Lüftersteuerungen im Test: Steuerung per Mainboard und extra Platine im Vergleich 2/3

Thomas Böhm 84 Kommentare

Corsair Commander Pro

Der Commander Pro ist weniger auf die Bedürfnisse einer Wasserkühlung und mehr auf Luftkühlung zugeschnitten. Die Lüftersteuerung von Corsair verfügt ebenfalls über eine USB-2.0-Verbindung, um mit einem PC Daten auszutauschen. Im Gegensatz zum Aquaero wird ein USB-Header komplett in Beschlag genommen, dafür gibt es jedoch zwei USB-Hubs, um weitere Geräte anzuschließen.

Die Steuerung kann sechs Lüfterkanäle ansteuern, ist jedoch pro Kanal auf 1 A beschränkt. Kombiniert dürfen alle sechs Kanäle bis zu 4,5 A bereitstellen, was einer Leistung von 54 Watt bei 12 Volt entspricht. Zusätzlich zu den Lüfterausgängen werden aber auch noch zwei RGB-LED-Kanäle zur Verfügung gestellt, deren Stromstärke ebenfalls maximal 4,5 A betragen darf. Neben der Option, Temperaturen per Software vom System auszulesen, gibt es vier Eingänge für externe Temperaturfühler.

Im Lieferumfang der Lüftersteuerung sind doppelseitig klebende Pads zur Befestigung, vier Verlängerungskabel für Lüfter, vier Temperatursensoren und zwei Verlängerungskabel für RGB-LEDs vorhanden. Diese eignen sich jedoch nicht für Standard-RGB-LED-Streifen, welche vierpolig ausgeführt sind. Das System von Corsair nutzt lediglich drei Pins, kann dafür aber bis zu vier LED-Strips an einem Kanal des Commander Pro separat ansteuern.

Die Software möchte viel Arbeit abnehmen

Die Steuerung des Commander Pro erfolgt über das Programm Corsair Link (Download), welches auch für weitere Produkte wie beispielsweise aktuelle AiOs oder digitale Netzteile des Herstellers genutzt wird. Das Tool bietet im Vergleich zur Aquasuite weniger Einstellmöglichkeiten und macht mehr automatisch. So erkennt der Commander Pro beispielsweise selbst, ob sich ein 3-Pin- oder ein PWM-Lüfter an der Steuerung befindet – der Anwender muss nur noch ein Lüfterprofil auswählen. Auch die Überwachung der Hardware erfolgt von Corsair Link ohne manuellen Eingriff durch den Nutzer oder eine weitere Software.

Dieses System hat Vorteile und Nachteile. Ein klarer Pluspunkt ist die Übersichtlichkeit, die bei Corsair Link höher ausfällt als in der Aquasuite von Aqua Computer. Auf der anderen Seite ist der Anwender dafür in den Einstellmöglichkeiten eingeschränkt. Mehr als ein fester Vorgabewert sowie eine temperaturabhängige Lüfterkurve wird nicht geboten. Das manuelle Festlegen eines Startboosts oder beispielsweise eine Steuerung anhand von Temperaturdifferenzen zwischen zwei Sensoren ist nicht möglich.

Die Software zeigt sich außerdem anfällig: Sofern HWiNFO parallel zu Corsair Link läuft, gibt es Probleme – dann zeigt Link keine Lüfterdrehzahlen oder Temperaturen mehr an. Das Anschließen von Lüftern muss außerdem im ausgeschalteten Zustand erfolgen, denn im laufenden Betrieb werden zusätzliche Ventilatoren nicht erkannt, obwohl diese nach dem Anschließen mit voller Drehzahl arbeiten.

Die Tatsache, dass Corsair den Commander Pro als eine möglichst unkomplizierte Lüftersteuerung konzipiert hat, zeigt sich im erreichbaren Drehzahlintervall angeschlossener Lüfter. So können die für den Test verwendeten 3-Pin-Lüfter auf minimal knapp 600 U/min festgelegt werden, obwohl mit den anderen Steuerungen im Test unter 300 U/min erreicht wurden. Die eingesetzten PWM-Lüfter sind auf ein Minimum von 300 U/min beschränkt – hier schafft die Konkurrenz unter 150 U/min. So schützt Corsair Anwender vor unabsichtlich stehenden Lüftern, indem sehr niedrige Drehzahlen von vornherein unterbunden werden. Im Gegenzug nimmt Corsair ein kleineres Drehzahl-Intervall in Kauf. Das gezielte Abschalten von Lüftern ist davon unabhängig aber möglich.

Alarmeinstellungen und weitere Optionen

Für den Fall eines ausgefallenen Lüfters bietet Corsair mehrere Möglichkeiten. Die beiden naheliegenden Aktionen sind das Herunterfahren des PCs oder die Beschleunigung aller anderen Lüfter auf maximale Drehzahl. Zusätzlich können jedoch auch angeschlossene RGB-LEDs aktiviert oder ein anderes Programm gestartet werden.

