Apple iOS 10: Das erwartet Anwender nach dem Update

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Apple iOS 10: Das erwartet Anwender nach dem Update
Bild: Apple

Einleitung

Apple nennt iOS 10 das „bisher größte Release“, stellt auf der eigenen Webseite und in Präsentationen aber vor allem Veränderungen an eigenen Apps in den Fokus: iMessage, Fotos, Karten und Musik wurden generalüberholt. Weitere für den Anwender wesentliche Veränderungen betreffen das Benachrichtigungssystem, die Integration vom neuen iMessage App Store und Apple Music sowie die Bedienung an sich. Ein Überblick über die Vor- und Nachteile.

Ab iPhone 5, iPad 4 und iPad mini 2

iOS 10 gibt es für alle iOS-Endgeräte ab iPhone 5, iPad 4, iPad mini 2 oder iPod touch 6. Generation. Wie in der Vergangenheit erhält aber nicht jedes Endgerät alle neuen Funktionen: Den Bildschirm beim Anheben aktivieren können nur iPhones und iPads mit Co-Prozessor M9 (iPhone 6s (Plus), iPhone SE, iPad Pro) oder M10 (iPhone 7 (Plus)). Und Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm lassen sich nur auf Geräten, die mindestens iPhone 5s oder iPad mini 2 entsprechen, beantworten – iPhone 5, iPhone 5c und der iPod touch bleiben außen vor.

Diese Endgeräte erhalten iOS 10
iPhone 7 iPad Pro iPod touch 6. Generation
iPhone 7 Plus iPad Air 2
iPhone 6s iPad Air
iPhone 6s Plus iPad 4. Generation
iPhone 6 iPad mini 4
iPhone 6 Plus iPad mini 3
iPhone SE iPad mini 2
iPhone 5s
iPhone 5c
iPhone 5
Update

Apple hat pünktlich mit der Verteilung von iOS 10 begonnen. Zu Beginn sind die Server aber für gewohnt stark beansprucht, sodass Downloads der neuen Version mitunter mehrere Stunden dauern können. Teilnehmer an der öffentlichen Beta können bereits seit vergangener Woche auf das Golden Master zurück greifen.

Update

Via Twitter aber auch bereits im ComputerBase-Forum häufen sich die Meldungen, dass das Update auf iOS 10 diverse Geräte unbrauchbar und eine komplette Wiederherstellung via iTunes erforderlich macht. Ein unmittelbares Update wird derzeit deshalb abgeraten, bis die Umstände klar sind.

Update

BuzzFeed-Redakteur John Paczkowski liegt eine Aussage von Apple vor, der zufolge es in der ersten Stunde nach Verfügbarkeit zu Problemen für eine „kleine Anzahl“ an Nutzern kam. Dieses Problem soll mittlerweile behoben sein. Betroffene Anwender sollen das Update per iTunes abschließen oder sich an den Apple Service wenden.

Neues in iMessage, Fotos, Karten und Musik

Bei der Kommunikation der Vorteile von iOS 10 über die eigene Webseite stellt Apple vier Apps in den Vordergrund: iMessages, Fotos, Karten und Musik. Und in der Tat haben keine anderen Apps so weitreichende Veränderung erfahren wie diese vier.

Mehr als Worte

iMessage erlaubt es Anwendern jetzt, mit dem Finger erstellte Zeichnungen oder „geschriebene“ Texte zu versenden, wird dem Gegenüber zum Geburtstag gratuliert, steigen in dessen iMessage-Fenster auf Wunsch Luftballons auf oder es regnet Konfetti. Zudem kann das Verhalten der Sprechblasen der Nachrichten angepasst werden: Sie fallen kleiner aus oder bringen das ganze Fenster zum Wackeln. Hierdurch sollen sich bestimmte Gemütslagen besser ausdrücken lassen.

