Surface Laptop (2017) im Test: Schönes Notebook mit hoher Laufzeit ist verschlossen

Jan-Frederik Timm 145 Kommentare
Surface Laptop (2017) im Test: Schönes Notebook mit hoher Laufzeit ist verschlossen
Bild: Microsoft

tl;dr: Mit dem Surface Laptop ist Microsoft dem Ruf der Kunden gefolgt und hat ein erstes Notebook der Serie vorgestellt. Das hält an bekannten Werten wie der Materialwahl, dem Design, dem 3:2-Display sowie der Digitizer-Unterstützung fest und macht im Test einen deutlich reiferen Eindruck als das Surface Pro in 5. Generation.

Surface Laptop: Das Notebook von Microsoft

Das Warten hat ein Ende: Spätestens seit Microsoft mit „Surface“ die Entwicklung von PC-Systemen im Jahr 2012 selbst in die Hand genommen hat, wurde kein Notebook so sehnlich erwartet wie jenes erste von Microsoft.

Doch Microsoft hat sich geziert. Schließlich sollten Geräte der Surface-Serie immer neue Segmente erschließen und damit neue Märkte schaffen. Den Partnern wie Dell oder HP sollten so neue Wege aufgezeigt und nicht direkt Marktanteile strittig gemacht werden. Der erste Schritt in Richtung Notebook war deshalb Ende 2015 immer noch ein 2-in-1: das Surface Book (Test). Doch nach fünf Jahren Wartezeit gibt es den Laptop von Microsoft jetzt trotzdem.

Der bedient sich typischer Werte der Serie und hebt sich damit am Ende doch wieder vom Standardangebot am Markt ab: Das Display besitzt das Format 3:2 und unterstützt Touch sowie den Surface Pen (nicht im Lieferumfang), das Gehäuse basiert auf der bekannten Alu-Magnesium-Legierung, und getippt wird auf einer Tastatur mit Alcantarabezug. In diesem Fall ist sie aber direkt mit dem Display verbunden.

Hinweis: Aufgrund einer Fehlkommunikation innerhalb der Redaktion liegen zu diesem Test keine eigenen Bilder vor. Das Muster war bereits auf dem Weg zurück zu Microsoft, als dieser Missstand aufgefallen ist.

Aluminium trifft Alcantara und USB Typ A

Das Resultat bezeichnet Microsoft als nächste Evolutionsstufe der mit Surface auch verfolgten Liebe zur Handwerkskunst. Aufhänger ist die Symbiose aus Aluminium und Alcantara in einem Produkt: Bisher gibt es diese Kombination nur beim Surface (Pro) über die ansteckbare Type-Cover-Tastatur, im Surface Laptop sind die Materialien erstmals in einem Produkt vereint.

Um das Produkt weniger schmutzanfällig zu machen, ist die Handballenauflage allerdings mit Polyurethan überzogen worden, so wie es auf der Unterseite des neuen Signature Type Cover für das Surface Pro der 5. Generation (Test) der Fall ist. Das fühlt sich etwas speckig und weniger flauschig an.

Wenig Anschlüsse ab Werk

Diskussionen gab es nach der Präsentation um die von Microsoft getroffene Wahl bei den Anschlüssen, denn neben dem proprietären Ladeanschluss gibt es abermals nur Mini DisplayPort, einmal USB Typ A und 3,5-mm-Klinke. Wer USB Typ C einsetzen möchte, der soll in Zukunft zu einem Adapter für den proprietären „Surface Connector“ greifen können. Mini DisplayPort oder USB Typ A direkt gegen USB Typ C zu tauschen, hätte zum jetzigen Zeitpunkt „nur einen weiteren wichtigen Anschluss gestrichen“, so Microsoft.