Zur Planung und Überwachung der Lüftersteuerung gibt es in Corsair Link die Möglichkeit, ein Bild des PCs an den passenden Stellen mit Sensordaten auszustatten: Als Bild kann ein eigenes Foto genutzt und die Temperatur- und Drehzahlanzeigen können beliebig verteilt werden. Per Diagramm kann zudem der zeitliche Verlauf eines Wertes verfolgt werden.

RGB-LED-Steuerung mit dem Commander Pro

Neben der Lüftersteuerung nimmt die Kontrolle über Lichteffekte einen wichtigen Teil der Funktionen des Commander Pro ein. Mit dem RGB LED Lighting Pro Expansion Kit bietet Corsair die passende Erweiterung für die Steuerung an. Dabei handelt es sich um vier gut 40 cm lange Streifen (inklusive Anschlüssen) mit je zehn LEDs. Zur Montage sind die Streifen sowohl mit Magneten als auch mit Klebestreifen ausgestattet.

Das von Corsair genutzte dreipolige System erlaubt das individuelle Ansteuern einzelner LED-Streifen, selbst wenn diese in Reihe an einem LED-Anschluss des Commander Pro genutzt werden. Von einer konstanten Farbe bis zu pulsierend alternierenden Farben sind diverse Beleuchtungseffekte auswählbar, die von der Steuerung zuverlässig für die einzelnen angeschlossenen LED-Streifen übernommen werden. Corsair Link muss dazu allerdings aktiv sein: So lange die Software nicht läuft, also zum Beispiel bei jedem Systemstart bis zum Autostart von Corsair Link in Windows, werden angeschlossene LED-Streifen mit dem Standard-Lichteffekt (Regenbogen) angesteuert.

Corsair Commander Pro: Erweiterungs-Kit mit vier RGB-LED-Streifen
Corsair Commander Pro: Erweiterungs-Kit mit vier RGB-LED-Streifen

MSI X370 XPower Gaming Titanium

Die Steuerung von Lüftern über ein Mainboard ist die naheliegendste Methode. Man benötigt keine zusätzliche Hardware und muss nicht mit potenziellen Problemen einer Software unter Windows kämpfen, da alles direkt vom Mainboard gesteuert wird und unabhängig vom Betriebssystem funktioniert. Die Einschränkungen dieser Methode liegen woanders.

Was kann ein Mainboard steuern?

Zunächst einmal stellt sich die Frage, was das Mainboard überhaupt beherrscht. Die Anzahl der Lüfteranschlüsse ist meist sehr gut dokumentiert und kann schon vor dem Kauf geklärt werden. Weniger präzise werden die Hersteller aber bei der Frage nach den Steuerungsoptionen: Welche Anschlüsse beherrschen PWM, DC oder beides? Welche Lüfter können nur per Vorgabewert oder auch über eine Lüfterkurve eingestellt werden? Können Lüfter bewusst angehalten werden? Wie viel Leistung kann pro Anschluss abgerufen werden? Diese Fragen werden quasi nie ausreichend dokumentiert, weshalb Ausprobieren und eine Nachfrage beim Support notwendig werden.

Testsystem für CPU-Kühler
Testsystem für CPU-Kühler

Im Falle des MSI X370 XPower Gaming Titanium gibt der Hersteller lediglich an, dass von allen sechs Lüfteranschlüssen zwei den automatischen Wechsel zwischen PWM und Steuerung per Spannung beherrschen. Mit etwas Recherche auf der Herstellerseite lässt sich zudem in Erfahrung bringen, dass ein Anschluss für bis zu 2 A (24 Watt bei 12 Volt) freigegeben ist (Pump-Fan). Die Nachfrage beim Support ergab, dass die restlichen Lüfteranschlüsse für maximal 1 A (12 Watt bei 12 Volt) ausgelegt sind.

Lüftersteuerung im UEFI

Das Einstellen von Lüfterprofilen im UEFI ist zwar mittlerweile relativ komfortabel geworden, weil im Vergleich zu früheren BIOS-Versionen die Bedienung per Maus möglich ist – so angenehm wie in einer Software unter Windows ist das aber noch nicht. Außerdem sind teilweise Neustarts fällig, damit Einstellungen übernommen werden. Im Falle des MSI X370 ist dies etwa beim Wechsel zwischen PWM und DC notwendig.

Mit den Steuerungsoptionen kommt das Mainboard bereits erstaunlich nahe an die separaten Lüftersteuerungen heran: MSI erlaubt die Vergabe eines fixen Drehzahlwerts ebenso wie die Erstellung einer temperaturabhängigen Lüfterkurve, wobei als Temperaturquellen die CPU sowie ein Sensor auf dem Mainboard zur Verfügung stehen. Lüfteranschlüsse können frei zwischen PWM und Spannung gewechselt werden, und auch das Abschalten von Lüftern ist möglich.

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