Noch schneller lassen sich jetzt auch Fotos und Videos versenden. Neben dem Textfeld kann über ein Kamera-Symbol neues Bildmaterial zum Versenden erstellt und aus der Galerie ausgewählt werden. Versendete Videos können zudem vor dem Abschicken malerisch gestaltet werden: Nicht nur Markierungen sondern auch Kussmünder lassen sich so einpflegen. Wenn Links per iMessage gesendet werden, gibt es zudem eine integrierte Vorschau im Chatfenster.

Erhaltene Nachrichten können, ähnlich wie bei Facebook Reactions, mit einer bestimmten Reaktion markiert werden. Ebenfalls von anderen Plattformen bekannt ist das Senden von Stickern. Einzelne Nachrichten können auch „geheim“ versendet werden, sodass Fotos oder Texte erst nach einem Wischen über die Nachricht angezeigt werden.

Abos und iMessage App Store

Eine weitere große Änderungen betrifft die Integration von Apps, wodurch Nutzer beispielsweise Inhalte von Apple Music und anderen Anbietern über den Chat freigeben können. Hat der Gesprächspartner kein Abo, kann er es direkt über einen Link in iMessage abschließen. Neue Emoticons und Add-ons wie etwa Hilfsprogramme für Umfragen lassen sich in Zukunft direkt im neuen iMessage App Store erwerben. Pünktlich zum Start von iOS 10 haben unter anderem Yelp und IMDb ihre Apps für iMessage angepasst, so dass entsprechende Inhalte direkt aus dem Chat heraus versendet werden können.

iMessage Apps
iMessage Apps

Dabei sind nicht alle Apps gleich gelöst: IDMb kann wie gewohnt nach Schauspielern oder Filmen und Serien direkt in iMessage durchsucht werden, mehr als einen Vorschaulink gibt es am Ende aber nicht. Bei Yelp gibt es hingegen ein entsprechendes Vorschaubild des Lokals inklusive Übersicht der Bewertungen, Adresse und Preiskategorie. Dafür kann Yelp nicht direkt in iMessage durchsucht werden, sondern greift auf die letzten Suchen in der eigenen App zurück.

iMessage zieht mit anderen Anbietern gleich

Viele der Funktionen, die iMessage per iOS 10 erhält, sind für Nutzer von anderen großen Instant Messengern nicht neu. Durch die Integration von anderen Apps und die größere Anpassbarkeit der Nachrichten zieht Apple in erster Linie mit Facebook oder Google gleich. Auch andere Apps wie Google Allo bieten ähnliche Featuresets. Apple verpackt viele aktuelle Funktionen, ohne sich funktional eindeutig von den Mitbewerbern absetzen zu können.

Gerade Vielnutzer von iMessage werden mit der Fülle an neuen Funktionen unter iOS 10 angesprochen. Sie alle zu überblicken, fällt allerdings nicht immer leicht: Wo stecken die Luftballons, wie ist die große Ansicht für das Malen zu erreichen? Nicht immer führt der erste Versuch zum Erfolg.

Fotos erkennt Gesichter und findet Hunde

Der Fokus der neuen Fotos-App liegt unter anderem auf der automatischen Erkennung von Objekten und Personen. Aus Datenschutzgründen soll diese aber ausschließlich auf dem Gerät stattfinden. Abstellen lässt sich die Funktion nicht.

iOS 10 Fotos
iOS 10 Fotos (Bild: Apple)

In der Fotos-App unter iOS 10 werden nun Fotoalben auf Basis der auf den Bildern zu sehenden Personen erstellt. Die Erkennung funktioniert extrem gut, wobei ein und dieselbe Person oft einen Ordner mit und einen ohne Kopfbedeckung bekommt. Beide können vom Anwender dann aber manuell zusammen gelegt werden. Darüber hinaus können die Aufnahmen nach Kategorien wie Hund oder Tiere aber auch etwa nach Baby durchsucht werden. Im Test gelang die Suchfunktion bei eindeutigen Begriffen zuverlässig und zeigte in der Regel korrekt zugeordnete Fotos an.