Zwei CPUs mit und ohne eDRAM zur Auswahl

Zu kaufen gibt es den Surface Laptop derzeit mit zwei verschiedenen CPUs und wahlweise 4 bis 16 GB RAM sowie 128 GB bis 1 TB SSD-Speicherplatz, wobei nicht alle Ausstattungen miteinander kombiniert werden können. Bei den zur Verfügung stehenden CPUs ist der Unterschied in diesem Fall relativ groß, weil der Core i7 auf eine iGPU vom Typ Iris 640 mit 64 MB eDRAM setzt, der Core i5 hingegen nicht. Weil noch Kaby Lake zum Einsatz kommt, sind bei beiden CPUs der 15-Watt-Klasse zwei Kerne inklusive Hyper-Threading gesetzt; vier Kerne gibt es erst seit August 2017 mit Kaby Lake Refresh.

CPU TDP Basistakt Turbotakt iGPU
Intel Core i5-7200U 15 Watt 2,5 GHz 3,1 GHz Intel HD Graphics 620, 1,00 GHz
Intel Core i7-7660U 15 Watt 2,5 GHz 4,0 GHz Iris 640 mit 64 MB eDRAM, 1,10 GHz

Mit 4 GB RAM und 128 GB SSD-Speicher kostet der Einstieg beim Core i5 1.149 Euro, den Core i7 gibt es mit 8 GB RAM und 256 GB großer SSD ab 1.799 Euro. Noch mehr RAM oder SSD-Speicherplatz gibt es nur in Verbindung mit der größeren CPU.

Windows S ist fehl am Platz

Microsoft liefert den Surface Laptop immer mit Windows 10 S aus, dessen Fokus auf dem Einsatz im Bildungssystem liegt – und auf günstigen Notebooks. Auch wenn Microsoft nicht müde wird, die Vorteile dieser Variante zu betonen: weder für private Anwender noch für den Surface Laptop ist Windows 10 S die richtige Wahl. Es gibt schlichtweg zu wenig relevante Anwendungen im Windows Store, beim Browser fängt es an. Der normale Endanwender findet dort eben nur einen Bruchteil seiner Programme.

Windows 10 S was inspired by students and teachers and it’s the best Windows ever for schools. It’s also a great choice for any Windows customer looking for consistent performance and advanced security. By limiting apps to those in the Windows Store, Windows 10 S is ideal for people who have everything they need in the Windows Store and prefer the peace of mind that comes with removing the risk of downloading apps from other places.

Auch alle Anwendungen, die von ComputerBase für den Standard-Testparcours eingesetzt werden, lassen sich unter Windows 10 S nicht starten. Ein Ausweg wäre das von Microsoft gestattete Upgrade von Windows 10 S auf Windows 10 Pro über den Windows Store. Das war bei dem Muster allerdings untersagt, denn einen Weg zurück gibt es nur mit einer kompletten Neuinstallation per Recovery Image – „Downgrade“ gibt es nicht. Als Alternative blieb die Installation von Windows 10 Pro auf einer neu eingerichteten zweiten Partition. Vor dem Rückversand ließ sich damit auch ohne viel Aufwand der Ausgangszustand wiederherstellen. Unterschiede bei der Bootzeit waren zwischen beiden Systemen nicht feststellbar.

Windows 10 S passt nicht zum Surface Laptop

Das Fazit zu Windows 10 S auf dem Surface Laptop ist damit bereits zu Beginn des Tests schnell geklärt: Für den normalen Endanwender ist die Kombination ungeeignet und das Notebook als solches für die eigentliche Zielgruppe zu teuer. Der Verdacht liegt nahe, dass Microsoft zur Präsentation von Windows 10 S ein Vorzeigegerät nutzen wollte und die Kombination mit dem ebenfalls vorzustellenden Surface Laptop nahe lag. Zur Strategie für Windows 10 S passt der Laptop nicht. Aber auch zur IFA 2017 setzt sich diese Schizophrenie fort: Einerseits soll Windows 10 S extrem günstige Notebooks möglich machen, andererseits wird es das System bald auch auf dem 1.500 Euro teuren Fujitsu Lifebook P727 geben.

