2/3 Cherry MX Speed Silver im Test : Schnellere Taster nicht nur für Spieler

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Tastentechnik im Detail

Begünstigt durch den Umstand, dass unter eigenem Label vermarktete Taster ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal in einem von Cherrys MX-Tastentechnik dominiertem Markt sind, ist im Premium-Segment schon seit längerer Zeit ein Kampf um Reaktionszeiten im Gange. Dabei haben sich bislang zwei Strategien herauskristallisiert.

Entweder versuchen Hersteller, die Erfassung von Signalen zu beschleunigen, was gegenwärtig lediglich die Cherry MX Board 6.0 und die Xtrfy K2 in Angriff nehmen, oder die Generierung von Signalen mit eigenen Tastern zu beschleunigen. Die bevorzugte Option ist dabei klar die zweite: Immer mehr Hersteller verlegen den Signalpunkt in Richtung des oberen Ende des Hubweges. Damit wird die Distanz verringert, die ein Taster heruntergedrückt werden muss, um ein Signal auszulösen. Durch diese Eigenheit soll Zeit gespart und damit die Reaktionszeit verkürzen werden.

Razer machte den zaghaften Anfang

Der Beginn des Wettlaufes um kürzere Reaktionszeiten wurde von Razer eingeläutet. Razer Green lösen bereits nach 1,9 mm anstelle der üblichen 2 mm Wegstrecke aus. Dieser zaghafte erste Schritt wird von Logitechs Romer-G und den SteelSeries QS1 übertroffen, die bereits nach einer Wegstrecke von 1,5 mm ein Signal generieren. Beide lassen sich überdies nur drei anstelle der üblichen vier Millimeter herunterdrücken.

Cherry MX Speed Silver
Cherry MX Red
Charakteristik: linear
Hubweg: 3,4 mm 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 1,2 mm 2,0 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g
Lebensdauer (Anschläge): 50 Mio.

Den vorläufigen Höhepunkt dieses Trends setzt nun die fällige Reaktion von Cherry selbst. Die neuen, zusammen mit Corsair vorgestellten MX Speed Silver übertragen bereits nach 1,2 Millimeter Wegstrecke ein Signal – früher überträgt kein anderer Taster am Markt. Was das Unternehmen nur am Rande erwähnt, ist der ebenfalls verkürzte Hubweg, der nun bereits nach 3,4 Millimetern am Anschlag endet. Der zum Eindrücken nötige Kraftaufwand steigt dabei linear an und muss am Signalpunkt 45 Gramm Federdruck überwinden. Da der Signalpunkt vorverlegt wurde, kommt allerdings nicht die Feder des MX Red zum Einsatz, bei der dieser Widerstand erst nach zwei Millimetern überwunden werden muss.

Die Charakteristik liegt zwischen Red und Black

Praktisch positioniert sich der MX Speed, wie ein Vergleich der Kraftdiagramme zeigt, im Hinblick auf die Verlaufskurve zwischen den Modellen Red und Black. Angeboten werden die Taster wie andere Modelle des Herstellers in zwei Versionen. Die einfache Variante wird mit einem schwarzen, die RGB-Version mit einem transparenten Schaltergehäuse gefertigt, das mit den MX-RGB-Tastern eingeführt wurde und die Ausleuchtung der Tastenkappe verbessert.

0,8 Millimeter sind für die Fingerspitzen viel

Der Erstkontakt mit MX Speed ist eine befremdliche Erfahrung. Anders als die nackten Zahlen suggerieren würden, ist eine Reduzierung der Wegstrecke bis zum Signalpunkt um 0,8 Millimeter eine erhebliche Änderung, die für die Fingerspitzen größere Auswirkungen hat, als der erste Eindruck aus der Theorie des Datenblattes nahelegt. Gefühlt sorgt bereits ein minimales Eindrücken der Taster für eine Signalübertragung, die kurze Wegstrecke von 1,2 Millimeter lässt sich beim Bedienen der Tastatur kaum noch als solche erfassen.

