HTC U11 ausprobiert: Smartphone mit Rahmen zum Drücken

Nicolas La Rocco 87 Kommentare
HTC U11 ausprobiert: Smartphone mit Rahmen zum Drücken

Die Kombination aus der neuen U-Serie von HTC und dem Nachfolger des 10 heißt U11. Das Smartphone ist das neue Topmodell von HTC für die zweite Jahreshälfte 2017. Als Besonderheit ist es mit einem touch-sensitiven Rahmen ausgestattet, den HTC Edge Sense nennt. Der Marktstart ist für den 1. Juni zum Preis von 749 Euro geplant.

Aus U und 10 wird U11

HTC führt mit dem neuen U11 seine im Frühjahr vorgestellte U-Serie und das letztjährige Flaggschiff 10 (Test) zu einem neuen Modell zusammen. Es verbindet das gläserne Liquid-Surface-Design der U-Serie, das sich durch mehrere Schichten gefärbtes Glas auszeichnet, mit einer High-End-Ausstattung, die im Frühjahr noch nicht zur Verfügung stand. Damit ist in erster Linie der neue Qualcomm Snapdragon 835 (Test) gemeint.

Technische Daten des HTC U11

HTC U11 HTC U Ultra HTC 10
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1 Android 7.0 Android 6.0
Display: 5,50 Zoll
1.440 × 2.560, 534 ppi
S-LCD, Gorilla Glass 5
5,70 Zoll
1.440 × 2.560, 515 ppi
S-LCD, Gorilla Glass 5
Variante
5,70 Zoll
1.440 × 2.560, 515 ppi
S-LCD, Saphirglas
5,20 Zoll
1.440 × 2.560, 565 ppi
S-LCD, Gorilla Glass 4
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 821
2 × Kryo, 2,15 GHz
2 × Kryo, 1,59 GHz
14 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 820
2 × Kryo, 2,15 GHz
2 × Kryo, 1,59 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540 Adreno 530
624 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 GB (+microSD) 64 / 128 GB (+microSD) 32 / 64 GB (+microSD)
Kamera: 12,2 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 16,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
5,0 MP, 1080p
f/1,8, OIS
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓450 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 4.2 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte:
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM
Akku: 3.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 75,9 × 153,9 × 7,90 mm 79,8 × 162,4 × 7,99 mm 71,9 × 145,9 × 9,00 mm
Schutzart: IP67 IP53
Gewicht: 169 g 170 g 161 g
Preis: 749 € ab 549 € / 849 € ab 446 € / –

HTC Edge Sense zum Drücken

Beworben wird das HTC U11 aber hauptsächlich über die im Rahmen aus Aluminium versteckte touch-sensitive Zone, die von außen nicht sichtbar ist. Dahinter steckt mit Edge Sense eine neue Steuerung des Smartphones, die auf Druck auf den Rahmen reagiert.

Etwa die untere Hälfte des Rahmens ist touch-sensitiv und erlaubt die Belegung mit selbst erstellten sowie kontextbezogenen Verknüpfungen. Wie genau die Technik funktioniert, kann selbst HTC Deutschland auf Nachfrage nicht genau beschreiben. Ob und wie fest der Anwender den Rahmen drückt, soll über die Mikrofone des Telefons ermittelt werden. Genau weiß das vermutlich nur die HTC-Zentrale in Taiwan.

Aber: Edge Sense funktioniert, und das führt im ersten Test des U11 zu praktischen Alternativen bei der Bedienung. Mit Edge Sense ist in der Theorie noch mehr umsetzbar, als HTC zum Zeitpunkt der Markteinführung im Juni freigeschaltet haben wird.

Zunächst einmal muss Edge Sense nicht verwendet werden. Wer die Funktion deaktivieren möchte, findet in den Android-Einstellungen gleich auf der ersten Menüebene einen Schalter, um jegliche Gesten auf einen Schlag zu deaktivieren.