Die neue Funktion „Erinnerungen“ erstellt automatisch Kurzfilme aus einer Sammlung an Fotos, die beispielsweise einem Zeitraum oder einem Ereignis zugeordnet werden. So lassen sich die vielen auf dem iPhone geschossenen Fotos in kurzen, mit Musik hinterlegten Filmen noch einmal betrachten.

Die Karten-App kann deutlich mehr

Seit dem Start der eigenen Karten-App hat diese regelmäßige Überarbeitungen bekommen, denn der Start inklusive offenem Brief von CEO Tim Cook verlief vor einigen Jahren mit iOS 6 alles andere als rund – Lichtgestalt Scott Forstall verlor darüber sogar seinen Job. Bereits beim Start der App geht es mit den Änderungen los, denn die Benutzeroberfläche wurde zurückhaltender gestaltet. Zudem schlägt die App nun auch selbstständig wahrscheinliche Ziele auf Basis der Tageszeit vor, beispielsweise den Heim- oder Arbeitsweg. Wie bei der Fotos-App sollen etwaige Vorschläge nur auf dem Gerät berechnet werden und nicht in der Cloud wie etwa bei Google Maps.

Die Integration von anderen Apps erhält nun auch in Apple Karten Einzug, sodass beispielsweise direkt aus der Anwendung heraus ein Taxi oder ein Tisch in einem Restaurant reserviert werden können. Zum Testzeitpunkt sind solche Möglichkeit in Deutschland aber nur eingeschränkt nutzbar. Im Ruhrgebiet gibt es etwa keine Apps für Fahrdienste, die in Karten integriert werden können, sondern nur eine Fehlermeldung.

Nach dem Umgewöhnen intuitiv

Die Bedienung der neuen App ist leichter und klarer strukturiert. Es gibt keine verschachtelten Menüs oder übermäßig viele Bedienelemente. Anwender müssen sich insbesondere in Apple Karten aber erst einmal umgewöhnen, der erste Start lässt zuerst nur fragende Blicke zurück.

Trotz der Überarbeitung reicht der Umfang aber noch immer nicht an Platzhirsch Google oder Konkurrenz wie Here heran. Unter anderem fehlt die Möglichkeit, Abschnitte oder ganze Karten offline zu speichern und auch die Einbindung von Nahverkehr ist deutschlandweit derzeit nur in Berlin verfügbar. Insgesamt hat Apple Maps weiter verbessert, reicht aber in Deutschland aufgrund eingeschränkter Funktionalität nicht an die etablierte Konkurrenz ran.

Die Musik-App setzt noch stärker auf Apple Music

Die vierte App mit großen Änderungen ist Musik. Wie bei Karten wurde der Fokus unter anderem auf eine übersichtlichere Oberfläche und leichtere Bedienung gelegt. Dabei steht die Mediathek des Nutzers im Vordergrund, die mit großen Albencovern und selbsterklärenden Beschriftungen auf das Wesentliche beschränkt ist.

Die neu gestaltete Musik-App
Die neu gestaltete Musik-App

Neben einem Reiter für die Mediathek liegt der restliche Fokus ganz klar auf Apple Music, dem Streamingdienst des iPhone-Herstellers werden drei der fünf Reiter zuteil. Diese sind nun mit „Für dich“, „Entdecken“ und „Radio“ klarer voneinander getrennt. Apple Music lässt sich zwar weiterhin abschalten, worauf hin die Einträge an dieser Stelle verschwinden. Unterhalb von Liedern bleibt der Dienst mit Vorschlägen, welche Musik dem Zuhörer noch gefallen könnte, aber trotzdem sichtbar.

Auch Songtexte haben den Weg in die App gefunden, einen ähnlichen Weg geht Spotify bei ausgewählten Titeln in einer Kooperation mit der Website Genius. Im Test konnte aber kein Titel ausfindig gemacht werden, bei dem dieses Feature aktiv war.

