten. Dafür lösen sich ab 4xSSAA aber alle Probleme mit Shader- oder Texturflimmern in Luft auf. Ein besseres Bild ist mit offiziellen Modi derzeit auf keiner Grafikkarte möglich. Selbst die inoffiziellen SSAA-Modi auf einer GeForce-Karte sind qualitativ schlechter, da Nvidia auf OGSSAA setzt, was die Kanten nicht so gut bearbeitet. Dafür zeigt sich dort automatisch ein besserer anisotroper Filter, was bei ATi nicht der Fall ist. Trotz der sehr hohen Geschwindigkeit der Radeon HD 5870 ist SSAA aber längst nicht immer nutzbar. 2xSSAA ist oft flüssig, die Geometrieglättung aber kaum noch ausreichend.

Neben dem Anti-Aliasing macht auch der anisotrope Filter einen Schritt nach vorne. Dass er komplett winkelunabhängig ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle, da die Optik diesbezüglich keine sichtbaren Vorteile gegenüber der Vorgängergeneration zeigt. Die Texturen auf einer Radeon HD 5870 flimmern aber sichtbar weniger als auf einer Radeon-HD-4000-Karte, was zu einem angenehmeren Spielgeschehen führt. Das Texturflimmern liegt bei Catalyst A.I. Standard somit auf demselben Niveau wie Nvidias-Standard-Einstellungen und zudem hat ATi nicht mit störenden Bugwellen aufgrund eines brilinearen Filters (der RV870 filtert immer trilinear) zu kämpfen. Catalyst A.I. Off flimmert noch etwas weniger, wobei die Unterschiede aber mit der Lupe zu suchen sind. An die High-Quality-Einstellung einer Nvidia-GPU kommt die Radeon HD 5870 leider immer noch nicht heran. Ein erster Schritt Richtung Gleichstand ist also getan, der Weg aber noch nicht komplett beschritten.

Das Kühlsystem der Radeon HD 5870 erledigt unter Windows eine gute Arbeit und ist von den restlichen Komponenten nicht zu unterscheiden. Ein ruhiges Arbeiten ist somit ohne Weiteres möglich. Unter Last dreht der Lüfter dagegen hörbar auf, richtig störend ist das Geräusch aber noch nicht. Damit hat ATi nicht den leisesten Kühler im eigenen Portfolio, für eine High-End-Karte verrichtet er aber eine ordentliche Arbeit, zudem die Temperaturen durchweg im grünen Bereich liegen. Dennoch: Noch leiser wäre schön.

Noch ein Lob fährt ATi für die Energiesparmechanismen ein, die auf der Radeon HD 5870 endlich vernünftig funktionieren, nachdem sie für die Vorgängerserie über Monate versprochen und am Ende nie funktionstüchtig geboten wurden. Die Leistungsaufnahme unseres Testrechners ist im 2D-Modus sehr gering, einzig eine Radeon HD 4670 ist noch sparsamer. Unter Last liegt die Leistungsaufnahme dann etwas über den Werten einer Radeon HD 4890, aber immer noch unter denen einer GeForce GTX 285. Die Karte zieht mehr Leistung als der Vorgänger, ist aber effizienter.

Radeon HD 5870 Radeon
Radeon HD 5870 Radeon

Die DirectX-11-Unterstützung der Radeon HD 5870 sollt ebenso nicht in Vergessenheit geraten. Diese ist zwar primär noch Theorie, jedoch wird man bereits in diesem Jahr mehr als nur ein DirectX-11-Spiel auf der Radeon-HD-5800-Serie genießen können. In wie weit sich Eyefinity mit der Unterstützung von maximal sechs Monitoren pro Grafikkarte (drei bei unserem Testexemplar) schlägt, wird erst die Zeit zeigen. Sicherlich spricht Eyefinity nur einen Nischenmarkt an.

Fazit

Die Radeon HD 5870 von ATi hat uns im Laufe dieses Tests insgesamt sehr gut gefallen, da ATi gut an den Kritikpunkten der vorherigen Generation gearbeitet hat. Die Performance erreicht zwar keine neuen Dimensionen, genügt aber eindeutig, der Karte das Prädikat „schnellsten Single-GPU-Grafikkarte auf dem Markt“ zu verleihen. Die Geschwindigkeit liegt in etwa auf dem Niveau einer Radeon HD 4870 X2, ohne jedoch die üblichen Multi-GPU-Nachteile mit sich zu bringen.

Sowohl in Sachen Leistung als auch bei der Bildqualität und den Features macht die Karte im Vergleich zur Vorgängergeneration einen gesunden Schritt nach vorne. Mit der DirectX-11-Unterstützung ist der Käufer darüber hinaus für die Zukunft gerüstet und die Leistungsaufnahme unter Windows kann sich ebenso (endlich!) sehen lassen.

Natürlich ist die Radeon HD 5870 nicht „die perfekte Grafikkarte“. So benötigt die neue Generation absolut unter Last erneut mehr elektrische Leistung als der Vorgänger, auch wenn die Effizienz gestiegen ist. Auch die anisotrope Filterung oder die immer noch hohe Lautstärke unter Last gehören zu den Aspekten, die in Zukunft noch eine Verbesserung erfahren können. Dennoch: Eine bessere High-End-Grafikkarte als die ATi Radeon HD 5870 gibt es derzeit im Handel nicht – unabhängig davon, wie viele GPUs eingesetzt werden.

Für etwa 350 Euro wird der 3D-Beschleuniger (ab heute) über die Ladentheke wandern, was ein angemessener Preis für die gezeigte Leistung ist. Schlussendlich fehlt allerdings noch der richtige Gegenpart in Form der G(T)300-GPU von Nvidia. Wenn dieser Chip erscheint, werden die Karte neu gemischt. Bis dahin hat ATi mit der Radeon HD 5870 und der Radeon HD 5850 (von der es bei uns demnächst eine kleine Performance-Preview geben wird, Verfügbarkeit erst in einigen Wochen für 229 Euro) aber klar die Nase vorn.

ATi Radeon HD 5870
  • Derzeit schnellste Single-GPU-Karte
  • Fast durchgängig AA/AF möglich
  • Verbesserte anisotrope Filterung
  • Super-Sampling-AA
  • DirectX 11
  • Niedrige Leistungsaufnahme unter Windows
  • Leise unter Windows
  • Relativ laut unter Last
  • Recht hohe Leistungsaufnahme unter Last
  • Anisotrope Filterung könnte noch besser sein

Verwandte Artikel

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.