Mäuse von Corsair im Test: M65 RGB Elite, Ironclaw RGB & Harpoon RGB Wireless 2/4

Fabian Vecellio del Monego 33 Kommentare

Technisches Innenleben

Alle drei neuen Mäuse verfügen über einen ARM-Prozessor und internen Speicher, dessen Ausführung sich jedoch unterscheidet: Während M65 RGB Elite und Ironclaw RGB das klassische Speichern eines respektive dreier Profile auf dem eingebauten Flash-Laufwerk erlauben, sichert die kabellose Harpoon RGB Wireless einige Parameter des per Software ausgewählten Profils automatisch.

Die Latenzen der Eingabegeräte betragen bei der ab Werk konfigurierten Abtastrate von 1.000 Hertz eine Millisekunde – sowohl per Kabel als auch per Funk. Auch Polling-Raten von 500, 250 oder 125 Hertz werden unterstützt, die Latenzen steigen entsprechend reziprok proportional.

Sensorik

Mit dem PixArt PMW-3391 setzt Corsair bei M65 RGB Elite und Ironclaw RGB auf einen gänzlich neuen optischen Sensor. Bisher verfügten die Flaggschiff-Mäuse des Herstellers stets über einen Sensor aus PixArts PMW-336x-Serie, so auch die M65 Pro RGB. Neben einer obligatorischen Steigerung der Sensorauflösung ist auch die maximale Geschwindigkeit angestiegen – das Ergebnis sei eine abermals gesteigerte Präzision. In der Harpoon RGB Wireless kommt indes der ebenfalls von PixArt stammende PMW-3325 zum Einsatz, der den PMW-3320 der kabelgebundenen Harpoon ablöst.

PixArt PMW-3391 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3325 PixArt PMW-3320
Auflösung 100 – 18.000 dpi 200 – 12.000 dpi 200 – 6.000 dpi
Geschwindigkeit 10,2 m/s 6,3 m/s 3,0 m/s 2,8 m/s
Beschleunigung 490 m/s² 196 m/s² ?
Lift-off-Distance ~1,5 mm ~1,3 mm ~2,0 mm

PixArts PMW-3391 bietet gewohnte Präzision

Die Sensoreigenschaften des PixArt PMW-3391 fallen im relevanten Auflösungsbereich gewohnt erstklassig aus. Das ist hinsichtlich der Tatsache, dass es sich um das neueste Derivat des bewährten und in der M65 Pro RGB arbeitenden PMW-3360 und dessen Adaptionen handelt, nicht verwunderlich. Die spezifizierte maximal messbare Geschwindigkeit fällt mit 10,2 m pro Sekunde geringfügig niedriger als beim von Razer verwendeten PixArt PMW-3389 aus. Die Lift-off-Distance ist mit circa 1,5 mm außerdem unwesentlich höher als die von Logitechs ebenfalls ausgezeichnetem Hero-16K-Sensor. Im realen Gebrauch ist das Ganze jedoch irrelevant.

Ein Unterschied zwischen PixArt PMW-3391 und dessen direkter Verwandtschaft bis hin zum PMW-3360 lässt sich demnach innerhalb der Reichweite menschlicher Wahrnehmung nicht feststellen; alle Sensoren der Familie arbeiten durchweg ausgezeichnet. Auch die Messungen bescheinigen PixArts neuestem Sensor repetitiv exzellente Werte, etwaige Abweichungen liegen im Rahmen der Messungenauigkeiten.

Einen pauschal besseren Sensor kann demnach gegenwärtig keine andere Maus vorweisen – das gilt im Umkehrschluss aber auch für Eingabegeräte mit PixArt PMW-3389, PMW-3366, PMW-3360 etc.

Kompromisse bei der Harpoon RGB Wireless

Ein in sämtlichen Belangen geringer spezifizierter Sensor kommt mit PixArts PMW-3325 in der Harpoon RGB Wireless zum Einsatz. Laut Datenblatt bietet dieser eine maximale Auflösung von 10.000 Punkten pro Zoll – tatsächlich konfigurieren lassen sich derzeit jedoch lediglich Werte zwischen 200 und 5.000 dpi. Auf Nachfrage seitens ComputerBase bestätigte Corsair die Software-Limitierung, die mit einem kommenden, aber noch nicht terminierten Update behoben werden soll. Die effektive Leistung des Sensors wird dadurch indes nicht beeinträchtigt: Relevant sind Auflösungen jenseits der 5.000 Punkte pro Zoll kaum.

Auch die Geschwindigkeits- und Beschleunigungswerte fallen niedriger aus – ein für kabellose Mäuse nicht untypischer Sachverhalt, da mit der vorhandenen Energie sparsam umgegangen wird. Logitech indes bewies mit dem Hero-Sensor, dass Hochleistung und geringer Verbrauch durchaus kombinierbar sind – in der G305 auch zum günstigeren Preis. Im Rahmen menschlicher Wahrnehmung sind seichte Unterschiede zu PixArts PMW-3391 demnach zwar feststellbar, doch auch der PMW-3325 liefert durchweg gute Ergebnisse.