Corsair K70 Rapid Fire (Cherry MX Speed Silver)

Das erlaubt es, mit etwas Übung bei geringen Geschwindigkeiten mit MX Speed sehr leise zu tippen: Da die Taster nur ein wenig eingedrückt werden müssen und der Signalpunkt bei geringem Widerstand erreicht wird, reicht es, die Kappe nur anzutippen. Verstärkt wird diese Eigenheit durch die Abstimmung des Tasters: Während der Signalpunkt üblicher Weise bei der Hälfte des Wegstrecke erreicht wird, sind es bei Cherry nur rund ein Drittel der Maximaldistanz. So lässt sich das Anschlagen des Stempels am Ende des Hubweges, begünstigt durch den stärker ansteigenden Widerstand, effektiv und ohne größere Mühe unterbinden, was den entstehenden Geräuschpegel stark reduzieren kann – für das „Touch typing“ eigenen sich MX Speed hervorragend. Außerdem begünstigt dieses Verhältnis von Hubweg und Signalpunkt den Einsatz von O-Ringen, mit denen sich der maximale Hub weiter reduzieren lässt.

Der frühe Signalpunkt wirkt sich zudem in einem weiteren Bereich deutlich aus. Obwohl die Taster eigentlich linear abgestimmt sind, fühlt sich das Feedback nicht so an, wenngleich auch hier das Herunterdrücken des Stempels nicht durch eine haptische Rückmeldung verrät, ab wann ein Signal übertragen wurde. Weil es nur bei bewusst langsamer Betätigung möglich ist, den Stempel ohne Signalübertragung einzudrücken, wurde bereits dieser Vorgang im Testbetrieb des Tasters als „Druckpunkt“ mit dem Signalpunkt in Verbindung gebracht – durch den Widerstand beim Herunterdrücken wird in der Wahrnehmung bereits das Auslösen eines Signals angekündigt. Im Ergebnis fühlt sich der MX Speed so weniger linear an als die Modelle MX Red und Black. Ob diese Einschätzung geteilt oder als angenehm empfunden wird, ist allerdings wie üblich von individuellen Vorlieben abhängig.

Nicht schneller, aber angenehm

Dass der MX Speed wie von Corsair und Cherry versprochen „40 % schneller“ als MX-Taster sind, lässt sich abseits der technischen Daten indes nicht ohne weiteres bestätigen; zumindest ein deutlich spür- oder sichtbarer Vorteile wollte sich auch in schnellen Mehrspieler-Titeln nicht einstellen. Feedback und Abstimmung der Taster vermittelten jedoch den Eindruck, Tasten jederzeit spontan auslösen zu können; eine Eingabe schien nur eine Winzigkeit entfernt zu liegen – was ein angenehmes Gefühl von Agilität und zumindest den Eindruck schnellerer Reaktionen vermittelt, auch wenn tatsächliche Zeitgewinne keineswegs ersichtlich waren.

Auch andere Faktoren beeinflussen die Reaktionszeit

Wirklich überraschen kann diese Beobachtung nicht, da Corsair den zur Aktivierung des MX Speed nötigen Zeitaufwand bei einer Fingergeschwindigkeit von 0,3 Meter pro Sekunde auf lediglich vier Millisekunden beziffert. Bis der Signalpunkt bei einfachen MX-Modulen erreicht wird, vergehen demnach zwischen sechs und sieben Millisekunden. In Anbetracht anderer Faktoren, die die Verzögerung zwischen Eingabeimpuls und Reaktion auf dem Bildschirm stärker beeinflussen, ist eine derart geringe Einsparung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein; allein das Erfassen von Signalen durch den Controller der Tastatur benötigt rund 20 Millisekunden, die Verarbeitung am Rechner noch einmal etwa dieselbe Zeit.

Nicht nur für Spieler geeignet

Obwohl der Taster primär für Spieler beworben wird, eignet sich der Tastertyp nicht nur für diese Zielgruppe. Aufgrund der „aufgeweichten“ Linearität ließ sich auf dem MX Speed trotz gleicher Leichtgängigkeit am Signalpunkt aufgrund der zumindest gefühlten Markierung des Signalpunktes angenehmer Schreiben als auf dem MX Red; die Abstimmung erscheint tendenziell hochgradig universell.

Wie der MX Red ist aber auch die Speed-Version anfällig für versehentliche ausgelöste Tasten: Wird eine Kappe nicht zentriert getroffen, steigt aufgrund der Leichtgängigkeit die Wahrscheinlichkeit, versehentlich benachbarte Taster auszulösen. Als Ablage für ruhende Finger sind MX Speed sogar noch weniger geeignet als die roten Modelle, vor allem die Leertaste erwies sich als anfällig für solche Fehleingaben; prinzipiell wäre es sinnvoll, hier einen Taster mit stärkerer Feder zu verbauen.

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