5/15 Soundsysteme im Test : 10 Modelle für unter 100 Euro im Vergleich

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Microlab B77

Optik und Verarbeitung

Das dritte und letzte 2.0-Lautsprechersystem in diesem Vergleich ist das Microlab B77. Obwohl dessen Name, sofern man der Produktbezeichnung irgendeine Aussage zuordnen möchte, wenig verspricht, bietet das Microlab-Produkt erstaunlich viel. Ein Blick auf die beiden Hauptlautsprecher des Stereosystems lässt jedenfalls schnell vergessen, wie schnörkellos und nüchtern der Hersteller sein Produkt benannt hat. Zu sehen sind dann nämlich zwei überraschend große, fast schon „wie ein echtes HiFi-Produkt“ wirkende Lautsprecher im Holzkorpus, die deutlich wuchtiger und erwachsener wirken als die im Vergleich zierlichen Hercules- oder Logitech-Lautsprecher, die allerdings auch nur einen Bruchteil kosten. Mehr noch: Nicht einfach nur ein Holzkorpus wird geboten, sondern einer, der zentral durch Lederoptik aufgehübscht werden soll. Das mag nicht jedem gefallen, gegenüber den zahllosen Plastikbombern in seinem Preissegment (immerhin doch „nur“ rund 59 Euro!) landet das Microlab B77 haptisch aber zweifellos einen Stich.

Unterstrichen wird dieser Anspruch durch ein sauber verarbeitetes und abnehmbares Abdeckgitter vor dem 10-cm-Tiefmitteltöner und der Hochtonkalotte. Rückseitig gibt es ein solides Anschlussterminal samt Kühlkörper und Stereo-Cinch-Eingängen für zwei verschiedene Quellen und untenrum sorgen vier Plastikfüße für einen sicheren Stand.

Leider muss man an dieser Stelle tadeln, was zuvor lobend erwähnt wurde: Anschlüsse für einen Kopfhörer oder gar ein Headset gibt es nicht. Dafür bietet das Microlab B77 mit je einem getrennten Regler für Höhen und Mitten die größte Anpassbarkeit an die eigenen Vorlieben unter den 2.0-Lautsprechersystemen in diesem Testfeld. Zudem ist das Lautsprecherpaar durch den Einsatz von Klemmverbindungen flexibler einsetzbar, da die beiden Lautsprecher so durch einfache Litzen verbunden werden, die wiederum in beliebiger Länge nachgekauft werden können. Eine feste Verkabelung sucht man hier jedenfalls vergebens.

Microlab B77

Klangeindrücke

Das Microlab B77 verspricht äußerlich, mehr zu sein als ein typisches Lautsprechersystem für den PC. Der Formfaktor lässt auf viel Klang im kompakten, für PC-Systeme aber fast schon großen Format, hoffen. Erfreulicherweise wird diese Hoffnung auch erfüllt. Das Microlab B77 offenbart schon beim Reinhören, dass es durchaus auch mit Aufgaben zurecht kommt, die man einem PC-Lautsprechersystem normalerweise nicht ernsthaft aufbürden will: Der Wiedergabe von Musik und Filmen etwa, die nicht von bombastischen Effekten leben. Statt nämlich oben spitz, in der Mitte dünn und unten zu laut zu werden, malt das Microlab B77 ein für die Preisklasse erstaunlich homogenes Klangbild, das insbesondere von kräftigen Mitten profitiert. Dabei ist es egal, womit man das Microlab-System füttert: Joe Cockers markante, etwas rauchige aber facettenreiche Stimme wird genauso authentisch wiedergegeben wie Peter Fox vor harten Beats oder die elektronischen Klänge von Daft Punk. Stets und über das gesamte Pegelspektrum bleibt das Microlab B77 beherrscht, dynamisch und erwachsen. Details, etwa bei der instrumentalen Unterstützung, bleiben erhalten und werden erstaunlich gut herausgearbeitet. Hinzu kommt ein Bass, der, soweit es den Lautsprechern möglich ist, angemessen tief, sauber und strukturiert klingt. Das hätten wir in dieser Preisklasse so nicht erwartet.

Natürlich merkt man auch dem Microlab B77 seine Grenzen an: Obwohl noch völlig gut ausgeprägt für dessen Größe, fehlt der Basswiedergabe irgendwann einfach die Puste. Es ist eben kein Satelliten-Subwoofer System, das von den Extremen lebt, sondern das genaue Gegenteil. Für Musik generell und „normale Ansprüche“ an die Tieftonuntermalung im Speziellen ist das Fundament mehr als ausreichend. Für Effektliebhaber wird der Bass aber vielleicht zu dünn sein. Beben wird im Zimmer mit dem Microlab B77 jedenfalls nichts. Es hätte aber wohl auch nicht zum Gesamtbild des Systems gepasst. Und überhaupt: Die Kritik ist schon fast unverschämt angesichts des Preises von unter 60 Euro.

Stromverbrauch

Anders als die beiden anderen 2.0-Systeme im Test will das Microlab B77 kein schmales PC-System für die gedämpfte Wiedergabe am Arbeitsplatz sein. In den Endstufen dieses Systems steckt merklich mehr Kraft und das sieht man auch auf dem Messgerät. Rund vier Watt wandern bereits durch die Leitung, wenn man die Lautsprecher einschaltet – so viel wie mitunter beim Hercules XPS 2.0 10 Gloss und dem Logitech X-140 unter Vollast – und bis auf knapp 40 Watt könnte man wohl kommen, wenn man alle Regler bis zum Extrem aufreißt. Positiv auch hier: Im ausgeschalteten Zustand genehmigt sich das Microlab B77 keine Schlummerleistung.

Modus Stromverbrauch
Ausgeschaltet (Rückseite) 0,0 Watt
Eingeschaltet (ohne Ton) 4,0 Watt
Wiedergabe 4,1 – 37,8 Watt

Auffälligkeiten

Eigentlich liefert das Microlab B77 durchweg eine sehr gute Leistung ab. Einen kleinen Makel haben wir dann aber doch gefunden: Dreht man die Lautstärke des Systems etwa über die Hälfte auf, beginnen die Lautsprecher leicht zu rauschen. Pegelmäßig rangiert man hier bereits über Zimmerlautstärke, sodass davon nicht viel zu hören ist, wenn Quellmaterial wiedergegeben wird. Ein kleiner Fleck auf der sonst so reinen Weste ist das aber schon.

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