Analyse: Privatsphäre im Zeitalter von Big Data 3/3

Andreas Frischholz et al. 48 Kommentare

WhatsApp und Windows 10 als Erfolge für Verbraucherschützer

Dass solche Vorschläge gerade von ACLU stammen, ist indes wenig überraschend. Wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht, sind es weniger die Regierungen, sondern vor allem die Daten- und Verbraucherschutzverbände, die Widerstand leisten. In Deutschland sind es etwa die vergleichsweise kleinen Verbände, die gegen globale Internetkonzerne kämpfen. Bisweilen wirkt es zwar wie der Versuch, einen berstenden Damm mit etwas Verbandszeug zu flicken. Das Erstaunliche ist allerdings, dass sie trotzdem immer wieder Erfolge verzeichnen können.

Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook vorerst gestoppt

Als WhatsApp im August des letzten Jahres ankündigte, künftig auch Nutzerdaten an den Mutterkonzern Facebook weiterzugeben, reagierten die europäischen Verbände prompt. Was folgte, waren dann Abmahnungen und Verwaltungsanordnungen. Dagegen wehrt sich Facebook zwar juristisch, doch grundsätzlich wirkte der Protest, an dem sich weitere europäische Datenschutzgruppen beteiligten: Das Unternehmen verkündete im November, vorerst den Datenaustausch in Europa zu stoppen.

Viel getan hat sich seitdem nicht, sagte der Verband auf Anfrage von ComputerBase. Auf die Abmahnung hat WhatsApp zunächst nicht reagiert, nun ist der Ausgang des Verfahrens offen. Trotz erster Erfolge der Daten- und Verbraucherschützer ist eine abschließende Lösung also noch nicht in Sicht.

Microsoft rüstet bei Windows 10 nach

Wie es laufen kann, zeigt derweil die Entwicklung rund um Windows 10. Beim Start im Sommer 2015 war der Datenschutz einer der zentralen Kritikpunkte. Das führte im Februar 2016 zu einer Klage von der Verbraucherzentrale NRW. Mittlerweile hat Microsoft nachgegeben, die Klauseln für Deutschland wurden angepasst.

Anfang dieses Jahres folgten zudem noch neuen Funktionen. Nun existiert etwa ein Privacy Dashboard, womit Nutzer auf der Webseite prüfen können, was etwa Cortana alles erfasst und wie der Browserverlauf von Edge aussieht. Selbst wenn es nicht sämtliche Informationen umfasst, beruhigt es schon, wenn man als Nutzer sieht, dass die Datenschutzeinstellungen offenbar wie gewünscht funktionieren. Mit dem Creators Update im Frühjahr kommt zudem noch ein neues Datenschutz-Setup, das den Nutzern erleichtern soll, die gewünschten Privatsphäre-Einstellungen zu wählen.

Im Sinne des Datenschutzes ist das ein richtiger Schritt. Nur im Bereich Diagnose- und Nutzungsdaten lässt sich der Datentransfer immer noch nicht vollständig deaktivieren. Ein simpler Ausschalter, der sämtliche Datenleitungen kappt, gibt es also immer noch nicht.

Saboteure aus dem Untergrund

Nun sind solche Ansätze eben nicht nur reiner Selbstzweck, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, wie der Fall Yahoo verdeutlicht. Der Internetkonzern musste zuletzt einräumen, dass Hacker zwischen 2013 und 2014 Kundendaten erbeutet haben. Insgesamt waren mehr als eine Milliarde Nutzerkonten betroffen. Das ist eine Hausnummer, die nun sogar die Übernahme durch Verizon gefährdet. Damit steht Yahoo zwar an der Spitze des Eisbergs, doch die Datenlecks häufen sich.

Die Erkenntnis: Selbst wenn Firmen sich korrekt verhalten und um die Privatsphäre der Nutzer bemüht sind, sind Angreifer immer noch ein Faktor, der das Konzept aushebeln kann. Ein Thema, dass spätestens mit den Hacker-Angriffen auf den Bundestag und das Komitee der Demokratischen Party in den USA auch eine politische Dimension erreicht hat.

Konkrete Vorgaben sind nötig

Das Problem ist nun: Ob sich die Lage so schnell bessert, bezweifeln Experten. Denn mit dem Internet of Things potenziert sich das Risiko, rund 50 Miliarden vernetzte Geräte soll es Schätzungen zufolge bis 2020 geben. Daher warnt etwa der Informatiker und eBlocker-Gründer Christian Bennefeld: „Je mehr Technik unser privates und berufliches Leben bestimmt, desto wichtiger sind Faktoren wie Datensicherheit und Datenschutz – genau das Gegenteil ist aber der Fall.“ Die meisten der vernetzten Haushaltsgeräte würden nicht einmal grundlegende Anforderungen erfüllen, was sie schon heute zu einem beliebten Ziel von Botnetzen macht.

Neue Gesetze sind also gefragt, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Und das gilt nicht nur für den Umgang mit den Daten an sich, sondern auch für die Sicherheit der Geräte.

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