Erstmals System-Apps entfernen

Erstmals gestattet es Apple Anwendern, auch direkt in iOS enthaltene Apps zu entfernen. Unter den 23 Apps finden sich beispielsweise der iTunes Store, FaceTime oder Wetter. Aber auch wer bereits einmal eine Apple Watch mit seinem iPhone verbunden hatte, die Uhr aber nicht mehr nutzt, kann diese App jetzt erstmals von seinem Homescreen löschen. iMessage, Fotos und Musik lassen sich nicht löschen, Apple Karten hingegen schon.

Diese Apps von Apple lassen sich löschen
Rechner iTunes Store Tipps
Kalender Mail Videos
Kompass Karten Sprachmemos
Kontakte Musik Watch-App
FaceTime News Wetter
Freunde suchen Notizen iCloud Drive
Home Podcasts Aktien
iBooks Erinnerungen

Wer eine App löscht, tilgt deren komplette Funktion dabei restlos aus dem Betriebssystem: Siri oder der Sperrbildschirm können dann auch nicht mehr darauf zurück greifen.

Nicht jede Abkürzung ist ein Zugewinn

Viele häufig genutzte Wege hat Apple in iOS 10 mit neuen Abkürzungen versehen: Wer ein neues Foto für eine Unterhaltung in iMessage aufnehmen will, erhält das Kamerabild beispielsweise ab sofort bereits im Chatfenster und kann es direkt dort aufnehmen. In Mail kann die gesamte Ordnerstruktur eines verknüpften Postfachs direkt auf der Übersicht ein- und ausgeblendet werden und in der Kamera-App lässt sich zwischen Haupt- und Sekundärkamera jetzt direkt neben dem Auslöser umschalten; die vorher dort positionierten Filter finden sich jetzt am anderen Ende des Bildschirms.

Auch die seit iOS 9 bekannte Abkürzung für den Wechsel zwischen der aktuellen App und der, von der sie aufgerufen wurde, ist jetzt ansehnlicher gestaltet: Weil Apple anstelle des Wortes „zurück“ auf einen kleinen Pfeil setzt, wird seltener die Uhrzeit überdeckt.

Manchmal braucht es eine Geste mehr

Aber nicht immer sind weniger Klicks und Gesten notwendig: Das Kontrollzentrum genannte Pull-up-Menü zum Anpassen wesentlicher Einstellungen und zur Kontrolle der aktuell laufenden Musik hat Apple beispielsweise aufgeteilt. Eine Ansicht enthält die bekannten Systemeinstellungen und Abkürzungen für den Taschenrechner oder die Stoppuhr, eine ist einzig und allein der Musik vorbehalten. Inhaltlich ist diese Trennung nachvollziehbar, im Alltag fordert auch sie zum Umgewöhnen.

Regelrecht für Verwirrung kann dabei die ebenso konsequent vollzogene Trennung der Einstellungen für AirPlay sorgen: Über die Ansicht für die Einstellungen kann nur noch ein Gerät, das den Bildschirminhalt des iOS-Endgerätes wiedergeben kann, ausgewählt werden, Abspielgeräte für Audio finden sich hingegen auf dem anderen Reiter. Wer verzweifelt nach dem Fehler im Heimnetzwerk sucht, sollte also erst noch dort nach seinem AirPlay-Receiver suchen.

Kein Swipe to Unlock mehr

Die größte Herausforderung für den Umsteiger von iOS 9 auf iOS 10 ist hingegen der neu gestaltete Sperrbildschirm. War das Tastenfeld zum Entsperren früher durch ein Wischen nach Rechts erreichbar, findet sich in iOS 10 dort die Kamera. Deren Aktivieren fällt damit leichter als durch das Wischen von unten nach oben zuvor. Auch nach Wochen mit iOS 10 fallen Anwender aber immer noch in das alte Muster zurück.

Einen praktischen Nachteil hat die neue Methode auch: Beim Verstauen des iPhones in der Hosentasche kam es wiederholt vor, dass dabei die Kamera aktiviert wurde. Der Nachteil der jetzt größeren Fläche, die dafür in Frage kommt.