Ist Edge Sense aktiviert, gibt es mit den Werkseinstellungen eine Standardfunktion, die vom Nutzer angepasst werden kann. Von Haus aus startet das Drücken des Rahmens die Kamera im zuletzt verwendeten Modus – also Hauptkamera oder Selfie-Kamera. Wird ein weiteres Mal gedrückt, nimmt das U11 ein Foto auf. Auf den Rahmen lassen sich aber auch andere Aktionen legen, etwa die Spracheingabe bei geöffneter Tastatur, eine bestimmte App, ein Screenshot, der Sprachrekorder oder die Taschenlampe.

Intensität frei wählbar

Wie fest gedrückt werden muss, um eine Aktion auszulösen, lässt sich in den Einstellungen von Edge Sense definieren. Bei der mittleren Standardeinstellung sind ungewollte Fehleingaben beinahe ausgeschlossen, da schon ab dieser Stufe der Rahmen deutlich gedrückt werden muss, sodass dies nur in Ausnahmesituationen aus Versehen passieren dürfte.

Einen Widerstand spürt der Anwender beim Drücken nicht, es gibt auf dem Bildschirm aber optische Hinweise, wie fest der Rahmen gedrückt wird. Beim Auslösen der Funktion vibriert das Smartphone auf Wunsch kurz – beides lässt sich abschalten. Die niedrigeren Stufen sind für den Alltagseinsatz kaum geeignet, da das Smartphone schon bei etwas festerem Greifen mit dem Ausführen der Aktion beginnt. Wird der Auslösepunkt weiter nach oben gelegt, muss das Smartphone hingegen fast schon gequetscht werden. Mit der Standardeinstellung hat HTC einen guten Mittelweg gefunden.

Es spielt in der Praxis übrigens keine Rolle, ob nur eine Seite des Rahmens oder beide gedrückt werden. Es gibt bei Edge Sense keine unterschiedlichen Zonen, die unterschiedliche Befehle ausführen. Wer das Smartphone mit Zeige- und Mittelfinger sowie Daumen vor sich gehalten fixiert, um ein Foto zu schießen, kann das U11 beliebig von einer oder beiden Seiten drücken, um das Bild aufzunehmen.

Doppelbelegung möglich

Im erweiterten Modus von Edge Sense lässt sich definieren, ob neben dem einfachen Drücken eine Sekundärbelegung für längeres Drücken gewünscht ist. So können zwei Aktionen auf dem Rahmen abgespeichert werden. Auf den Testgeräten führte kurzes Drücken zum Start der Kamera, während langes Halten den Google Assistant startet. Auch hier lässt sich die Sekundärbelegung wieder frei durch den Anwender definieren. Im Juli soll mit Amazon Alexa (Test) ein zweiter Assistant auf das U11 kommen.

Erweiterte Modus mit mehr Funktionen
Erweiterte Modus mit mehr Funktionen
Doppelbelegung für Drücken und Halten
Doppelbelegung für Drücken und Halten

HTC will die Funktionen von Edge Sense im Laufe der Zeit ausbauen. Neben kurzem und langem Drücken ist Double-Tap geplant, das zweimaliges Drücken mit einer dritten Funktion belegen würde. In der Theorie lässt sich Edge Sense in mehrere Zonen aufteilen, sodass weitere Verknüpfungen hinterlegt werden können. Auch die Intensität des Drucks könnte verwendet werden, um unterschiedliche Befehle auszuführen. HTC will aber zunächst erörtern, wie praxistauglich diese zusätzlichen Funktionen sind.

Keine Revolution, aber praktisch

Die Revolution der Smartphone-Bedienung ist Edge Sense im ersten Test des U11 noch nicht, das Display bleibt das primäre Eingabegerät. Edge Sense ergänzt dieses aber gut, indem bestimmte Aufgaben über den Rahmen schneller und sicherer abgewickelt werden können. Ein Selfie lässt sich über den Rahmen mit besserem Halt des Smartphones knipsen. Außerdem führt Edge Sense nicht dazu, dass wie bei Hardware-Tasten für Sonderfunktionen die Silhouette des Smartphones verschandelt wird. Edge Sense lässt sich ab der mittleren Stufe zudem nur schwer aus Versehen auslösen, was bei Tasten viel häufiger passieren würde. Im Vergleich zum Display hat Edge Sense außerdem den Vorteil, dass die Bedienung mit Handschuhen erfolgen kann.

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