Tests der Sensoreigenschaften

Die höheren Auflösungen bieten keinen Mehrwert

Nutzer sollten sich jedoch nicht von den nunmehr weiter gestiegenen Sensorauflösungen blenden lassen: Überstieg der über die letzten Jahre als High-End-Referenz etablierte Wert von maximal 16.000 Punkte pro Zoll bereits den Rahmen der sinnvollen Anwendbarkeit, bringen auch weitere 2.000 dpi keinen Mehrwert: Falls die Mauseinstellungen des Betriebssystems nicht ad absurdum verstellt und ein Dutzend UHD-Monitore nebeneinander in Gebrauch sind, verliert sich bei solch hohen Empfindlichkeiten auf Grund der Limitierung durch den Anwender selbst jeglicher Vorteil des akkuraten Sensors.

Zwar ist das technisch Gebotene durchaus beeindruckend, doch hebt es den PMW-3391 nicht über die Konkurrenz. Somit steht zugunsten der Präzision auch weiterhin die Empfehlung, je nach Anzahl der vorhandenen Bildpunkte Auflösungen im unteren vier- oder oberen bis mittleren dreistelligen Bereich zu wählen.

Anschluss und Stromversorgung

Der Anschluss aller drei Mäuse erfolgt über ein rund 180 cm langes USB-Kabel mit Textilumwicklung, die zwar optisch und hinsichtlich Haltbarkeit zu gefallen weiß, aber insbesondere bei der Ironclaw RGB recht starr ausfällt. In Kombination mit der stark gebogenen Position des Kabels in der Verpackung resultiert diese Eigenschaft unter Umständen in eine Beeinflussung der Gleiteigenschaft des jeweiligen Eingabegeräts.

Sperriger Anschluss bei der Harpoon RGB Wireless

Während die M65 RGB Elite bereits durch die gesteigerte Elastizität des Kabels gegenüber dem der M65 Pro RGB profitiert, lässt sich der unerwünschte Nebeneffekt bei der Harpoon RGB Wireless selbstredend gänzlich umgehen, indem das Kabel abgenommen wird. Angeschlossen wird dieses am Eingabegerät mit einem Micro-USB-Anschluss, der allerdings mit einer äußerst sperrigen Verkleidung versehen ist. Die Buchse der Maus indes ist weit eingeschoben unterhalb des Mausrads versteckt, sodass fast nur das mitgelieferte Kabel passt. Eine Kompatibilität zu anderen Steckern des Standards ist bei der Harpoon RGB Wireless demnach völlig unbegründet häufig nicht gegeben, sofern die Verkleidung ausladender ausfällt.

Das Kabel stellt auch die einzige Möglichkeit zum Aufladen des 850 mAh starken proprietären Akkus dar. Nach abgeschlossener Ladung liefert das Eingabegerät laut dem Datenblatt bei aktivierter Beleuchtung rund 30 Stunden Akkulaufzeit, sofern auf die Verbindung per 2,4-GHz-Funk zurückgegriffen wird; bei einer Bluetooth-Verbindung sind es ungefähr 40 Stunden. Mit aktiviertem Energiesparmodus und dem damit einhergehenden Verzicht auf die Beleuchtung kann zudem eine abermals verlängerte Laufzeit von maximal 60 Stunden erreicht werden. Die Ladezeit des Akkus beläuft sich indes auf rund zwei Stunden.

Befriedigende Akkulaufzeit bei gutem Gewicht

In der Praxis bewiesen sich die Angaben als durchaus realistisch, auch das automatische Energiesparsystem arbeitet zuverlässig: Ein Abschalten der Maus ist grundsätzlich nicht notwendig, bei fehlender Bewegung wird das Eingabegerät in den Ruhestand versetzt. Nach einer konfigurierbaren Zeit – ab Werk sind es 15 Minuten – geht die Harpoon RGB Wireless zudem in den Schlafmodus über. Eine Reaktivierung erfolgt dann allerdings mit wenigen Sekunden Verzögerung.

Positiv herausstechen kann die kabellose Harpoon demnach nicht – Logitechs G305 beispielsweise bietet bei identischem Gewicht von 99 Gramm rund 250 Stunden Laufzeit, obgleich AA-Batterien genutzt werden. Negativ beurteilen lässt sich die Harpoon diesbezüglich aber ebenfalls nicht: Auch abseits der Existenz anderer Mäuse, die bei höherem Gewicht niedrigere Laufzeiten bieten, können ein bis zwei Ladevorgänge die Woche bei reger Verwendung nicht als störend empfunden werden.

Ohne Latenzeinbußen bei 2,4 GHz

Ein Unterschied bei der Signalverzögerung oder Präzision zwischen der Verwendung mit 2,4-GHz-Funk und dem kabelgebundenen Betrieb existiert im Rahmen der menschlichen Wahrnehmung nicht; in beiden Fällen beträgt die maximale Latenz im Betrieb eine Millisekunde.

Mit Bluetooth hingegen leidet die Verbindungsqualität: Unter Bluetooth LE 4.2 beträgt die Verzögerung mindestens 7,5 Millisekunden; Bluetooth 4.0 wird als Minimalanforderung vorausgesetzt.

Zur Verwendung in Spielen empfiehlt sich die energiesparende Bluetooth-Verbindung demnach nicht. Corsair bewirbt die zusätzliche Verbindungsmöglichkeit indes als Möglichkeit, nahtlos zwischen Desktop-PC und Laptop zu wechseln. Das funktioniert in der Tat problemlos, wenngleich bei jedem Wechsel der Schalter auf der Unterseite des Eingabegeräts betätigt werden muss: Eine gleichzeitige Verwendung an mehreren Rechnern, wie sie etwa Logitechs Flow (Test) bietet, ist nicht möglich.

Auf der nächsten Seite: Corsairs iCUE-Software