Leistung (unter Dauerlast)

Wie das neue Surface Pro der 5. Generation (Test) kommt auch der Surface Laptop bereits mit Unterstützung für Windows 10 Power Throttle daher. Welche Einstellung der Anwender wählt, hat bei diesem Gerät aber deutlich weniger Einfluss auf die Leistung (und die Akkulaufzeit). Der Vergleich bei der Umwandlung eines Videos mit Handbrake macht das deutlich.

Der Surface Laptop ist immer schnell

Zwischen der Einstellung „Beste Leistung“ und „Empfohlen“ liegen beim Surface Laptop nur sieben Prozent Leistungsunterschied, beim Surface Pro waren es 25 Prozent. Zugleich wird deutlich: Im Netzbetrieb ist der Surface Laptop nur unter der Einstellung „Beste Leistung“ langsamer als das Surface Pro, in den beiden anderen Modi wird der eigentlich schnellere Prozessor (Core i7-7660U) des 2-in-1 hingegen deutlich stärker eingebremst als das Modell im Notebook (Core i5-7200U).

Dauer für Benchmark in Handbrake (Codec H.265)
Empfohlen Bessere Leistung Beste Leistung Streuung
Surface Laptop 8:07 Minuten 7:45 Minuten 7:37 Minuten 7 Prozent
Surface Pro 2017 8:52 Minuten 8:40 Minuten 7:05 Minuten 25 Prozent

Und die Betrachtung der final anliegenden Taktraten nach drei Durchgängen Cinebench R15 sowie 15 Minuten Prime95 zeigt, dass der Suface Laptop mit der Zeit auch im Modus „Beste Leistung“ schneller wäre. Nur bei Last auf einem Kern kann der Core i7-7660U im Surface Pro seinen Taktvorteil auch ausspielen, unter Mehrkern-Last in Cinebench R15 und Prime95 zahlt sich die bessere Kühlung im voluminöseren Surface Laptop hingegen deutlich aus.

Tatsächlicher CPU-Takt unter Last mit 1 und x Threads („Beste Leistung“)
Modell CPU Turbotakt (max.) 1 Thread x Threads
Cinebench R15, Takt nach drei sequenziellen Durchläufen
Microsoft Laptop Core i5-7200U 3,5 GHz 3,1 GHz 3,1 GHz
Microsoft Surface Pro (5) Core i7-7660U 4,0 GHz 3,8 GHz 2,7 GHz
Microsoft Surface Book Core i7-6600U 3,4 GHz 3,2 GHz 2,8 GHz
Microsoft Surface Pro 4 Core i5-6300U 3,0 GHz 2,9 GHz 2,9 GHz
Huawei MateBook X Core i5-7200U 3,5 GHz 3,1 GHz 2,2 GHz
Lenovo Miix 720 Core i7-7500U 3,5 GHz 3,5 GHz 3,2 GHz
Tuxedo Book BU1506 Core i7-7500U 3,5 GHz 3,5 GHz 2,7 GHz
Dell Latitude 7370 Core m5-6Y57 2,8 GHz 2,1 GHz 1,5 – 1,6 GHz
Acer Switch Alpha 12 Core i5-6200U 2,8 GHz 2,7 GHz 2,7 GHz
Prime95, Takt nach 15 Minuten
Microsoft Laptop Core i5-7200U 3,5 GHz 2,6 – 2,7 GHz
Microsoft Surface Pro (5) Core i7-7660U 4,0 GHz 2,1 GHz
Microsoft Surface Book Core i7-6600U 3,4 GHz 2,5 GHz
Microsoft Surface Pro 4 Core i5-6300U 3,0 GHz 2,3 GHz
Huawei MateBook X Core i5-7200U 3,5 GHz 1,8 – 1,9 GHz
Lenovo Miix 720 Core i7-7500U 3,5 GHz 2,5 – 2,6 GHz
Tuxedo Book BU1506 Core i7-7500U 3,5 GHz 2,2 GHz
Dell Latitude 7370 Core m5-6Y57 2,8 GHz 1,3 – 1,4 GHz
Acer Switch Alpha 12 Core i5-6200U 2,8 GHz 2,3 GHz

Anwendungen

Bei den nachfolgenden Benchmarks gilt es damit eindeutig zweierlei Dinge zu bedenken: Erstens stimmt die Reihenfolge von Surface Pro und Surface Laptop in den getesteten Konfigurationen nur für den Modus „Beste Leistung“, zweitens profitiert das 2-in-1 in jedem Test letztendlich ausschließlich vom höheren Takt zum Start. Würden die Benchmarks mit Mehrkern-Last noch länger laufen, läge letztendlich der Surface Laptop mit auf dem Papier langsamerer CPU vorne. Nur im auf einen Kern optimierten Photoshop hätte der Laptop auch in längeren Testsequenzen keine Chance.

Spiele

Auch im Spiel Counter-Strike: Global Offensive büßt das eigentlich wesentlich schnellere Surface Pro (2017) den Vorsprung mit der Dauer etwas ein. Denn während auf diesem Gerät nach 30 Minuten Laufzeit rund 12 Prozent Verlust im Modus „Beste Leistung“ bei den FPS zu verzeichnen sind, rendert der Surface Laptop den Titel unverändert schnell. Mit der iGPU vom Typ Iris 640 mit 64 MB eDRAM bleibt das getestete Surface Pro aber immer deutlich schneller.

2 Einträge
Counter-Strike: Global Offensive
  • Full HD, minimale Details (1. Durchlauf):
    • Surface Book Core i7 (GeForce)
      160,0
    • Surface Pro 2017 (Core i7)
      154,0
    • Intel Core i7-7500U (Tuxedo Book)
      95,0
    • Surface Laptop 2017 (Core i5)
      81,0
    • Surface Book Core i7 (Intel)
      78,0
    • Intel Core i5-6300U (Surface Pro 4)
      76,0
    • Intel Core i5-7200U (MateBook X)
      76,0
    • Intel Core i5-6200U (Acer Switch Alpha 12)
      75,0
    • Intel Core m3-6Y30 (Surface Pro 4)
      64,0
    • Intel Core m5-6Y54 (MateBook)
      59,0
    • Intel Core m3-6Y30 (TabPro S)
      55,0
    • Intel Core m5-6Y57 (Latitude 7370)
      41,0
  • Full HD, maximale Details (2. Durchlauf):
    • Surface Book Core i7 (GeForce)
      61,0
    • Surface Pro 2017 (Core i7)
      58,0
    • Intel Core i7-7500U (Tuxedo Book)
      45,0
    • Surface Laptop 2017 (Core i5)
      39,0
      Hinweis: Auch nach 30 Min
    • Intel Core i5-7200U (MateBook X)
      35,0
    • Surface Book Core i7 (Intel)
      34,0
    • Intel Core i5-6300U (Surface Pro 4)
      32,0
    • Intel Core i5-6200U (Acer Switch Alpha 12)
      32,0
    • Intel Core m5-6Y54 (MateBook)
      29,6
    • Intel Core m3-6Y30 (Surface Pro 4)
      28,0
    • Intel Core m3-6Y30 (TabPro S)
      22,0
    • Intel Core m5-6Y57 (Latitude 7370)
      18,0

SSD

Als SSD kommt im Surface Laptop die Toshiba THNSN0256GTYA (PDF) mit Anbindung über PCIe 3.0 x2 zum Einsatz. Die Leistung der SSD liegt allerdings lediglich auf dem Niveau herkömmlicher SATA-Laufwerke.

Angegeben ist die 256-GB-Version mit maximal 900 MiB/s beim sequenziellen Lesen und 200 MiB/s beim sequenziellen Schreiben. Die 512-GB-Version soll hingegen 950/400 MiB/s und die 128-GB-Version 700/130 MiB/s erreichen.

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